Youth Brigade Festival, FZW Dortmund, 14.07.2017

Kleine Festivals für wenig Geld sind immer eine tolle Sache – wenn die Bands dann noch so überzeugen können wie beim Youth Brigade, kann man sich eigentlich nichts Schöneres vorstellen. Neben hochkarätigen Headlinern wie Love A und Liedfett stand das Festival hauptsächlich im Zeichen von frischen Newcomer-Bands aus diversen Musikrichtungen. Ob nun linksorientierter Hip-Hop von Waving the Guns, Metalcore von As You Left oder Schrammelpunk von Blue Chips To Eat, hier war wohl für die meisten etwas dabei!

Jedoch ist aller Anfang schwer und so zeigte sich auch der Start in den Festivaltag als kompliziert: Neeva mussten kurzfristig absagen, Wonk Unit konnten erst viel später erscheinen – der Zeitplan verschob sich komplett und auch der Beginn verzögerte sich. Danach jedoch konnte das Festival problemlos stattfinden, auf allen 3 Bühnen des FZWs traten von circa 18 Uhr bis 1:30 ununterbrochen Bands auf, von denen die meisten absolut ablieferten. Zu noch recht früher Stunde konnten uns Varan überzeugen, dessen Sänger stimmlich teils sehr an Feine Sahne Fischfilet denken ließ, dessen Musik jedoch eher in Richtung Post-Hardcore schielt. Präsentiert wurden hier drastische deutsche Texte, die vom Sänger sehr emotional herausgeschrieen wurden. Ein Mal die Halle gewechselt, schon landet man im Metalcore und bei Elements aus Bochum, die genau so gut abliefern. Sehr geschmackssicher wird hier mit Shouts, schönen Gitarren und abwechslungsreicher Schlagzeugarbeit eine interessante und gar nicht peinliche Variante des Genre geboten. Nach diesem recht lauten Start bringen Vice Atlantic eine angenehme Abwechslung: moderner Emo mit Melodien, die direkt ins Ohr gehen. Insbesondere konnte die junge Band überzeugen, wenn die Stimme des Sängers Dennis Losch ins Schreien abdriftet, um direkt im Refrain wieder melancholisch zu werden. Auch die Alternative-Rocker von Flash Forward legten einen genialen Auftritt hin – das Publikum ließ sich schnell mitreißen, auch die Band schien sichtlich Spaß zu haben. Vor allen Dingen der neue Song „Perfectionist“ kam gut an und lässt das neue Album mit Spannung erwarten.

Unser absolutes Highlight kam jedoch aus Berlin – die Band Prada Meinhoff (Bild), bestehend aus Sängerin Chrissi Nichols und Bassist René Riewer bot den wohl besten Auftritt des Tages. Beide Musiker*innen sind mit so unglaublicher Bühnenpräsenz ausgestattet, dass gar keine restlichen Bandmitglieder nötig wären. Vergleichbar ist die Musik der Band mit kaum einer anderen Band. Auf Grund der Besetzung mag man wohl noch am ehesten an The Kills denken, Prada Meinhoff hat aber auf jeden Fall jetzt schon einen ganz eigenen Sound gefunden. Der treibende Bass harmoniert perfekt mit den deutschen Texten und der gesanglichen Darbietung der Sängerin. Nach anfänglicher Skepsis ist schnell der ganze Club mitgerissen und tanzt, die Euphorie ist von beiden Seiten zu spüren. Momentan gibt es im Bereich der deutschsprachigen Popmusik wohl kaum eine Band, die eine derart radikale Form dieses Genre spielt – da kommt sicherlich noch einiges auf sie zu!

Zu später Stunde konnten schließlich die Headliner die Bühne betreten. Zuerst brachten Liedfett das Publikum zum Tanzen und Hüpfen. Mit der besonderen Harmonie zwischen den zwei Sängern, dem akustischen Punk und Songs, die direkt zum Mitsingen einluden, brachte die Band eine tolle Show, an der nichts auszusetzen war. Ähnlich euphorisch waren die Zuschauer*innen auch beim zweiten Headliner Love A, der auf Grund der großen Nachfrage in die größte Halle umsiedelte. Eine recht angeschwipste Band betrat die Bühne – und konnte mit alten und neuen Songs punkten. Viele Fans brüllten dem Sänger jedes Wort entgegen und trotz der teils sehr ernsten Texte glich die Halle weniger einem melancholischem Haufen als einer kleinen Party. Die Veranstalter*innen haben wirklich ein geniales Festival für einen unglaublich niedrigen Eintrittspreis von 5 Euro an der Abendkasse geboten. Das einzige Manko: es gab keine Garderobe! Ansonsten konnte man den Besucher*innen und Bands ansehen, dass sie allesamt mitgerissen waren. Außerdem wünschen wir den vorgestellten Bands, aber auch den anderen viel Erfolg, denn so viel Potential wie an diesem Tag haben wir lange nicht mehr gehört!

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Bildrechte liegen bei Julia Köhler.

 

 

 

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