Interview mit Moglii!

Warme, elektronische Klänge, verzerrte Vocals und irgendwo der Sound einer Kaffeemaschine: So hört sich das an, wenn Simon Ebener-Holscher (solo aka „Moglii“) Musik macht. Auf dem MS Dockville-Festival nahm sich der Düssedorfer Producer und Sänger Zeit für ein Interview.

minutenmusik: Du hattest schon gestern deinen Auftritt. Wieso bleibst du noch die restlichen Festival-Tage?

Moglii: Ich bin mit ein paar Freunden hier. Der Deal war quasi, dass ich für eine kleine Gage spiele, dann aber noch ein paar Tage mit meinen Freunden auf dem Festival sein kann. So kann ich mir auch noch die anderen Bands angucken. Solche Festivalbesuche sind eigentlich perfekt. Man wird durch andere Bands inspiriert und hat irgendwie eine Idee, wenn man nach Hause kommt.

minutenmusik: Bei vielen geht es mit der Musik los, wenn die Eltern ihnen ein Instrument in die Hand drücken. Wie bist du zu deiner Musik gekommen? Haben dir deine Eltern damals einen einen Synthesizer hingestellt?

Moglii: Also ich habe Klavierunterricht genommen, seit ich sechs bin. Dann habe ich Jazz Klavier gespielt und recht früh hatte ich auch eine Synthesizer Workstation. Da gab es auch Streicher drin, also alle möglichen Sounds. Man hat das damals halt noch auf Diskette aufgenommen. Ich glaube, darüber bin ich dann auch ein bisschen an das Produzieren gekommen. Wodurch das aber genau gekommen ist, weiß ich nicht. Ich fand, diese Elektro Szene, die 2006 aufgekommen ist mit Justice und Boys Noize, sehr geil. Vielleicht kam das auch daher.

minutenmusik: In deiner Musik verwendest du auch Alltagsgeräusche, beispielsweise das Geräusch von Einkaufstüten, oder das einer Kaffeemaschine. Wieso machst du das?

Moglii: Es entsteht eine schöne Räumlichkeit, wenn man diese Geräusche runterpitscht, verstärkt oder verlangsamt. Wenn es zum Beispiel ganz nah an den Ohren knistert, die Stimme aber ganz weit im Hall ist, dann entsteht diese räumliche Distanz. Dieser Kontrast ist spannend. Und es ist, glaube ich, wichtig, dass man einen eigenen Sound hinkriegt.

minutenmusik: Du erschaffst mit deiner Musik immer eine Art Fantasiewelten. Was für Bilder kommen dir selbst in den Kopf, wenn du deine Musik hörst?

Moglii: Konkrete Bilder habe ich, glaube ich, nicht im Kopf. Aber von den Gefühlszuständen her ist es oft eher warm, mit einer Prise Melancholie und nie sehr deep. Ich habe das letztens im Gespräch mit meiner Mitbewohnerin herausgefunden, die auch Crystal Castles hört. Das ist viel kälter und viel tiefer und handelt von den bösen Seiten des Mensch Seins. Gewalt spielt da eine Rolle. Meine Musik bleibt eigentlich freundlich und verspielt. Deswegen ist es von den Bildern her eher: Man liegt so am Strand, am Meer. Was halt schön ist. (…) Außerdem finde ich es cool, wenn Musik abwechslungsreich ist. Ich weiß nicht, ob ich das schon zu 100 Prozent schaffe. Ich versuche aber immer möglichst viele Elemente in die Songs reinzubringen. Dann muss man sie eigentlich mehrmals anhören, um alles gehört zu haben.

minutenmusik: Wenn du spielst, kann man im Publikum immer schön mit ansehen, wie sehr du in deiner Musik aufgehst. Was ist das beste, was innerhalb eines Publikums an einem Abend passieren kann?

Moglii: Ich bin immer schon sehr dankbar, wenn die Leute mit geschlossenen Augen da stehen und es sich nur anhören. Mir ist egal, ob die Leute tanzen. Ich würde nicht sagen, es war ein schlechter Auftritt, nur weil die Leute nicht Moshpit machen.

minutenmusik: Gab es eine seltsame Location, wo du einmal spielen solltest, du aber ankamst und dachtest: „Hilfe, wie soll ich hier bloß Musik machen?“

Moglii: Das war mit meiner Band Moglebaum in einer öffentlichen Toilette. Die Pissoires waren sogar noch da, auch wenn die Wasseranschlüsse fehlten. Wir haben uns quasi so halb in die Pissoires gestellt, zum Glück war alles sauber gemacht. Aber es war mega klein und die 100 Leute, die kamen, haben sich mega gedrängt und standen bis draußen, ohne viel mitzubekommen. Wir hatten zwei Supwoofer, also eine komplett überdimensionierte Soundanlage. Das waren auf jeden Fall die schwierigsten Vorraussetzungen, weil ja alles verkachelt war. Das klingt schrecklich.

minutenmusik: Wenn du mal nicht solo, sondern zum Beispiel zusammen mit der Sängerin Nova, auf der Bühne stehst: Wie ist das für dich?

Moglii: Mit Nova mag ich es sehr, live zu spielen. Wir waren jetzt schon ein paar Mal im Ausland, einmal in Indien und einmal in Bulgarien. Das waren coole Reisen, wo wir sehr spannende Leute kennen gelernt haben und bei Festivals mitspielen durften. Nova ist etwas ruhiger, sie ist sehr konzentriert, sehr fokussiert und professionell. Mit Moglebaum ist es sehr experimentfreudig, wie ein großer Freundeskreis.

minutenmusik: Inwiefern haben sich die Festivals im Ausland zu denen hier unterschieden?

Moglii: Natürlich erstmal in der Kultur, die in dem Land vorherrschend ist. Da gab es ganz andere Herangehensweisen von Veranstaltern. Hier beim Dockville ist alles krass organisiert, alles getaktet. In Indien haben wir erst zwei Stunden später angefangen, weil der Tontechniker noch nicht die Anlage eingestellt hat. Das war dann auch egal, weil die Stimmung immer sehr gut war. Damit muss man als Deutscher schon umgehen, aber ich finde das eigentlich sehr spannend.

minutenmusik: Habt ihr dann schon eine Fanbase in den Ländern?

Moglii: Eine kleine. Das coole an SoundCloud und Spotify ist ja, dass man das überall hört. Bei „Moglii“ habe ich zum Beispiel gerade gesehen, dass Mexiko nach den USA und Deutschland unser größter Hörer ist. Keine Ahnung, wie das da hingekommen ist.

minutenmusik: Wenn du es auf zwei Wörter herunterbrechen sollst – was gibt dir das Musik machen?

Moglii: Zufriedenheit und Erfüllung.

Übrigens: Ab dem 15. September kommt die neue EP seiner Band Moglebaum raus.
Für die, die Mogliis Musik noch nicht kennen, gibt es hier noch ein Video zum Reinhören:

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