Interview mit Trade Wind über Hardcore!

Interview mit Trade Wind

Trade Wind, so nennt sich das Zweitprojekt von Jesse Barnett, Frontman der Hardcore Band Stick To Your Guns und Tom Williams, Gitarrist von Stray From The Path. Dabei zeigen sich die beiden Musiker, mit melancholischen Texten und ruhigen Melodien, von einer durchaus ruhigeren Seite. Wir haben uns mit den beiden vor ihrer Show in Leipzig getroffen und über die Hardcore Szene, schwierige Kindheitsgeschichten und die besondere Aufgabe, der jungen Generation geredet.

minutenmusik: Schön euch zu sehen. Jesse, es ist gar nicht lange her, dass du in Leipzig warst. Zuletzt hast du mit Stick To Your Guns auf dem Impericon Festival gespielt. Wie habt ihr eure Zeit heute hier verbracht?

Jesse: Leider haben wir heute gar nichts in Leipzig unternommen, da unser Bassist heute Morgen total krank aufgewacht ist und wir erstmal ins Krankenhaus fahren mussten.

minutenmusik: Ja, stimmt. Wir konnten das auf Instagram verfolgen.

Jesse: (lacht) Wir sollten eigentlich nicht darüber lachen, aber es ist wirklich witzig, dass wir extra in die Notaufnahme fahren mussten. Leider sind wir deswegen auch viel zu spät an der Location angekommen und hatten so gar keine Zeit mehr durch die Stadt zu laufen. Das fand ich echt schade, denn ich liebe es hier in Leipzig zu sein. Aber wir freuen uns trotzdem auf heute Abend.

minutenmusik: Jesse, dich sieht man normalerweise mit Stick To Your Guns auf der Bühne und Thomas ebenso mit Stray From The Path. Euer Zweitprojekt Trade Wind zeigt euch nun von einer viel ruhigeren Seite. Was hat euch dazu gebracht, solch eine Band zu gründen? Versucht ihr eine Seite von euch zu zeigen, die ihr mit Hardcore nicht zum Ausdruck bringen könnt?

Jesse: Als wir damals unseren ersten Song rausbrachten, waren viele Leute total überrascht, welchen Stil wir mit Trade Wind eingegangen sind und auch wir waren total überwältigt, dass so ein Projekt so viel Aufmerksamkeit bekommen hat. Ich glaube aber, dass das auch daher kommt, dass die meisten Fans uns aus dem Hardcore Genre kennen und sie plötzlich bemerkt haben, dass wir auch anderes können. Doch ich will nicht, dass die Leute nur wegen Stick To Your Guns und Stray From The Path auf unsere Konzerte gehen. Trade Wind ist ein Projekt, welches groß genug ist, um alleine bestehen zu bleiben. Es ist einfach mal etwas anderes für uns.

Tom: Zumal die Band zu Beginn auch nur aus uns Beiden bestand.

Jesse: Genau, das stimmt. Später kamen Andrew und Randy dazu. Randy ist ein Genie, er hat einige Songs für die Band geschrieben.

minutenmusik: Gibt es eine Band, welche euch im Bezug auf Trade Wind inspiriert?

Thomas: Nein, ich würde sagen nicht. Die meisten Ideen kommen von uns selbst. Zumal unsere Gründungsgeschichte auch ziemlich lustig ist. Vor einigen Jahren zum New England Metal and Hardcore Festival in Massachusetts, lief Jesse an mir vorbei, ich fragte ihn, wie es im ginge und plötzlich sagte ich: „Hey Jesse, was hältst du davon, eine Band zu gründen?“. Jesse meinte darauf nur „Warum nicht“ und plötzlich saßen wir zusammen, um Songs zu schreiben.

minutenmusik: Jesse, immer wieder sagt man, dass jeder deiner Auftritte einzigartig ist. Du hast zu vielen Dingen eine klare und menschliche Einstellung. Woher nimmst du diese ganze positive Energie?

Jesse: (lacht) Das ist eine gute Frage, denn eigentlich beginne ich schon mit dem Aufstehen alles zu hassen. Doch ich sage das immer wieder in so vielen Interviews. Da gibt es einen Rapper, der sagte einmal „My music is a better person than I am.“ und ich liebe diesen Spruch. Die Musik, die ich mit Stick To Your Guns mache, zeigt den Menschen, der ich sein möchte und wenn ich dann mit der Band auf der Bühne stehe, fühle ich, dass es genau das ist, was ich immer sein wollte. Ich kann auf mich selbst herunter Blicken und merke, wie das alles mich zu einem besseren Menschen macht.

minutenmusik: Auf deinen Shows sprichst du außerdem oft über deine Jugend und Dinge, welche zu dieser Zeit von dir erwartet wurden. Im Nachhinein, hat sich das für dich aber zum Großteil als falsch herausgestellt. Was hast du aus dieser Zeit mitgenommen und was würdest du nun Jugendlichen heutzutage mit auf den Weg geben wollen?

Jesse: Meine Eltern hatten immer Angst um mich, mein Vater war nie da und ich wusste nie warum. Meine Mutter wollte immer, dass es uns gut geht und wir keinen Mist bauen. Doch mein Bruder und ich taten immer das, worauf wir Lust hatten, da färbten wir uns auch einfach mal die Haare grün oder pink, weil es uns egal war. Doch diese Einstellung kam zu Hause nicht gut an. Ich bin nicht nur früh von der High School geflogen, sondern auch zu Hause von meinen Eltern rausgeschmissen wurden. Das hat mich damals sehr verärgert, ich war sauer auf meine Mutter, weil sie sauer auf mich war und eigentlich wollte sie nur, dass ich einfach nicht da draußen sterbe. Doch ihren Ärger kann ich verstehen. Ich kenne keine Mutter, die zulassen würde, dass ihr Kind die Schule schmeißt, um eine Band zu gründen und auf Tour zu gehen. Wir haben alle Fehler gemacht, aber manchmal waren die auch gut.

minutenmusik: Wie seht ihr eure Bands, in einer Zeit, in der Hardcore mehr und mehr kommerziell wird?

Tom: Solange wir Musik für uns machen, welche uns gefällt, ist es eine gute Sache. Es fällt heute nicht mehr so schwer, schnell Aufmerksamkeit zu gewinnen. Die Dinge verbreiten sich schneller. Natürlich steigen Preise für Tickets, jedoch nicht weil wir als Band mehr Gewinn machen wollen, sondern eher, weil größere Locations und lange Anreisen aufwendiger sind. Umso mehr Leute unsere Musik für sich entdecken, umso teurer werden unsere Shows. Das ist eigentlich total verrückt.

Jesse: Oft vergessen die Leute, dass wir auch nur Menschen sind, die sich ihren Lebensunterhalt genauso verdienen müssen. Chris, unser Gitarrist hat ein Baby. Wir wollen niemanden das Geld aus der Tasche ziehen, es kostet einfach alles viel. Nanouk, der unser Booking macht, ist einer der fairsten und besten Menschen da draußen. Es würde niemals sein Ziel sein, nur unglaublich viel Geld zu machen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Tour mit Stick to Your Guns in Australien. Die Shows waren zu 80% ausverkauft und ich habe in dieser Zeit keinen einzigen Dollar verdient. Ganz einfach, weil alles so unglaublich teuer war. Es war unglaublich.

In Europa finde ich das ganze wirklich interessant. Hier geht es eher darum, dass immer mehr Menschen von der Hardcore Szene beeindruckt sind. Da muss ich nur auf das Impericon Festival in Leipzig zurückschauen. Wir haben da vor 10000 Leuten gespielt. Ich konnte das Selbst nicht glauben, als ich auf die Bühne gestiegen bin.

minutenmusik: Mit der Tatsache, dass Hardcore einen immer größeren Zuwachs bekommt, entstehen auch immer mehr neue Bands. Neben vielen kleinen, guten Bands ,gibt es auch schlechte Bands die vielleicht ein falsches Bild der Hardcore Szene vermitteln. Wie steht ihr dazu?

Jesse: Hier ist es die Aufgabe der in der Szene aktiven Generation, den jüngeren zu zeigen, was Hardcore bedeutet. Man muss darüber diskutieren, sich gegenseitig neue Bands zeigen und wenn das nicht passiert, geht die Hardcore Szene unter. Es liegt an den Menschen dahinter. Manchmal zeigt Hardcore das Bild einer großen Familie, aber manchmal zeigt es leider auch das Bild von Gewalt. Hardcore ist aber einfach mehr als Musik.

minutenmusik: Wo wir eben bei Newcomer Bands waren, gibt es da eine Band, der ihr den großen Erfolg derzeit gönnen würdet?

Tom: Knocked Loose, denen würde ich es auf jeden Fall gönnen. Sie stehen zu dem, was sie machen und verstellen sich nicht. Das finde ich beeindruckend.

minutenmusik: Um euch scheint ja scheinbar auch was zu passieren. Vor einiger Zeit habe ich den den Song „All of Me“ von Language“ entdeckt, dem du Jesse, deine Stimme geliehen hast. Werden wir davon noch mehr hören?

Jesse: Das war eigentlich ein einmaliges Projekt, ich bin derzeit neben Trade Wind total in der Arbeit mit neuen Songs für Stick to Your Guns, da wird bald was passieren, doch mehr kann ich noch nicht sagen.

minutenmusik: Wir werden gespannt warten. Danke, dass ihr euch Zeit genommen habt, man sieht sich bei der Show!

Und so hört sich das an:

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Foto aus Köln von Jonas Horn.

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