Interview mit Vintage Trouble!

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Mit ihrer “urban soul music” waren Vintage Trouble aus Kalifornien kürzlich im ausverkauften Luxor in Köln zu Gast. Vorab hatten wir noch die Gelegenheit, mit Gitarrist Nalle Colt über die bisherige Entwicklung der Band und die intensive Einbindung des Publikums auf den Konzerten zu sprechen. Über brandneue Studioaufnahmen und geplante Veröffentlichungen haben wir uns natürlich auch unterhalten.

Vintage Trouble

minutenmusik: Hallo, Nalle! Nachdem ihr gestern beim Holland International Blues Festival aufgetreten seid, beginnt heute eure große Deutschlandtour. Das Konzert in Köln ist schon seit Wochen ausverkauft… Wie läuft es für Vintage Trouble?

Nalle: Es läuft richtig gut. Ich wünschte mir, wir würden an einem größeren Ort spielen. Es ist schon so lange ausverkauft! Es wäre schön, an einem etwas größeren Flecken aufzutreten, aber auch so fühlt es sich großartig an. Wir sind in der Tat sehr froh darüber, in Deutschland zu sein. Wir gehen hier ja schon seit einer Weile auf Tour, seit ein paar Jahren, aber mir kommt es so vor, als hätte es vor zwei Jahren eine bedeutende Veränderung geben, als wir mit AC/DC auf Tour waren… Da gab es eine große Veränderung, was das Publikum angeht. Es fühlte sich so an, als könnten wir die Größe der Räume fast verdoppeln. Es ist toll, den ganzen Zuspruch der AC/DC-Fans zu erfahren.

minutenmusik: Was hat sich seit der Veröffentlichung eures Debütalbums vor etwa sechs Jahren sonst noch so an eurer Situation als Band verändert?

Nalle: Eine Menge! Als wir die Band zusammenstellten, spielten wir nur in Los Angeles. Wir sind jetzt sieben Jahre zusammen, ein Jahr lang spielten wir halt nur in Los Angeles… Und wir hatten alle verschiedene Backgrounds, Musikstile. Als wir das Album machten, auf das ich sehr stolz bin, war das ein besonderer Moment. Es war einfach eine so rohe Sache, wir haben es einfach angepackt! Und wir hatten Glück… Es ist eine erstaunliche Reise, jetzt sind wir seit sechs Jahren rund um die Welt auf Tour, wieder und wieder und wieder! Die Erfahrungen von all den Orten verändern dich. Ich denke, es hat uns wirklich verbunden. Wir haben neue Wege gefunden, Musik zu machen. Jetzt haben wir der Band sogar einen Keyboard-Spieler hinzugefügt, was wirklich gut ist! Das ist für mich als Gitarristen schön, da bekommt man ein paar mehr Harmonien.

minutenmusik: Mehr Background…

Nalle: Ja, genau! Wir haben eine tolle Zeit.

minutenmusik: Gab es irgendwelche Steine, die ihr aus dem Weg räumen musstet, um da anzukommen, wo ihr jetzt seid? Irgendwelche Schwierigkeiten?

Nalle: Wahrscheinlich unsere privaten Angelegenheiten. Es ist schwierig, in einer Band zu sein. Es ist wie eine Ehe. Du siehst, wie wir leben. Du bist gerade in unserem Tourbus, hier in diesem Bus wohnen elf Leute, die ganze Zeit zusammen! Wir touren zwei Monate! Das wird schon sehr heftig. Wir lernen also am meisten darüber, respektvoll miteinander umzugehen und aufeinander Acht zu geben. Es ist schon ein bisschen schwer, die ganze Zeit zu touren. Die Leute denken, da geht es nur um Rock ‘n’ Roll und Groupies, aber da gibt es eine Menge Arbeit.

minutenmusik: Ihr seid wenig zu Hause…

Nalle: Ja, in den letzten sechs Jahren waren wir im Grunde um die neun Monate im Jahr unterwegs, eine lange Zeit.

minutenmusik: Neben eurer Verpflichtung bei AC/DC habt ihr auch für Brian May als Vorband gespielt. Noch dazu standet ihr mit ihm selbst auf der Bühne! Das war sicherlich auch eine tolle Erfahrung.

Nalle: Ja, wir sind mit Brian May getourt, fast einen Monat lang. Das war wunderbar, es war so ziemlich unsere erste Tour überhaupt

minutenmusik: Da wart ihr noch eine richtig junge Band.

Nalle: Genau, vor sechs Jahren. Und gleich danach riefen Bon Jovi an. Wir spielten eine ganze Stadiontournee mit ihnen. Und danach haben wir eine gewaltige Tour mit Lenny Kravitz gemacht. Joss Stone, The Rolling Stones… und eine riesige Tour mit The Who, zweiundfünfzig Shows! Es war so großartig für uns, das alles aufzunehmen und diese Leute zu treffen, die seit vierzig Jahren im Geschäft sind und alles ausverkaufen. Sich mit ihnen hinzusetzen und sich zu unterhalten, ihre Köpfe zu erschließen – wie sie denken, wie sie es machen -, das war gut.

minutenmusik: Eine unglaubliche Gelegenheit.

Nalle: Ja, der Traum eines kleinen Jungen.

minutenmusik: Kommen wir zu euren eigenen Konzerten! Euer Sänger Ty bezeichnet eure Show ja gerne mal als Tanzparty. Ist es das, was man in erster Linie von euch erwarten kann, oder ist das nur ein Aspekt eurer Performance?

Nalle: Wir haben das Publikum immer als unser fünftes Mitglied betrachtet. Seit wir mit den Auftritten angefangen haben – und wir haben gleich von Anfang an Liveauftritte gemacht – war das eine Sache, auf die wir uns abgestimmt hatten. Dass wir das Publikum in die Energie einbinden wollten – anstatt ein Publikum da zu haben, das einfach nur einer Band zuhört.

minutenmusik: Das Publikum wird zu einem Teil der Kunst.

Nalle: Exakt! Da gibt es eine Menge „Call and Response“ und Tanzerei. Für mich geht es einfach darum, die Energie zu teilen, Leute im Publikum zu finden, mit denen ich Kontakt herstellen kann. Für uns sind die Zuhörer bei den Liveshows richtig wichtig, sie sind für mich wirklich das fünfte Bandmitglied.

minutenmusik: Wer von euch schreibt eigentlich die Setlist?

Nalle: Wir haben üblicherweise eine Kern-Setlist, auf die wir uns gemeinsam verständigen. Dann haben wir noch so um die zehn Songs zur Veränderung, die wir in die Setlist aufnehmen oder streichen können. Es kommt ein bisschen darauf an, wo wir sind und für welche Art von Publikum wir spielen. Für gewöhnlich wählt Ty, unser Leadsänger, diese Songs dann aus. Er muss sie singen, er hat den härtesten Job. Ich kann immer meine Saiten wechseln, aber er muss singen, das ist viel schwieriger. Also macht er das.

minutenmusik: Viele Bands werden heutzutage als „Retro-Bands“ bezeichnet, wenn sie musikalische Elemente verwenden, die schon vor Jahrzehnten angesagt waren. Was denkst du darüber, wenn ihr als „retro“ etikettiert werdet?

Nalle: Ich war nie ein großer Fan von dem Wort. Ich weiß, dass es eine Weile lang zu einer Art Mode wurde… Als wir uns trafen, hatten wir alle verschiedene Vorgeschichten, also war es zu Beginn unser Hauptbestreben, etwas zu finden, das uns alle verband. Für uns war das der Rock ‘n’ Roll der frühen Fünfziger: Sister Rosetta Tharpe, Chuck Berry, Little Walter and Muddy Waters. An dieser Energie war irgendetwas richtig gut. Somit haben wir es irgendwie daran angelehnt, aber wir hören alle möglichen Arten von Musik. Ich denke, dass man viel davon in unserer Musik hören kann. Man kann sogar 70er-Rock hören und schonungslos moderne RnB-Musik. Ich will nicht als eine „Retro-Band“ gekennzeichnet werden. Ich weiß, dass uns die Leute manchmal in diese Kategorie stecken wollen. Ich meine: Rockmusik wird immer auf Schlagzeug, Bass und Gitarre basieren – und Leute nennen das „retro“. Ich weiß nicht… das ist dann im Grunde jede Band. (lacht)

minutenmusik: Aber würdest du deine Band im Allgemeinen als „modern“ bezeichnen?

Nalle: Ich würde unsere Musik als Soulmusik, sowas wie „urban soul music“ bezeichnen. Es fühlt sich danach an, dass wir viel um die Welt reisen… (überlegt) Ja, urban soul music ist gut! So fühlt es sich an, was wir sind und was wir tun. Wir sind ein Teil der Straße, wir touren so viel und fühlen uns mit den Leuten verbunden. Ich höre eine Menge moderne Musik, die ganze Zeit!

minutenmusik: Musst du beim Schreiben neuer Musik viele Kompromisse eingehen, Ideen aufgeben, die den anderen Bandmitgliedern nicht gefallen?

Nalle: Ja, wir sind vier Jungs und alle sehr willensstark. Wir haben jetzt viel gelernt darüber, wie ein Song aussehen sollte, in welche Richtung es gehen sollte, wo man ein bisschen durchdrehen darf, wo man eher im Format bleiben sollte. Wir sind eigentlich gerade erst aus dem Studio gekommen, wir waren auf den Kaimaninseln und haben was aufgenommen. Es war unglaublich. Wir gingen in dieses Haus da und haben unser Camp für zehn Tage aufgeschlagen, jeden Tag aufgenommen. Es war interessant. Wir hatten einen jüngeren Produzenten. Ich würde sagen, er hat eher mit sehr poppiger Musik zu tun, aber es war dann lustig mit uns, es war alles ein bisschen roh und unkontrollierbar, es hat Spaß gemacht! Ich denke, das hat wirklich mal etwas anderes aus uns herausgeholt.

minutenmusik: Hörst du dir deine eigenen Platten oft an?

Nalle: Das tue ich! Wenn wir mit einer Platte fertig sind, nehme ich normalerweise ein wenig Abstand davon, weil wir dann so viel live spielen. Man will sich gewissermaßen mit der Live-Version verbinden. Wir nehmen die Songs üblicherweise als Herzstücke auf und live müssen die Arrangements verändert werden, aber nach vielleicht einem Jahr mag ich es sehr, mich wieder in die alte Platte reinzuhören. Man denkt sich so: „Oh, mein Gott! Das ist ja wirklich gut. Ich weiß gar nicht, warum ich das so gehasst habe.“ (lacht) Sie bedeuten mir viel, ich bin stolz auf jede Platte, die wir gemacht haben.

minutenmusik: Hast du ein gutes Gespür für die Reaktionen, die ein neuer Song nach Veröffentlichung bei eurem Publikum hervorrufen wird? Kannst du gut vorhersagen, welche Songs die beliebtesten sein werden?

Nalle: Das weiß man nie. Üblicherweise haben wir Leute, die wir „taste makers“ nennen, mit denen wir die Songs teilen, bevor sie veröffentlicht werden. Wir schauen, wie die Reaktionen sind. Unser Management ist darin auch echt gut. Man weiß es echt nie. Sobald es aber mit der Tour losgeht, weiß man ziemlich schnell, welcher Song eine Bindung schafft. Wenn ein Song nicht richtig funktioniert, wir ihn aber wirklich mögen, ändern wir normalerweise einfach das Arrangement und schauen uns an, ob er dann live besser ankommt. Es ist ein andauerndes Probieren, „push and pull“, der Versuch, es richtig zu machen.

minutenmusik: Können wir nächstes Jahr die Veröffentlichung neuen Materials erwarten?

Nalle: Ja, wir schreiben immer. Viele dieser Songs, die wir jetzt aufnehmen, haben wir ja noch nicht veröffentlicht. Wir haben gerade „Knock Me Out“ veröffentlicht, aber im Grunde sitzen wir gerade auf einer ganzen Platte. Es ist gerade eine merkwürdige Zeit, was Albumveröffentlichungen angeht. Für mich fühlt es sich so an, dass da nur zwei oder drei Songs Aufmerksamkeit bekommen, wenn du ein Album veröffentlichst, und der Rest wird irgendwie vergessen. Denn denk mal darüber nach, wann du das letzte Mal ein ganzes Album gekauft hast… Es scheint seltener und seltener zu werden, dass sich die Leute ganze Alben holen. Wir haben darüber gesprochen, vielleicht eine Weile lange Singles zu veröffentlichen, bis zum Jahresende. Du wirst also viele neue Songs hören, wir werden ziemlich bald einen neuen Song namens „Battle’s End“ veröffentlichen, den wir auf dieser Tour spielen, und einen anderen Song, der am Ende der Tour kommt.

minutenmusik: Wird es nach dieser umfangreichen Tour länger dauern, bis ihr nach Deutschland zurückkehrt?

Nalle: Da bin ich mir gar nicht so sicher. Weißt du, wir lieben es hier! Ihr seid so großartig zu uns. Es war mal so, dass wir im UK getourt sind, und das war richtig gut da. Dann kamen wir nach Europa und es war so „okay“. Aber jetzt habt ihr hier echt einen Zahn zugelegt! Vielen Dank dafür. Das ist ein Haufen feiner Leute hier! Ich komme aus Schweden, ich fühle mich mit euch verbunden.

minutenmusik: Schweden, auch ein schönes Land! Ich danke dir für das Interview.

Nalle: Ich danke auch.

Alle Termine in Deutschland:

Vintage Trouble Tourposter

So hört sich das an:

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Fotos: Danny Clinch, Wizard Promotions (Tourplakat)

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