Jahresrückblick 2016: Marius!

Nachdem ich einst mit Alternativmusik.de derjenige war, der den hiesigen Seitenbetreibern ein Dach bot, unter dem sie ihre Artikel veröffentlicht haben, freute ich mich dementsprechend, als es nach dem Aus besagter Seite mit minutenmusik weiterging. Was mich auch freute, war die Anfrage, ob ich nicht in Form eines Gastbeitrages zum Jahresende hier meine Jahrescharts beisteuern möchte. Da sagt man natürlich nicht Nein, sondern macht sich direkt Gedanken, was das Jahr so mit sich brachte. Sich auf zehn Alben festzulegen, ist nie so einfach und je mehr man drüber nachdenkt, desto mehr fragt man sich, ob denn wirklich alles dabei ist und die Reihenfolge stimmt. Aber so wie es einem zuerst in den Sinn kommt, ist es meist eben doch am aussagekräftigsten. Daher hier meine Jahrescharts inklusive Anmerkungen zu den jeweiligen Scheiben:

10. Faun – Midgard

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Faun zog es nicht nur in den hohen Norden, sondern auch auf Platz 3 der Album-Charts. Auf Midgard widmete sich die Band nordischen Mythen und Sagen, die sie in ihrem geschätzten Pagan Folk thematisierten und dabei heitere Momente wie in Federkleid boten, aber auch Düsternis wie in Odin. Elf Stücke ohne Füllmaterial ergeben am Ende ein höchstansprechendes Album.

9. Herbert Grönemeyer – Live in Bochum

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„Kennt ihr jemanden, der besser und klarer singt als ich?“ Das fragt er und fügt ergänzend hinzu: „Ihr sollt nicht lügen.“ Soviel Selbstironie muss sein. Die Frage, ob Herbert Grönemeyer nun eigentlich so recht singen kann, ist eine Sache für sich. Feststeht aber: Er ist ein Musiker, der Herzblut in das steckt, was er da macht. Das beweist die Live-Aufnahme aus seiner Wahlheimat ganz deutlich!

8. Sido – Das goldene Album

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Er trägt die Maske wieder! Wobei es eine neue Maske ist, denn wie er im Interview mit dem Stern sagte, liegt die alte Maske schimmelnd im Keller. Dabei geht es auch wieder zurück zu alten Gangster-Tugenden – und man fragt sich: Nimmt man ihm das noch ab? Ja, tatsächlich. Sido schafft es, von ganz unten zu rappen, obwohl er eigentlich längst ganz oben steht. Gelungene Beats, Sido in Bestform und zudem gerne mal in Austeillaune. Sehr gelungen!

7. Blackout Problems – Holy

Blackout Problems - Holy

Ein Debüt-Album und dann gleich so stark: Die Münchner Band Blackout Problems hat ein starkes Alternative Rock-Album mit deutlichem Punk-Einfluss veröffentlicht und bringt Melodie, starke Arrangements und druckvolle Rock-Klänge zusammen und kann damit direkt überzeugen. Als Gast ist dann auch noch Nathan Gray von Boysetsfire auf einem Stück zu hören. Aber ob mit oder ohne Gast: Holy steht für sich.

6. Erik Cohen – Weisses Rauschen

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Längst kein Unbekannter, vor allem durch seine Zeit bei Smoke Blow, ist Erik Cohen, der sich in seinem Solo-Schaffen dem „Hit-Rock“, wie er es nennt, verschrieben hat. Stücke wie Hier ist nicht Hollywood zeigen auch direkt den hymnischen Charakter des Ganzen, zahlreiche Einflüsse, wo parallel Namen wie Danzig, Oasis und Joy Division fallen, sind genannt… Ein Rezept, das auch auf dem zweiten Solo-Album aufgeht.

5. Assemblage 23 – Endure

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Zugegeben: Vor vielen Jahren sah ich in Assemblage 23 eine Art „VNV Nation für Fußgänger”. Endure belehrte mich eines besseren. Eingängig tanzbarer Elektro, früher hätte man ihn wohl Future Pop genannt, begegnet hier auf Albumlänge mit Arrangements die für sich stehen und auch inhaltlich so etwas wie Tiefgang bieten, was Zeilen wie „each one of us fights battles no one else can see“ zeigen.

4. Kate Tempest – Let Them Eat Chaos

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Das HipHop-Konsens-Album des Jahres. Und zwar nicht Konsens unter Genre-Hörern, sondern Hörern anderer Genres, der Feuilletons usw. Kate Tempests Album über die sieben unterschiedlichen Schlaflosen aus London ist Storytelling in Bestform, intelligente Texte und eingängige Beats begegnen, man hängt ihr auf Albumlänge an den Lippen und entdeckt immer wieder neue Facetten.

3. Scheuber – The Me I See

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Wer bei einer erfolgreichen Band spielt und ein Solo-Album rausbringt, hat es nicht immer so leicht. Dabei ist Scheuber auf diesem Werk nicht „der Keyboarder von Project Pitchfork“, sondern hat ein durch und durch eingängiges Album elektropoppiger Prägung veröffentlicht. Reflektion und Selbstreflexion verpackt in pulsierende Beats, flächige Synthies, klaren Gesang und mehr, dabei melancholisch, aber gar nicht so düster wie man beim Namen eventuell denken mag.

2. Eisfabrik – Achtzehnhundertunderfroren

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Seit je her stehen Eisfabrik für tanzbaren Elektro mit Anleihen aus Future-Pop, Synthies und eingängigem Gesang. Auf ihrem neuen Album widmen sie sich dem „Jahr ohne Sommer“, das die Band ansprechend verpackt. Konnte der Sound der Band auch auf den beiden vorigen Alben überzeugen, so hat man beim dritten Album nun noch einmal eine Schippe draufgelegt in Sachen Produktion und Songwriting und überzeugt so mit einem der dunklen elektronischen Alben des Jahres.

1. Project Pitchfork – Look Up, I’m Down There

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„25 Jahre und kein bisschen müde”, so in etwa das, was man zum neuen Werk von Project Pitchfork sagen kann. Im Jubiläumsjahr begegnen sie mit einem Album, das alles vereint, was die Band in all der Zeit ausgemacht hat. Harte Beats, melodiöse Klänge, Aggression, Melancholie, musikalischer und textlicher Tiefgang, Dynamik im Gesang, das Hinterfragen des Seins und der Zeit, in der wir leben… All das und mehr findet man auf diesem stärksten Album des Jahres 2016.

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