Callejon – Fandigo

Metalcore scheint für viele Bands uninteressant zu werden. Zumindest wenden sich immer mehr der Genre-Vertreter von diesem und nah stehenden Musikrichtungen ab. Die Beispiele von Bring Me The Horizon auf den letzten beiden Alben oder Hundreth auf „Rare“ zeigen: das kann ziemlich gut funktionieren! Während sich erstere dem Mainstream tauglichen Rock annähern, ohne dabei peinlich zu werden, wenden sich letztere gar dem Shoegaze zu, verbinden diesen aber mit altbekannten Gitarrenklängen. So viel zu guten Beispielen. Auf ihrem neuen Album „Fandigo“ versuchen sich die deutschsprachigen Metalcore-Vertreter von Callejon auch an einem Stilwechsel. Vorab: dieser gelingt nicht ganz so reibungslos.

Nach den ersten Alben, die noch recht amüsanten Metalcore der Marke Eskimo Callboy aufwiesen, emanzipierte sich der Sound der Band aus NRW schließlich. Sowohl das Cover-Album „Man spricht Deutsch“, als auch der letzte Langspieler „Wir sind Angst“ zeigten die Stärken der Band auf: Metalcore mit starken Texten, der Spaß macht, aber auch zum Nachdenken anregt. Vor einigen Wochen dann der Vorbote zum Album: „Utopia“. Diese Single konnte bereits vorausdeuten, was die Besonderheit des Albums ist: im Gegensatz zu den bisherigen Alben ist es um einiges ruhiger geworden, die Clean Vocals dominieren über die gesamte Spieldauer. Bei nahezu allen Songs kann man nicht mehr von Metalcore sprechen, der Stilbruch ist natürlich bewusst gewählt. Problematisch wird das in Verbindung mit den häufig etwas kitschig klingenden Texten, die im Pathos geladenen Gesang von Bastian Sobtzick vorgetragen werden. Beispielsweise erinnert der letzte Song des Albums „Fandigo Umami“ im Refrain gar an Powermetal-Bands. Auch die sehr gewollt wirkenden „Oh-oh“-Chöre in „Noch einmal“ stören das Klangbild.

Natürlich kennt man diesen sehr emotionalen Gesang schon. Im Gegensatz zu den bisherigen Veröffentlichungen fehlt hier nur der Großteil der Screamo-Stellen. Zu den größten deutschen Poeten kann die Band wohl nicht gezählt werden, die Texte scheinen aber ehrlich und thematisieren sehr interessante Bereiche wie den Tod oder Depressionen. Besonders gut kommen sie aber immer an, wenn sie etwas nach vorne drängen und nicht ganz balladesk werden.

Positiv fällt hier zum Beispiel „Pinocchio“ auf: die textliche Referenz auf das Märchen („Ich bin ein echter Junge“) wird sehr interessant umgesetzt, begleitet von für das Album recht harten Gitarrenriffs. Am Ende folgt gar ein Screamo-Part. Kurz vor Ende des Albums schließlich das stärkste Lied des Albums: „Nautilus“. Zuerst starke Rock-Riffs, dann eine Strophe die einzig vom Schlagzeug getragen wird. Der Refrain zeigt schließlich Callejon in Bestform: starke Lyrics, eine tolle Mischung aus Screamo und klarem Gesang, eine gute Melodie und ordentlich Dampf dahinter. Man denkt sich nur: geht doch! Im Großen und Ganzen ist „Fandigo“ kein schlechtes Album geworden. Vielmehr hat die Band einen mutigen Schritt gewagt, der aber auf Dauer noch nicht überzeugen kann. Dafür sind die meisten Songs zu homogen gestaltet. Nach mehrmaligem Hören merkt man aber, wohin Callejon wollen und die Richtung scheint zu stimmen! Wir sind gespannt, wie die Reise für die Band weitergeht und wie die Fans diesen Richtungswechsel annehmen werden.

Und so hört sich das an:

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Callejon live:

  • 28.07.2017 Tube Düsseldorf – Release Show (ausverkauft)
  • 29.07.2017 Musik und Frieden Berlin – Release Show (ausverkauft)
  • 15.09.2017 Sporthalle Hamburg*
  • 16.09.2017 Velodrom Berlin*
  • 20.09.2017 Gasometer Wien*
  • 21.09.2017 Zenith München*
  • 22.09.2017 Club Vaudeville Lindau
  • 25.09.2017 MHP Arena Ludwigsburg*
  • 27.09.2017 Stadthalle Fürth*
  • 28.09.2017 Stadthalle Offenbach*
  • 03.10.2017 Turbinenhalle Oberhausen*

*= mit Papa Roach und Frank Carter & The Rattlesnakes

Coverrechte liegen bei People Like You Records.

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