Soundtrack: Various Artists – The Greatest Showman

Greatest Showman Soundtrack Cover

Hollywood setzt bekanntermaßen in unregelmäßigen Abständen auf Musikfilme und investiert ordentlich. Nachdem im Umkehrschluss 2017 La La Land mit Preisen überhäuft wurde und mit 14 Oscar-Nominierungen einen neuen Rekord aufstellte, ist das Zugpferd der größten Maschinerie für Zelluloid dieses Jahr „Greatest Showman”. Dabei könnte der Spagat zwischen beiden Streifen kaum größer sein. Standen 2017 noch Jazz, ungeübte Sänger und verträumter Bar-Sound auf der Agenda, wird nun gekleckert statt geklotzt. „Greatest Showman” fährt nicht nur bei seinen Gesangsleistungen voll auf, sondern haut dem Hörer ausschließlich opulente Bombastnummern um die Ohren. Umso spannender, dass die Komponisten beider Filme teils die gleichen sind.

Die im Zirkus angesiedelte Story startet auch auf Platte direkt mit einem löwenartigen Gebrüll. Dass Hugh Jackman als Sänger eine gute Figur macht, ist seit Ewigkeiten bekannt. Wer am Broadway Erfolg hat, die Oscars moderiert und besingt, als gäbe es nichts Leichteres und bei Les Misérables punktet, spielt natürlich auch hier mit seinen knapp 50 Lebensjahren vollauf – auf Leinwand und im Studio. Neben ihm darf Zac Efron nach seinen Post-Teenieversuchen in Hairspray und High School Musical endlich mal wieder zeigen, dass er ein äußerst begabter Sänger mit moderner Stimme ist und 2018 problemlos neben Shawn Mendes und ähnlichen jungen Kollegen stehen darf. Neu hingegen sind die Gesangskünste der weiblichen Hauptrolle in Form von Michelle Williams. Ihre etwas kleineren Auftritte können gegen zwei so erfahrene männliche Größen natürlich nicht groß anstinken – verstecken muss aber auch sie sich nicht. Nebenrolle Keala Settle schafft erstmals den Sprung von der Theaterbühne auf die große Leinwand und darf direkt beweisen, warum sie ausgewählt wurde.

Wo wir nun auch bei den Songs angekommen wären: „Greatest Showman” verbindet gekonnt zeitgenössischen Chartpop mit Musicalsound. Keine einfache Aufgabe, die aber tatsächlich überraschend gut funktioniert. Der nur 39 Minuten kurze Soundtrack bietet mit 11 Songs quantitativ kein dickes Paket – dafür wird die erste Enttäuschung aber qualitativ ausgebügelt. Neun ungleiche Tracks und zwei Reprisen, die durchweg Ohrwürmer bereithalten und bei denen sich große Chornummern und Soloparts abwechseln. Gute Laune, Mitsingalarm. Die Repeattaste sollte bei vielen Hörern schnell gedrückt sein. Egal ob klare Radiohits wie das bereits mit einem Golden Globe ausgezeichnete „This is me“, das Potenzial als neue Toleranzhymne hat (ein Glück, dass die Promoversion von Ke$ha nicht das Endprodukt darstellte) oder ein rhythmisches Duett in Form des „Rewrite the starts“, das hier und da doch High School Musical-Feeling aufbereitet – aufgeschlossene Musikhörer dürfen von „Greatest Showman” eben „Große Show“ erwarten. Michelle Williams‘ Solo „Tightrope“ zeigt, dass ein 3er-Takt mit moderner Soundtechnik poppig und gut klingen kann. Kleine Moulin Rouge-Assoziationen werden bei „A million dreams“ freigesetzt. „The other side“ als Duett zwischen Jackman und Efron wirkt da hervorstechend musicalesque und erreicht ohne Bildkomponente nicht zu 100% den überspringenden Funken. Wer hingegen „Let it go“ aus Disneys Frozen für den besten Divensong der 2010er Jahre hielt, muss nun stark sein – mit „Never enough“ kommt ein Song, der mindestens das gleiche Potential bereithält. Hieran dürfen sich fortan Castingshowteilnehmer die Zähne ausbeißen. In wenigen Tagen regnet es Coverversionen auf YouTube, versprochen! Da ist es fast schon schade, dass dies der einzige Song ist, der nicht von der Schauspielerin selbst (in diesem Fall Rebecca Ferguson) gesungen wird – es wurde dann doch lieber auf Nummer sicher gegangen und Loren Allred ans Mikrofon gestellt, die bald mehr sein sollte als eine bloße Ex-The Voice-Teilnehmerin. Schön ist, dass die Songs auch textlich kaum peinlich daherkommen und zwischen alltäglichen Popthemen hin- und herpendeln, einige nette Metaphern bereithalten und nicht zu abstrakt wirken. So ist eben auch das Hören ohne Filmkenntnis gut möglich. Ein Blick ins Booklet lohnt, sind alle Texte sogar mit Rollenverteilung abgedruckt.

Selten schaffte ein Soundtrack eine so hohe Hitdichte zu bieten. Jeder Track hat mindestens das Anrecht auf ein Prädikat „gut“ – eine Handvoll sogar „sehr gut“. Selbstverständlich funktionieren die Songs in Kombination mit Bildmaterial dennoch eine Spur besser. Direkt zu Anfang des Jahres legt also ein klassisches Hollywood-Feel-Good-Movie die Messlatte akustisch und optisch enorm hoch. Auch wenn die Awardanzahl wohl an La La Land nicht heranreichen wird, schlägt die hier vorzufindende Kompositionsdichte den Vorgänger eindeutig. Somit lautet die Empfehlung: kurz in die Tracks hineinhören, dann Kinokarte kaufen, abschließend den Soundtrack!

Der Soundtrack erschien am 08.12 über Atlantic Records und kann hier* bestellt werden.

Und so hört sich das an:

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Seit dem 04. Januar kann man den Film auch in den deutschen Kinos bewundern!

Die Rechte für das Albumcover liegen bei Atlantic Records.

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