Seit Jahren ist das Kimiko Festival auf dem Campus Melaten ein fester Bestandteil der Aachener Kulturszene und lockt jedes Jahr unzählige Besucherinnen und Besucher an. Zwischen bekannten Acts und den spannendsten Newcomern wird auf dem Kimiko drei Tage lang im Herzen der Kaiserstadt die Musik zelebriert. Auch in diesem Jahr sorgte das Festival pünktlich zum WM-Auftakt wieder für ausgelassene Stimmung und großartige Musikerlebnisse.
Dabei hat bereits der Festival-Freitag anders begonnen als eigentlich geplant. Wegen Unwetterwarnungen und Regen konnte das Kimiko erst später seine Pforten öffnen. Trotz wiederkehrender Schauer ließen sich die Besucherinnen und Besucher den Spaß allerdings nicht nehmen. Deutlich matschiger als im Vorjahr spielte sich das Spektakel wieder einmal auf der Vorwiese des Campus Boulevards ab. Natürlich mit bestem Blick auf die unverwechselbare Architektur der Aachener Uniklinik. Wie auch im vergangenen Jahr befand sich die 2nd Stage unmittelbar am Eingang, dieses Mal allerdings in eine andere Richtung ausgerichtet. Die Taktung blieb gleich: Mainstage und 2nd Stage wurden abwechselnd bespielt, sodass es immer mindestens einen Act zum Schauen gab. Zusätzlich sorgten die Acts auf der TofT Stage und dem Daytrain für Unterhaltung.
Der Kimiko-Freitag
Den Anfang des Festival-Wochenendes machte Sängerin anaïs, die endlich wieder zum Kimiko zurückkehrte und für eine tolle Stimmung sorgte. Die Indie-Rock-Band Yara eröffnete daraufhin die Mainstage mit emotionalen Texten und eingängiger Melodie, während besonders die rauchige Stimme von Frontmann Jakob Halamoda dem Auftritt eine besondere Note verlieh. Mit der Hip-Hop-Band PA69 und der Indie-Pop-Band Raum27 folgten zwei der aktuell gefragtesten Festival-Acts mit Haltung. Deutlich verrückter ging es beim Auftritt des Schweizers Bonaparte zu, der nicht nur durch seine skurrile Bühnenpräsenz auffiel, sondern auch durch die Kostüme und Gestalten auf der Bühne. Spätestens seit dem Feature zum Hit „Ich hass dich“ mit Nina Chuba sollte Chapo102 jeder kennen. Auf der 2nd Stage bewies der Hamburger einmal mehr, dass er viel mehr kann, und begeisterte mit den Songs seines neusten Albums „Fahrt ins Blaue“. Das große Finale folgte mit Sänger Levin Liam, der die Mainstage verzauberte. Leider konnte seine Musik sich allerdings beim Kimiko nicht vollends entfalten, dafür schien die Festival-Crew durch die Voracts zu energetisch und unkonzentriert.
Der Kimiko-Samstag
Der Festival-Samstag startete mit Sonnenschein und der Aachener Newcomerband The Dergs. Internationales Flair folgte mit der Aachener Alternative-Rock-Band Liger, die sich nicht nur in England formiere, sondern bereits internationale Tourluft schnuppern durfte. Techno-Fans kamen bei der belgischen Band Naft voll auf ihre Kosten und mit Sängerin Soffie stand an diesem Tag die erste Frau auf der Bühne. Für ebenso viel Frauenpower sorgte Lara Hulo, die nicht nur mit ihren Songs begeistern konnte, sondern auch durch ihre direkte Art. Zwischen den Songs suchte sie immer wieder den Kontakt zum Publikum und machte ihren Auftritt besonders nahbar. Für schöne Indie-Rock-Pop-Momente sorgten OK Kid, die eine tolle Show mit deutlichen Zeichen spielten. Den fulminanten Abschluss fand dieser Tag mit dem heiß ersehnten Auftritt der Sportfreunde Stiller. Mit ihrem neuen Album „Happy Birthday“ im Gepäck spielten sich die Sportfreunde in die Herzen des Publikums und stimmten zugleich schon einmal auf die WM 2026 ein. Dass bei Songs wie „Ein Kompliment“ oder „Applaus, Applaus“ wirklich jeder mitsingen konnte, sorgte für die ganz großen Gänsehautmomente.
Der Kimiko-Sonntag
Tag Drei stand ganz im Zeichen des ersten Deutschlandspiels für diese WM, was vor allem an den etlichen Trikots und der ausgelassenen Stimmung erkennbar war. Eingestimmt wurde der Sonntag durch den Sänger Makke und durch 80s-Vibes von der Aachener Band theH80s. The Magic Mumble Jumble sorgten infolgedessen für gute Laune und tanzbaren Folk-Pop. Herausragend war der Auftritt von Sänger MilleniumKid, der gerade durch seine Texte und seine raue Stimme das Publikum vollkommen in seinen Bann zog. Auch Emma Rose spielte live ein stimmiges Set, nahbar und ehrlich. Den Abschluss bildete schließlich Rapper OG Keemo. Trotz des Deutschlandspiels versammelte sich das Kimiko-Publikum für den Mainzer vor der Mainstage und feierten, was das Zeug hielt. Der andere Teil skippte den Auftritt des Rappers und versank in vollkommener Euphorie dank der sieben Tore gegen Curaçao. Aber egal, welche Option an diesem Abend gewählt wurde: Beide haben sich gelohnt.
Das Kimiko kann mehr
Doch auch abseits der Musik bietet das Kimiko Jahr für Jahr ein großes Aufgebot. Verschiedene Initiativen, Start-ups und Unternehmen stellten am sogenannten CCT.Square aus und boten Abwechslung zum Musikprogramm. Auch für Kinder war mit zahlreichen Spielmöglichkeiten gesorgt. Familienfreundlichkeit wird beim Kimiko großgeschrieben. Neben der Möglichkeit, sich tätowieren zu lassen, und der Teilnahme an verschiedenen Workshops bot das Festival auch eine Bandbreite an kulinarischen Highlights. Ein großer Pluspunkt: Über die Jahre hat sich das Festival längst zum festen Treffpunkt für halb Aachen entwickelt. An jeder Ecke trifft man bekannte Gesichter, das macht es heimelig und besonders.
Nach wie vor Luft nach oben?
Bereits im vergangenen Jahr merkten wir an, dass auch beim Kimiko immer noch Optimierungsbedarf besteht. Das war auch in diesem Jahr so, ist natürlich bei einem Festival aber kaum vermeidbar und teils wahrscheinlich Meckern auf hohem Niveau. Trotzdem: Noch immer funktioniert die Kontrolle am Einlass nicht unbedingt optimal. Zwar gab es bei einigen Besuchenden Taschenkontrollen, je später die Gäste anreisten, desto weniger wurde allerdings kontrolliert. Gerade bei einem Festival dieser Größenordnung sollte die Einlasskontrolle zuverlässiger funktionieren. Nicht nur würde das zu einem besseren Sicherheitsgefühl für die Besucherinnen und Besucher beitragen, sondern auch für die generelle Sicherheit. Denn passieren kann immer etwas.
Deutlich besser war in diesem Jahr die Toilettensituation gelöst. Für einen kleinen Aufpreis konnten sich die Besuchenden Bändchen für die Toilettenwagen kaufen, was zu weniger Stau vor den Klos und einem deutlich angenehmeren Toilettengang führte.
Trotz kleiner organisatorischer Hürden bleibt das Kimiko vor allem eines: ein Wohlfühlfestival mit Haltung. Es steht für gute Musik, ein familienfreundliches Miteinander und unheimlich viel Diversität. Es hat sich über die Jahre in die Herzen der Aachener Bewohner*innen gespielt und lockt mittlerweile auch darüber hinaus immer mehr Zuschauende an. Einen Besuch ist es definitiv wert. Und wer weiß, vielleicht überrascht das Line-up des kommenden Jahres ja noch einmal auf ganz besondere Art und Weise.
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