Kind Kaputt – Zerfall

Vermeintliche Schwächen können einfach umgedreht – und als stärkste Waffe benutzt werden. Im Musikkritiker-Kosmos werden blutjunge Bands häufig nur belächelt, an die Glanztaten der großen Bands kämen sie wohl kaum heran, einige Ausnahmen mal ausgenommen. Und überhaupt, was gibt’s in dem Alter groß zu erzählen abgesehen von dem üblichen Teenager-Herzschmerz? Genau dieser Frage widmet die junge Post-Hardcore Band Kind Kaputt ihr Debütalbum. Explizit als Konzeptalbum deklariert malt “Zerfall” mit düsteren Farben die Problematiken der Generation Y nach. Irgendwo zwischen unbegrenzten … Weiterlesen

Stella Donnelly – Beware of the Dogs

In der Ruhe liegt die Kraft. Vorsicht vor dem Hund. Redewendungen und Schilder an Häusern – Worte, die uns ständig umgeben, die wir aber kaum noch wirklich wahrnehmen. Stella Donnelly stellt ihr Debütalbum ganz in den Dienst der Unscheinbarkeit, weist jedoch mit stillem Nachdruck auf die tieferen Ebenen hin.

Ganz unaufgeregt steigt das Album mit “Old Man” ein, einem Indie-Song mit melancholischem Unterton, der ungehemmt Kritik an patriarchalen Strukturen übt. “Oh are you scared of me old man?” – fragt … Weiterlesen

Alice Phoebe Lou – Paper Castles

Alice Phoebe Lou ist eine Independent-Künstlerin durch und durch. Damit sind nicht nur organisatorische Facetten ihres Schaffens gemeint, sondern auch die Musik als solche. Wie sehr ihre Haltung die gesamte Karriere bestimmt, zeigte auch ihre Ablehnung eines Support-Slots für Coldplays Europa-Tour. Alice Phoebe Lou wurde in Südafrika geboren, siedelte jedoch nach einem Auslandsjahr in Europa nach Berlin um. Seitdem erspielte sich die DIY-Musikerin mit Straßenmusik eine kleine Fanbase, veröffentlichte EPs und ein Album. Mit “Paper Castles” wird nun alles noch … Weiterlesen

The Picturebooks – The Hands Of Time

Heulende Kojoten, sehnsüchtiges Pfeifen, Röhrenglocken. Und schon weht ein Steppenläufer über die Wüste, die sich vor dem geistigen Auge aufgetan hat. Nicht ganz ungewollt entsteht diese mentale Kulisse unweigerlich, wenn man eine Platte des Grit-Blues-Rock-Duos The Picturebooks auflegt. Im Vergleich zu der bisherigen Diskografie verstärkt das neueste Werk “The Hands Of Time” diesen Effekt nochmal und traut sich an ganz neue Elemente, wie eben die Röhrenglocken oder auch ein Klavier, heran.

Bevor die ganze Bandbreite präsentiert wird, steigt das Album … Weiterlesen

Frittenbude – Rote Sonne

Ein gezeichneter Smilie, Elektro-Beats, ausdrucksloser Gesang. Wer sich bisher noch nicht näher mit dem Phänomen Frittenbude auseinander gesetzt hat, wird vermutlich auf den ersten Blick auch das neueste Album “Rote Sonne” als simplen Party-Garant für Freunde verschiedenster Substanzen abtun. Wie viel mehr hinter der oberflächlichen Fassade steckt, wissen Fans der Band schon lange. Auf dem aktuellen, fünften Album der Band tritt die Ernsthaftigkeit sogar noch mehr in den Vordergrund als bisher. Was im bunten Frittenbude-Universum immer noch nicht bedeutet, dass … Weiterlesen

In Flames – I, The Mask

Passend zum Albumtitel ziert das Cover der mittlerweile 13. Platte von In Flames ein mysteriöses Wesen mit einer düsteren Maske. Im passenden Titeltrack heißt es “So many faces, dressed in rags for all to see” – ein Satz, der nur folgerichtig zum Leitmotiv dieses Albums geworden ist. Denn derart facettenreich wie hier durfte man die Schweden bisher noch nicht erleben. Genre-Puristen werden natürlich aufschreien, aber mit dieser Entwicklung war spätestens seit dem 2016er “Battles” zu rechnen. Doch bei experimentierfreudigen Alben … Weiterlesen

Donna Missal – This Time

Donna Missal wurde die Musik in die Wiege gelegt. Schon ihre Großmutter und ihr Vater waren im Musikbereich tätig und ebneten MIssal nun den Weg in die große Welt der Noten und Takte. Nun steht Missal jedoch vor derselben Herausforderung wie alle Musiker*innen am Anfang ihrer Karriere. Ein ganz eigener Sound muss her. Und ohne Frage: diese Aufgabe hat ihr Debüt mit Bravour gemeistert!

Irgendwo im Spannungsfeld der unterschiedlichsten Genre thront Missals Stimme erhaben. Mal zerbrechlich, mal sinnlich, mal sehr … Weiterlesen

grandson – a modern tragedy vol. 2

Crossover ist wieder was! Angesagte Newcomer wie Yungblud, FEVER 333 oder eben Grandson hauchen einem längst für tot erklärten Genre neues Leben ein. Dabei hat natürlich jeder seine eigene Herangehensweise; Grandson setzt im Vergleich am stärksten auf elektrische Verzerrungen. So entstehen die härtesten Momente seiner Musik eben nicht durch Gitarren-Breakdowns oder Shouts, sondern durch imposantes Auftürmen von verschiedenen elektrischen Ebenen. Über diese sprech-singt grandson mal melodisch, mal aggressiv, mal beinahe beiläufig seine politisch motivierten Lyrics. Das kennt man schon von … Weiterlesen

Steven Wilson, Ruhrcongress Bochum, 16.02.2019

Dass man älter wird, bemerkt man auch häufig am Musikgeschmack. Viele Acts, die man als Teenager gefeiert hat, findet man dann Anfang 20 plötzlich total furchtbar, stattdessen entwickeln sich ganz neue Interessensgebiete. Um also auch mal vorzeitig über meinen eigenen Schatten zu springen, wollte ich schon sehr lange mal ein Progressive-Rock-Konzert besuchen. Wer weiß, vielleicht hat sich mein Geschmack in den letzten Jahren ja hin zu diesem sperrigen Genre entwickelt? Mit der “To The Bone”-Tour von Steven Wilson habe ich … Weiterlesen

SWMRS – Berkeley’s On Fire

Manche Bands hinterlassen große Fragezeichen. So erging es mir bei der ersten Platte, die ich von SWMRS in voller Länge hörte. “Drive North” erschien 2016, war aber schon das dritte Album der jungen Band. In Presse-Texten und Interviews wurde nur am Rande erwähnt, dass es sich bei Drummer Joey Armstrong um den Sohn von Green Day-Frontmann Billy Joe handelte – obwohl dieser sogar mit der jungen Band im Studio arbeitete. Musikalisch erinnern SWMRS aber auch nicht wirklich an das erfolgreiche … Weiterlesen