Review: Haiyti mit ihrem fünften Album "Influencer".

Haiyti – Influencer

Nachdem „Sui Sui“ sie fast in den Tod trieb, fackelt Haiyti nicht lange und greift erneut nach den Sternen des Rap-Firmaments. „Influencer“ ist schon das zweite Album der Ex-Hamburgerin im Krisenjahr 2020 und lüstert mehr nach proppenvollen Tanzflächen als sein Vorgänger ohne dabei dessen Tiefe und Schattierungen zu missen.

Schon die Tatsache, dass Haiyti auf dem „Influencer“-Eröffnungssong ihre Rückkehr aus den Abgründen des Underground besingt, zeigt an, dass die Wahl-Berlinerin die Narrative mit Konsequenz weitererzählt, die sie auf dem Vorgängeralbum … Weiterlesen

Review: Dexter - "Yung Boomer".

Dexter – Yung Boomer

Ich tausche diesen Kittel gegen 808.“ Dexter ist wahrlich kein neuer Name für Kenner*innen der Deutschrap-Landschaft. Schon zu Anbeginn der letzten Dekade rappten Künstler wie Casper oder Cro über Beats des Stuttgarters, der damals noch hauptberuflich als Kinderarzt tätig war, nebenbei aber schon lange an Beats schraubte. Der Status als Teilzeit-Rap-Mensch blieb auch für sein 2017er-Album „Haare Nice, Socken Fly“ bestehen, auf dem Dexter mit gewissem Sicherheitsabstand auf die Szene herabblickte – und erstmals ganz auf sich gestellt … Weiterlesen

Cover von Blvths Debütalbum "I Love That I Hate Myself".

Blvth – I Love That I Hate Myself

Die zeitgenössische Popkultur tut es sich mit Emotionalität manchmal schwer. Doch gerade dann, wenn der Zeitgeist auf einen Punk- oder Hardcore-Background trifft, gelingt dieser Spagat auffällig oft: Man denke an Artists wie Lil Peep, die Suicideboys oder Casper. Der Produzent und Sänger Blvth demonstriert mit seinem Debütalbum „I Love That I Hate Myself“ ebenfalls, dass sich beides gar nicht zwangsläufig abstoßen muss. Ob das auch auf die Punk-Wurzeln des Berliners zurückzuführen ist?

Die Antwort auf diese Frage hat … Weiterlesen

Das Cover des Albums "Spirit World Field Guide" von Aesop Rock

Aesop Rock – Spirit World Field Guide

Wer denkt die Zeit einstündiger, hoch lyrischer Rap-Konzeptalben sei schon lange unter Adlips und Auto-Tune-Gesang begraben, hat seine Rechnung wohl ohne den New Yorker-Rapper Aesop Rock gemacht. Ian Mathias Bavitz, wie Rock abseits von Bühnen und Platten-Covern heißt, gilt nicht nur seit einer 2017er-Studie des Datenwissenschaftlers Matt Daniels als der englischsprachige Rapper mit dem größten Wortschatz. Nein, er beweist dies auch noch regelmäßig durch seine von wilder Metaphorik geprägten Raps. Ja, beinahe fühlt man sich beim Hören seiner Texte … Weiterlesen

Das Cover von FALKs Album "Bitter"

FALK – Bitter

Musik von Battlerappern ist leider immer so eine Sache. Das hat zumindest die Vergangenheit gezeigt. Nur wenige Vertreter der Szene schafften es, ihre in Battles gewonnene Bekanntheit durch gute und innovative Musikveröffentlichungen zu krönen. Denn nicht selten werden ihnen die Bedingungen in den Cypherkreisen von Plattformen wie Don’t Let The Label Label You! (DLTLLY), Toptier Takeover und Co zum Verhängnis: In den dort meist Accapella performten Rap-Begegnungen lässt sich die Crowd mehr durch Wortwitz, Stimmeinsatz und Timing als … Weiterlesen

Das Cover von Dizzee Rascals Album "E3 AF"

Dizzee Rascal – E3 AF

Okay, bevor man mit Dizzee Rascal über einen der prägendsten Künstler des britischen Grime-Genres spricht, gilt es fix ein, zwei Dinge im Umgang mit der brachialen Musikrichtung klar zu stellen. Regel Nummer Eins: Gottverdammt, don’t call it Hip-Hop! Der aus Großbritannien stammende Genre-Mix aus Dancehall, Hip-Hop und Ragga-Elementen zeichnet sich zwar auch durch verspielte Rap-Performances aus, ist aufgrund des deutlich höheren Tempos sowie der elektronischen Einflüsse aus Drum and Bass und Dancehall aber von seinem amerikanischen Geschwisterkind Hip-Hop abzutrennen. Regel … Weiterlesen

Das Cover des Albums JP4 von Junglepussy

Junglepussy – JP4

Vieles, was in der hiesigen wie internationalen Hip-Hop-Landschaft veröffentlicht wird, bezeichnet sich 2020 gerne mal selbst als „zu wild“ oder „way too lit“. Gemeint ist dabei meist keine mutige, gar experimentelle Herangehensweise an das eigene Genre, sondern viel mehr das erfolgsorientierte Kopieren von Formeln, die sich in der Vergangenheit bereits bewährt haben. Auch Jahre nach Drakes Jahrhundert-Hit Hotline Bling ist nicht abzusehen, wie lange Mainstream-RapperInnen rund um den Globus noch mit Afro-Drums unterspielte Trap-Gesänge als „der eigenen Zeit voraus *Feuer-Emoji*“ … Weiterlesen

Lous & The Yakuza

Interview mit Lous and The Yakuza über “Gore”

(ENGLISH VERSION BELOW) So viel Leid wie Marie-Pierra, wie Lous and The Yakuza mit bürgerlichem Namen heißt, im Kongo – ihrem Geburtsort – und Belgien – Ort ihrer Jugend und aktueller Wohnort – erleben musste, ist definitiv zu viel für ein Menschenleben. Gerade deswegen ist die empowernde Haltung hinter Lous and The Yakuzas Debütalbum “Gore” noch beeindruckender, will sie Frauen und BIPoC eine starke Identifikationsfigur im vom weißen Patriarchat geprägten europäischen Musikbusiness bieten. Ein inspirierendes Gespräch über die Kraft des Weiterlesen

Das Cover der EP "DEUFRALA" von Albi X, Christ D.Q und Melo.

Albi X, Christ D.Q & Melo – DEUFRALA

Als ich vor rund acht Jahren das erste Mal einen Song des mittlerweile zum Feuilleton-Liebling aufgestiegenen Offenbacher Gangsta-Rappers Haftbefehl hörte, war es sofort um mich geschehen. Naja, ganz so einfach war es dann doch nicht. Zugegebener Maßen war Verwirrung das vorreitende Gefühl, verstand ich doch nur wenig von dem brachial kratzigen Vortrag des Azzlack-Oberhauptes. Nur wenige als deutsch identifizierbare Wörter konnte ich im Sprach-Wirrwarr seiner Songs ausfindig machen. Wie selbstverständlich mischte der Deutschtürke unterschiedliche Sprachen, darunter Arabisch, Türkisch, Spanisch und … Weiterlesen

Das Cover von badmómzjays Debüt-EP "18"

badmómzjay – 18

Was habe ich schon mit 18 Jahren gemacht? Ziellos zog ich damals durch die Kneipen und Bars meiner Heimatstadt und ignorierte die sich anbahnenden Jahre voller Verantwortung und möglicher Karriereziele, die bei mir nicht ausgereifter waren als: „Och, vielleicht mach ich ja irgendwas mit Medien!“ Nicht so Deutschrap-Newcomerin badmómzjay, die mit „18“ nach millionenfach geklickten Single-Releases endlich ihre Debüt-EP veröffentlicht und ihren Weg ins 18te Lebensjahr zelebriert. Keine verkopfte Sinnsuche nötig, nein, die junge Rapperin weiß genau, was sie will.… Weiterlesen