Amy Macdonald, Palladium Köln, 26.02.2026

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Was zum Henker geht denn bitte am 26.2. in Köln? In der Lanxess spielen Florence + The Machine, im Carlswerk Victoria eine bekannte ukrainische Band, im E-Werk Ritter Lean und gegenüber im Palladium Amy Macdonald. Schon weit vor Beginn sind diverse Parkplätze voll und man muss überdurchschnittlich lange suchen, wo man seine Karre abstellen kann. Dass solch ein Chaos mit drei Konzerten innerhalb einer Fläche von ungefähr einem Quadratkilometer für ziemlich viel Verärgerung sorgen kann, zeigt sich kurze Zeit später.

Dabei hat Amy Macdonald gerade ein kleines Revival. Nachdem 2007 ein riesiger Hype um sie entsteht, weil der Sound von ihrem Debütalbum „This Is The Life“ genau den richtigen Nerv zwischen Singer-Songwriter, Folk-Rock und Coming-of-Age-Pop trifft, wird es Stück für Stück immer ein bisschen ruhiger. 2012 wird der letzte Hit gelandet, danach ist es eher eine kontinuierlich gleich große Fangemeinde, die die insgesamt sechs Alben kauft und zu den Shows kommt.

Doch die fast fünf Jahre Pause zwischen der fünften LP „The Human Demands“ und dem im letzten Juli erschienenen „Is This What You’ve Been Waiting For?“ scheint für viele zu lang gewesen zu sein. Noch länger gar die Pause zwischen der letzten großen Tour 2019 und jetzt. Erst eine Hand voll „Kommen wohl noch Leute?“-Try-Out-Shows im Sommer 2025, dann acht diesen Februar in der DACH-Region – und alle melden fast oder komplett ausverkauft. Das kam überraschend. Doch für solch eine Nachfrage wird kurzfristig die einzig logische Lösung gefunden, nämlich eine Bonustour mit gleich 16 weiteren Gigs im August. Wer also jetzt zu spät war, kann erstmal relaxt durchatmen.

Sie hat eben einen recht prägnanten Sound, der sich in den fast zwei Dekaden gefühlt nur um Millimeter verändert hat, aber dafür eben sehr schnell dank Stimme und Feeling herausgehört wird. Trifft das den persönlichen Nerv, so kann man auch bei dem etwas mehr als 90 Minuten andauernden Auftritt im Kölner Palladium voll auf seine Kosten kommen. 18 Songs lang gibt es hier die sympathische und äußerst unaufgeregte, nahbare Schottin, als wäre sie irgendeine lässig-coole Person, die man gerade im Irish Pub beim Bestellen eines großen Guinness kennengelernt hätte.

Wobei… nun ja… ganz so doll stimmt das „voll auf seine Kosten kommen“ dann wohl doch nicht. Wie eingangs erwähnt, sind schon vor dem Betreten der Location einige Hürden zu nehmen. Dann wird es für manche noch frustrierender: Selten sieht man das Palladium so extrem voll. Gleich mehrere Fans schaffen es kein einziges Mal von dem Foyer in die Halle und können sich schon freuen, wenn sie Amy durch die Tür kurz zu Gesicht bekommen. Ganz zu schweigen davon, dass die Musik dort auch dementsprechend bescheiden klingt. An vielen Ecken hört man unzufriedene Stimmen, weil auch drinnen Leute permanent darum kämpfen, irgendwie noch einen guten Platz zu bekommen. Es wird viel gequetscht und geschubst, dabei treffen hier keine Teenager für ein K-Pop-Konzert aufeinander, sondern ausschließlich Erwachsene, größtenteils Ü40.

Auch außergewöhnlich: Der Support Better Joy beginnt nicht, wie ansonsten üblich, um 20 Uhr, sondern schon um 19:15 Uhr. Um Punkt 20:00 Uhr geht es stattdessen direkt mit Amy Macdonald los. Das ist für ein Konzert unter der Woche natürlich ganz cool, sodass man früher zuhause ist, aber eben auch äußerst ungewohnt – sodass der Autor dieses Textes den Support bis auf die letzten drei Minuten verpasst hat. Hups. Sorry.

Nächster Punkt auf der „Nicht voll auf die Kosten kommen“-Liste: Amy Macdonald wird passend zu ihrem Tourfinale – Köln ist nämlich der letzte von insgesamt 14 Auftritten in Deutschland, Luxemburg, Österreich, Italien, Belgien, der Schweiz und der Niederlande – krank. Sie entschuldigt sich nach dem Opening der Show bei den Fans, hatte am Montag erst noch auf ihren Social-Medias ein Video gepostet, wie sie im Bett liegt. Glücklicherweise hat sie die letzten drei Gigs noch spielen können, aber man hört es doch eindeutig. In den Tiefen klingt sie genau so, wie man es kennt – mit warmer Altstimme und guter Emotion, ein paar Töne im Kopf klappen auch noch, jedoch gibt es keinen einzigen leicht höheren Ton in Bruststimme. Darunter leidet vor allen Dingen das dramatische und mitreißende „Don’t Tell Me That It’s Over“, die schnellen Höhenwechsel in „Dream On“ oder auch so mancher Part in „Mr. Rock & Roll“.

Es braucht also wirklich einiges an Nerven, um gegen die drohend aufkommende Enttäuschung anzukämpfen. Jedoch ist zumindest musikalisch das Konzert gewohnt gute Ware. Mit einer fünfköpfigen Liveband spielt Amy einen Querschnitt aus allen sechs Alben. Der Großteil ist dabei weiterhin ihr über 2,5 Millionen Mal verkauftes Debüt „This Is The Life“, das mit fünf Songs vertreten ist. Krankheitsbedingt ist leider das sehr wundervolle „Run“ von der Setlist geflogen, das allerdings bei den Einschränkungen auch wirklich voll gegen die Wand gefahren wäre. Den zweitgrößten Teil nimmt der aktuelle Longplayer „Is This What You’ve Been Waiting For?“ mit vier Titeln ein. Ergänzt wird die Liste durch eine Coverversion des Songs „The Glen“ der eher unbekannten Band Beluga Lagoon.

Wer Amy Macdonald damals zu ihrer Hochphase schon gesehen hat, wird vieles wiedererkennen. Im Kern bleibt alles nämlich genau so bestehen. Es gibt keine Videoleinwand, keinen Konfettiregen, keinen Outfitwechsel, keine anderen Special Effects. Nur die Künstlerin, einige witzige Anmoderationen mit bloody scottish Accent, ihre Band und eine solide Lightshow. Man kann natürlich sagen, dass genau das genügt und die Musik für sich spricht, aber in Zeiten, in denen Konzerte eben immer mehr zur Haupteinnahmequelle der Künstler*innen wird und diese auch immer aufwändigere Produktionen zeigen, ist das natürlich ein fast schon protestierendes Statement. Man muss eindeutig Fan ihrer Songs sein, da bis auf „Don’t Tell Me That It’s Over“, das mit einem mystischen, reduzierten Intro startet, vieles den Studioversionen sehr ähnelt und es eben fürs Auge auch nicht so viele Überraschungen gibt.

An der Setlist kann jedoch quasi gar nicht genörgelt werden. Bis auf „Run“ ist alles dabei, was man sich wünscht, dazu der eine oder andere Albumtrack wie „Barrowland Ballroom“ oder das als solo gespielte „We Survive“. Besonders stark ist die Interaktion mit dem Publikum bei „Slow It Down“, wenn das übervolle Palladium als „Down, down, down!“-Chor fungiert und richtig hochfährt. Auch das immer wieder richtig knallende Finale zu „Let’s Start a Band“ ist fantastisch und einnehmend. „This Is The Life“ und „Mr. Rock & Roll“ zählen selbst viele Jahre nach ihrem Release weiterhin völlig zurecht zu den größten 00s-Radiohits und haben an Leichtigkeit und Kompositionsfinesse nichts einbüßen müssen. Nostalgie in Reinkultur.

Um 21:32 Uhr ist heute irritierend früh Feierabend. Eigentlich aber ganz gut, sodass nicht auch noch mit dem E-Werk und dem Carlswerk bei der Ausfahrt kollidiert wird, die enden nämlich nicht zur selben Zeit. Wahrscheinlich lohnt es sich, Amy Macdonald nochmal mit Bierchen bei einer ihrer Sommershows zu sehen. Im entspannteren Kontext mit fitten Vocals ist das sicherlich nochmal etwas mehr wholesome.

Weitere Termine:
07.8. Stars in Town, Schaffhausen (CH)
08.8. Lakelive, Nidau (CH)
11.8. Summerstage im Messepark, Landshut
12.8. Freilichtbühne, Zwickau
14.8. Freilichtbühne Peißnitz, Halle
15.8. Autostadt, Wolfsburg
16.8. Emslandarena, Lingen
18.8. Bürger Freilichtbühne Killesberg, Stuttgart
19.8. Kunstrasen, Bonn
21.8. Freilichtbühne Großer Garten Junge Garde, Dresden
22.8. Esplanade, Bad Nenndorf
23.8. Schlossgarten, Bruchsal
25.8. Zeltfestival Ruhr, Bochum
26.8. Kultursommer, Giessen
27.8. Turnierplatz, Bad Kissingen
29.8. Facc Sky Dome, Ried im Innkreis (AT)

Und so hört sich das an:

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Foto von Christopher Filipecki

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