Wenn einer lügt dann wir

Wenn einer lügt dann wir – Ironie oder Schicksal

Blick durch ein mäßig geputztes Fenster, hinein in eine mäßig aufgeräumte WG auf drei Musikerinnen, die sich denken: So, jetzt machen wir das aber echt mit der Musik. Muss ja so, wenn man selbst so gerne auf Konzerten abhängt. Am Anfang steht aber ein Name, der muss griffig, leicht googlebar und wohlklingend sein. Und nun die feixenden Gesichter bei der Entscheidung für den Namen, auf den das alles nicht zutrifft: Wenn einer lügt dann wir. Ob die Geschichte sich so … Weiterlesen

Charity Children Almost Young

Charity Children – Almost Young

Für ihr Albumcover nahmen Charity Children scheinbar einen herzhaften Griff in die Farbpalette. Heraus kommt ein gesprenkeltes Sammelsurium aus Farbtupfern, die als Gesamtwerk eine schimmernde Vielfalt andeuten. Verzichtet wurde aber auf die krasse Extreme, selbst der dunkelste Ton fühlt sich noch warm an, selbst der hellste sticht nicht unangenehm ins Auge. Eine passende Analogie für den Sound, den das in Berlin ansässige Duo auf ihr drittes Album gebannt hat. “Almost Young” fühlt sich an wie eine altbekannte Umarmung, selbst wenn … Weiterlesen

Review: Isolation Berlin haben ein "Geheimnis". Oder doch nicht? Autor Jonas ist sich nicht ganz sicher.

Isolation Berlin – Geheimnis

Tobias Bamborschke hat ein Geheimnis. Seine Band Isolation Berlin nun ebenso: In Albumform. Dabei ist das dritte Album der vier Berliner eigentlich ein offenes Buch.

So ganz richtig ist diese Aussage natürlich nicht. Zu sehr verschwimmen in den Texten Bamborschkes – Stimme der Band und zweite Gitarre – Realität und Fiktion. Und dennoch: Der offenarmige Eindruck bleibt. Er erzählt (nicht) von privaten Problemen, besingt den Rückzug aus der Leistungsgesellschaft, berichtet von einer Jugend zwischen menschlichen Emotionen und starren Geschlechterrollen. 

Und … Weiterlesen

Review: Trotz Songs von bis zu 20 Minuten Länge gelingt es The World Is A Beautiful Place auf "Illusory Walls" niemals zu langweilen.

The World Is A Beautiful Place & I’m No Longer Afraid To Die – Illusory Walls

The World Is A Beautiful Place & I’m No Longer Afraid To Die machen – nicht nur des unendlich langen Namens wegen – Gitarren-Emo für Menschen mit langem Geduldsfaden. Aushaltevermögen jedoch belohnt das Bandkollektiv aus einer nahe der US-amerikanischen Ostküste gelegenen Kleinstadt im Bundesstaat Connecticut leidenschaftlich.

Das beste Beispiel dafür: Der Song „Infinite Josh“. Der schichtet zunächst minutenlang und schrittweise Melodie auf Melodie während die Gesänge sich in Ekstase repetieren, bricht dann mit seinen Anfangsmotiven und setzt neu an. Es … Weiterlesen

Bericht: Das Stadt ohne Meer-Festival fand 2021 ohne Maske und Abstand statt und brachte eines: Euphorie von allen Seiten.

So war das Stadt ohne Meer Festival 2021

Endlich. Gerade einmal zehn Tage vor dem für Mitte September angesetzten Stadt ohne Meer-Festival erfuhren OK KID, dass ihre Veranstaltung unter der 2G-Regel stattfinden könne. Es sollte nichts mehr schief gehen. Nur wenige Besucher*innen gaben ihre Tickets der neuen Zugangsregelungen wegen zurück. Und auch die wenigen neuen Tickets, die wieder in den Vorverkauf gingen, waren schleunigst erneut vergriffen. Außerdem konnte man nach den eintägigen Festivalausgaben in 2018 und 2019 erstmals die Möglichkeit bieten mit einem Caravan auf einem benachbarten … Weiterlesen

Varley

Varley – Smalltalk & DMCs

Endlich kann man wieder aus voller Inbrunst sagen: Indie lebt! Und zwar nicht nur in der Art, wie er Pop und Hip-Hop beeinflusst, sondern auch noch im klassischen Sinne mit analogen Instrumenten. An der Speerspitze stehen bei dieser neuen Welle aber keine weißen College-Dudes, sodern vor allem viele FLINTA. In der deutschen Musikszene gibt es bislang jedoch noch wenige Gallionsfiguren, da schaut man noch neidisch auf Größen wie Phoebe Bridgers oder Holly Humberstone herüber. Aber keine Sorge – die neuen … Weiterlesen

Review: Seinem Titel möchte "Groll", das Musik-Debüt von Anton Weil alias WEIL nicht gerecht werden. Fernab davon hat es viel zu bieten.

WEIL – Groll

So wirklich nach „Groll“, also nach unter der Oberfläche brodelndem Zorn, mag das Debüt von WEIL nicht klingen. Dafür sind die ersten musikalischen Schritte von Anton Weil – einigen eventuell bereits als Theater- oder Filmschauspieler bekannt – vielerorts zu melancholisch. Von Verbitterung getriebenen Ärger sucht man in den zehn Titeln zumeist vergeblich.

Kaum ein Moment könnte weniger Verbitterung in sich tragen als die Bridge von „Das Wetter“. Weil‘s Stimme, hier auf dem Kipppunkt zum Brechen tänzelnd, liegt ganz dicht am … Weiterlesen

Die Hinweise verdichten sich: Kündigt Casper bald sein neues Album an?

Bahnt sich da etwa für 2022 ein neues Casper Album an?

Es rumort im Hause Casper. Und all das ruft verdächtig laut nach einer Albumankündigung. Zunächst verschwanden in den vergangenen Wochen schrittweise immer mehr Social Media-Posts von den Profilen des Rappers bis einige Kanäle komplett oder nahezu komplett von Postings befreit waren. Anschließend änderte der 38-Jährige sein Profilbild auf allen Plattformen zu einem pastelligen Rosa und schmückte seine Kurz-Bio mit vier Bienchen-Emojis. Einen Tag später bereits folgte auf Instagram eine herbstliche Fotografie einiger Bienenstöcke (siehe oben) mitsamt Bienen-Emojis – was auch … Weiterlesen

Slothrust_ParallelTimeline_1440px

Slothrust – Parallel Timeline

Eigentlich entstehen Regenbögen ja da, wo Sonne und Regen aufeinandertreffen. In der Popkultur hat sich das Naturphänomen derweil längst als Symbol für die LGBTQ*-Community etabliert. Wenn Slothrust nun für ihr fünftes (!) Studioalbum eine quietschend grelle Welt inklusive dem gestreifen Luftspektakel und Luftblasen erschaffen, wirkt das wie ein deutliches Statement. Aber auch wie eins, das doch einige Fragezeichen hinterlässt – bunte, grelle Farben für die Band, die auf “The Pact” zuletzt mit ziemlich abgeklärter Pose gen Empowerment gestiefelt … Weiterlesen

Im Interview spricht Alli Neumann über ihr Debütalbum "Madonna Whore Komplex" und das Patriachat.

Interview mit Alli Neumann über “Madonna Whore Komplex”

Es war einmal eine aufstrebende Sängerin in der alternativen deutschen Indie-Pop-Szene, an der man im Frühjahr 2019 einfach nicht vorbeikam. Die im gleichen Jahr ihren ersten großen Festivalsommer erlebte, sich eine immer größere Fanbase aufbaute und tausende Streams auf ihre Songs bekam. Und dann: Kam Corona. Die Rede ist natürlich von Alli Neumann, eine der coolsten Künstlerinnen, die es momentan in der deutschsprachigen Musiklandschaft so gibt. Man könnte meinen, dass die Pandemie und die damit verbundene Zwangspause, was Konzerte und Weiterlesen