Noga Erez_KIDS Against The Machine_Cover

Noga Erez – KIDS (Against The Machine)

Was läge für eine Künstlerin, die mit verlässlichem Geschick Hip Hop-Vibes mit Indie und Sprechgesang kombiniert, näher, als ihr zweites Album direkt nochmal mit einer Big Band aufzunehmen? Nun, vermutlich einiges. Aber dass die israelische Musikerin Noga Erez diesen mutigen Soundsprung nun im selben Jahr des Release der Original-Version von „Kids“ veröffentlicht, zeugt von der puren Überzeugung hinter dem Projekt. Und für alle, die bereits in Kontakt mit der Musik des Geheimtipps in Berührung gekommen sind, ist es auch keine … Weiterlesen

Parquet Courts - Sympathy For Life

Parquet Courts – Sympathy For Life

Nach Party-Album „Wide Awake!“ stolzieren die Indie-Punks Parquet Courts mit „Sympathy For Life“ vom Nachtclub die Straße hinunter zur Afterhour. Ihren benebelten Jams fehlt zwar teilweise der nötige Drive, um sich nochmal komplett der Ekstase hinzugeben, aber das brauchen die New Yorker, für das, was sie vorhaben, eh nicht mehr ­– denn bei all dem Hedonismus ist der unterschwellige Nihilismus in „Sympathy For Life“ auch als Suche nach etwas Sinn, Verstand und Hoffnung in unserer konsumorientierten Gegenwart zu verstehen.

Das

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Eivor

Eivør , Zeche Bochum, 28.10.2021

„Ein wahrer Goldschatz an großen Momenten“ stand in meinem Fazit zum zweiten Eivør-Album „Segl“. Beim Verfassen dieser Zeilen konnten weder Autorin noch Musikerin ahnen, dass 13 Monate später genau diese großen Momente auch das erste wieder halbwegs normale Indoor-Konzert begleiten sollten. Dabei ist die Venue schon fast etwas grotesk: Zu dem kühlen Industrie-Pott-Schick der Zeche wollen die magischen Sphären von Eivør irgendwie so gar nicht passen. Und dann doch irgendwie wieder vollkommen. Ein Abend der faszinierenden Widersprüche, der die … Weiterlesen

Wenn einer lügt dann wir

Wenn einer lügt dann wir – Ironie oder Schicksal

Blick durch ein mäßig geputztes Fenster, hinein in eine mäßig aufgeräumte WG auf drei Musikerinnen, die sich denken: So, jetzt machen wir das aber echt mit der Musik. Muss ja so, wenn man selbst so gerne auf Konzerten abhängt. Am Anfang steht aber ein Name, der muss griffig, leicht googlebar und wohlklingend sein. Und nun die feixenden Gesichter bei der Entscheidung für den Namen, auf den das alles nicht zutrifft: Wenn einer lügt dann wir. Ob die Geschichte sich so … Weiterlesen

Charity Children Almost Young

Charity Children – Almost Young

Für ihr Albumcover nahmen Charity Children scheinbar einen herzhaften Griff in die Farbpalette. Heraus kommt ein gesprenkeltes Sammelsurium aus Farbtupfern, die als Gesamtwerk eine schimmernde Vielfalt andeuten. Verzichtet wurde aber auf die krasse Extreme, selbst der dunkelste Ton fühlt sich noch warm an, selbst der hellste sticht nicht unangenehm ins Auge. Eine passende Analogie für den Sound, den das in Berlin ansässige Duo auf ihr drittes Album gebannt hat. „Almost Young“ fühlt sich an wie eine altbekannte Umarmung, selbst wenn … Weiterlesen

Review: Isolation Berlin haben ein "Geheimnis". Oder doch nicht? Autor Jonas ist sich nicht ganz sicher.

Isolation Berlin – Geheimnis

Tobias Bamborschke hat ein Geheimnis. Seine Band Isolation Berlin nun ebenso: In Albumform. Dabei ist das dritte Album der vier Berliner eigentlich ein offenes Buch.

So ganz richtig ist diese Aussage natürlich nicht. Zu sehr verschwimmen in den Texten Bamborschkes – Stimme der Band und zweite Gitarre – Realität und Fiktion. Und dennoch: Der offenarmige Eindruck bleibt. Er erzählt (nicht) von privaten Problemen, besingt den Rückzug aus der Leistungsgesellschaft, berichtet von einer Jugend zwischen menschlichen Emotionen und starren Geschlechterrollen. 

Und … Weiterlesen

Review: Trotz Songs von bis zu 20 Minuten Länge gelingt es The World Is A Beautiful Place auf "Illusory Walls" niemals zu langweilen.

The World Is A Beautiful Place & I’m No Longer Afraid To Die – Illusory Walls

The World Is A Beautiful Place & I’m No Longer Afraid To Die machen – nicht nur des unendlich langen Namens wegen – Gitarren-Emo für Menschen mit langem Geduldsfaden. Aushaltevermögen jedoch belohnt das Bandkollektiv aus einer nahe der US-amerikanischen Ostküste gelegenen Kleinstadt im Bundesstaat Connecticut leidenschaftlich.

Das beste Beispiel dafür: Der Song „Infinite Josh“. Der schichtet zunächst minutenlang und schrittweise Melodie auf Melodie während die Gesänge sich in Ekstase repetieren, bricht dann mit seinen Anfangsmotiven und setzt neu an. Es … Weiterlesen

Bericht: Das Stadt ohne Meer-Festival fand 2021 ohne Maske und Abstand statt und brachte eines: Euphorie von allen Seiten.

So war das Stadt ohne Meer Festival 2021

Endlich. Gerade einmal zehn Tage vor dem für Mitte September angesetzten Stadt ohne Meer-Festival erfuhren OK KID, dass ihre Veranstaltung unter der 2G-Regel stattfinden könne. Es sollte nichts mehr schief gehen. Nur wenige Besucher*innen gaben ihre Tickets der neuen Zugangsregelungen wegen zurück. Und auch die wenigen neuen Tickets, die wieder in den Vorverkauf gingen, waren schleunigst erneut vergriffen. Außerdem konnte man nach den eintägigen Festivalausgaben in 2018 und 2019 erstmals die Möglichkeit bieten mit einem Caravan auf einem benachbarten … Weiterlesen

Varley

Varley – Smalltalk & DMCs

Endlich kann man wieder aus voller Inbrunst sagen: Indie lebt! Und zwar nicht nur in der Art, wie er Pop und Hip-Hop beeinflusst, sondern auch noch im klassischen Sinne mit analogen Instrumenten. An der Speerspitze stehen bei dieser neuen Welle aber keine weißen College-Dudes, sodern vor allem viele FLINTA. In der deutschen Musikszene gibt es bislang jedoch noch wenige Gallionsfiguren, da schaut man noch neidisch auf Größen wie Phoebe Bridgers oder Holly Humberstone herüber. Aber keine Sorge – die neuen … Weiterlesen

Review: Seinem Titel möchte "Groll", das Musik-Debüt von Anton Weil alias WEIL nicht gerecht werden. Fernab davon hat es viel zu bieten.

WEIL – Groll

So wirklich nach „Groll“, also nach unter der Oberfläche brodelndem Zorn, mag das Debüt von WEIL nicht klingen. Dafür sind die ersten musikalischen Schritte von Anton Weil – einigen eventuell bereits als Theater- oder Filmschauspieler bekannt – vielerorts zu melancholisch. Von Verbitterung getriebenen Ärger sucht man in den zehn Titeln zumeist vergeblich.

Kaum ein Moment könnte weniger Verbitterung in sich tragen als die Bridge von „Das Wetter“. Weil‘s Stimme, hier auf dem Kipppunkt zum Brechen tänzelnd, liegt ganz dicht am … Weiterlesen