Während aktuell bei „grün“ und „Musical“ fast jeder sofort an Wicked denkt, setzt Hamburg mit Tarzan einen weiteren grünen Fleck auf die Landkarte der Musicals, die man derzeit unbedingt sehen sollte. Und tatsächlich trotzen beide Shows der Schwerkraft – allerdings auf völlig unterschiedliche Weise.
Nach mehreren Jahren Pause kehrt Tarzan nun endlich in die Neue Flora zurück. Bereits von 2008 bis 2013 begeisterte das Musical Hamburg, bevor es weiter nach Stuttgart und Oberhausen zog. Mit der Rückkehr des Musicals kehrt auch Alexander Klaws in seine Paraderolle als Tarzan zurück. Eine Rolle, die nicht nur gesanglich, sondern vor allem körperlich extrem fordernd ist. Und er zeigt erneut, warum diese Rolle wie für ihn geschaffen ist und man nimmt ihn den Tarzan zu jedem Zeitpunkt vollkommen ab.
Tarzan macht genau das, was ein Musical kann und soll: überraschen, mitreißen, staunen lassen. Wenn sich am Anfang die Affen direkt über den Köpfen des Publikums hin- und herschwingen, setzt automatisch dieser typische „Wow“-Moment ein. Die Effekte sitzen, sind beeindruckend choreografiert und verbinden sich mit einem großen, atmosphärischen Bühnenbild, das den Zuschauer mitten in den Dschungel zieht und immer wieder tauchen Darsteller im oder über dem Publikum auf. Ein absolutes Highlight bleibt der erste große Auftritt von Tarzan selbst, wenn er mit dem wohl dramatischsten Lianenschwung der Show einmal quer über das gesamte Publikum fliegt. Dieses gab auch direkt einen Szenenapplaus.
Die Story von Tarzan ist sicherlich vielen bekannt, aber hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung: Das Musical erzählt die Geschichte des Waisenjungen Tarzan, der nach dem Tod seiner Eltern im Dschungel von einer Gorillafamilie aufgenommen und großgezogen wird. Er wächst zwischen den Affen auf, hin- und hergerissen zwischen seiner tierischen Familie und dem Gefühl, irgendwie anders zu sein. Als schließlich die junge Forscherin Jane Porter im Dschungel auftaucht, beginnt Tarzan, seine wahre Herkunft zu begreifen und muss entscheiden, wo er wirklich hingehört: zur Welt, in die er hineingeboren wurde, oder zu der, in der er aufgewachsen ist.
Übrigens gibt es nicht nur einen Tarzan: Neben Alexander Klaws übernimmt die Rolle auch Phillip Büttner, der zuletzt als Hercules überzeugte und sicherlich auch als Tarzan eine sehenswerte Darstellung zeigen wird. Und wo Tarzan ist, ist auch Jane nicht weit. Als Jane überzeugt Abla Aloui, die vielen bereits aus Die Eiskönigin bekannt ist. Sie bringt eine wunderbare Mischung aus Entdeckergeist, Charme und Verletzlichkeit auf die Bühne. Besonders beeindruckend ist einmal mehr Elindo Avastia, der offenbar nicht nur stimmlich, sondern auch physisch sämtliche Gesetze der Schwerkraft ignoriert. Kopfüber zu singen und dabei so präsent zu bleiben – das muss man erst einmal schaffen. Elindo Avastia spielte die Rolle des Terk bereits in Stuttgart und knüpft nahtlos an seine herausragenden Leistungen an.
Die Musik stammt aus der Feder von Phil Collins und allein damit ist eigentlich schon alles gesagt. Dir gehört mein Herz (bzw. You’ll Be in My Heart) kennt wohl vermutlich jeder. Doch der heimliche Hit der Show bleibt So ein Mann, das spätestens beim Schlussapplaus das ganze Theater in Bewegung bringt.
Und zum Schluss noch ein Tipp für den Ticketkauf: Die vorderen Reihen bieten natürlich einen spektakulären Blick auf die Bühne, aber wer die gesamte Lianenschwung-Action und die vielen überraschenden Szenen über den Köpfen wirklich im Blick behalten möchte, sollte eher ab Reihe 15 sitzen. Von dort aus entfaltet sich das Gesamterlebnis am besten!
Tarzan ist zurück – und wie! Eine Show, die gleichzeitig Herz, Humor, Adrenalin und Staunen liefert und die man in dieser Form aktuell nur in Hamburg erleben kann.
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