Dracula – Das Musical, Theater am Marientor Duisburg, 13.02.2026

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Selbst wenn man sich so gar nicht für Musical interessiert, hat man doch von manchen mitbekommen – einfach, weil sie so oft gelaufen und so omnipräsent sind. Das ist einmal „Starlight Express“ in Bochum, dann „König der Löwen“ in Hamburg und „Tanz der Vampire“ quasi überall. Besonders letztes ist ein sehr deutsches Phänomen und ansonsten in nur ganz wenigen anderen Ländern noch bekannt. Ganz besonders in den USA ist es gnadenlos gefloppt. Dass es daneben mit Dracula – Das Musical aber noch ein weiteres Stück mit Vampir-Thematik gibt, haben selbst hier nur die Wenigsten mitbekommen.

Dabei ist mit Frank Wildhorn als Komponisten absolute A-Ware am Werk. Neben seinem Riesenerfolg „Jekyll & Hyde“ , das seit über drei Jahrzehnten sehr gut funktioniert, gibt es auch viele Insiderstücke. Gerade erst lief in Münster „Der Graf von Monte Christo“ an. Im Vergleich dazu ist Dracula aber besonders in den Songs der Zwischenweg aus „Tanz der Vampire“ und „Jekyll & Hyde“. Ganz sicher war Wildhorn selbst von der intensiven Kraft des Musicals mit Jim Steinman-Titeln geflasht und hat sich inspirieren lassen.

Dracula wird 2002 uraufgeführt, kommt 2004 erstmalig an den Broadway und ertönt 2005 in St. Gallen in der Schweiz erstmalig auf Deutsch. In Deutschland selbst feiert es 2011 Premiere, und zwar von einem Laientheater – nämlich dem Freien Musical Ensemble in Münster. Seltsam, oder? Da hat ein Stück solch einen Komponisten sowie solch eine weltberühmte Vorlage wie die von Bram Stoker zu bieten und dennoch scheint es einfach niemanden so richtig zu kriegen. Zwar gibt es Dracula immer wieder zu sehen, nur hat es bisher nie für die richtig große, prunkvolle Inszenierung gereicht.

Bis jetzt! Denn wie wir schon oft erwähnten, haben ShowSlot wirklich immer ein Händchen für kreative Einfälle und wagen es, den Wildhorn-Fanliebling auf große Tour durch die DACH-Region zu schicken. Das ist einerseits wenig Risiko, schließlich zieht das Thema schon beim bloßen Namen, andererseits kann man ja auch hoffen, dass der eine oder andere es einfach mit „Tanz der Vampire“ verwechselt und deswegen vorbeischaut… wobei: Das hat Dracula wirklich nicht nötig, denn mit der aufwändigsten Produktion, die ShowSlot bisher gezeigt haben, und einem sehr beliebten und sehr namhaften Hauptdarsteller am Start, nämlich Jan Ammann, hat man genug zu bieten, um ganz allein für sich zu funktionieren.

Nach einer umjubelten Premiere Ende Januar in Wien ist man nun bis Juni in nahezu allen großen deutschen wie österreichischen Städten. Duisburg und sein Theater am Marientor ist der vierte Stopp auf der Route und somit der erste NRW-Halt. War das hübsche Theater zuletzt eher unfreiwillig wegen seines wirklich schwierigen Musicals „Malle Olé“ in aller Munde, so darf es heute endlich wieder positiv auffallen. Gerade einmal drei Tage und nur vier Vorstellungen lang zeigt man Dracula, dementsprechend ist der Auflauf: Selten sieht man das Theater so voll. Freie Plätze muss man mit dem Fernglas erspähen.

Mit einem äußerst breitgefächerten Publikum wird mit einer Miniverspätung von fünf Minuten begonnen. Der Zweiakter mit jeweils 65 Minuten Länge, die von 25 Minuten Pause unterbrochen werden, zieht in seinen Bann, sodass das Publikum sehr fokussiert auf das aufwändige Bühnenspiel schaut. Doch unmittelbar nach Start gibt es eine große Ernüchterung, nämlich den Sound. Was ist mit den Mikrofonen los? Das klingt, als wäre es mono! Liegen da Taschentücher drüber? Selten war ein Sound bei einem Musical solch einer Größenordnung so verwaschen und unschön – und wird den gesamten ersten und fast auch den gesamten zweiten Akt nie wirklich besser. Immer wieder probiert man die Mikros hochzufahren, dabei knackt es unzählige Male. Dann tut man sich mit der achtköpfigen Bandabmischung unter der Leitung von Antonia Kessler schwer – mal ist die E-Gitarre viel zu laut, die Drums fast immer zu leise und alles einfach sehr schlecht ausgepegelt. In mehreren Szenen sind Mikrofone viel zu spät an. Und das immer wieder. Uff. Das ist ärgerlich und eigentlich auch fast schon unverzeihlich.

Schafft man es irgendwie, darüber hinwegzusehen, ist ansonsten aber die detailverliebte und klug inszenierte ShowSlot-Version ein Augenschmaus. Neben schönen Kostümen und spooky Makeup gibt es für eine Tourneeproduktion, die an mancherorts wie Duisburg gerade einmal drei Tage hält, ein richtig starkes Bühnenbild. Treppen, riesige Schlosstüren, Betten und zig gothische Requisiten fliegen nur so über die Stage und machen durchweg eine schaurige Stimmung. Dabei lockert man hin und wieder mal mit echt üblem Galgenhumor auf, bleibt im Kern aber gruselig-blutig. Super. Dank viel Nebel, unzähligen Licht- und Stroboskopeffekten können sogar kleine Zaubertricks vollführt werden, sodass der Umbau manchmal in Sekundenschnelle richtig überrascht und der Gastgeber, nämlich der schreckliche Dracula, erst dort und dann wieder ganz woanders furchteinflößend in die Runde schaut.

Die Inszenierung beeindruckt und passt auch ganz stark ins Theater am Marientor. Das ergibt ein tolles Ganzes. Doch neben tollen Aufbauten und Special Effects ist noch mehr die Cast das große Highlight des Abends. Jan Ammann erwähnten wir schon – der 50-jährige Darsteller gehört schon locker ein Jahrzehnt zur Oberklasse des deutschen Musicals und brilliert hier wirklich jede einzelne Sekunde. Man merkt, dass er hunderte Male den Krolock in „Tanz der Vampire“ spielen durfte und die Rolle offensichtlich ganz schön vermisst – sein Dracula ist so diabolisch, gleichzeitig aber auch fragil und präsent, dass man jede Szene genießt, in der er grimmig durch die Kulisse flanieren darf. Gesanglich ist das Ganze natürlich Top-Niveau, zig der herausfordernden Soli meistert Ammann ohne große Mühe und transportiert mit 100% Treffsicherheit in den Noten alles, was man sich wünscht.

Daneben spielen zu dürfen, ist fast schon gemein. Doch offensichtlich scheint Lisa Habermann diese Challenge äußerst gern anzunehmen. Sie spielte die Rolle der Mina, der weiblichen Hauptfigur, schon in früheren Produktionen und muss dringend viel mehr Beachtung in der Szene erhalten – ihr Sopran ist so stark, dass sie Ammann nicht wie den einzigen Star wirken lässt, sondern daneben für genauso große Beifallstürme sorgt. Im Doppelpack wie bei „Ich leb‘ nur, weil es dich gibt“ oder auch „Endlich“ jagen gleich mehrere Schauer den Rücken runter. Bravo. Außerdem erwähnenswert ist die vielleicht minimal schlechtere, aber immer noch sehr gute Leistung von Munja Viktoria Meier als Lucy und Vincent Van Gorp als Jonathan, die innerhalb ihrer Figuren auch voll auffahren. Besonders viele Blicke zieht aber dann noch Nico Went auf sich. Wer ihn schon in „Romeo & Julia – Liebe ist alles“ in Berlin liebte, bekommt jetzt nochmal ganz neue Facetten zu sehen: Als völlig durchgeknallter Renfield darf er richtig freidrehen und mit purem Wahnsinn in seinem Solo „Das Lied vom Meister“ überzeugen. Das gelingt perfekt.

Dracula ist auf jeden Fall ein Überraschungshit, der so gut ankommt, dass für Herbst 2027 schon eine Bonustour angekündigt ist. Das kann man nach dem Besuch in Duisburg nachvollziehen, sind die 15-köpfige Cast, das Bühnenbild sowie die -technik echt ein hervorragendes Zusammenspiel. Dass man aber im Ton so verkackt, ist wirklich ehrlich und muss (!) ausgebessert werden. Ein dicker und völlig unnötiger Abzug. Wer „Tanz der Vampire“ vorwärts wie rückwärts mitsprechen kann und für darke, opulente Musical-Drama-Kost etwas übrig hat, ist in der Inszenierung genau richtig und sollte nach Resttickets kaufen. Könnte aber schwierig werden.

Weitere Termine 2026:

bis 15.02. Theater am Marientor, Duisburg
20.02.-22.02. Messe, Dresden
26.02.-01.03. Motorworld, Köln
03.03.-04.03. Saarlandhalle, Saarbrücken
06.03.-08.03. Metropol Theater, Bremen
12.03.-14.03. Theater am Aegi, Hannover
20.03.-22.03. TipsArena, Linz (AT)
27.03.-28.03. Georg-Friedrich-Händel Halle, Halle
30.03.-02.04. Liederhalle, Stuttgart
07.04.-19.04. Deutsches Theater, München
21.04.-23.04. Congress, Innsbruck (AT)
25.04.-26.04. Helmut List Halle, Graz (AT)
01.05.-07.06. BlueMax Theater, Berlin

Bereits angekündigte Termine 2027:

29.10.-31.10. Motorworld, Köln
06.11.-07.11. Meistersingerhalle, Nürnberg
11.11.-14.11. Metropol Theater, Bremen
18.11.-21.11. Theater am Marientor, Duisburg
23.11.-28.11. MuseumsQuartier, Wien (AT)
03.12.-05.12. myticket Jahrhunderthalle, Frankfurt

Und so sieht das aus:

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Foto von Christopher Filipecki

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