Beat It! Live, Stadthalle Bielefeld, 08.02.2026

beat it bielefeld

Wenn man über Künstler*innen nachdenkt, die ein dermaßen ikonisches Auftreten haben, dass man sie in gleich mehreren Kategorien sofort wiedererkennt, dann ist das schon etwas ziemlich besonderes. Michael Jackson gehört wohl zweifelsfrei zu den Acts, bei denen man Gesang, Tanz und Kleidungsstil als äußerst einzigartig beschreiben kann. Sehr viele haben Teile von ihm in ihrer eigenen Kunst adaptiert, selbst fast 17 Jahre nach seinem Tod ist sein Einfluss auf die Musikgeschichte immens. Dass hier eine wahre Goldgrube an Möglichkeiten liegt, um aus seiner überdimensional riesigen Fangemeinde Kapital zu schlagen, haben schnell viele erkannt – und oftmals ganz schönen Murks vermarktet. Darunter auch seine engsten Verbündeten. Und gerade unter den diversen Shows, die Michael und sein Vermächtnis in den Fokus rücken, gibt es einige Enttäuschungen. Umso wichtiger, bei heutigen Ticketpreisen genau zu wissen, was lohnt und was nicht. Beat It! Live mag nicht die bekannteste MichaelJackson-Tributeshow sein, aber es ist mit großer Wahrscheinlichkeit die Beste.

Am Ende spielt das Konzept, auf dem die Show aufbaut, eine enorm große Rolle. Das machen nämlich alle irgendwie anders. Cool, weil so Individualität besteht – schwierig auf der anderen Seite, weil nicht jede*r Zuschauer*in jede Idee gefallen wird. „Thriller Live“ , wirklich ein täuschend ähnlicher Name, lief lange erfolgreich am Londoner West End und ist auch bei uns mehrfach durch die Republik getourt. Die Produktion ist ziemlich aufwändig. Gleich vier Sänger*innen mit unterschiedlichen Stimmfarben singen die Songs, ein Tänzer mimt Michael Jackson, viele andere Tänzer*innen ergänzen oft in detailgetreuen Kulissen, die den Musikvideos entlehnt sind, mit geilen Moves. Eine beeindruckende Tanzshow, die Gala-Charakter hat. Das im Winter 2024 gestartete Musical „MJ – Das Michael Jackson Musical“ in Hamburg probiert dem Megastar viel Persönlichkeit zu verleihen, so gibt es eine durchgängige Handlung, die durch Tanzsequenzen unterbrochen wird. Hier stellt ein Musicaldarsteller Michael Jackson dar. Grundsätzlich nicht verkehrt, aber etwas inkonsequent in der Umsetzung und zu viel gewollt. „Forever – The Best Show About The King of Pop“ hat als klar erkennbare Tribute-Show gute Ansätze, wirkt aber in einigen Punkten auch nicht ganz einheitlich.

Wie gesagt, viele probieren vieles. Ausschließlich gute Entscheidungen zu treffen, ist eine große Herausforderung. Und ja, auch Beat It! Live hat einen Makel. Den können wir an der Stelle aber schnell abfrühstücken: Auf den Leinwänden im Hintergrund werden größtenteils pixelige und hässliche Visuals gezeigt, die eine KI 2026 in zwei Sekunden besser hinkriegt. Das ist ziemlich merkwürdig und oftmals ganz schön unästhetisch. Dazwischen gibt es bei einigen Songs Ausschnitte aus Originalvideos oder Konzertaufnahmen. Irgendwie random. Da kann man doch noch einiges mehr rausholen.

Doch wer nach einem leicht irritierenden Intro mit „Dirty Diana“ in der Originalversion vom Band noch zwei Minuten eine ebenfalls etwas willkürlich wirkende Armee-Choreo von Backgroundtänzern – vier männliche an der Zahl – durchsteht, wird fortan ausschließlich auf Top-Niveau unterhalten. Hat das Veranstaltungsteam COFO Entertainment mit „Simply The Best – Die Tina Turner Story“ eine ganz nette TinaTurner-Tributeshow mit Musicalelementen und mit „Elvis – Das Musical“ eine ähnlich solide ElvisPresley-Show im Programm, so übertrumpft Beat It! Live das Ganze um Längen. Das liegt an drei Elementen: Das eine ist das bereits erwähnte, klar und einfach gehaltene Konzept, was hier durchgängig funktioniert. Das nächste ist die hohe Musikalität seitens aller Bühnenpersonen. Doch das Entscheidende – und das ist ein wahrer Ritterschlag – ist die unglaubliche Performance von Hauptakteur Garth Field.

Wir betonen nochmal: Es gibt nicht viele Acts, an die Besucher*innen eine so hohe Erwartungshaltung haben. Wie Michael auszusehen? Reicht nicht. Wie Michael tanzen zu können? Reicht nicht. Wie Michael zu klingen? Reicht nicht. Wie Michael gesangstechnisch zu flexen? Reicht nicht. Es muss einfach alles sein. Doch mit Garth Field aus Kapstadt in Südafrika geschieht so ein gewisser Zauber in der fast ausverkauften Bielefelder Stadthalle, die am Sonntagabend erst knapp 55 Minuten und dann nach einer Pause nochmal rund 60 Minuten extrem treffsicher bespielt wird. Wenn sich ein Musicaldarsteller über einige Monate mit der Rolle beschäftigt und dann eine gute Performance zeigt, ist das toll. Wenn sich jemand aber lebenslänglich von klein auf mit seinem Idol auseinandersetzt und schließlich MichaelJackson-Imitator hauptberuflich wird, ist das einfach ein ganz anderes Kaliber. Im Gesicht würde man den Performer nicht unbedingt mit seinem Vorbild verwechseln, auch wenn er ähnlich gestylt ist. Auch sein Körpergewicht ist etwas mehr als das von dem Kultmusiker. Seine Stimmfarbe ist ebenso nicht ganz dieselbe, geht aber in eine ganz gute Richtung. Doch diese Faktoren sind die unwichtigeren. Was die Illusion wirklich hervorragend macht, ist die sagenhafte Gesangsqualität, die selbst die allerschwersten Höhen in Brust und Kopf erreicht, und die Dancemoves, die zwei Stunden lang mit solch einer Energie abgefeuert werden, dass man sich ganz schnell nur noch fragt, wie der Typ da vorne das durchhält.

Zum Konzept von Beat It! Live: Keine Spielszenen. Gar keine. Danke. Auch keine schrägen Dialoge oder so. Eine kleine Huldigung an den King Of Pop und sein Schaffen zum Schluss, mehr nicht. Keine Special Effects, keine Umbauten, keine krasse Bühnentechnik. Sehr wenig Requisite – eigentlich nur dann, wenn es wie bei „Billie Jean“ oder „Thriller“ absolut dazu gehört – und leider eben schrömmelige Visuals auf Leinwand. Stattdessen aber eine von der Tontechnik wahnsinnig gut abgenommene und gut eingespielte vierköpfige Rockband, wovon zwei auch im Backgroundgesang mitwirken, plus zwei starke Backgroundsängerinnen. Beat It! Live schafft es eine Konzertatmosphäre zu kreieren, dabei ist der eigentliche Star, um den es geht, ja gar nicht selbst da. Schnell fängt das im Alter bunt gemischte Publikum an auf den Stühlen mitzuwippen. Kurz vorm Ende des ersten Acts wird das erste Mal aufgestanden, mitgetanzt, mitgeklatscht – und im zweiten Act eigentlich fast durchgängig.

Das ist Königsdisziplin und doch so logisch: Aus wenig Mitteln so viel rauszuholen, dass alle in der Halle mitgehen, klappt nur dann, wenn nichts Überflüssiges geschieht, gleichzeitig aber das, was geschieht, richtig geil ist. Beat It! Live schießt pausenlos alle Hits ab, die man sich wünscht. Vergessen wird eigentlich gar nichts. Jeder Song, den das breite Publikum mit Michael verbindet, kommt vor. Und das in den bekannten Arrangements, nicht in irgendwelchen abgewandelten Versionen. Dazu alles in Originaltonart, was selbst viele Profisänger*innen nicht hinbekommen. Doch Garth Field scheint an sich einen so hohen Anspruch zu haben, dass er sich selbst mit kaum nachzuahmenden Titeln wie „Earth Song“, „Don’t Stop Til You Get Enough“ oder „Man In The Mirror“ nur in den ursprünglichen Originalhöhen zufrieden gibt. Selbst die Songs, in denen Michael bei den Jackson 5 noch Kind war, scheinen für ihn ein Leichtes zu sein.

Für Menschen, die Michael Jackson mögen, macht die Show echt Bock – doch für die, die ihn lieben, ist es eine wahre Fundgrube. Fast die gesamte Setlist der legendären „Dangerous“-Tour aus 1992/93 wird gespielt, ergänzt durch ein paar Lieder der „HIStory“-Tour aus 1996/97 und zwei, drei kleinen Überraschungen. Wenn man wirklich etwas suchen möchte, was fehlt, sind es vielleicht „Scream“, „Stranger in Moscow“, „You Are Not Alone“, „I’ll Be There“, „Will You Be There“ oder „Jam“, aber bei so einer krassen Diskografie ist es unmöglich, wirklich alles zu berücksichtigen. Doch das, was gespielt wird, ist immer ein Treffer – musikalisch, gesanglich, tänzerisch. Richtig knallend scheppern die Megahits aus den Boxen und fahren durch den Körper. Wie gut Garth Field vorbereitet ist, zeigt besonders „Human Nature“, zu dem der Originalauftritt von der „Dangerous“-Tour auf Leinwand läuft und er vor ihr einfach in jeder Sekunde exakt dieselbe Bewegung macht wie der eigentliche Star des Abends. Völlig beeindruckend. Daneben gibt es zig Gimmicks, die Fans glücklich machen werden. Jede Choreo wird so nah wie möglich an der Vorlage gehalten, bei „Remember The Time“ streut der Protagonist stets kleine Schritte aus dem stilvollen Musikvideo mit Ägypten-Thema ein. Selbst Publikumsspiele wie das Nachmachen von typischen MJ-Sounds wie „Hee-hee“ und „Oww“ werden zum Spaß. Dazwischen läuft Field zweimal durch den Innenraum, klatscht das Publikum ab, tanzt mit einem kleinen MichaelJackson-Fan um die Wette, holt zu „She’s Out Of My Life“ eine Frau aus der ersten Reihe nach oben und liefert sich in „Bad“ ein lustiges Battle mit einem etwas irritierten Herrn direkt vor der Bühne, der sichtlich überfordert ist. In manchen Augenblicken schlüpft er kurz aus seiner Rolle und wirkt auch dabei stets sympathisch und der Crowd zugewandt.

Beat It! Live macht es richtig. Das, was sitzen muss, sitzt. So wie ein verlängertes „Billie Jean“-Solo, eine schaurige Inszenierung zu „Thriller“, ein Street-Battle in „Bad“, alle wichtigen Outfits wie für „Smooth Criminal“ der Anzug oder für „Beat It“ die Jacke. Wer an diesem Abend nicht mit hervorragender Laune geht, mag entweder Michael Jackson nicht oder lehnt grundsätzlich das Prinzip von Tribute-Shows ab. Beide Parteien bleiben bitte zuhause, alle anderen dürfen endlich zumindest in Ansätzen fühlen, wie es wohl war, den immer noch erfolgreichsten Soloartist aller Zeiten live zu sehen, denn das war wohl nur den Allerwenigsten vergönnt. Dickes Lob, dicke Empfehlung.

Weitere Termine:

09.02. Tempodrom, Berlin
10.02. Volkswagen Halle, Braunschweig
11.02. Messehalle, Erfurt
12.02. Stadthalle, Chemnitz
13.02. Sparkassen-Arena, Jena
16.02. Stadthalle F, Wien (AT)
17.02. Stadthalle, Graz (AT)
18.02. Brucknerhaus, Linz (AT)
19.02. Freiheitshalle, Hof
20.02. Getec-Arena, Magdeburg
22.02. StadtHalle, Rostock
24.02. Halle Münsterland, Münster
25.02. Lokhalle, Göttingen
26.02. Stadthalle, Zwickau
28.02. Salzburgarena, Salzburg (AT)
01.03. Brose Arena, Bamberg
03.03. EPG Arena, Koblenz
04.03. Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf
05.03. Lanxess Arena, Köln
06.03. Saarlandhalle, Saarbrücken
07.03. Stadthalle, Kassel
10.03. Das Stadtwerk-Donau-Arena, Regensburg
11.03. Liederhalle, Stuttgart
12.03. CCW, Würzburg
13.03. SWT Arena, Trier
14.03. Swiss Life Hall, Hannover
17.03.-21.03. Deutsches Theater, München
22.03. Dogana, Innsbruck (AT)
24.03.-29.03. Halle 622, Zürich (CH)
31.03. Quarterback Immobilien Arena, Leipzig
01.04. Kia Metropol Arena, Nürnberg
02.04. Myticket Jahrhunderthalle, Frankfurt am Main
04.04. Rheingoldhalle, Mainz
05.04. Festspielhaus, Bregenz (AT)
06.04. BigBox Allgäu, Kempten
07.04. Dreiländerhalle, Passau
08.04. Oberrheinhalle, Offenburg
09.04. Ratiopharm Arena, Neu-Ulm
10.04. Sparkassen-Arena, Landshut
11.04. Kongress am Park, Augsburg
12.04. Stadthalle, Aschaffenburg

Und so sieht das aus:

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Foto von Christopher Filipecki

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