Forever – The Best Show About The King Of Pop, EmslandArena Lingen, 13.12.2025

Große Künstler*innen verdienen große Aufmerksamkeit – auch weit über ihren Tod hinaus. Tribute-Shows sind schon immer ein Ding. Besonders Queen, Elvis Presley, The Beatles und Tina Turner werden in unterschiedlichsten Formaten gefeiert. Manchmal sind es eher Musical-esque Inszenierungen, dann eher möglichst nah am Original geführte Kopien von berühmten Konzerten. Michael Jackson ist dank einer Vielzahl von Signature Moves – im Tanz, im Gesang, in der Optik, im Kostüm sowie in der Videoclip-Ästhetik – die perfekte Vorlage, um aus seinem Schaffen eine Hommage für die Bühne zu entwerfen. Forever – The Best Show About The King Of Pop ist seit nun 15 Jahren fester Bestandteil der MJ-Entertainmentbranche und zuletzt auch in Deutschland wieder zu sehen.

Am 13.12., einem Samstag, gibt es die vorerst letzte Aufführung von Forever hierzulande, nämlich in der EmslandArena in Lingen. Die ist zwar nur geschätzt zu zwei Drittel besetzt, darunter sind aber einige große Michael-Fans. Mehrere im Zuschauerraum tragen Fanshirts, Glitzerhandschuhe oder einen der berüchtigten Hüte. Pünktlich um 20 Uhr beginnt die 120 Minuten andauernde Show, die von einer 25-minütigen Pause unterbrochen wird. Bei einer dermaßen erschlagenden Vielzahl an Tribute-Shows über den einzig wahren Megastar – schließlich wurde dieser Begriff für ihn erdacht – sollte man schon etwas genauer hinschauen, welche man davon nun mitnimmt und welcher eher nicht. Nach dem äußerst erfolgreichen „Thriller Live“ , das immer wieder auf Tour ging, sowie dem weiterhin in Hamburg laufenden „MJ – Das Michael Jackson Musical“ haben sich allein für 2026 schon wieder drei neue ähnliche Formate angekündigt. Deswegen nun auch bei Forever die Frage: Was wird eigentlich genau geboten und wie qualitativ ist das Ganze?

Selbst als kritischer, großer MichaelJackson-Fan kann man hier mit einem guten Gefühl den Saal verlassen. Die zweistündige Show bietet nämlich sowohl für die „Michael fand ich immer schon ganz gut“- als auch für die „Für mich ist er immer noch der Größte“-Anhängerschaft einen gekonnten Mittelweg. Nicht zu mainstreamig und berechenbar, gleichzeitig aber auch nicht zu nischig. Auf der Homepage stehen auffällig positioniert Zitate von Michaels Geschwistern Jermaine und La Toya sowie von seinem Vater Joseph – die Erwartungshaltung darf also zurecht etwas höher geschraubt werden. Dennoch weiß die aus Madrid stammende Show, die bereits in 12 Ländern zu sehen war und weit über 600 Auftritte zählen kann, mit welchen Mitteln sie überzeugt. Kritikpunkte gibt es dennoch, doch dazu etwas später mehr.

Forever – The Best Show About The King Of Pop zeigt einen konzertähnlichen Aufbau. Auf zwei Ebenen wird eine fünfköpfige Band bestehend aus der typischen Besetzung zwei Keyboards, Bass, Gitarre und Drums gezeigt, vor und zwischen der sieben breit aufgestellte Sänger*innen plus acht Tänzer*innen ihre Plätze einnehmen, um das immer wieder völlig erschlagende Werk von Michael Jackson zu feiern. On top gibt es mit Álex White einen der bekanntesten MJ-Imitatoren der Welt. Zusätzlich gibt es eine sehr klassische Lichtinstallation sowie ein paar Bildschirme mit Visuals. Die allergrößten Special Effects werden hier zwar nicht aufgefahren, das ist bei einer Tourproduktion, die in jeder Stadt nur für einen Stopp hält, aber auch völlig in Ordnung so.

Nach einem mitreißenden Intro-Film, der einige der markantesten Aufnahmen von Michael Jackson bereithält und mehrere seiner Rekorde aufzählt, geht es direkt in die Show. Eine durch den Abend führende Moderation gibt es nicht, nur hin und wieder ein paar Worte der Sänger*innen – und das ist gut so. Zu pathetische, überzogene Ansprachen würden den Rahmen sprengen, stattdessen darf die Musik fast ausschließlich für sich sprechen. Das tut sie auch in einer echt gelungenen Form: Der Sound ist von Beginn bis Ende super, wird an den richtigen Stellen mal knallig laut, dann wieder berührend ruhig. Fast alle Songs sind in Originaltonart und verleihen damit authentischen MichaelJackson-Charme. Wieder einmal wird deutlich, was für Gesangsskills der in Indiana geborene Artist besaß, denn bei Forever ist nicht eine Person für die Vocals zuständig, sondern eben gleich sieben, darunter drei Frauen und vier Männer. Alle besitzen ihre persönlichen Vorteile – so gibt es mal etwas mehr Gospel, dann wieder mehr Soul, mehrere Rock-Momente, groovende Bass-Einlagen oder die ganz hohen Falsett-Töne. Die Anteile sind in etwa gleichmäßig auf alle aufgeteilt und niemand sticht besonders positiv oder negativ hervor, was sehr gut ist, da sich so eine runde Sache ergibt, trotz Diversität in den Stimmfarben.

Die Sänger*innen sind mal prominent im Vordergrund mit Spots positioniert, dann aber auch mal im Hintergrund – sobald die Tänzer*innen ihren Moment bekommen, wird der Gesang untergeordnet. Auch eine gute Entscheidung. Das achtköpfige Dance-Ensemble zeigt zu gut zwei Drittel ikonische Choreografien aus dem gesamten Universum Michael Jacksons, zu einem Drittel gibt es aber auch zeitgemäße Hip-Hop-Moves, Contemporary Paartänze und Modern Jazz. Die Kostüme sind manchmal den Videos entlehnt, dann aber auch mal freier gestaltet. Álex White, der als Michael verkleidet auftritt, ist zwar unverkennbar der Star des Abends – er singt übrigens Playback mit, währenddessen der Gesang live von den Sänger*innen kommt – überlässt aber auch viele Soli seinen Kolleg*innen, sodass er grob die Hälfte der Stagetime zu sehen ist.

Wirklich stark ist die üppige Setlist, die bis auf sehr wenige Ausnahmen keine Wünsche offen lässt. Von den Jackson5-Anfängen bis hin zum letzten Soloalbum „Invincible“ gibt es einen stimmen Querschnitt mit allen großen Bangern, aber auch kleinen Überraschungen. Natürlich darf man sich auf Highlight-Momente wie „Billie Jean“, „Beat It“ oder „Smooth Criminal“ freuen, doch darüber hinaus verfeinert Forever die Trackliste auch mit Insidern wie „Why You Wanna Trip On Me“ vom „Dangerous“ -Album, „Baby Be Mine“ von „Thriller“ , „Dirty Diana“ von „Bad“, „You Rock My World“ von „Invincible“, „Blood On The Dance Floor“ von der gleichnamigen Remix-LP und sogar „Love Never Felt So Good“ als posthumen Track. Kreativ. Manche Songs werden thematisch als Medley gespielt (z.B. „I’ll Be There“ und „Will You Be There“ oder „Man in the Mirror“ [übrigens als einer der wenigen nicht in der Originaltonart, sondern tiefer!] mit „Earth Song“ und „Heal The World“), andere mit Publikumsinteraktion versehen wie das „Na Na Na“ in „P.Y.T.“. Das macht doch mal Spaß. In der Stilistik orientiert man sich mehrfach an sehr populären Liveauftritten wie dem unvergleichlichen MTV-Video-Music-Awards-Gig zu „Dangerous“ oder dem legendenartigen Sonnenbrillen-Opening „Jam“ von der Welttour 1992/93. Schade: „Remember The Time“, das in Outfit und Choreo einer der fettesten 90s-Classics überhaupt ist, hat es gar nicht in die Show geschafft.

Álex White hat sehr genau hingeguckt und super adaptiert. Egal, ob den Moonwalk in „Billie Jean“, die energiegeladenen Kicks in „Beat It“ oder sogar das äußerst anspruchsvolle Leaning in „Smooth Criminal“ – alles dabei und sehr geschmeidig umgesetzt auf hohem, tänzerischem Niveau. So werden die eben genannten natürlich zu den Peaks der Show, aber auch das düster inszenierte „Thriller“, zu dem Zombies durch den Innenraum wandern und es sogar einen kleinen Zaubertrick gibt, werden mit viel Beifall belohnt. Doch auch in der Band gibt es starke Musiker*innen, ganz besonders Gitarrist Javier Suárez Collin zockt alle wichtigen Soli mit spielender Leichtigkeit.

Trotzdem müssen an einigen Stellen ein paar Pünktchen abgezogen werden. Dass keine unnötige Story und auch nicht die Biografie Michael Jacksons erzählt werden, ist super. Dennoch dürfte die Show aber besonders in der Dramaturgie einiges mehr bieten. Die Reihenfolge der Songs ist bis auf die zusammenhängenden Medleys völlig willkürlich. Es gibt weder einen roten Faden in der Chronologie noch einen im Spannungsbogen. So wechseln sich Alben, Genres, Sänger*innen einfach irgendwie ab. Das ist ein wenig zu beliebig, besonders wenn so mancher Höhepunkt wie „Billie Jean“ extrem früh kommt, man auf der anderen Seite für Songs von „Off The Wall“ bis zum Finale warten muss und mit „Shake Your Body (Down To The Ground)“ ein eher schwächerer Song in den Zugaben auftaucht. Auch das Opening mit einem extrem (!) verschachtelten „Scream“ / „Black Or White“-Mashup macht es etwas schwer, in die Show reinzukommen. Da wären beide Titel einzeln sinniger gewesen. Dass „I Just Can’t Stop Loving You“ plötzlich von einer der Sängerinnen als Geigensolo gespielt wird, sorgt auch für Irritationen. Weiterer großer Kritikpunkt: Die Visuals auf den Leinwänden. Manchmal gibt es echte MichaelJackson-Fotos, dann an die Videos angelehnte designte Szenerien, dann wieder Hintergründe, die wirken wie aus Windows 1998. 2025 kann dank KI dahingehend weitaus mehr geliefert werden – das wirkt eher, als ob seit 2010 keine Upgrades mehr durchgeführt wurden.

Gesamt betrachtet macht Forever – The Best Show About The King Of Pop aber eine gute Figur. Natürlich ist das „The Best Show“ marketingtechnisch dick aufgetragen – etwas weniger ist manchmal mehr. Dass hinter dem Projekt selbst Michael-Fans stecken, ist in jeder Minute erkennbar. Sowohl gesanglich, musikalisch als auch tänzerisch gibt man sich Mühe, der riesigen Diskografie gerecht zu werden, was gut gelingt. Mal geht es nur um Gesang, dann wieder um die Choreo oder auch einfach um die Atmosphäre des jeweiligen Songs. Viele abwechslungsreiche Ideen, viele gut umgesetzt – zwei, drei Details könnte man aber noch ausbessern.

Und so sieht das aus:

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Foto von Christopher Filipecki

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