“If I should fall down / Under stars I can’t call out/ Get me back to my home ground/ Let me add to the wеight of the woods/ Tether my bonеs tight/ In view of that coastline/ And bury this soul of mine / Give it back to the weight of the woods”
Acht Jahre ist es her, dass Dermot Kennedy mit seinem Song „Power over Me“ und dem dazugehörigen Album „Without Fear“ die Singer-Songwriter-Welt auf den Kopf stellte. Es folgten weitere grandiose Lieder wie „Outnumbered“ oder „Giants“, mit denen der Sänger immer wieder sein großes Talent und vor allem sein Storytelling mit enormer Tiefe unter Beweis stellte. Vier Jahre nach Veröffentlichung seines letzten Langspielers „Sonder“ ist er nun mit seinem dritten Studioalbum „The Weight of the Woods“ zurück. Vierzehn Tracks, auf denen er nicht nur seinen irischen Wurzeln, sondern auch seinem ganz eigenen Stil treu bleibt.
Bereits der Opener ist dabei ein kleines Highlight. Vom namensgebenden Song des Albums „The Weight of the Woods“ wird zunächst nur der Chorus eingespielt. Allerdings in einer wunderschönen Chor-Version. Bereits dort setzt Dermot Kennedy seine Stimme gekonnt in Szene und führt dies auf dem gesamten Album fort. Mit „Honest“ liefert er den Track, der musikalisch wohl am deutlichsten seine irischen Wurzeln repräsentiert. Inhaltlich geht es um eine verpasste Liebe, bei der Gefühle nicht rechtzeitig gezeigt wurden, und darum, zu lernen, damit umzugehen.
Sowohl Hoffnung als auch Sehnsucht und Verletzlichkeit spielen auf dem dritten Album des Singer-Songwriters eine große Rolle. In „Refuge“ etwa geht es um zwei Menschen, die trotz aller Widrigkeiten aneinander festhalten und in schwierigen Zeiten füreinander da sind. „Sycamore“ handelt von jemandem, der trotz vergangenem Herzschmerz bereit ist, wieder mit vollem Herzen zu lieben und sich vollständig zu öffnen („So, should our love fall short this time/ Just know my heart was open wide“). Der Song kommt melodisch sehr unaufgeregt daher, trägt aber eine umso stärkere Botschaft in sich.
Stilistisch bleibt sich Dermot Kennedy treu und setzt auf nahbare, tiefe Emotionen. Zwischenzeitlich fühlt es sich an, als würde man Tagebucheinträge lesen. Die Songs sind tiefgründig, teils schmerzhaft und nie beschönigt oder mit einer rosaroten Brille betrachtet. Besonders gelungen ist „Funeral“, eine Art Hymne darauf, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Der Song wirkt befreiend und gleichzeitig erstaunlich empowernd. Ganz anders, aber mindestens genauso eindringlich ist „Endless“. Dermot Kennedy schafft hiermit einen Gänsehautmoment nach dem anderen und besingt die Tatsache, dass jemanden zu lieben gleichzeitig auch bedeutet, dessen Schmerz mitzutragen („I couldn’t fix it for you, baby/ I couldn’t keep the pain away from this house/ Until the morning, will you lay with me?/ Pretend the hurt is gone for now”).
Einen besonders nostalgischen Touch hat „Often, Lately“, das gerade durch seine Eindringlichkeit und die raue Stimme Dermot Kennedys unter die Haut geht. Lyrisch geht es um die Erinnerung an eine vergangene Beziehung und die Erkenntnis, dass man diese vermisst, aber nicht zurückkehren kann („Now those memories are distant, but those memories are nice/ Sustained me for a minute, but I’m running out of time/ I’m worried about the losses and the love I’ve left behind“). Sehnsucht und Hoffnung stehen hier im krassen Gegensatz zur Realität. „Trepidation“ hingegen ist DAS Liebeslied des Albums. Das Gefühl, verliebt zu sein und jemanden beschützen zu wollen, zieht sich durch jede Zeile.
Normalerweise verarbeitet der Sänger in seinen Songs oft den Schmerz nach einem Beziehungsende. In „Happiness“ wechselt er die Perspektive und erzählt davon, jemanden ohne Reue und mit offenem Herzen gehen zu lassen, während „Wasted“ das Ende einer Beziehung zeigt, an der eine Person noch immer festhält.
Zwischen Lyrics und Musik schafft der Sänger auch auf seinem dritten Album eine stimmige Symbiose. Die irischen Folk-Klänge verbinden sich mit Pop-Elementen, getragen wird alles von seiner markanten Stimme. Es braucht nicht viel, um einen Dermot-Kennedy-Song wirken zu lassen. Das bewies er zuletzt auf seiner Akustik-Tour im vergangenen Jahr und nun erneut auf diesem Album. Einzig die Songs „Blue Eyes“ und „The Only Time I Prayed“ fallen etwas hintenüber. Sie kommen farbloser daher, passen nicht ganz in das Gesamtbild des Albums und bleiben auch nach mehrmaligem Hören nicht hängen. Mit der Vollversion von „My Weight of the Woods“ schafft er dafür eine schöne Klammer zum Abschluss.
Wer tiefgründige Songs sucht, die sich zwischen euphorischen Liebesbekundungen und schmerzhaften Breakup-Momenten bewegen und dabei eher das Dazwischen als die perfekten Augenblicke einfangen, wird hier fündig. Dermot Kennedy hat genau dafür ein Händchen und kreiert aus diesen Songs seine ganz eigene Welt, fernab vom Mainstream.
Und so hört sich das an:
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Die Bildrechte liegen bei Universal Music.
TOURDATEN 2026
14.05.2026: Barclays Arena, Hamburg
15.05.2026: Max-Schmeling-Halle, Berlin
23.05.2026: Zenith, München
26.05.2026: Mitsubishi Electric HALLE, Düsseldorf
09.06.2026: Stadthalle Offenbach, Offenbach am Main
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