Es müssen nicht immer die krassen Shows, mit Dutzenden Bühneneffekten, zahlreichen Outfits und durchchoreografierten Momenten sein. Manchmal reichen auch die essenziellen Dinge: eine gute Stimme, eine gute Live-Band und ganz viel Gefühl. Wo man das findet? Bei Dermot Kennedy definitiv. Erst vergangenes Jahr spielte der Sänger im Carlswerk in Köln eine wunderschöne Akustik-Show, vor zwei Monaten veröffentlichte er mit „The Weight Of The Woods“ sein viertes Studioalbum. Für seine gleichnamige Tour machte der Singer-Songwriter auch in der Mitsubishi Halle in Düsseldorf Halt und spielte eine Show voller Emotionen und großer Momente.
Bereits die Vorband Amble sorgte dabei für einen gelungenen Start des Konzertabends. Irgendwo zwischen Irish Pub und dem Auenland schaffte die sechsköpfige Band ein harmonisches Miteinander und sehr atmosphärische Folk-Pop-Songs. Amble, die bereits mit Hozier auf Tour waren, haben sich erst vor vier Jahren formiert, schafften es aber dennoch spielend leicht, die Mitsubishi Halle für sich einzunehmen.
Einen ebenso mitreißenden und eindrucksvollen Auftakt kreierte dann auch Dermot Kennedy selbst, der ohne viel Tamtam, aber gekonnt in Szene gesetzt „The Weight Of The Woods (Reprise)“ anstimmte. Zwar wirkte die Stimme des Sängers zu Beginn noch etwas angeschlagen, das legte sich aber im Laufe des Konzertes glücklicherweise. Verwunderlich wäre dies nach neun bereits gespielten Konzerten nicht gewesen. Aber im Gegenteil: Der Sänger überzeugte mit seiner grandiosen Stimme, die diesen besonderen, zugleich kratzigen, aber auch emotionalen Klang hat.
Die Setlist bestand dabei vorwiegend aus Songs des neuen Albums. Gleich zwölf Titel spielten Dermot Kennedy und Band davon, einzig „Trepidation“ und „The Only Time I Prayed“ schafften es nicht ins Programm, fehlten allerdings auch nicht. Erstaunlicherweise schaffte es vom dritten Studioalbum nur „Better Days“ auf die Bühne, das nach wie vor aber eine der wichtigsten Botschaften eines Dermot-Kennedy-Songs enthält. Klassiker wie „Power Over Me“ und „Outnumbered“ durften selbstverständlich auch nicht fehlen. Allerdings waren es nicht besagte „Hits“, die große Highlights schafften, sondern eher die neuen Werke. Der Sänger ging in diesen vollkommen auf. Immer wieder überzog ein Lächeln seine Lippen und die Art und Weise, wie er auf seiner Gitarre spielte, lässt sich nur als hingebungsvoll beschreiben. Gleiches gilt für seine Band: Selten tauchen Musikerinnen und Musiker so tief in die Songs ein, wie an diesem Abend. Jedes einzelne Bandmitglied fühlte die Melodien, der Spaß war allen dabei anzusehen.
Im Gegensatz zum Akustik-Konzert hatte Dermot Kennedy dieses Mal auch eine Backgroundsängerin und einen Backgroundsänger mit großartigen Stimmen dabei. Lediglich bei einigen Songs wurden die Arrangements so umstrukturiert, dass beide Teile des Refrains sangen und nicht der Sänger selbst. Das sorgte beispielsweise beim schönen „Turnstile“ für einen leichten Bruch im Arrangement.
Während Songs wie „Refuge“ und „Wasted“ mit der ganzen Band performt wurden, legte Dermot Kennedy auch ein kleines Akustik-Set ein. Dort spielte er beispielsweise in einer Stripped-Version „Often, Lately“ und „The Weight Of The Woods“ und schuf einen Gänsehautmoment nach dem anderen. Sowohl von den Lyrics als auch vom Gesang und den reduzierten Instrumenten her, erzeugten die Songs eine gigantische Wirkung, wirkten intim, nahbar und harmonisch.
Mit „Funeral“ beendet der Sänger sein Konzert nach knapp eineinhalb Stunden – wie fast immer ohne eine Zugabe. Dass Dermot Kennedy trotz der Stärke seiner Lyrics auf der Bühne kein Mann der großen Worte ist, sollte mittlerweile bekannt sein. Trotzdem schaffte der Sänger es in den kurzen Momenten, in denen er mit dem Publikum sprach, tiefe Einblicke in die Entstehung der Songs zu geben. Er zeigte sich immer wieder sehr dankbar und gleichzeitig bescheiden, ließ die Musik sprechen und feierte seine Band. Eben nicht die riesengroße Produktion mit extremen Effekten, sondern eine Show mit Herz und vielen kleinen, leisen und lauten Augenblicken.
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Fotos von Marie H. / @marie_.fotografie
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