Wenn der Ring ruft, sind wir dabei! Schon das vierte Jahr in Folge waren wir von minutenmusik bei Rock am Ring dabei. Die Erwartungen waren wie jedes Jahr hoch und auch in diesem Jahr haben wir wieder drei großartige Festivaltage erlebt, die in Erinnerung bleiben werden. Aber fangen wir ganz vorne an.
2025 hat Rock am Ring 40-jähriges Jubiläum gefeiert und dafür richtig aufgefahren: Das Team von Dreamhaus hat sich ins Zeug gelegt, um das Jubiläum spektakulär zu machen. Neue Videowall-Würfel mit Nebel- und Feuereffekten haben das Bühnen-Design auf ein ganz neues Level gehoben und gleichzeitig auch die ewig alten Schwierigkeiten an der Hauptbühne überhaupt etwas von ganz hinten zu sehen, gelöst. Eine vierte Bühne, insgesamt 100 Bands und die Ankündigung Linkin Park bereits für 2026 als Headliner gebucht zu haben, haben ein herausragendes Festivalerlebnis geschaffen. Das gute Jahr wurde dann noch einmal getoppt dadurch, dass die Festivaltickets in rasanter Geschwindigkeit verkauft wurden, alleine Linkin Park reichte aus, um schon einen großen Anteil an Tickets abzusetzen. Monat war Rock am Ring dann ausverkauft, so früh wie nie zuvor in der 40-jährigen Geschichte des Festivals. Mit einem Full Line Up Announcement war dann klar, wohin die Reise 2026 geht.
Drei starke Headliner, ein starkes Mittelfeld und gute Mittagsbands
Immer mal wieder gibt es Diskussionen darum, welche Bands das Level Headliner wirklich erfüllen können und gleichzeitig für so ein Festival verfügbar und bezahlbar sind. 2026 hatte Dreamhaus diese Frage clever gelöst, denn bei Linkin Park, Volbeat und Iron Maiden haben alle drei Bands unzweifelhaft Headliner-Status. Neben Linkin Park, die erst durch die Reunion überhaupt wieder verfügbar waren, haben auch Iron Maiden zuletzt vor 12 Jahren am Nürburgring gespielt, ein gewisser Exklusivitätsfaktor war zusätzlich vorhanden. Auch das Line Up darunter konnte sich sehen lassen. Mit Limp Bizkit, Papa Roach und The Offspring setzte das Booking Team auf Altbekannte, die jedoch gerade in der wohl erfolgreichsten Ära ihrer Karriere sind. Mit nationalen Größen, die insbesondere durch ihre Live-Qualität überzeugen wie Electric Callboy, Marteria oder Finch sowie mit A Perfect Circle, Social Distortion oder Tom Morello für ältere Musikliebhaber war alles dabei. Zu erwähnen ist sicherlich auch, dass Dreamhaus nach Sleep Token im letzten Jahr auch in diesem Jahr mit Bad Omens wieder auf einen der größten Hypes der letzten Jahre gesetzt hat.
Auch in Sachen Produktion hat sich Dreamhaus nicht mit der starken Qualität aus dem vergangenen Jahr zufriedengegeben, sondern nochmal upgegradet: Die Screens an der Mandora Stage waren in 2026 so gigantisch groß, dass man quasi von Kinoleinwänden sprechen kann. Zudem war der hintere Bereich fast komplett mit Platten ausgelegt, was gerade bei stärkerem Regen, den es zum Glück nicht gab, sehr hilfreich gewesen wäre. Auch die dritte Bühne verfügt nun über Screens. Rock am Ring kann sich bei diesem Produktionslevel ganz sicher auch in Zukunft mit den international größten Festivals messen.
Highlights:
Don Broco – die gigantischen Videowalls an der Mandora Stage – der fast durchgehend gute Sound – leckeres Essen (Popcorn Chicken, Burritos, indisches Curry usw.) – „Einflug“ Papa Roach – deutlich weniger Regen als erwartet bei den Acts – Lasershow bei Bad Omens – Sonnencreme Stationen – Aufenthaltsorte (Cosmic Plaza & Atmos Area) – Grüne Laterne bei Maidens „Fear of The Dark“
Lowlights:
Engstelle auf dem Gelände zwischen Cosmic Plaza und hinterem C-Bereich – (Row Zero bei) Materia – sehr wenig FLINTA Acts – Rudern ist wieder in
So war der Freitag bei Rock am Ring 2026:
Loathe
Den Auftakt machte Loathe auf der Mandora Stage. Die britische Band lieferte einen soliden Auftritt ab, leider finde ich die Musik jedoch nicht sonderlich spannend, so dass nicht all zu viel in Erinnerung geblieben ist. Direkt beim ersten Konzert begeisterten aber die gigantischen Screens, die die zweite Bühne auf ein neues Level heben. Auch klanglich präsentierte sich Rock am Ring 2026 von Beginn an auf hohem Niveau. Der Sound war über weite Strecken exzellent und gehörte zu den großen Stärken des Wochenendes – nur wenige Ausnahmen trübten den insgesamt sehr positiven Eindruck. Letztendlich war es bei Loathe für uns aber eine schöne Festivaleröffnung. Die ersten Sonnenstrahlen brachen durch und das feierfreudige Publikum bewies direkt, dass die Rock am Ring Besucher*innen einfach die beste Crowd sind. (Melvin & Lucie)
Mehnersmoos
Für einen ersten Abriss auf der Hauptbühne sorgten Mehnersmoos. Der Auftritt des Rap-Duos sorgte definitiv für Diskussionen im Publikum: Während einige Rockfans mit dem Hip-Hop-Ausflug wenig anfangen konnten, war die Resonanz insbesondere im A- und B-Bereich vor der Bühne enorm. Selbst viele Fans, die bereits früh ihre Plätze für den späteren Linkin-Park-Auftritt sichern wollten, ließen sich auf die energiegeladene Show ein. Mit Party-Hymnen wie „Bir“ und „Schande für die Menschheit“ gelang es Mehnersmoos, große Teile des Publikums zum Mitsingen und Feiern zu bewegen. Damit sorgte die Gruppe schon früh am ersten Festivaltag für ausgelassene Stimmung. (Melvin)
We Came As Romans
Im Anschluss ging es direkt wieder rüber zur Mandora Stage zu We Came As Romans. Die US-Amerikaner lieferten genau das, was man von ihnen erwarten durfte: soliden, eingängigen Metalcore mit ordentlich Druck und vielen Mitsingmomenten. Zu diesem Zeitpunkt war das Gelände schon ordentlich gefüllt, so konnten sich auch We Came As Romans über viele Festivalbesucherinnen und -besucher vor der Bühne freuen. So wurde gemeinsam in Ehren des verstorbenen Sängers Kyle Pavone an seinem Geburtstag gefeiert. Insgesamt kein spektakulärer, aber ein überzeugender Auftritt, an dem es wenig auszusetzen gab. (Melvin & Lucie)
Slay Squad
Auf den ersten Blick wirkte Slay Squad als Eröffnungsact der Orbit Stage vielleicht wie ein ungewöhnliches Booking. Wer die Bühne – vielen noch als Club Stage bekannt – jedoch kennt, wusste eigentlich schon vorher, dass es funktionieren würde. Jahr für Jahr beweist das Publikum hier eine bemerkenswerte Offenheit für neue Acts und nimmt selbst unbekanntere Namen mit spürbarer Begeisterung an. Die sechsköpfige Formation aus Südkalifornien bezeichnet ihren Stil selbst als „Ghetto Metal“ und verbindet Hardcore, Deathcore und Hip-Hop-Einflüsse zu einem modernen, energiegeladenen Sound. Schon vor dem ersten Ton setzte die Band dabei ein klares Statement: Auf dem großen Screen hinter der Bühne starrte ein kläffender Dobermann ins Publikum und unterstrich die rohe Attitüde des Auftritts. Trotz der frühen Spielzeit war die Stimmung vor der Bühne bereits bemerkenswert gut. (Lucie)
Bush
Weiter ging es wieder an der Utopi Stage mit Bush. Die Band rund um Gavin Rossdale betrat die Bühne und zeigte, warum sie seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Rocklandschaft sind. Langjährige Rock am Ring-Fans erinnern sich an Bush-Auftritte, die eher nicht gut in Erinnerung blieben, da das Publikum kaum Interesse zeigte und auch die Band nicht gerade vor Spielfreude strotzte. Das war dieses Mal anders, denn sowohl Band als auch Publikum hatten Bock. Neue sowie alte Songs funktionierten gut und die Musik passte super in die Nachmittagssonne. Die Songs funktionierten, die Stimmung war positiv und das Publikum machte mit. Und spätestens bei „Glycerine“ konnten dann sehr viele mitsingen. (Melvin)
The Hives
Danach folgte mit The Hives der nächste etablierte Festival-Act auf der Hauptbühne. Das Programm wirkte insgesamt wie aus dem Lehrbuch für einen gelungenen Rock-am-Ring-Nachmittag zusammengestellt. Die Schweden präsentierten sich gewohnt selbstbewusst und lieferten eine unterhaltsame Show ab. Frontmann Pelle Almqvist polarisierte dabei wie immer: Für die einen ist seine exzentrische Art ein zentraler Bestandteil des Erfolgsrezepts, für andere kann sie durchaus anstrengend wirken. Der Auftritt war insgesamt grundsolide, sorgte für gute Unterhaltung und wird den Fans in positiver Erinnerung bleiben. The Hives sind so eine Band, die ich schon seit Jahren nicht mehr live gesehen habe und dei einfach als Festivalband perfekt funktionieren. Ein bisschen perfekter wäre es allerdings auf der Mandora Stage gewesen, mit sicherlich mehr Bewegung vorne drin. (Melvin)
Ankor
Zurück zur Orbit Stage, die direkt auch mit der zweiten Band wieder ihrem Ruf als Bühne für spannende Neuentdeckungen gerecht wurde. Mit Ankor stand dort ein Quintett aus Katalonien auf dem Programm, das eindrucksvoll bewies, warum die Band in den vergangenen Jahren immer mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte. Dabei musste die Formation kurzfristig auf ihren Bassisten verzichten – aus erfreulichem Grund: Er war gerade Vater geworden. Der Energie auf der Bühne tat das jedoch keinen Abbruch. Ankor präsentierten sich hochmotiviert und mit sichtbarem Ehrgeiz, ihre Reichweite weiter auszubauen. Besonders Frontfrau Jessie Williams zog die Blicke auf sich. In einem Paillettenkleid, kombiniert mit einem kurzen Top, das mit silbernen Kreuzen verziert war, lieferte sie einen der markantesten Looks des Tages. Musikalisch bewegte sich die Band dabei gekonnt zwischen verspielt-mystischen Atmosphären, modernen Metal-Einflüssen und eingängigen Refrains. Heavy und kraftvoll, aber mit einer Leichtigkeit präsentiert, die sofort Spaß machte. Ankor hinterließen damit genau den Eindruck, den man sich von einem Orbit-Stage-Auftritt erhofft: Eine Band, die viele zuvor vielleicht noch nicht auf dem Schirm hatten, von der man aber vermutlich noch einiges hören wird. (Lucie)
The Plot In You
Zu den derzeit meistdiskutierten Bands der modernen Alternative- und Metalcore-Szene gehören zweifellos The Plot In You. Entsprechend groß war der Andrang vor der Mandora Stage. Besonders Songs wie „Left Behind“ haben der Band in den vergangenen Jahren einen enormen Popularitätsschub beschert und machten den Auftritt für viele Festivalbesucher*innen zu einem Pflichttermin. Nachvollziehen kann ich den Hype um das Quartett aus Ohio allerdings nur teilweise. Musikalisch gibt es an The Plot In You wenig auszusetzen. Die atmosphärischen Songs funktionieren live hervorragend und sorgen für eine dichte, oft fast schon hypnotische Stimmung. Gerade die Mischung aus schweren Passagen und eingängigen Melodien macht den Reiz der Band aus. Abseits der Musik blieb der Auftritt jedoch etwas überraschend distanziert. An Bühnenpräsenz und Publikumsinteraktion mangelte es der Band noch. (Lucie)
Don Broco
Ich hätte es im Vorfeld nicht geahnt, aber in diesem Jahr fand der wohl beste Auftritt des gesamten Wochenendes bereits am späten Freitagnachmittag fest. Denn Don Broco zerlegten die kleinste Bühne einfach mal in Schutt und Asche. Mit einer energiegeladenen Show, die man gut und geren durchgehend im Moshpit verbringen wollte, spielten sich Don Broco in die Herzen vieler Fans oder solcher, die es während dieser Show geworden sind. Ich war zunächst etwas skeptisch, ob Don Broco Shows weiterhin für alle so gut funktionieren wie früher, ist der Sound der Band doch mit ihrem neuen Album „Nightmare Tripping“ deutlich härter geworden. Aber jede Skepsis war sofort verflogen, nachdem Don Broco mit „Pretty“ und „Nightmare Tripping“ die ersten beiden Songs das Publikum bereits in Bewegung versetzen. Spätestens bei „Come Out to LA“ blieb dann kein Bein meh ruhig. Ein richtig guter Auftritt, definitiv eines der Highlights des Wochenendes. (Melvin)
Architects
Für viele führte der Weg am Nachmittag erstmals zur Utopia Stage. Dort standen mit Architects längst keine Underdogs mehr auf dem Programm. Die Briten haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder neu definiert und gehören mittlerweile zu den größten Namen des modernen Metalcore. Als Support von Stadiongrößen wie Linkin Park und Metallica sind sie große Bühnen und beeindruckende Menschenmengen längst gewohnt. Die Platzierung im Spielplan spielte ihnen dabei zusätzlich in die Karten. Vor Papa Roach und Linkin Park füllte sich das Gelände vor der Hauptbühne nämlich bereits weit bis in die hinteren Bereiche. Von Bereich Zone A bis C war die Utopia Stage bestens besucht. Sänger Sam Carter wirkte beim Blick über die Menschenmenge sichtlich beeindruckt und ließ seine Dankbarkeit mehrfach durchblicken. Musikalisch lieferten Architects ein sympathisches und äußerst solides Set ab. Gleichzeitig entstand allerdings stellenweise der Eindruck, dass die aktuelle Produktion noch nicht ganz mit der Größe der Bühne mithalten konnte. Die Band selbst wirkte bereit für diesen Slot, die Show hingegen hatte noch Luft nach oben. An der Begeisterung des Publikums änderte das allerdings wenig. (Lucie)
Trivium
Parallel dazu übernahmen Trivium die zweite Bühne und lieferten einmal mehr genau das ab, was ihre Fans von ihnen erwarten. Die US-Metalband präsentierte eine energiegeladene Show, unterstützt von ständigen Feuereffekten auf der Bühne und auf den Videowall-Türmen. „Wenn schon so viele Feuereffekte vor Ort möglich sind, dann wollen wir sie auch nutzen“, dürfte der Gedanke der Band gewesen sein. Dabei wäre Trivium auch ohne Feuer schon beeindruckend genug: Technisch anspruchsvoller Metalcore, präzise gespielt und mit enormer Wucht vorgetragen – Trivium bewiesen erneut, warum sie seit Jahren zu den verlässlichsten Livebands ihres Genres zählen. Besonders Frontmann Matt Heafy zog die Aufmerksamkeit auf sich. Mit seiner inzwischen enormen Bühnenpräsenz führte er souverän durch das Set und sorgte dafür, dass die Energie von der Bühne direkt auf das Publikum übersprang. Gleichzeitig zeigte sich während Trivium bereits, dass der große Teil der Festivalbesucher*innen Tickets für Linkin Park gekauft hatte, denn all diese Menschen zog es nun bereits für Papa Roach und anschließend Linkin Park zur Hauptbühne. Damit war das Publikum bei Trivium leider etwas kleiner als man es der talentierten Band wünschen würde. (Melvin)
Papa Roach
Wenn es am ersten Festivaltag einen Kandidaten für den Titel „Auftritt des Tages“ gab, dann waren es Papa Roach. Vielleicht sogar des gesamten Wochenendes. Hier stimmte schlichtweg alles. Bereits der Auftakt zeigte, wie durchdacht die Show inszeniert war. Während auf den Leinwänden die Geschichte eines fliehenden Infizierten erzählt wurde, der sich in einen Hubschrauber rettet, tauchte plötzlich tatsächlich ein Helikopter über dem Festivalgelände auf. Die Kameras wechselten zwischen den Aufnahmen aus der Luft und den Bildern von der Bühne. Ein spektakulärer Moment, der augenblicklich die Aufmerksamkeit der gesamten Menge auf die Utopia Stage lenkte. Als Jacoby Shaddix schließlich die Bühne betrat und direkt den Steg eroberte, gab es kein Halten mehr. Mit beeindruckender Bühnenpräsenz, permanentem Kontakt zum Publikum und einem Gespür für die perfekten Ansagen hatte der Frontmann die Menschen vom ersten Augenblick an in der Hand. Dabei nutzte er die gesamte Bühne konsequent aus und bewies einmal mehr, warum Papa Roach seit Jahrzehnten zu den besten Livebands ihres Genres zählen. Auch die Setlist ließ kaum Wünsche offen. Besonders die Nu-Metal-Timemachine sorgte für Begeisterung, als Klassiker wie „Chop Suey!“ und „Break Stuff“ die Stimmung noch einmal auf ein neues Level hoben. Für „Between Angels and Insects“ holte die Band außerdem Don-Broco-Frontmann Rob Damiani auf die Bühne und lieferte damit einen weiteren Höhepunkt des Abends. Während die Sonne langsam über dem Nürburgring unterging, eskalierte die Stimmung auf und vor der Bühne endgültig. Eine fantastische Setlist, perfekte Publikumsinteraktion und eine Show voller Überraschungen machten Papa Roach zu einem der ganz großen Highlights von Rock am Ring 2026. (Lucie)
Linkin Park
Damit rückte schließlich der Moment näher, auf den ein Großteil des Festivals seit Monaten hingefiebert hatte. Mit Linkin Park stand nicht nur der Headliner des Tages auf dem Programm, sondern vermutlich einer der größten und meistdiskutierten Headliner, die Rock am Ring in den vergangenen Jahren präsentieren konnte. Der Auftakt der Show war entsprechend inszeniert. Zunächst lief ein filmisch gestalteter Trailer über die Leinwände, bevor die Band mit „With You“ in den Abend startete. Für den ersten großen Gänsehautmoment sorgte dabei Emily Armstrong. In einer roten Jacke betrat sie die Bühne und eröffnete den Song mit einem markanten Scream – eine offensichtliche Verneigung vor dem legendären Linkin-Park-Auftritt bei Rock am Park im Jahr 2001. Die Referenz wurde von vielen langjährigen Fans sofort erkannt und sorgte bereits in den ersten Minuten für Begeisterung. Spätestens beim Blick über das Festivalgelände wurde deutlich, welche Zugkraft Linkin Park auch im Jahr 2026 noch besitzen. Sämtliche Bereiche vor der Utopia Stage waren bis weit hinter die Technik und hinein in den Food Court gefüllt. Die Luftaufnahmen dieses Menschenmeers gehörten ohne Zweifel zu den beeindruckendsten Bildern des gesamten Wochenendes. Trotzdem wirkte die Stimmung stellenweise überraschend zurückhaltend. Das lag jedoch weniger an der Band als an der Uhrzeit. Zwischen 23:00 Uhr und 00:30 Uhr hatten viele Besucher*innen bereits einen langen Festivaltag hinter sich – einige warteten sogar seit über 10 Stunden auf genau diesen Auftritt. Entsprechend machte sich hier und da bemerkbar, dass ein Teil der Energie bereits im Laufe des Tages verbraucht worden war. Die Begeisterung für den Headliner war dennoch jederzeit spürbar. Einen großen Anteil daran hatte auch Emily Armstrong, die sich in ihrer Rolle als Frontfrau zunehmend sichtbar wohlfühlt. Mit jeder Tour wirkt sie selbstbewusster und präsenter. Auch bei Rock am Ring überzeugte sie sowohl stimmlich als auch emotional und bewies einmal mehr, warum die Band mit ihrer Neubesetzung erfolgreich ihren eigenen Weg gefunden hat.
Dabei ließ sich im Publikum hervorragend beobachten, wie unterschiedlich die Fans zu Linkin Park gefunden haben. Während bei neueren Songs wie „Two Faced“ vor allem die jüngeren Anhänger*innen lautstark mitsangen, waren es bei Klassikern wie „One Step Closer“ häufig die langjährigen Fans, die besonders aus sich herausgingen. Bei „Numb“ und „In The End“ verschwanden diese Unterschiede jedoch augenblicklich. Hier sang der Nürburgring generationenübergreifend aus voller Kehle mit. Technisch wie emotional präsentierte sich die Band nahezu fehlerfrei. Die Visuals sowie die aufwendige Licht- und Lasershow unterstrichen die Atmosphäre der Songs wirkungsvoll, auch wenn andere Acts an diesem Wochenende stellenweise noch spektakulärere Produktionen auffuhren. Etwas überraschend blieb zudem, wie wenig der große Steg in die Show eingebunden wurde. Gerade angesichts der enormen Menschenmassen hätte eine stärkere Nutzung zusätzliche Nähe schaffen können. Stattdessen sorgte die Konstruktion in den vorderen Bereichen stellenweise eher für eingeschränkte Sicht und ungewohnt enge Platzverhältnisse. An der Bedeutung dieses Auftritts änderte das jedoch nichts. Linkin Park lieferten einen ebenso emotionalen wie professionellen Headliner-Auftritt ab und setzten damit einen würdigen Schlusspunkt unter den ersten Festivaltag an der Utopia Stage. (Melvin & Lucie)
Nach dem Auftritt von Linkin Park zeigte sich dann noch einmal die besondere Dimension dieses Festivalfreitags. Das Gelände war über weite Strecken außergewöhnlich voll. Teilweise standen die Besucherinnen und Besucher bis in den Foodcourt-Bereich hinein, um einen Blick auf die Hauptbühne zu erhaschen. In sozialen Netzwerken und verschiedenen Festivalgruppen berichteten einige Fans von Situationen, die sie als unangenehm oder teilweise sogar brenzlig empfunden haben. Aus eigener Beobachtung lässt sich diese Einschätzung allerdings nur bedingt bestätigen. Ja, das Gelände war extrem voll. Sicherlich war es stellenweise auch sehr eng. Angesichts der Tatsache, dass gefühlte 90% der Festivalbesucher*innen denselben Headliner sehen wollten, war dies jedoch kaum überraschend. Insgesamt blieb die Situation kontrolliert, auch wenn die Belastungsgrenze der Infrastruktur sichtbar wurde. Viele Gedanken hatten sich die Veranstalter auch gemacht, wie die Besucherströme zu lenken seien nach dem Ende von Linkin Park. Es wurde erwartet, dass viele Menschen zügig zur zweiten Bühne zum Konzert von Limp Bizkit wechseln wollten. Kurzfristig verschob Dreamhaus wenige Tage vor dem Festival den Beginn des Limp Bizkits Konzertes noch einmal um 15 Minuten, so dass zwischen den beiden Konzerten eine halbe Stunde Wechselzeit bestand. Selbst diese Zeitspanne reichte jedoch für viele Fans nicht aus, die nur noch den letzten Teil des Limp Bizkits Sets angucken konnten. Insgesamt ging der Bühnenwechsel jedoch glücklicherweise relativ problemlos vonstatten, insbesondere – und das ist das wichtigste – ohne, dass es zu brenzligen Situationen gekommen ist. Hier wurde offensichtlich gut geplant und es bleibt zu hoffen, dass die Veranstalter sich insbesondere die Engstelle Cosmic Plaza (Foodcourt-Area) zum hinteren C-Bereich noch einmal für das kommende Jahr anschauen. Dieser Bereich solllte nämlich nicht nur bei Linkin Park, sondern auch in den Folgetagen zu einem Nadelöhr werden.
Limp Bizkit
Wer es rechtzeitig vor die Bühne geschafft hatte, bekam dafür eine gewohnt starke Limp-Bizkit-Show geboten. Die Band hat ihre Rolle in den vergangenen Jahren offensichtlich perfektioniert. Statt musikalisch das Rad neu erfinden zu wollen, präsentieren sich Fred Durst und seine Mitstreiter inzwischen als eine Art ultimative Festival-Partyband. Das Publikum kennt die Songs, feiert die Hits und die Band liefert zuverlässig genau die Energie, die für einen späten Festivalslot gebraucht wird. Musikalisch mag manches Material aus heutiger Sicht nicht unbedingt durch besondere lyrische Tiefe glänzen, live spielt das jedoch kaum eine Rolle. Ob es dann die klügste Idee ist diese Lyrics auch noch durchgehend auf den Screens zu zeigen, darf bezweifelt werden. Am Ende ist aber auch das egal, denn die Songs funktionieren extrem gut, alle sind textsicher, die Stimmung ist hervorragend und die Band versteht es meisterhaft, ein Festivalpublikum zu unterhalten. Entsprechend entwickelte sich schnell eine ausgelassene Partyatmosphäre vor der Bühne. Dazu trugen sicherlich auch Memes auf dem Bühnen-Screen sowie der eine oder andere Seitenhieb gegen Kanye West bei. (Melvin)
Nach etwa der Hälfte des Sets fiel schließlich aus Müdigkeit die Entscheidung, den ersten Festivaltag ausklingen zu lassen. Ein guter Zeitpunkt, um Bilanz zu ziehen: Der Auftakt von Rock am Ring 2026 war ausgesprochen gelungen. Das Wetter spielte mit, abgesehen von einigen wenigen Regentropfen blieb es an Tag 1 weitgehend trocken. Die Organisation machte insgesamt einen soliden Eindruck, die technische Produktion überzeugte sehr und musikalisch gab es bereits am ersten Tag mehrere Höhepunkte. Eines wurde erneut deutlich: Das Gelände am Nürburgring bleibt besonders. Wenn Zehntausende Menschen gemeinsam ihre Lieblingsbands zwischen Rennstrecke und Tribünen feiern, entsteht hier eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht.
So war der Samstag bei Rock am Ring 2026:
Max Grimm
Der Samstag begann erneut vergleichsweise früh. Den Auftakt machte Max Grimm, einer der wenigen Hip-Hop-Acts im diesjährigen Line-up. Ein Auftritt, den ich schnell vergessen werde, blieb er doch komplett ohne Highlights. Musikalisch blieb das Set eher unspektakulär und konnte zumindest aus persönlicher Sicht nur wenig Begeisterung wecken. Allerdings entsprach das auch weitgehend den Erwartungen, entsprechend bleibt dieser Programmpunkt eher eine Randnotiz des Tages. (Melvin)
Ecca Vandal
Ähnliches gilt für Ecca Vandal. Musikalisch bot ihr Auftritt durchaus interessante Ansätze, vor allem aber überzeugte sie durch eine starke Bühnenpräsenz. Unabhängig vom persönlichen Musikgeschmack war es außerdem erfreulich, eine weibliche Künstlerin im Programm zu sehen. Das Festival-Line-up offenbarte auch 2026 erneut eine Schwäche, die nicht nur Rock am Ring betrifft, sondern die gesamte Branche: Der Anteil von Frauen auf Bühnen bleibt weiterhin auffällig gering. Umso wichtiger sind Künstlerinnen wie Ecca Vandal, die auf großen Festivalbühnen sichtbar sind und Akzente setzen. (Melvin)
Paleface Swiss
Das erste echte Highlight des Tages folgte anschließend auf der Mandora Stage. Paleface Swiss zeigten eindrucksvoll, warum sie derzeit zu den spannendsten Bands im Hardcore zählen. Die Schweizer lieferten eine intensive, kompromisslose Show ab, die von Beginn an enorme Energie freisetzte. Vor der Bühne wurde hart gemosht, Frontmann Marc Zellweger beeindruckte mit seiner Präsenz und ermunterte durchgehend zum Moshen und Crowdsurfen. Heraussticht natürlich seine beeindruckende Stimme, mit denen ihm die krassesten Screams und Growls scheinbar mühelos gelingen. Zwischen den Songs scherzte er, dass Paleface Swiss in wenigen Jahren selbst die Hauptbühne headlinen würden. Das mag aktuell noch ambitioniert klingen, ganz unrealistisch wirkt der Gedanke jedoch nicht, dass diese Band noch eine große Zukunft vor sich hat. Wenn die Entwicklung der vergangenen Jahre anhält, dürften deutlich größere Slots in Zukunft durchaus möglich sein. (Melvin)
The Pretty Reckless
Auch am Samstag stand wieder regelmäßig Bühnen-Hopping auf dem Programm und so ging es wieder hinüber zur Utopia Stage. The Pretty Reckless mit ihrer Frontfrau Taylor Mommsen hatte ich aus Mangel an Alternativen noch in meinen Spielplan gepackt ohne großes Interesse an der Musik zu haben. Entsprechend niedrig waren die Erwartungen und leider wurde ich nicht positiv überrascht. Das war leider insgesamt ein langweiliger Auftritt, der mich emotional nicht erreicht hat. Wer sich hier wie ich dennoch mit musikalischer Beschallung nebenbei eine Pause gönnen wollte, fand hier eine gute Gelegenheit. Verpasst hat man allerdings auch nicht viel. (Melvin)
Bilmuri
Mit Bilmuri setzte Rock am Ring am zweiten Festivaltag auf ein Booking, das bewusst aus dem üblichen Rahmen fiel. Die Band um Sänger Johnny Franck verbindet moderne Rock-, Pop-, Country- und Metal-Einflüsse zu einem eigenwilligen Mix, der auf dem Papier ebenso ungewöhnlich wirkt wie auf der Bühne. Gerade deshalb war der Auftritt eine willkommene Abwechslung im Festivalprogramm. Mit Saxofonistin Gabi Rose verfügte die Band zudem über einen echten Blickfang, der den ohnehin schwer greifbaren Sound um eine weitere Facette ergänzte. Bilmuri waren zweifellos eine der ungewöhnlichsten Bands des Wochenendes – und genau das machte ihren Reiz aus. Für Irritation sorgte allerdings die Besetzung auf der Bühne. Überraschend stand auch Gitarrist Reese Maslen wieder mit Bilmuri auf der Bühne, dessen Rückkehr bei Teilen des Publikums für Verwunderung sorgte. Unabhängig davon präsentierte sich die Band musikalisch souverän und sorgte für tolle Abwechlung und ein wenig Pause an dem sonst sehr wilden Programm auf der Mandora Stage. (Lucie)
Bury Tomorrow
Weiter auf der Mandora Stage standen mit Bury Tomorrow eine feste Größe des modernen Metalcore auf dem Programm. Seit mittlerweile über 20 Jahren ist die Band ein konstanter Bestandteil der Szene und hat sich über die Jahre eine treue Fanbase erspielt. Frontmann Daniel Winter-Bates zählt dabei nach wie vor zu den stärksten Heavy-Vocalists des Genres und unterstrich diesen Ruf auch bei Rock am Ring eindrucksvoll. Das Festival-Set bot genau die Mischung, die man von Bury Tomorrow erwarten konnte: viel Energie, klare Publikumsinteraktion und eine Show, die besonders im vorderen Bereich der Mandora Stage für ausgelassene Stimmung sorgte. Besonders bei „Boltcutter“ entstand dabei ein seltenes Bild – der komplette vordere Block, der Arm in Arm sprang und die Songs kollektiv feierte. Gleichzeitig zeigte sich aber, dass die Erwartungen innerhalb der langjährigen Fanbase unterschiedlich ausfallen. Während die Live-Intensität kaum Wünsche offenließ, wurde stellenweise der Ruf nach mehr Setlist-Abwechslung laut – ein typischer Spagat bei einer Band mit so langer Geschichte. Für einen zusätzlichen Moment sorgte Daniel Winter-Bates selbst, als er auf eine noch nicht offiziell kommunizierte Tour im Februar anspielte. Natürlich erwähnte er augenzwinkerndend: „I’m not allowed to tell you this, but we gonna play the biggest venues of our career“. Konkrete Details blieb er schuldig, bestätigte damit aber dennoch: Bury Tomorrow werden Anfang des kommenden Jahres erneut auf Tour gehen. (Lucie)
Landmvrks
Einer der stärksten Auftritte des gesamten Samstags folgte anschließend mit LANDMVRKS. Die Franzosen zählen aktuell zu den spannendsten europäischen Metalcore-Bands und bestätigten eindrucksvoll, warum ihr warum sich ihr musikalisches Konzept in den vergangenen Jahren so erfolgreich entwickelt hat. Die Mischung aus brachialen Breakdowns, eingängigen Melodien und einer enorm druckvollen Bühnenenergie zündete bereits ab der ersten Minute. Vor der Bühne herrschte dabei durchgehend Ausnahmezustand: Circle Pits, Crowdsurfer und ununterbrochene Bewegung machten schnell klar, dass dieser Slot eigentlich noch deutlich später im Line-up hätte landen können. LANDMVRKS wirkten in dieser Form ohne Weiteres bereit für eine noch größere Bühne. Besonders beeindruckend ist dabei die Entwicklung der Band in den vergangenen Jahren. Statt über virale Hypes auf den sozialen Medien hat sich die Gruppe vor allem über ihre Live-Qualitäten einen Namen gemacht. Frontmann Florent Salfati überzeugte dabei einmal mehr mit einer außergewöhnlichen Bandbreite – von Rap-Parts über cleane Vocals bis hin zu aggressiven Shouts, oft innerhalb weniger Sekunden und sogar in zwei Sprachen. Auch musikalisch ist der Wiedererkennungswert enorm: markante Gitarrenarbeit trifft auf einen Sound, der sofort hängen bleibt, während die Menge kaum zur Ruhe kommt. Dazu kam erstmals eine sichtbar größere Produktion mit Bühnenbild und Pyro-Effekten, die den Auftritt zusätzlich aufwertete. Dass LANDMVRKS diesen Weg konsequent weitergehen werden, steht außer Frage. Wenn sich die aktuelle Entwicklung fortsetzt, dürfte der nächste Karriereschritt nur eine Frage der Zeit sein – ein Top-Act des zweiten Festivaltages. Und wer ganz genau hinhörte, bemerkte sogar einen kleinen Augenzwinkermoment der Gitarristen, die kurzzeitig das Riff von „Monument“ (Counterparts) anspielten – ein Detail, das vor allem Szene-Kenner*innen ein Grinsen entlockte. (Melvin & Lucie)
High Vis
Nach den größeren Namen des Nachmittags führte der Weg zur kleinsten Bühne. Die Orbit Stage war auch dieses Jahr wieder einer der spannendsten Orte des Festivalgeländes. Immer wieder sieht man hier – wie ja bereits bei Don Broco geschrieben – richtig gute Konzerte mit Club-Atmosphäre. Gerade die Mischung aus aufstrebenden Bands, weniger Publikumsverkehr und der unmittelbaren Nähe zur Bühne sorgte dort regelmäßig für besondere Festivalmomente. Einen solchen lieferten auch High Vis. Die Band brachte einen angenehm rauen, ungeschliffenen Sound mit auf die Bühne. Frontmann Graham Sayle zog mit seinem markanten britischen Akzent sofort Aufmerksamkeit auf sich und war während des gesamten Auftritts permanent in Bewegung. Immer wieder war ihm anzumerken, wie sehr er die Musik selbst fühlt und durch Two-Step zum Ausdruck brachte. Vor der Bühne hatte sich zwar kein riesiges Publikum versammelt, dafür herrschte umso mehr Bewegung. Genau diese Atmosphäre macht die Orbit Stage aus: Wer hier landet, entdeckt oft Bands, die auf den größeren Bühnen leicht untergehen würden, live aber hervorragend funktionieren. (Melvin)
Thornhill
Direkt im Anschluss blieb ich gemeinsam mit vielen weiteren Zuschauer*innen für Thornhill vor Ort. Die Australier gehören seit Jahren zu den Bands, die in Szenekreisen hoch angesehen sind, denen der ganz große Durchbruch bislang aber noch verwehrt geblieben ist. Dabei sprechen die Qualitäten der Band eigentlich für sich. Thornhill verbinden modernen Metalcore mit starken Nu-Metal-Einflüssen und schaffen dabei einen Sound, der immer wieder an Größen wie Deftones erinnert, ohne dabei wie eine bloße Kopie zu wirken. Der Start ins Set verlief allerdings etwas holprig. Vor allem bei den ersten beiden Songs war Thornhill schlecht abgemischt, trotz direkter Nähe zum FoH hörte man anfangs nur Bass und Schlagzeug, beides fiel zu laut. Gesang und Gitarre dagegen viel zu leise. Mit fortschreitender Spielzeit wurde der Sound jedoch spürbar besser, und die Stärken der Band kamen zunehmend zur Geltung. Das hat Spaß gemacht! (Melvin)
Ice Nine Kills
Im Metalcore-Stil interpretiert die Formation um Sänger Spencer Charnas klassische Horror-Storys neu und hat sich damit erfolgreich eine eigene Nische in der Szene geschaffen. Ice Nine Kills setzen ihre Shows dabei konsequent als inszenierte Horror-Performance um: Mit Schauspieler*innen werden Kampf- und Mordszenen nachgestellt, die Requisiten füllen teilweise ganze Anhänger, und die Bühne wird regelmäßig von Blut- und Pyroeffekten in Szene gesetzt.
Auch bei Rock am Ring war dieser Ansatz das zentrale Element des Auftritts. Neben klassischen Flammenwerfern sorgten vor allem die entlang des vorderen Bühnenrands platzierten Flammenboxen für ein durchgehend loderndes Feuerbild, das nahezu konstant die gesamte Front der Bühne in Flammen tauchte. Dieses starke visuelle Element unterstrich die überdrehte Inszenierung der Band, verdeckte jedoch stellenweise auch die detailreichen Szenen der Performer*innen. Selbst ohne tiefere Kenntnis der Songs funktionierte das Konzept als reines Spektakel. Für einen kurzen Moment brach die Inszenierung allerdings auf, als mit dem überraschenden Cover von NOFX’ „Linoleum“ ein unerwarteter Stilwechsel eingebaut wurde, der auch abseits der Metalcore-Blase für Aufmerksamkeit sorgte. Gleichzeitig ist der Auftritt sicherlich nicht für jede*n geeignet – wer empfindlich auf drastische Horror-Ästhetik reagiert oder etwa Angst vor Clowns hat, dürfte hier eher irritiert als begeistert gewesen sein. Für alle anderen bot sich ein konsequent durchinszeniertes Metalcore-Spektakel, bei dem der Entertainment-Faktor klar im Vordergrund stand. (Lucie)
Volbeat
Am Samstagabend spielte dann mit Volbeat der nächste Headliner der diesjährigen Ausgabe auf. Die Dänen genießen in Deutschland nach wie vor eine außergewöhnlich große Popularität. Ihre jüngsten Arena-Tourneen waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, und auch auf dem Nürburgring zog die Band erwartungsgemäß ein großes Publikum an. Wenn dieses auch nicht so groß war, wie am Vortag bei Linkin Park, war der Schlauch vor der Utopia Stage mal wieder „bis zum Horizon“ gefüllt. Leider wollte der Funke an diesem Abend bei mir persönlich nicht vollständig überspringen. Während Volbeat in früheren Jahren mit ihrer Mischung aus Metal, Blues und Rockabilly noch deutlich frischer wirkten, entsteht inzwischen stellenweise der Eindruck, dass das Konzept ein wenig ausgereizt ist. Hinzu kommt, dass die Live-Qualitäten der Band nach subjektivem Empfinden nicht mehr ganz das Niveau früherer Jahre erreichen. Dennoch wäre es falsch, den Auftritt deshalb als Enttäuschung zu bezeichnen. Dafür verfügt die Band schlicht über zu viele starke Songs. Gerade die großen Hits funktionierten weiterhin hervorragend und wurden vom Publikum lautstark mitgesungen. (Melvin)
Bad Omens
Bad Omens gehören aktuell zu den größten Hype-Acts der Szene und stehen entsprechend auch auf ihrer aktuellen Tour stark im Fokus vieler Diskussionen. Frontmann Noah Sebastian wird von vielen Fans regelrecht angehimmelt und von Kolleg*innen der Industrie immer wieder als einer der besten Sänger des Genres bezeichnet. Doch was hinter diesem Status steckt, zeigte sich in der Nacht auf der Mandora Stage nur teilweise.
Als Late-Night-Special war das Booking jedenfalls sehr passend gewählt. Gerade zu später Stunde entfaltete die Produktion ihre volle Wirkung: dichte Visuals, eine aufwendige Licht- und Lasershow sowie eine in Nebel getauchte Bühne, die die Atmosphäre der Songs konsequent unterstützte. Alles war stark auf Stimmung und Dynamik der Setlist abgestimmt. Das Set selbst war in sogenannte „Tapes“ 1 bis 5 unterteilt und führte das Publikum von härteren Passagen bis hin zu sehr emotionalen Momenten. Besonders auffällig war dabei, wie stark Bad Omens mit atmosphärischen Vocal-Effekten arbeiteten, die die Songs prägten, ohne im klassischen Sinne als Autotune missverstanden zu werden. Noah Sebastian überzeugte vor allem im cleanen Gesang. Die Shouts sind zwar stark, aber auf der Mandora Stage waren über den gesamten Tag hinweg mindestens ebenso starke Gesangsleistungen zu hören. Diese Einordnung relativierte den Hype, ohne ihm seine Wirkung auf das Publikum abzusprechen. Ob er also tatsächlich „der beste Sänger im Game“ ist, bleibt letztlich Geschmackssache. Kurz vor dem Ende sorgte die Band noch einmal für einen emotionalen Höhepunkt: Konfetti fegte im kräftigen Gebläse über die Menge und ließ die Fans nochmal so richtig begeistert strahlen. Mit „Dethrone“, einem der härtesten Songs der Band, endete der Auftritt schließlich um 2:00 Uhr und Bad Omens entließen das Publikum nach einem langen Festivaltag in die Nacht. (Lucie)
Der Samstag auf dem Nürburgring zeigte die volle Bandbreite des diesjährigen Line-ups und entwickelte sich über den Tag hinweg zu einem stetigen Wechselspiel aus Entdeckung, Energie und großen Festivalmomenten. Während einzelne frühe Auftritte noch eher als Randnotiz verblassten, nahm der Tag spätestens auf der Mandora Stage deutlich an Fahrt auf. Bands wie Paleface Swiss, Bury Tomorrow und LANDMVRKS sorgten mit intensiver Publikumsinteraktion und steigender Produktionsgröße für die ersten echten Höhepunkte des Tages, wobei insbesondere LANDMVRKS mit einem nahezu durchgehend eskalierenden Publikum herausstachen. Gleichzeitig bot die Orbit Stage erneut einen bewussten Gegenpol mit intimerer Club-Atmosphäre und der Möglichkeit, neue Acts aus nächster Nähe zu entdecken. Am Abend verschob sich der Fokus zunehmend auf große Inszenierungen: Ice Nine Kills lieferten ein visuelles Horror-Spektakel, Volbeat spielten als später Headliner vor großem Publikum, während Bad Omens als Late-Night-Special mit einer atmosphärisch dichten Show den Tag ruhig, aber wirkungsvoll beschlossen. Unterm Strich blieb ein abwechslungsreicher Festivaltag, der weniger linear als vielmehr in Kontrasten funktionierte. (Lucie)
So war der Sonntag bei Rock am Ring 2026:
Am dritten Festivaltag machten sich die Strapazen des Wochenendes langsam bemerkbar. Die Füße schmerzten, die Stimme war irgendwo auf dem Nürburgring verloren gegangen, und die Energiereserven näherten sich langsam dem kritischen Bereich. Doch Jammern hilft bekanntlich wenig – schließlich wartete noch ein kompletter Festivaltag darauf, erlebt zu werden. Etwas später als ursprünglich geplant ging es deshalb erst gegen späten Mittag auf das Gelände.
Black Veil Brides
Den Sonntag eröffneten Black Veil Brides für uns – und damit eine Band, bei der die Erwartungen im Vorfeld durchaus gemischt ausfielen. Einerseits schwang die Hoffnung mit, das innere 16-jährige Ich noch einmal glücklich zu machen, andererseits stellte sich die Frage, ob die Band heute vielleicht nicht mehr ganz so gut funktionieren würde wie damals. Die Antwort fiel schnell und eindeutig aus: Black Veil Brides lieferten einen überraschend starken Auftritt ab. Frontmann Andy Biersack zeigte dabei ein gutes Gespür für den Festival-Slot. Ihm war sichtlich bewusst, dass man einem Publikum an Tag drei um 14 Uhr noch keine Höchstleistungen abverlangen konnte. Mit sympathischem Humor und einer angenehm selbstironischen Art nahm er die zunächst zurückhaltenden Reaktionen gelassen auf. Lange hielt diese Zurückhaltung allerdings nicht an. Bereits nach wenigen Songs öffnete sich der erste Circle Pit, die ersten Crowdsurfer machten sich auf den Weg Richtung Bühne und die Menge kam zunehmend in Bewegung. Musikalisch überzeugte die Band vor allem durch ihre starke Gitarrenarbeit. Die beiden Gitarristen standen immer wieder im Mittelpunkt des Geschehens und prägten den Auftritt ebenso wie Biersacks überzeugende Gesangsleistung. Black Veil Brides mögen weder die technisch anspruchsvollste noch die innovativste Band des Festivals gewesen sein, doch ihr Mix aus eingängigen Songs, Spielfreude und direkter Publikumsnähe funktionierte an diesem Sonntagnachmittag hervorragend. Manchmal muss ein Festival-Set vor allem eines sein: unterhaltsam. Genau das gelang Black Veil Brides bemerkenswert gut. (Melvin & Lucie)
Bloodywood
Danach ging es hinüber zur Mandora Stage, wo eine echte Festival-Neuentdeckung wartete. Mit Bloodywood stand die erste indische Band auf dem persönlichen Festivalzettel. Bloodywood jedenfalls hinterließen Eindruck. Die Band sprach konsequent davon, dass Auftritte wie dieser eine große Chance für sie seien, da Metal in ihrem Heimatland keine große Bedeutung hat. Und Bloodywood taten alles, um bei Rock am Ring 2026 zu überzeugen: Die Band wirkte spielfreudig und energiegeladen. Interessant war nicht nur der Wechselgesang zwischen Screams, Growls, gesungenen und teils schon fast gerappten Parts der beiden Frontmänner, sondern auch die außergewöhnliche Instrumentierung. Neben den typischen Metal-Elementen kamen immer wieder traditionelle Instrumente zum Einsatz, die dem Sound eine ganz eigene Identität verliehen. Zwischenzeitlich wurde beispielsweise auf einer Bansuri Querflöte gespielt sowie auf der Dhol, einer traditionellen Röhrentrommel aus der indischen Volksmusik. Bloodywood klangen anders als nahezu jede andere Band des Wochenendes. Vor der Bühne funktionierte dieses Konzept hervorragend. Die Mischung aus Metal, Folk-Elementen und enormer Spielfreude sorgte für reichlich Bewegung im Publikum. Hier gab es an diesem Wochenende mit die intensivsten Pits und richtig viel Bewegung. (Melvin)
Breaking Benjamin
Im Anschluss standen Breaking Benjamin auf dem Programm. Für Band und Pubilum war der Auftritt etwas Besonderes, da die Band nur äußerst selten in Deutschland zu sehen ist. Entsprechend groß war das Interesse auf dem Festivalgelände. Vor der Bühne hatte sich bereits früh eine stattliche Menschenmenge versammelt. Musikalisch lieferten Breaking Benjamin genau das ab, was ihre Fans erwarten. Große Melodien, eingängige Refrains und zahlreiche Songs, die sich problemlos mitsingen lassen. Die Band hat sich über die Jahre offensichtlich in viele Herzen gespielt und wurde entsprechend gefeiert. Allerdings traf der Auftritt auch genau das klassische Nachmittagsloch eines langen Festivalwochenendes. Die allgemeine Erschöpfung machte sich bemerkbar, und so wirkte das Set vielleicht etwas weniger spektakulär, als insbesondere Melvin es sich im Vorfeld erhofft hatte. Das lag jedoch weniger an der Band selbst als an den äußeren Umständen. Unterm Strich blieb ein sehr solider Auftritt. (Melvin)
Tesseract
Danach führte der Weg weiter zu Tesseract. Die Briten gehören seit Jahren zu den spannendsten Vertretern des Progressive Metal, und auch im Publikum fanden sich zahlreiche Fans, die sich auf das Set freuten. Einige Songs der Band gehören ohne Frage zu den musikalischen Highlights des Genres. Live wollte der Funke an diesem Nachmittag jedoch nicht vollständig überspringen. Das lag vor allem, leider, erneut am mittelmäßigen Sound an der Orbit Stage. Verwunderlich, denn gerade hier gab es unserer Erinnerung nach in den Vorgängerjahren selten Probleme mit dem Sound. Über weite Strecken wirkte die Abmischung etwas matschig, wodurch viele Songs zunächst gar nicht zu erkennen waren. Gerade bei einer Band wie Tesseract, deren Musik von technischen Details und komplexen Arrangements lebt, fällt ein solcher Eindruck besonders ins Gewicht. (Melvin)
President
Kaum eine Band sorgte im Vorfeld für so viele Fragezeichen wie PRESIDENT. Acht veröffentlichte Songs reichen aktuell aus, um die maskierten Musiker zu einem der meistdiskutierten Namen der Szene zu machen. Das Debütalbum „Blood Of Your Empire“ erscheint erst noch. Ob cleveres Industry-Placement oder schlicht ein Konzept, das den Nerv der Zeit trifft – das Interesse war jedenfalls riesig. Entsprechend versammelten sich bereits früh zahlreiche Fans und Neugierige vor der Orbit Stage. Der Auftritt selbst zeigte, warum aktuell so viel über die Band gesprochen wird. Die mysteriöse Inszenierung funktionierte auch live, das Publikum reagierte aufmerksam und sorgte für eine starke Resonanz. Musikalisch präsentierte sich PRESIDENT souverän und bewiesen, dass hinter dem Hype durchaus Substanz steckt. Dennoch: Mit lediglich acht veröffentlichten Songs stellte sich die Frage, ob die angesetzte Spielzeit tatsächlich zur aktuellen Größe des Repertoires passte. Der Auftritt endete jedenfalls deutlich früher als bei vergleichbaren Slots des Wochenendes. Hier hätte eine kürzere Ansetzung vermutlich besser funktioniert – oder man hätte einer anderen Band die Möglichkeit gegeben, sich länger auf dieser Bühne zu präsentieren. Angesichts der aktuellen Aufmerksamkeit, die PRESIDENT derzeit genießen, dürfte das Booking allerdings genau so gewollt gewesen sein. (Lucie)
Alter Bridge
Währenddessen verschlug es Melvin zur Utopia Stage, wo Alter Bridge spielten. Auffällig war dabei vor allem eines: Vor der Bühne war deutlich weniger los, als man es für eine Band dieser Größenordnung erwarten würde. Das zeigte eindrucksvoll, welche Anziehungskraft The Offspring parallel auf der Hauptbühne entwickelten. Die Kalifornier ziehen derzeit Zuschauerzahlen, die noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wären. Ausverkaufte Arenatouren und riesige Festivalcrowds sind inzwischen eher die Regel als die Ausnahme. Für Alter Bridge war das natürlich ein schwieriger Slot. Musikalisch gab es allerdings wenig auszusetzen. Die Band präsentierte sich in gewohnt starker Verfassung, spielte präzise und überzeugte mit ihrer enormen Live-Erfahrung. Passend zu Myles Kennedys toller Stimme und seiner exzellenten Arbeit an der Gitarre zeigte sich das Wetter dann auch noch einmal von seiner besten Seite. So bleibt das Alter Bridge Konzert als schönes Sunburner Konzert positiv in Erinnerung. (Melvin)
The Story So Far
Für viele Pop-Punk-Fans dürfte The Story So Far zu den Highlights des Sonntags gezählt haben. Die Kalifornier sind hierzulande deutlich seltener zu sehen als viele ihrer Genre-Kollegen, entsprechend groß war die Vorfreude auf ihren Auftritt. Musikalisch lieferten sie genau das, was man sich von der Band erhoffen durfte: eingängige Melodien, viel Energie und feinsten Pop-Punk ohne unnötige Spielereien. Zwar war das Publikum nach dem Hype um PRESIDENT etwas geschrumpft, der Stimmung tat das jedoch keinen Abbruch. Frontmann Parker Cannon präsentierte sich bestens gelaunt und hatte die Menge schnell auf seiner Seite. Besonders sympathisch wirkte dabei seine ehrliche Begeisterung darüber, auf dem Nürburgring zu spielen. Die Rennstrecke kenne er bereits aus zahlreichen Videospielen, erklärte Cannon, und schien selbst kaum glauben zu können, nun tatsächlich hier auf der Bühne zu stehen. Außerdem kam es super beim Publikum an, dass er sich die Mühe gemacht hatte, ein wenig Deutsch zu lernen. Mit einer kurzen Vorstellung inklusive Name und Alter gewann er zwar keinen Sprachpreis, dafür aber sofort die Sympathien des Publikums. Es sind oft genau diese kleinen Gesten, die auf Festivals besonders gut funktionieren. Auch musikalisch wusste das Set zu überzeugen. Vor allem „Things I Can’t Change“ und „High Regard“ sorgten für besonders starke Reaktionen vor der Bühne und unterstrichen, warum The Story So Far seit Jahren zu den beliebtesten Vertretern des modernen Pop-Punk zählen. Am Ende blieb vor allem eines hängen: der Wunsch, sich nach dem Festival noch intensiver auch mit dem neueren Katalog der Band zu beschäftigen. (Lucie)
A Perfect Circle
Danach stand mit A Perfect Circle am letzten Festivalabend noch eine richtige Liebhaberband auf dem Programm. Die Band um Maynard James Keenan lieferte eine beeindruckende Performance ab. Klanglich bewegte sich der Auftritt auf einem Niveau, das man selbst bei großen Festivals nur selten erlebt. Hier haben Produktion und Band auf der Bühne wirklich alles gegeben. Ich habe selten eine Band erlebt, die so wahnsinnig gut klingt live. Ummalt wurden die Songs von tollen Visuals auf den Screens neben der Bühne und an den Videowürfeln. Die Musik von A Perfect Circle verlangt aufmerksames Zuhören und funktioniert weniger über große Festivalhymnen als über Atmosphäre und musikalische Feinheiten. Entsprechend war vor der Bühne weniger Betrieb als bei den großen Publikumsmagneten des Tages. Wer sich jedoch auf die Musik und Show einließ, wurde allerdings mit einem der stärksten Konzerte des gesamten Wochenendes belohnt. Musik, in die man sich einfach richtig reinfühlen kann. Zu bemängeln ist hier einzig, dass A Perfect Circle problemlos noch 30 Minuten länger hätten spielen können, so gut war das Konzert. Und so viele Songs hätte ich gerne noch hören wollen. (Melvin)
Set It Off
Mit Set It Off stand anschließend eine Band auf der Bühne, die eindrucksvoll bewies, wie viel sich mit einer motivierten Crowd anfangen lässt. Frontmann Cody Carson hatte offenbar beschlossen, dass am dritten Festivaltag niemand seine Arme schonen sollte. Zu nahezu jedem Song animierte er die Menge zum Klatschen, Mitmachen und Arme-Schwingen, während sich vor der Bühne immer wieder neue Pits öffneten. Den entscheidenden Funken zündete Carson jedoch mit einer klassischen Festival-Stichelei. Nachdem er behauptete, das Publikum bei Rock im Park sei am Vortag deutlich stärker gewesen, ließ sich die Menge auf dem Nürburgring nicht lange bitten. Innerhalb kürzester Zeit steigerte sich die Energie vor der Bühne merklich und die Reaktionen fielen so heftig aus, dass Carson schließlich selbst einlenken musste. Das sei das Beste, was er jemals gesehen habe, gab er begeistert zu. Musikalisch zeigte sich einmal mehr, warum Set It Off auch auf großen Festivals hervorragend funktionieren. Der Alternative-Rock des Quartetts aus Florida wirkt live deutlich härter und energiegeladener als auf Platte und traf damit genau den Nerv des Abends. Für eine Band, die ihren Weg unabhängig von großen Strukturen gegangen ist, dürfte dieser Auftritt ein weiterer Beleg dafür gewesen sein, wie weit sie es inzwischen gebracht hat. (Lucie)
Iron Maiden
Zum Abschluss des Wochenendes wartete schließlich einer der größten Namen der Rock- und Metal-Geschichte. Iron Maiden übernahmen den Headliner-Slot des Sonntags und lieferten genau die Art von Show, die man von einer der bedeutendsten Heavy-Metal-Bands aller Zeiten erwarten darf. Von Alterserscheinungen war auf der Bühne praktisch nichts zu spüren, dabei sind die Bandmitglieder inzwischen wirklich alt. Man vergisst dies allerdings sofort, wenn man sieht was für eine Spielfreude und Energie Iron Maiden auf die Stage bringen. Bruce Dickinson präsentierte sich stimmlich stark und die gesamte Produktion wirkte auch Jahrzehnte nach Gründung der Band noch absolut zeitgemäß. Vor der Bühne herrschte entsprechend Hochbetrieb. Die Bereiche A bis C waren komplett gefüllt, selbst in den hinteren Bereichen entstanden immer wieder Moshpits und große Publikumsbewegungen. Bei „Fear of the Dark“ verwandelte sich das gesamte Infield in einen riesigen Chor. Tausende Fans bewiesen Textsicherheit und sorgten für einen jener Momente, die Rock am Ring Jahr für Jahr besonders machen. Ikonisch dazu auch Bruce Dickinsons Bühnenoutfit mit grüner Lampe in der Hand, das sah richtig klasse aus. Für eingefleischte Iron-Maiden-Fans war dieser Auftritt vermutlich alles, was man sich wünschen konnte. Für viele andere Festivalbesucherinnen und Festivalbesucher war es die Gelegenheit, eine der größten Metalbands aller Zeiten vielleicht noch einmal live zu erleben. In beiden Fällen dürfte die Band die Erwartungen erfüllt haben. (Melvin)
Der Sonntag fühlte sich wie ein würdiger Ausklang eines langen Festivalwochenendes an. Trotz spürbar schwindender Energiereserven bewiesen viele Bands eindrucksvoll, dass man das Publikum auch am dritten Tag noch begeistern kann. Dabei waren es nicht unbedingt die größten Produktionen, die in Erinnerung blieben, sondern häufig die persönlichen Momente: Andy Biersacks selbstironischer Umgang mit der frühen Uhrzeit, Parker Cannons Begeisterung über den Nürburgring oder Cody Carsons erfolgreiches Kräftemessen mit dem Publikum sorgten für einige der sympathischsten Augenblicke des Tages. Gleichzeitig zeigte der Sonntag noch einmal die ganze Bandbreite des Festivals. Von den ungewöhnlichen Klängen Bloodywoods über das geheimnisvolle Hype-Phänomen PRESIDENT bis hin zu den großen Namen des Abends war für nahezu jede Spielart der Rock- und Metal-Szene etwas dabei. Den Schlusspunkt setzte schließlich Iron Maiden und bewies eindrucksvoll, warum die Band auch Jahrzehnte nach ihrer Gründung noch immer zu den größten Live-Acts des Genres zählt. So endete Rock am Ring 2026 nicht mit einem letzten Kraftakt, sondern mit dem Gefühl, drei außergewöhnlich abwechslungsreiche Festivaltage erlebt zu haben.
Ausblick auf 2027
Bereits am Freitag hatten Dreamhaus den ersten Headliner für das kommende Jahr bekanntgegeben: Blink-182. Die Ankündigung wurde vom Publikum mit lautem Jubel aufgenommen und sorgte sofort für Diskussionen auf dem Gelände. Und inzwischen wissen wir auch, dass Blink-182 einen großen Run auf die Tickets auslösten. Direkt mit dem Vorverkauf konnte Rock am Ring bereits 48.000 Festivaltickets absetzen. Wer noch nicht versorgt ist mit einem Ticket, wird hier fündig.
Als erster Headliner ist Blink-182 ein starkes Signal, insbesondere da die Band tatsächlich noch nie bei Rock am Ring gespielt hat. Die Buchung könnte zudem möglicherweise auf eine stärkere Ausrichtung in Richtung Punk, Pop-Punk und Skatepunk hindeuten.
Namen wie Paramore, Fall Out Boy, Four Year Strong, Knuckle Puck, Movements oder andere Vertreter dieser Szene würden hervorragend zu einer solchen Ausrichtung passen. Welche Bands am Ende tatsächlich auf dem Plakat landen, bleibt abzuwarten. Wir haben mal ein paar Wünsche unsererseits zusammengetragen:
Unsere Wünsche für 2027:
August Burns Red, Silverstein, Parkway Drive, Counterparts, Muse, Fall Out Boy, Jimmy Eat World, Deftones, Paramore, Normandie, Four Year Strong, Knuckle Puck, Movements, Siamese, The Devil Wears Prada, The Wombats, Honey Revenge, The Amity Affliction, Red Hot Chili Peppers, Atreyu, Lamb of God, Blur, Bad Religion, SeeYouSpaceCowboy, The Killers, Arm’s Length, Gojira, Spiritbox, Nickelback, God Is An Astronaut, Pulled Apart By Horses, Lenny Kravitz, Tremonti, Avril Lavigne
Bis es 2027 dann wieder zum Nürburgring geht, bleibt vor allem die Erinnerung an ein Festival, das trotz riesiger Besucherzahlen, logistischer Herausforderungen und drei langen Tagen einmal mehr bewiesen hat, warum Rock am Ring für viele Menschen jedes Jahr ein fester Termin im Kalender ist.
Tickets in der inzwischen vierten Preisstufe erhältst du hier – sowie alle weiteren Informationen auf der Website von Rock am Ring.
Wie wir die letzten Rock am Ring Ausgaben fanden findest du hier.
Unsere Fotos vom Festivalwochenende
Beitragsbilder von Lucie.
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