Dritte Wahl + Marathonmann, Sommer am Kiez Augsburg, 17.07.2026

Dritte Wahl beim Sommer am Kiez in Augsburg

Auch, wenn man nicht in Augsburg lebt, hat der Sommer am Kiez immer etwas von einem Heimspiel. Nach all den Besuchen in den vergangenen Jahren ist es immer ein vertrautes Gefühl, das für die Veranstaltungsreihe aufgebaute Gelände zu betreten und einen schönen Konzertabend (oder mehrere) zu erleben. Ein Gefühl, das auch Dritte Wahl kennen, die inzwischen längst zum Inventar beim Sommer am Kiez gehören, weshalb sie es auch selbst bereits als Heimspiel bezeichneten. Nachdem sie bereits am Abend zuvor ein Kneipenkonzert im anliegenden BOB’S am Kiez spielten, war an diesem Freitag die große Bühne dran. Und das nicht allein, sondern unterstützt von Marathonmann, die den Abend eröffnen durften.

Die Bezeichnung „Support“ wäre im Falle der Show von Marathonmann zu kurz gegriffen, denn – wie man es vom Sommer am Kiez gewohnt ist – mit einer guten Stunde Spielzeit gab es bereits hier ein ordentliches Set zu sehen. Direkt mit dem Opener „Schachmatt“ ging es dann zu recht früher Stunde, war es doch gerade mal 18:30 Uhr, in die Vollen. Ob das nun Post Hardcore, Alternative Rock oder Punk ist, war Nebensache, wie Sänger Michi in einer seiner Ansagen auch direkt deutlich machte: Sie seien hier, um „eine gute Zeit mit euch zu haben“. Dass das gelingen sollte, war eigentlich auch schon früh klar. Die Zuschauer waren bereits zahlreich vor der Bühne, einigen schienen Marathonmann auch nicht ganz unbekannt zu sein und die anderen wiederum ließen sich davon anstecken, was man beispielsweise bereits beim früh gespielten „Die Stadt gehört den Besten“ feststellen konnte.

Das alles kam gut an und die Band rockte sich durch ein Best-Of-Set, das auch durch die Ansagen stets sympathisch wirkte. Für Gitarrist Kev war es zudem ein ganz besonderer Tag: Er hat an diesem Tag geheiratet. Selten dürfte „Wo ein Versprechen noch was wert ist“ besser gepasst haben. Gänsehaut? Inklusive. So wie in vielen Momenten in diesem Set, das mehr und mehr ansteckte, sodass später auch der gewünschte Circle Pit realisiert werden konnte. Zum Ende hin ließen sich es dann sowohl Gitarrist Basti als auch Sänger Michi zu den Klängen von „Wir sind immer noch hier“ nicht nehmen, sich mit ihren Instrumenten in die Mitte des Pits zu stellen und gemeinsam mit den Zuschauern den Abend zu feiern. Ganz klar: Auch die Band hatte sichtlich Spaß an diesem Abend. Nachdem dann mit „Nie wieder Licht“ das Set endete, konnte man davon ausgehen, dass so einige den von der Band gewünschten Dreiklang beherzigt haben: auf Instagram folgen, am Merch vorbeischauen, Ticket für die Show am 10. April 2027 in Augsburg auf der Soho Stage kaufen.

Setlist:

01. Schachmatt
02. In einer kleinen Stadt
03. Die Stadt gehört den Besten
04. Frequenzen
05. Feuer
06. Nie genug
07. Wo ein Versprechen noch was wert ist
08. Stendhal Syndrom
09. Totgeglaubt
10. Holzschwert
11. Sie
12. Memento
13. Wir sind immer noch hier
14. Nie wieder Licht

Marathonmann beim Sommer am Kiez in Augsburg

Marathonmann beim Sommer am Kiez in Augsburg

Bevor es um 20:00 Uhr mit Dritte Wahl losging, betrat erst noch Christin, die Bookerin aus der Sommer-am-Kiez-Crew, die Bühne, um dieses letzte Wochenende am Kiez zu nutzen, allen Beteiligten ihren Dank auszusprechen und sie bejubeln zu lassen. Zu Recht! Auch in diesem Jahr war der Sommer am Kiez wieder ein voller Erfolg, der gefeiert werden durfte. Und sollte! Wie praktisch, dass dafür gerade Dritte Wahl in den Startlöchern standen, die für einen vollen Kiez sorgten und mit „Der Himmel über uns“ direkt die Party starteten. Wenn sie hier „sowas gibt’s nicht in der Cloud“ singen, lässt sich das auch gut auf Abende wie diese übertragen.

Die ersten Circle Pits ließen nicht lange auf sich warten und man merkte: An diesem Abend sollten alle eine gute Zeit haben. Dritte Wahl spielten ein Set durch ihre inzwischen lange Laufbahn und präsentierten sich dabei sowohl kritisch wie auch ironisch und selbstironisch. Beispielsweise, als sie erwähnten, dass man Punks gern vorwerfe, immer nur zu nörgeln, sie aber jetzt mal einen konstruktiven Vorschlag hätten, worauf sie „Wir schießen die Milliardäre ins All“ folgen ließen. Oder auch, als sie die zwischenzeitliche Flüssigkeitszufuhr damit kommentierten, dass das ja die neue Regel sei, nach 25 Minuten eine Trinkpause einzulegen. Dass es zu diesem Zeitpunkt zu regnen angefangen hatte, teilweise auch ein wenig stärker, tat der Stimmung übrigens keinen Abbruch: Die Reihen blieben gut gefüllt, die Stimmung blieb sehr gut.

Ganz klar: Der Abend war für Dritte Wahl ein Selbstläufer. Aber auch einer, den sie sich erspielt und verdient haben. Nicht nur durch eine abwechslungsreiche Songauswahl, sondern auch durch ihre bereits erwähnten Botschaften – beispielsweise in „Greif ein“, das bedauerliche „im schlechten Sinne gut gealtert“ sei. Oder auch mit der ironischen Danksagung an Christian Lindner vor dem folgenden „Das regelt der Markt“. Und mit der Einbeziehung des Augsburger Publikums, wie in „Zusammen“, bei dem aus der Zeile „Wenn wir zusammen sind“ kurzerhand „Wenn wir in Augsburg sind“ wurde. Ganz klar: Das alles war an diesem Abend ein Geben und Nehmen von Band und Fans. Auf beiden Seiten sah man zufriedene Gesichter. So soll es sein!

Wer an diesem Abend den Helmut-Haller-Platz besucht hat, hat definitiv die richtige Entscheidung getroffen. Ein schöner Abend mit zwei starken Bands, eine gute Werbung für Live-Musik und auch ein guter Grund, sich den Sommer am Kiez für 2027 schon einmal vorzumerken. Was will man mehr?

Setlist:

01. Der Himmel über uns
02. Störung
03. Wo ist mein Preis?
04. Wir schießen die Milliardäre ins All
05. Zu wahr um schön zu sein
06. So wie ihr seid
07. Scotty
08. Immer auf der Reise
09. Panama
10. Halt mich fest
11. Bad K.
12. Zum Licht empor
13. Zusammen
14. Greif ein
15. Das regelt der Markt
16. Auge um Auge
17. Runde um Runde
18. Gefühlt ist es noch kälter
19. Alles nur Chemie
20. Sonne & Meer
21. Morgen schon wech
22. Zeit bleib stehen!

Dritte Wahl beim Sommer am Kiez in Augsburg

Dritte Wahl beim Sommer am Kiez in Augsburg

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Fotos: Marius Meyer

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