All Time Low, Palladium Köln, 06.02.2026

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All Time Low gehören seit über zwei Jahrzehnten zu den größten Namen der internationalen Pop-Punk-Szene. Am 06.02.2026 kehrte die Band aus Baltimore bereits zum neunten Mal nach Köln zurück und verwandelte das ausverkaufte Palladium in einen Ort voller Nostalgie, neuer Energie und einem überraschenden Wachstum. Und das sage ich als jemand, der mit All Time Low über die Jahre hinweg eine gewisse Love-Hate-Relationship aufgebaut hat: zu oft wirkten die Shows der Vergangenheit auf mich wie ein Versuch, mit alten, nicht immer zeitgemäßen Witzen am Zahn der Zeit zu bleiben. Dieses Mal sollte das jedoch anders sein.

Schon beim Blick ins Publikum wurde deutlich, wie breit das Spektrum der Fans inzwischen ist. Neben langjährigen Wegbegleiter*innen, die mit Songs der frühen 2000er groß geworden sind, fanden sich auch viele neue Gesichter, die All Time Low erst durch das 2025 erschienene Album „Everyone’s Talking!“ entdeckt haben. Passend dazu dekorierte ein leuchtendes Neonschild mit dem Albumnamen das Bühnenbild und verlieh der Show einen modernen Look, der an größere Produktionen erinnerte.

Den Auftakt machten zwei Support Acts, die den Generationenmix des Abends perfekt widerspiegelten. Mayday Parade lieferten als Szene-Veteranen eine großartige Portion Nostalgie und wurden für Klassiker wie Jersey oder Jamie All Over lautstark gefeiert. Taylor Acorn hingegen brachte frischen Wind ins Line-Up: mit kraftvoller Stimme, charismatischer Bühnenpräsenz und einem zeitgemäßem Pop-Punk-Sound erwies sich die amerikanische Sängerin als stimmige Ergänzung und überzeugte auch Musikfans, die sie zuvor vielleicht noch nicht auf dem Schirm hatten.

Als Sänger Alex Gaskarth schließlich die Bühne betrat – im roten Hemd, das ihn mit einem Augenzwinkern ein wenig wie eine Pop-Punk-Version von Super Mario wirken ließ – ging es ohne Umschweife los: die neue Single SUCKERPUNCH eröffnete das Set und machte direkt klar, dass der Fokus nicht nur auf Nostalgie liegen würde. Nahtlos folgten mit Weightless und Damned If I Do Ya (Damned If I Don’t) aber auch direkt zwei Klassiker, die das gesamte Palladium in einen einzigen, lauten Fan-Chor verwandelten. Von der ersten Sekunde an wurde gesungen, gesprungen und gefeiert – egal ob neuer Track oder altbekannte Hymne.

Was dabei besonders auffiel: die Band wirkte auf mich deutlich reifer als bei früheren Touren. Die Ansagen zwischen den Songs waren nach wie vor humorvoll, aber weniger albern und vor allem angenehm spontan. Gitarrist Jack Barakat bezeichnete Köln schon früh als eine seiner liebsten Shows der Tour und verglich das Palladium mit einem „langen Schlauch voller Menschen“, der zu einem „deutschen Rave“ einladen würde.

Die Setlist selbst bewegte sich geschickt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Neue Songs wie Hate This Song, Monster oder The Weather wurden vom Publikum ebenso laut mitgesungen und fügten sich problemlos zwischen die älteren Hits ein. Gerade hier zeigte sich, dass All Time Low ihren Sound weiterentwickelt haben: die neuen Tracks wirken frisch und stellenweise sogar wie eine musikalische Weiterentwicklung, ohne dabei aber ihre poppige Eingängigkeit zu verlieren.

Ein Moment, der besonders im Gedächtnis bleiben dürfte, ereignete sich während des Akustik-Sets des Abends: als die Band Missing You anstimmte, entstand mitten im Publikum plötzlich ein kleiner Moshpit – ein eher ungewöhnliches Bild für einen ruhigen Song. Die Band reagierte sichtbar überrascht – zu dem Song hätte es in der gesamten Bandgeschichte noch nie einen Moshpit gegeben – und Sänger Alex musste während des Gesangs sogar lachen. Solche ungeplanten Momente machten deutlich, wie sehr Band und Fans bereit waren, das Konzert spontan mitzugestalten.

Gegen Ende nahm die Show noch einmal richtig Fahrt auf: Lost In Stereo brachte die Menge endgültig zum Ausrasten, bevor Dear Maria, Count Me In das Palladium in ein tosendes Finale verwandelte. Ein Abschluss, der zeigte, warum diese Band auch nach zwei Jahrzehnten noch solch große Hallen ausverkaufen kann.

Bleibt also die Frage, die über diesem Abend schwebte: sind All Time Low endlich erwachsen geworden? Die Antwort liegt vermutlich irgendwo zwischen Ja und Vielleicht. Die Band wirkt musikalisch weiter entwickelt und deutlich weniger bemüht als noch vor einigen Jahren. Gleichzeitig ist genau dieser Mix aus Selbstironie, Nostalgie und neuem Sound das, was ihre Shows ausmacht. Der Auftritt im Kölner Palladium zeigte jedenfalls eine Band, die gelernt hat, sich weiterzuentwickeln, ohne ihre Wurzeln zu verlieren – und die damit gerade vielleicht eine ihrer stärksten Livephasen erlebt.

Und so hört sich das an:

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