Interview mit Kapa Tult zu „Immer Alles Gleichzeitig“!

Kapa Tult sind im deutschen Indie-Rock die perfekte Antwort auf alle, die die Trennung von Wir Sind Helden genau so wenig verkraften wie die Widrigkeiten der queeren Subkultur und die CDU. Mit Sängerin Inga sprachen wir über die Herausforderung, Protest-Musik zu schreiben, wie Indie-Musiker*innen neben prekären Jobs noch eine Band gewuppt bekommen und wie gut die Sache mit der queeren Szene gerade läuft.

minutenmusik: Hi, Inga! Schön, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Wie geht’s dir denn so in Bezug auf Album Release? Seid ihr schon alle aufgeregt oder ist noch ein bisschen entspannter?

Inga: Ja, ich bin positiv aufgeregt. Wir haben das Album seit August oder September fertig und jetzt heißt es nur noch warten. Und natürlich auch Promo machen und so. Aber die musikalischen Entscheidungen sind alle längst getroffen.

minutenmusik: Das ist dann bestimmt eine krasse Zeit für euch! Ich durfte schon ins Album reinhören und finde, da gibt es sehr viel worüber man sprechen kann. Besonders spannend fand ich, dass im Vergleich zum Debüt sehr viele neue Sounds zu hören sind. Ihr seid spürbar vom LoFi-Sound entwachsen und habt gefühlt auch mehr ausprobiert. Es gibt Orgeln, mehr Gesangsharmonien, teils sogar etwas 80s-Vibes. War das etwas, was ihr euch vorgenommen habt? Wolltet ihr unbedingt etwas Neues ausprobieren oder ist das eher natürlich so entstanden?

Inga: Ich glaube, es ist eher natürlich entstanden. Wir haben uns soundmäßig gar nicht etwas Bestimmtes vorgenommen. Manche Sachen haben sich über die Jahre mehr herauskristallisiert – zum Beispiel, dass wir alle extreme Orgelfans sind. Wir haben im Proberaum zwar keine echte Orgel, aber den Orgel-Sound auf dem Keyboard. Immer wenn Robin, unsere Keyboarderin, das anmacht, freuen wir uns alle immer total.

Außerdem hatten wir im Studio extra Leslie-Lautsprecher – also die, die sich richtig drehen. Weil wir das dann da hatten und es auch alle geil fanden, kommt es eben in vielen Liedern vor. Wir haben einfach viel rumprobiert und wollten nicht, dass alles gleich klingt.

minutenmusik: Das hat sich gelohnt! Thematisch habt ihr auch noch mehr ausgeholt. „ARD Mediathek“ war da sehr spannend, weil in unserer queeren, linken Bubble nochmal besondere Themen auftauchen. Hast du das Gefühl, du findest dich in der Szene trotzdem wieder oder würdest du dir da manchmal auch eine andere Repräsentanz wünschen?

Inga: Ich würde sagen, ich identifiziere mich schon sehr mit der queeren Szene und auch den Gepflogenheiten. Das ist eben das Ding: Also ich würde auch poly sein und cool damit sein, wenn eine Person, in die ich verliebt bin, auch in jemand anders verliebt sein kann. Nur ist es halt dann nicht so einfach.

Ich habe aber schon das Gefühl, dass das in meiner Bubble oder in meinem Freund*innenkreis, dass es da schon auch so auf Akzeptanz stößt. Mittlerweile wird mehr darüber geredet, dass es eben nicht vorausgesetzt werden kann, wie wer leben möchte und ich habe da das Gefühl, es gibt eine positive Entwicklung. Es geht nicht mehr nur um Coolness, ob jemand poly ist.

minutenmusik: Mir ist aufgefallen, dass ich noch nie einen Song gehört habe, wo diese persönliche Befangenheit mit diesem ganzen Thema bezüglich queeren Beziehungen so auf den Punkt gebracht wurde.

Inga: Danke. Es geht auch um Einsamkeit. Diese Situation, wo ich alleine Zuhause sitze und Serien gucke und versuche, mich von der Situation abzulenken.

minutenmusik: Aber krass, dass du dich dann für die ARD Mediathek entscheidest.

Inga: Ich hab kein Netflix und ich gucke das auch sehr gerne. Neulich habe ich in der ZDF Mediathek „queere Serien“ eingegeben und dann stand da nur: Keine Ergebnisse für diese Suchanfrage“. Vielleicht waren die aber auch einfach anders hinterlegt. Wir haben sogar der ARD den Song geschickt und die haben direkt geantwortet und gesagt „Lustiger Song, aber ihr tut uns voll unrecht, weil guck hier: Da geht es auch um Dreiecksbeziehungen!“

minutenmusik:  Das ist ja süß! Ich glaube, ich habe es auf diesem Album auch erstmals wahrgenommen, dass ihr auch über sehr ernste Themen in den Songs sprecht – aber ohne Sarkasmus. Wie schwer fiel es dir denn so Songs wie „Du siehst mich nicht“ oder „Niemand“ zu schreiben und auch mit deinen Bandmitgliedern zu teilen?

Inga: Schon schwer. Man hat dann irgendwann ein Selbstbild entwickelt – wenn man ein paar Texte mit Sarkasmus geschrieben hat – dass man dann denkt, Leute, die auf ein Konzert von uns kommen oder auch Leute aus meiner Band erwarten, dass ich mich selber reproduziere. Dadurch bekomme ich auch das Gefühl, mich jetzt verletzlich zu machen, wenn die Leute fragen „Hä? Wo ist da der sarkastische Bruch?“ Gleichzeitig habe ich auch etwas Angst davor, mit diesen Aussagen etwas platt zu sein.

Für mich ist „Du siehst mich nicht“ noch ein bisschen was anderes, weil es einfach Liebesdrama über den Wunsch gesehen zu werden ist. Das ist für mich die Fortsetzung von „Kaffee und was Süßes“, weil es die gleiche Story ist, aber zwei Jahre später. „Kaffee und was Süßes“ war aber noch etwas witziger und greifbarer, aber auch etwas desillusioniert. Deswegen gibt es jetzt auch keinen Bruch. Aber bei „Niemand“ fiel es mir schon sehr schwer, weil der Song zuerst gar nicht für die Band gedacht war. Ich habe ihn geschrieben und als wir uns dann fürs Album Songs gezeigt haben, habe ich nicht gedacht, dass der ausgewählt werden würde. Wir entscheiden dann immer gemeinsam, an welchen Song-Skizzen wir weiterarbeiten. Als ich den vorgestellt habe, meinten alle „Krasser Song“, aber als wir den das erste Mal gespielt haben und ich den Song angesagt habe mit „Im nächsten Song geht es um Trauer“, haben die anderen erst gerafft, worum es geht. Das ist echt witzig, wie lange man so aneinander vorbeireden kann.

minutenmusik: Habt ihr euch denn danach oder auch davor als Band auch mal über solche Themen unterhalten? Oder würdest du sagen, dass war schon was Besonderes für euch, auch als Freund*innen sowas auch mal miteinander zu teilen?

Inga: Es ist schon auch so, wie es in dem Song gesagt wird: Für mich ist es sehr schwer, darüber zu reden und ich habe das Gefühl, dass es vielen anderen Leuten schwerfällt. Ich kann die Transferleistung nicht erbringen, dass wenn ich trauere, mir wünsche, Sachen gefragt zu werden, und ich kann die Transferleistung nicht erbringen, wenn jemand anders trauert, dann Sachen zu fragen, weil ich Angst habe, die Person trauriger zu machen, als sie ist. Während ich selber dann, wenn ich in der Position bin, denke so, hä, ich bin doch eh traurig, du kannst mich nicht noch trauriger machen. Also und ich glaube, genauso ist es in unserer Band auch.

minutenmusik: Im Vergleich zum Debüt ist das auf jeden Fall schon noch mal eine ganz andere Seite. Ich fand auch interessant, dass in einem Song auch ein bisschen das Thema mit dem dieser Unzuverlässigkeit unserer Generation aufkam. Wie gut klappt das denn bei euch in der Band? Ihr macht das ja alle nicht hauptberuflich. Wie gut kriegt ihr das hin, euch zeitlich irgendwie zu committen und für die Band Zeit zu finden?

Inga: Ja, es ist auf jeden Fall ein Prozess, aber mittlerweile haben wir die Band schon alle als Prio. Wir haben zum Beispiel jeden Montag und jeden Dienstag morgens einen Call, in dem wir die Aufgaben für die Band besprechen, beim zweiten Termin ist dann Management und Label mit dabei.

Wir haben alle Jobs, mit denen das vereinbar ist. Aber das heißt natürlich auch, dass die Jobs prekär sind, was halt irgendwie auch scheiße ist. Wenn man mehrere Wochen im Jahr auf Tour gehen möchte, ist das mit einer Festanstellung ja gar nicht möglich, außer man hat gar keine Urlaubstage mehr für Freizeit übrig.

Insgesamt sind wir alle auf jeden Fall ziemlich commited. Aber natürlich gibt es auch mal Situationen, wo wir unterschiedlicher Meinung sind – zum Beispiel wenn eine Anfrage reinkommt, die mir viel bedeutet und alle anderen sich fragen, warum wir da jetzt spielen sollten.

minutenmusik: Also habt ihr da auch manchmal so andere Vorstellungen, wohin es gehen soll mit der Band?

Inga: Wir haben manchmal kleine Auseinandersetzungen darüber, wohin es gehen soll, aber keine tiefgreifenden. Durch die Musik, wie wir machen, haben wir ja gar nicht so viele Richtungen. Es gibt manchmal Diskussionen im Auswahlprozess für das Album. Aber das ist ja auch oft nur Geschmackssache. Durch die Musikrichtung, die wir machen, passen wir aber eh nur auf bestimmte Festivals oder Formate und in andere überhaupt nicht. Wir müssen jetzt nicht versuchen, Vorband von KIZ zu werden.

minutenmusik: Das Wichtigste ist auf jeden Fall eine gute Grundlage zu haben. Ich habe echt großen Respekt davor, wie ihr das macht – vor allem weil es heute nicht leichter geworden ist für Indie-Bands.

Inga: Natürlich muss man auch bedenken: Wir arbeiten gerade auf eine Albumveröffentlichung hin und natürlich weiß man nicht, wie es in einem Jahr aussieht. Gerade sind wir gehyped und finden es geil, auf Tour zu gehen und haben Bock auf alles. Aber es gibt natürlich Ups und Downs und ich glaube, die wichtigste Frage ist, wie man als Band mit den Downs umgeht.

minutenmusik: Let’s talk about Wutz. Der kommt ja in „Wolfgang“ vor und ich frage mich: Gibt es diesen Hund wirklich oder ist der reine Fantasie?

Inga: Der ist Fantasie, muss ich gestehen.

minutenmusik: Mich hat der ganze Song „Wolfgang“ im besten Sinne an Wir sind Helden erinnert. Es gibt einen Song von denen, der heißt „Wolf und Brigitte“. Ich weiß nicht, ob du den kennst.

Inga: Ja, natürlich.

minutenmusik: Judith Holofernes ist auch eine großartige Songwriterin. Und ich hatte schon öfter festgestellt, dass ich bei dir so ein paar Parallelen sehe, was so Songwriting angeht. Judith hatte mal erzählt, dass sie bei so Spaziergängen, Bahnfahrten und so irgendwie so Alltagsgeschichten aufschnappt und die irgendwie aufschreibt und daraus wird dann ein Song.

Ist das bei dir auch so oder bist du eher so ein Mensch, der zu Hause dann sitzt und wirklich überlegt, worüber könnte man so schreiben? Also wo kriegst du so deine Inspiration für solche Stories wie zum Beispiel in Wolfgang her?

Inga: Also erstmal danke für das Kompliment! Ich bin Judith Holofernes-Fan und die Ideen kommen mir auch auf Spaziergängen oder beim Fahrradfahren vor allem. Aber es ist dann überhaupt nicht, glaube ich, related zu dem, was ich sehe, sondern eher weil da die Gedanken besser fließen und man nicht gerade etwas Bestimmtes macht oder in Konversation ist. Diese Story mit Wolfgang und Wutz ist ehrlich gesagt schon so richtig, richtig alt. Ich würde sagen acht Jahre.

Und ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, wie ich darauf gekommen bin. Ich weiß nur, also quasi das Bild, was Angie, also die Schlagzeugerin und ich uns immer ausgemalt haben damals war halt so Mannheim, weil das halt ja immer so „immer im Quadrat und immer an der Wand entlang“ und das da quasi immer so um den Block geht – ohne dass ich damals jemals in Mannheim gewesen wäre! Aber Angie hat da studiert. Also ich habe da schon so ein sehr genaues Bild quasi davon, wie das so aussieht und auch so wie die Wohnung aussieht und so. Aber wo das jetzt genau herkommt kann ich echt nicht sagen. Es war irgendwie ein Hirngespinst und ja, jetzt ist es ein Song geworden.

minutenmusik: Es fühlt sich auf jeden Fall so an, als hätte der Song auch direkt aus dem Leben gekommen sein können.

Inga: Das Gefühl ist glaube ich sehr real: einerseits das Steckenbleiben und andererseits das Suchen von Trost im Trostlosen oder dem scheinbar Trostlosen. Und gleichzeitig gibt es hier die Unklarheit: Ist der Trost der Alkohol oder ist es wirklich ein neuer Freund? Wie einsam ist Wolfgang eigentlich? Das ist eine Frage, die mich manchmal rumtreibt – ich frage mich, wie einsam sich andere Menschen fühlen.

minutenmusik: „1/2 Capuccino“ ist ja jetzt schon etwas länger draußen, aber seit dem Release ist das Thema Spotify noch publiker geworden. Hast du das Gefühl, dass für euch als Indie-Band nach dem großen Aufschrei auch etwas anders geworden ist? Glaubst du, die Szene verändert sich etwas und die Leute kaufen wieder bewusster Merch oder gehen auch zu kleinen Bands auf Konzerte?

Inga: Ich glaube ehrlich gesagt, der einzige Effekt ist, dass Leute von Spotify zu Tidal wechseln. Also das ist natürlich nur mein Empfinden. Ich kann aber überhaupt nicht einschätzen, ob das eine signifikante Zahl ist. Ansonsten kann ich das schlecht einschätzen – ja wir verkaufen mehr Merch als vor zwei Jahren, aber wir haben auch mehr monatliche Hörer*innen als vor zwei Jahren. Für uns ist das die persönliche Entwicklung. Aber ob jetzt eine Band, die schon länger dabei ist, die gleiche Situation erlebt, weiß ich nicht.

Außerdem kann es immer sein, dass Bands zwar mehr Tickets verkaufen, aber im Endeffekt trotzdem weniger Geld haben, weil alles teurer wird. Man muss ja schon ziemlich viele Tickets verkaufen, damit sich eine Tour überhaupt trägt. Natürlich ist es toll, vor 400 Leuten spielen zu können – gleichzeitig finde ich es auch geil, vor 100 LEuten zu spielen oder vor 50. Nur dafür entscheidet mans ich dann nicht, weil man dann Verluste macht. Das ist natürlich schade, weil das auch geile Abende sein können, aber so ist das leider.

minutenmusik: Judith Holofernes hat in ihrer Bio auch erzählt, wie viele Schulden sie mit ihrer ersten Solo-Tour gemacht hat. Eigentlich würde man denken, bei einer bekannten etablierten Künstlerin würde es anders laufen – aber so eine Tour ist einfach immer mit einem Risiko verbunden.

Inga: Es hängt auch immer mit der Dimension zusammen. Ich würde jetzt ins Blaue hinein behaupten, dass Judith Holofernes eine größere Crew hat als wir und ihre Crew auch besser bezahlt als wir und vielleicht ein krasseres Bühnenbild hat und dadurch einen zweiten Sprinter braucht. Die Einstiegskosten sind höher, weil das Niveau höher ist.

Wir fahren einfach in einem Kombi mit Bassdrum und Verstärker zu viert gequetscht durch Deutschland. Nächstes Jahr leihen wir uns vielleicht einen Sechssitzer und nehmen noch einen Tontechniker mit und Pult und das ganze Schlagzeug. Und für diese Tour nehmen wir dann noch Tourmanagement mit und Lichttechniker… Das Ganze wird also besser – aber wir verdienen nicht mehr Geld. Für uns wird es aber bequemer, weil wir ein Tourmanagement haben und für die Leute, die zum Konzert kommen, wird es besser, weil die Show geiler wird.

minutenmusik: Ich finde „1/2 Cappuccino“ ist ein Beispiel dafür, dass ihr wenn auch unterschwellig auch eine politische Haltung mit drin habt. Neben Gendernormen und Queerness geht es im neuen Album ja auch gegen Milliardäre, Superreiche und auch ein bisschen gegen das Anti-ÖPNV-System unserer Regierung. Inwiefern würdest du Kapa Tult als politische oder gar Protest-Band bezeichnen?

Inga: Ich glaube nicht, dass wir eine Grenze ziehen wollen. Es ist aber leider sehr schwierig, politische Songs zu schreiben. Das ist so eine Monsteraufgabe – und ich setze mich ja wie gesagt nicht hin und überlege, worüber ich schreiben möchte. Dann würde mir sehr viel einfallen, aber sobald ich vorm leeren Blatt sitze, fallen mir die wichtigsten Aussagen zu einem Thema ein, aber dann klingt es eher wie ein Demospruch.

Ich habe schon überlegt, ob es geil wäre, ins Demospruch-Songwriting einzusteigen. Irgendwie fehlt das auf vielen Demos – im Vergleich zum Beispiel zu Frankfreich, wo ich früher häufig auf Demos war. Da gibt es viel mehr Demo-Chants, die melodiös und kreativer sind. Das sollte ich vielleicht einfach machen – dann sind es Zweizeiler und die können auch auf die Fresse sein. Ich wünschte aber insgesamt, es würde mir leichter fallen, politische Texte zu schreiben.

minutenmusik: Kennst du denn da irgendwie Bands oder Künstler*innen, wo du sagen würdest, die machen das so, dass du es cool findest?

Inga: Ich finde das auch sehr schwierig, aber ich habe da jetzt keine direkten Vorbilder. Ich finde auf jeden Fall dieses „Madonna vs Britney“ von Remote Bondage über die Konkurrenz unter FLINTA-Personen im Musikbusiness sehr gut. Ebow macht es auch sehr gut finde ich – aber eben auf eine Art, die mir selbst gar nicht zufliegt. Ich bewundere es sehr, aber das ist nichts, was ich so auch machen könnte.

minutenmusik: Es ist sicher auch immer etwas genreabhängig und muss zu einem passen. Ich finde es aber sehr spannend, weil ich mich frage, ob Leute, die eure Musik hören, politisch vielleicht in einem ganz anderen Spektrum als ihr sein könnten, weil sie die politisch unterschwelligen Aussagen gar nicht so stark wahrnehmen können und dann bei Konzerten total geschockt sind. Oder ob das durch gewisse Codes doch schon deutlich ist. Wenn man selbst in der Bubble ist, kann man das gar nicht so einschätzen.

Inga: Das ist eine gute Frage. Ich hoffe nicht und bin auch immer davon ausgegangen, dass es nicht so ist. Aber das ist natürlich immer leicht. Ob einzelne sich dann doch verirren, weiß man natürlich nicht. Ich glaube, dass man nie genug Haltung zeigen kann. Vielleicht ist das etwas für die Zukunft. Ich will einerseits Haltung zeigen, aber andererseits auch darauf achten, dass man eben etwas macht, was so aus einem rauskommt. Es würde sich falsch anfühlen, das zu erzwingen. Da will ich lieber einen Demo Chant schreiben, der nicht in dem Sinne ein Band-Song ist und eher Politik als Kunst.

minutenmusik: Ich fand es auf jeden Fall unterhaltsam, dass ihr mit „Ich hau ab“ auch noch einen Song übers Tourleben geschrieben habt. Freust du dich denn trotz dieses sehr speziellen Lebens darauf unterwegs zu sein oder Ist es auch irgendwie so ein bisschen Anxiety davor, diese ganzen extremen Situationen mitzuerleben, die euch dann vor und hinter der Bühne erwarten?

Inga: Ich glaube beides. Ich habe schon mega, mega Bock und wir gehen erst zwei Wochen und dann nach einer kurzen Pause noch mal eine Woche und das ist ja schon überschaubar. Aber ich habe schon die größte Angst davor, mir dann so am sechsten Abend in Folge zum Beispiel einfach zu denken „Okay, vielleicht will ich jetzt „Niemand“ nicht noch mal spielen, weil es einfach zu intense ist am sechsten Abend in Folge und ich nicht dazu bereit bin für dieses Wechselbad der Gefühle. Die ganze Setlist ist ja nur mit meinen Emotionen gefüllt und das ist schon etwas sehr Persönliches. Wir haben aber ein paar variable Momente in der Setlist, damit wir es vermeiden, auf ein paar Songs eben keinen Bock mehr zu haben. Dennoch habe ich schon Respekt vor, weil man nicht sagen kann, dass man es heute nicht fühlt. Aber im Großen und Ganzen liebe ich es und freue mich schon sehr lange darauf.

minutenmusik: Das glaube ich. Habt ihr denn jetzt irgendwie euch neue Sachen vorgenommen für die Tour? Also meintest schon, es gibt jetzt Licht. Habt ihr denn auch sonst irgendwie Momente, wo du sagen würdest, da freust du dich besonders drauf, weil die noch mal anders werden als bei den ersten Tour-Stopps, die ihr so gemacht habt? Oder ist es sehr ähnlich wie vorher?

Inga: Ich glaube, das Neue ist, dass nicht nur ich singe, sondern dass wir irgendwie noch mehr zu viert singen. Das haben wir in den letzten Wochen auch noch mal richtig gut geübt. Und ich glaube, wir sind auch durch den Albumprozess, weil wir live eingespielt haben, noch mal musikalisch viel näher zusammengewachsen als Band.

minutenmusik: Ich fand tatsächlich, dass ihr schon beim ersten Konzert, wo ich war, wie eine Einheit auf der Bühne gewirkt habt. Das wird dann diese Tour sicher noch besser! Bis dahin: vielen Dank für das Interview und viel Erfolg beim Release!

Website / Label-Seite / Instagram

Kapa Tult live 2026:

  • 11.03. Kulturzentrum Faust, Hannover
  • 12.03. Knust, Hamburg
  • 13.03. Tower, Bremen
  • 14.03. Conne Island, Leipzig
  • 16.03. Mousonturm, Frankfurt
  • 17.03. Tollhaus, Karlsruhe
  • 18.03. Gebäude 9, Köln
  • 19.03. FZW, Dortmund
  • 20.03. Engelsburg, Erfurt
  • 21.03. Moritzhof, Magdeburg
  • 07.04. Z-Bau, Nürnberg
  • 08.04. Strom, München
  • 09.04. Posthof, Linz (AT)
  • 10.04. Flex, Wien (AT)
  • 11.04. Groove Station, Dresden
  • 12.04. Hole44, Berlin

Rechte am Beitragsbild liegen bei Karine Bravo.

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