Mit „Ins Blau“ legen Kind Kaputt ihr drittes Album vor. Darauf enthalten sind zehn Songs, entstanden ohne Co-Writing und ohne zusätzliche Produzenten. Statt ausgearbeiteter Instrumentals standen häufig Text und Melodie gleichzeitig am Anfang, was sich auch im reduzierten, fokussierten Sound widerspiegelt. Thematisch bewegt sich „Ins Blau“ zwischen Erwartungsdruck, Orientierungslosigkeit und dem Gefühl, irgendwo zwischen Vergangenheit und Zukunft festzuhängen.
Im Track by Track gibt Sänger und Gitarrist Johannes Prautzsch Einblicke in die Entstehung der einzelnen Songs – von liegengebliebenen Ideen über spontane Studio-Momente bis hin zu Stücken, die erst nach mehreren Anläufen ihre endgültige Form gefunden haben.
01. Teilnahmeurkunde
„Teilnahmeurkunde“ ist der älteste Song auf diesem Album. Er ist 2020/2021 entstanden, in der Zeit, als wir Songs wie „Wasser“, „Gründe“ und „Bleiben“ geschrieben haben. Wir haben nie geschafft, ihn fertig zu schreiben. Für „Ins Blau“ haben wir ihn nochmal ausgegraben. Es hat geklappt und ich bin sehr froh, dass wir das gemacht haben.
02. Aufgeben
Bei „Aufgeben“ hatte Conna dieses Gitarrenriff mitgebracht. Dann habe ich so ein bisschen Kauderwelsch gesungen, um mir den Chorus vorstellen zu können, und dabei war die Zeile „Gib es auf, lass es sein“. Das habe ich irgendwie immer wieder gesungen, daraus ist dann der restliche Songtext entstanden.
03. Ins Blau
Es gibt, glaube ich, keinen Song, an dem wir länger geschrieben haben. Wir haben insgesamt fünf Refrains für diesen Song geschrieben, mit Melodie und Text und allem. Erst mit dem letzten Refrain kam dann auch diese Zeile „Ich starre nach oben, ich ziele ins Blau“. Ich bin sehr froh, dass wir da so viel Zeit reingesteckt haben.
04. Wie geht denn das
„Wie geht denn das“ war echt ziemlich schnell fertig. Ich hatte die Idee für den Chorus und ein paar Zeilen zur Strophe. Nach ein oder zwei Tagen war der Song fertig. Die Schwierigkeit war dann im Studio hauptsächlich den richtigen Vibe und Sound für diesen Song zu finden, da hat Conna einen richtig geilen Job gemacht!
05. Wie man lebt
„Wie man lebt“ war die allererste Single vom Album und der erste Song, der komplett fertig war. Wir haben relativ schnell gewusst, dass wir den als erste Single veröffentlichen wollen und haben den deswegen schon 2024 im Sommer aufgenommen. Live ist der etwas tricky, ich glaube, den müssen wir vor der Tour nochmal richtig üben.
06. Fernglas
Bei „Fernglas“ hatte ich ursprünglich einen komplett anderen Text geschrieben. Das Einzige, was von diesem Text noch übrig geblieben ist, sind die ersten zwei Zeilen „Mit dem Fernglas am Ufer stehen und den Ozean übersehen“. Den Rest habe ich zwei/drei Wochen, bevor wir Gesang für diesen Song aufgenommen haben, nochmal komplett gekickt und von vorne angefangen. Arbeitstitel war bei dem übrigens „Stampfer“, weil das Gitarrenriff so stampft. Ja, wir sind sehr kreativ mit unseren Arbeitstiteln.
07. Teufel
„Teufel“ ist Song Nummer sieben auf dem Album. Ich hatte die Textidee für diese Strophe, aber noch nicht so richtig Akkorde oder eine Melodie dazu. Und irgendwann ist Conna mit diesem Gitarren-Picking in der Strophe dann in den Proberaum gekommen. Und dann haben wir relativ schnell gemerkt, dass dieses Textfragment, was ich da rumliegen habe, ziemlich gut da drauf passt. Und von dort hat sich das dann alles sehr natürlich angefühlt und das ist alles sehr gut zusammengewachsen.
08. Angst
Wenn man’s genau nimmt, ist „Angst“ der aller-aller-erste Song, den wir vom Album veröffentlicht haben. Der ist 2024 bei einer Songwriting-Session bei Mathis entstanden. Da kamen dann gerade die Ergebnisse von der Landtagswahl in Sachsen rein und das hat uns so geschockt, weil die AfD damals ein extrem starkes Ergebnis eingefahren hat, dass wir diesen Song veröffentlichen mussten und uns dafür kurz mit einer Akustikgitarre auf ein Feld gehockt haben.
09. Gleich
Conna hatte die Idee, noch mal so einen richtig harten „Auf die Fresse“-Hardcore-Punk-Irgendwas-Song zu machen. Mathis konnte zu der Zeit nicht in Leipzig sein. Wir haben ihn nach Feierabend angefacetimed. Conna hat irgendwie dieses Gitarrenriff geschrieben, Mathis hat seine Schlagzeugideen reingegeben und Conna hat das Schlagzeug am Rechner programmiert. Ich saß hier auf der Couch und habe den Songtext dazu geschrieben. So ist „Gleich“ entstanden. Wir wussten sofort, dass wir da Hakan (Kora Winter/Haxan030) in der zweiten Strophe hören. Hakan hatte Bock drauf und das ist ein saugeiler Song geworden!
10. Soweit
Eigentlich hatten wir alle Songs fürs Album schon geschrieben. Nachts konnte ich nicht schlafen und lag im Bett, als mir die ersten zwei Zeilen und die Melodie zu „Soweit“ eingefallen sind. Der Song ist erst am Rechner entstanden, bevor wir ihn als Band zusammen gespielt haben. Ich glaube, das ist inhaltlich der positivste Kind Kaputt Song und der versöhnlichste, den wir bisher geschrieben haben, deswegen mag ich den sehr.
Und so hört sich das an:
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Die Rechte am Foto liegen bei Luka Vasi.
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