Arm’s Length, Gebäude 9 Köln, 20.02.2026

Arm's Length Köln

Wie könnte man besser ins Wochenende starten als mit einem Abend voller roher Emotionen, grandioser Musiker und purer Freude? So intensiv, dass es sich fast wie Gruppentherapie anfühlt. Besonders dann, wenn die Menschen um einen herum nicht für das perfekte Video, sondern einzig für eine gute Zeit gekommen sind. Genau so fühlte sich der Abend mit Arm’s Length an: erfrischend. Fast wie früher. Ist Emo zurück?

Die erste Headline-Tour von Arm’s Length führte die Kanadier mit ihrem aktuellen Album „There’s A Whole World Out There“ ins Kölner Gebäude 9. Seit der Bestätigung der Show hatte sich die Band besonders auf genau diesen Abend gefreut. Bereits 2023 waren sie gemeinsam mit Hot Mulligan hier zu Gast gewesen – und die Kölner Crowd war ihnen in phänomenaler Erinnerung geblieben. Legendäre Shows in Köln eben. Doch konnte das Publikum auch diesmal – weit über die übliche Schlafensgehzeit hinaus – den Erwartungen gerecht werden?

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten.

Schon beim Opener Ben Quad zeigte sich die Menge hochmotiviert. Im Zentrum stand Gitarrist Edgar Viveros, der mit seiner unbändigen Energie alle Blicke auf sich zog. Zwischen wilden Bewegungen und scheinbar müheloser Präzision fragte man sich unweigerlich, wie seine Finger mit diesem Tempo Schritt halten konnten – oder ob die Saiten nicht vielleicht doch verzaubert waren. Für das Quartett war es die erste Show in Deutschland, und sympathischer hätte der Einstand kaum sein können.

Be silly. Be loud. Be safe.

Als einzige deutsche Band im Line-up sorgten Shoreline für den nächsten Stimmungsanstieg. Hier war die Menge bereits textsicher. Und spätestens bei Koyo kochte der Raum endgültig. Alle Supportacts versprühten spürbar diese „Sei einfach du selbst“-Mentalität. „Be silly“. Genieß den Abend!

Doch so selbstverständlich ist das nicht immer. Im Gedächtnis blieb vor allem eine Aussage von Shoreline-Sänger Hansol Seung: Obwohl die Szene oft als besonders offen und inklusiv gilt, zeigte das Line-up ein vertrautes Bild – vier Bands, ausschließlich Männer. Natürlich: großartige Bands, keine Frage. Dennoch erinnerte Seung daran, dass ein Konzert nicht automatisch ein sicherer Ort ist. Wir müssen es aktiv dazu machen. Denn so sehr man sich Gemeinschaft wünscht – ein Arschloch gibt es leider immer.

Gerade deshalb fühlte sich dieser Abend besonders an. Das Gemeinschaftsgefühl setzte zum Glück früh ein: Bei „The Reason“ von Hoobastank zum Einzug von Ben Quad sang plötzlich der ganze Raum mit. Und als der Headliner schließlich die Bühne betrat, wiederholte sich dieses Bild bei „Iris“ von The Goo Goo Dolls. Ab diesem Moment wurde ohnehin alles mit voller Hingabe mitgegröhlt.

75 Minuten Gruppentherapie

Die emotionalen Songs von Arm’s Length treffen live noch einmal anders. Das Gebäude 9 wurde zu einem Ort, an dem man alles rauslassen durfte – Frust, Nostalgie, Überforderung oder schlicht Euphorie. Rund 75 Minuten dauerte diese Gruppentherapie, für viele deutlich nach der üblichen Schlafensgehzeit. Jedoch waren Müdigkeit und die unvermeidlichen Rückenschmerzen der Elder-Emos plötzlich nebensächlich. Die Energie im Raum war zu berauschend, um ans Bett zu denken.

Zwischen den Songs führte Sänger Allen Steinberg mit trockenem Humor durch die Tuning-Pausen („Do you know anyone who’s taking longer to tune?“) und bewies, dass große Emotion und Selbstironie wunderbar nebeneinander existieren können. Ein spontanes Cover von „Life Is A Highway“ sorgte zusätzlich für gemeinsames Lachen. Allens Stimme klang rauer und kraftvoller als auf Platte, das machte nicht nur die Singles sondern wirklich jeden Song zu einem echten Banger.

Die unermüdlichen Fans bewiesen eindrucksvoll, warum Köln für Arm’s Length ein besonderer Ort ist – und wohl auch bleiben wird. Dieser Abend fühlte sich wie ein kleiner Beweis dafür an, dass Emo vielleicht nie wirklich weg war.

Und so hört sich das an:

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Beitragsbild von Lucie.

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