Welche globalen Krisen 2026 wohl bereithält? Schon in den letzten Jahren zeichnete sich immer mehr ab, wie – jetzt wird es cheesy – wichtig Musik gerade in so unsicheren Zeiten ist. Diesen ersten Satz habe ich – mit Ausnahme der Aktualisierung der Jahreszahl – eins zu eins aus unserem Newcomer*innen-Artikel für das Jahr 2024 kopiert. Denn geändert hat sich wenig: Konflikte & Krisen in aller Welt, dramatische Nachrichtenmeldungen jeden Tag und jede*r Einzelne versucht einfach nur Schritt zu halten, vielleicht auch auszuhalten. Musik ist immer noch unsere liebste Ablenkung. Das, was uns den Wahnsinn um uns herum vergessen lässt, das uns aushalten lässt. Musik lässt uns von Traurigkeit bis riesiger Freude alle Gefühle erleben, sie lässt uns eintauchen in andere (Klang)welten. Ohne Musik geht es nicht! Und für uns als minutenmusik gilt natürlich auch in 2026: Ohne neue Musik geht es erst recht nicht! Deshalb haben wir auch in diesem Jahr als Redaktion einige interessante Newcomer*innen identifiziert, die wir euch gerne weiterempfehlen möchten.
Anne Mosters (#Pop)
Eigentlich hätte Anne Mosters bereits vor einigen Jahren als Newcomerin des Jahres gehandelt werden müssen. 2023 nahm die Sängerin an der 13. Staffel von The Voice of Germany teil und sang sich in die Herzen der Zuschauenden. Im Team von Ronan Keating flog sie dann überraschend in den Sing-Offs raus. 2025 kehrte Anne als All-Star zurück zu der TV-Show und begeisterte dabei nicht nur Coach Nico Santos, sondern auch die Zuschauenden. So sehr, dass Anne sich am Ende gegen alle Teilnehmenden durchsetzen und The Voice of Germany 2025 für sich entscheiden konnte. Vor allem überzeugend: ihre großartige Stimme und ihr Songwriting. Mit „Stuck Here“ und „Gravity“ hat die Musikerin bereits zwei Singles veröffentlicht, 2026 könnte da noch so einiges folgen. Vielleicht tritt Anne damit auch in die Fußstapfen von The Voice Gewinnerin Malou Lovis, die die besagte 13. Staffel gewann und jüngst erst mit Tokio Hotel tourte. So oder so: Anne Mosters ist ein Name, den wir in der Musikwelt wahrscheinlich öfter hören werden.
Barni (#Rap/HipHop, #Soul)
Mit seiner kreativen Herangehensweise an Sound mixt Barni Elemente aus Alternative-Hip-Hop, zeitgenössischem R&B und Soul zu einem eigenständigen, atmosphärischen Klang, der sowohl groovt als auch zum Träumen einlädt. Seine Produktionen wie „seit letztem sommer“ oder „blütenschmuck“ setzen auf eingängige Melodien, warme Harmonien und fein austarierte Beats, die im Kopf bleiben. Wenige, aber ausdrucksstarke musikalische Bausteine schaffen Raum für Emotionen und Atmosphäre – Tracks, die sowohl zum Lauschen als auch zum Verlieren in eigenen Gedanken einladen.
BÎEN (#R&B / Soul)
Bîen bringt mit seiner Musik eine weiche, gefühlvolle R&B/Soul-Atmosphäre in die Szene, die durch warme Melodien und authentische Vocals besticht. In Tracks wie „Meeresboden“ verbindet er emotionale Tiefe mit modernen Klanglandschaften und schafft so Songs, die zum Stillwerden und Mitfühlen einladen. Seine Stimme trägt dabei eine intime, verletzliche Intensität, die jedem Song eine persönliche Note verleiht. Wenige, aber starke musikalische Elemente vereinen sich zu einem Sound.
Chloe Qisha (#Pop)
Die in Malaysia geborene Chloe Qisha bringt den Art Pop zum Gegenwarts-Pop. In ihren ersten Songs gibt es knallbunten Funk, selbstbewusstes Storytelling und eine angenehm exzentrische Attitüde. Für den aktuellen Zeitgeist bietet Qisha damit den perfekten Mix aus Pop-Appeal und eigenwilligen Sound. Nach der ersten EP folgt hoffentlich bald mehr.
Cliffords (#Alternative/Indie, #Rock)
Die Cliffords aus Cork in Irland schreiben Sound-Flächen, in die man sich hineinlegen möchte. Dabei gibt es zwei klare USPs: Die herzergreifende Verzweiflung, die die junge Band voller Herzblut in die Songs packt, ist groß orchestriert und dramatisch ausgeschmückt. Und Sängerin Iona Lynch kann mit ihrem Timbre Tränensäcke in kürzester Zeit füllen. Das ist alles unfassbar emotional und dazu sehr klug geschrieben. Unbedingt vormerken!
Florence Road (#Alternative/Indie)
Auf Tiktok ging es bereits 2022 los. Mit Covern. Von Wheatus‘ „Teenage Dirtbag“ oder Olivia Rodrigos „Jealously, Jealously“ etwa, jeweils millionenfach geschaut. Der Account von Florence Road – so heißt diese junge Band – nahezu eine Millionen mal abonniert. Damals gingen die Musikerinnen noch zur Schule. Vier Jahre später stehen sie bei Warner Music unter Vertrag, spielen Konzerte mit ebenjener Olivia Rodrigo und Wolf Alice. Eine EP erschien auch bereits. Auf dieser überwiegt zwischen Pop-Melodien und zahmen Riff-Ausbrüchen die rockigere Seite des Indie. Auffällig über allem thront die glasklare Stimme von Sängerin Lily Aron. So möge diese Band auch fernab digitaler Plattformen Fuß fassen!
Jona Straub (#Pop)
Mit seiner Musik schafft Jona einen warmen, nachdenklichen Deutsch-Pop-Sound, der sich irgendwo zwischen Indie-Pop-Emotion und eingängigen Melodien bewegt. Seine Songs wie „Du“ oder „Sterne stehen gut“ verbinden klare Harmonien und persönliche Geschichten zu Tracks, die direkt ans Gefühl appellieren und im Kopf hängen bleiben. Dabei verschmilzt reduzierter Sound mit ehrlichen Texten über Liebe, Zeit und das Leben, was seiner Musik eine besondere Tiefe verleiht. Straubs Stimme und seine Melodien ziehen dich sofort in eine Welt zwischen Nachdenklichkeit und Sehnsucht – mal beruhigend, mal beflügelnd.
LIA (#Pop)
LIA, die eigentlich Julia heißt, entdeckte schon früh ihre Leidenschaft für die Musik und nutzt sie heute, um all das auszusprechen, was sie der Welt mitteilen möchte. In ihren Songs verbindet sie kraftvolle, emotionale Balladen mit mitreißenden Up-Tempo-Nummern, die sofort zum Mitsingen einladen. Ohrwürmer sind dabei kein Zufall, sondern fest eingeplant. Vier Akkorde, starke Beats und ehrliche Texte- mehr braucht es nicht, um ihre Musik wirken zu lassen.
lovehead (#Alternative/Indie)
Von der ersten Single zum Major-Label-Deal in nicht mal einem halben Jahr: Man kann schon sagen, dass lovehead 2025 einen ziemlich steilen Start hingelegt haben. Die drei jungen Frauen aus dem österreichischen Burgenland haben sich 2021 über Instagram kennengelernt, sind mit Cover-Songs und gestartet und haben im Februar 2025 ihren ersten Song „denkst du an mich?“ releast. Und seitdem geht es steil bergauf: Zahlreiche Festival-Auftritte, ein Deal bei Universal, Nominierungen für Preise und die erste EP. Verwunderlich ist das nicht, denn der mal rockige, mal softe Indie-Sound der Band und die Texte über Erdnussallergien (im übertragenen Sinne), Sex am See, Kennenlernphasen und arrogante Macker scheinen vor allem bei der Gen Z einen Nerv zu treffen. Anfang 2026 geht es auf die erste Tour für die Band und bei Spotify zählen lovehead bereits über 100.000 monatliche Hörer: Wahrscheinlich also keine allzu steile These, dass 2026 für die Band mindestens genau so erfolgreich weitergehen wird, wie schon das letzte Jahr.
Sofia Isella (#Alternative/Indie)
Dass Sofia Isella bereits für Acts wie Taylor Swift, Tom Odell und die Glass Animals den Support gespielt hat, ist eigentlich etwas absurd. Denn gerade diese sehr cleane Ästhetik der Musiker*innen steht im Kontrast zum rauen Spiel mit Dreck, der die Ästhetik der US-Amerikanerin prägt. Im Spoken Word-Wabern der ersten Songs betet sie kühl feministischen Widerstand herunter & erinnert dabei an eine finstere Verwandte von Dry Cleaning. Social Media liebt das schon jetzt, 2026 wird der Hype dann bühnen- & hoffentlich auch albumreif.
Westside Cowboy (#Alternative/Indie, #Folk, #Country)
Natürlich ist da Country drin. Wie soll es bei dem Namen auch anders sein? Außerdem: Punk. Auch Folk. Und natürlich über allem: Indie. Das alles zu einem hibbelig-pulsierenden Melancholie-Cocktail verdichtet. Dieses Gemisch – die Band nennt es selbst Britanicana – schlägt vor allem in der Live-Situation Funken. Etwa wenn sich die fünf Musiker*innen gemeinsam über dasselbe Mikrofon beugen wie zu „Slowly I‘m Sure“, begleitet nur von einer Akustikgitarre. Zwei EPs haben Westside Cowboy bislang veröffentlicht. Sie durften bereits für die Kolleg*innen von Black Country, New Road und bald auch Geese eröffnen. Diese bilden einen geeigneten Referenzrahmen. Sehr bald jedoch könnten die drei Namen im selben Atemzug genannt werden.
xanderimorbit (#Pop)
Mit „Amnesie“ hat Xanderimorbit seinen ersten Song veröffentlicht – und setzt damit moderne Pop-Vibes auf eine überraschend persönliche Umlaufbahn. Reduzierte Elemente treffen auf große Gefühle und schaffen einen Sound, der sofort hängen bleibt und zum Abheben einlädt. Eingängige Melodien und treibende Beats spiegeln das Spannungsfeld zwischen Erinnern und Vergessen wider. Mit starken Hooks und einem zugleich poppigen wie emotionalen Klang erzählt der Track eine intime Geschichte, die lange nachhallt.
Yasola (#Pop)
Mit ihrer Musik entführt Yasola in eine Welt aus ehrlichen Gefühlen, zarten Melodien und modernen Pop-Elementen, die direkt unter die Haut gehen. Die Songs wie „Haifischbecken“ oder „PILOT“ verbinden klare Beats mit nachdenklichen, persönlichen Texten und schaffen eine Atmosphäre, die sowohl verletzlich als auch kraftvoll wirkt. Ihre Stimme trägt dabei eine rohe Emotionalität, die Erinnerungen, Sehnsüchte und innere Kämpfe hörbar macht. Wenige Elemente, viel Gefühl – Yasola komponiert Tracks, die im Kopf bleiben und direkt ins Herz treffen.
ZAH1DE (#Rap/Hip-Hop)
Eine 15-Jährige mit Bambi im Regal?! (Und nein, nicht die verstaubte Disney-DVD aus dem Kinderzimmer …) Klingt im ersten Moment nach Popmärchen, ist aber Rapperin ZAH1DE. Angefangen hat alles mit Tanzvideos auf TikTok, heute springen ihre Songs mühelos von der For You-Page direkt in die Charts. Dass man hier noch von einer Newcomerin spricht, wirkt bei ihrem rasanten Erfolg fast absurd – schließlich hat das alles erst 2025 so richtig Fahrt aufgenommen. Und trotzdem taucht ihr Name bei vielen Menschen jenseits der Mitte zwanzig bislang eher am Rand auf. Spätestens seit ihrem Debütalbum, das im Dezember 2025 erschienen ist, sollte sich das aber nun ändern: Die Beats knallen, die Texte sind griffig – und der Erfolg schlägt so sichtbar zu, dass bei ihr selbst Chanel-Täschchen und Labubu matchen. 2026 dürfte
also das Jahr sein, in dem wirklich niemand an ZAH1DE vorbeikommt.
Zsà Zsà (#Rap/Hip-Hop)
Von wilden Hühnern zu bad Bunnies – irgendwie scheint Zsà Zsà ein Faible für Tiere mit Attitüde zu haben. Streng genommen ist die 30-Jährige längst keine Newcomerin mehr, aber trotzdem erst jetzt an dem Punkt, an dem es so richtig losgeht … Schon im letzten Jahr feierte sie musikalisch ihre ersten Erfolge – und als Schauspielerin war sie sogar noch früher unterwegs. Nina Chuba hat’s vorgemacht: so kann’s funktionieren! Heute mixt Zsà Zsà Trap mit geflötetem Rap – und schiebt sich damit jetzt immer stärker ins Rampenlicht. Wenn alles gut läuft, reißt Zsà Zsà 2026 die Festivalbühnen Deutschlands ab – dieses Jahr darf man sich also schon mal warm anziehen.
Die Rechte für das Beitragsbild liegen bei Nikolas Rode (lovehead), WMG (Florence Road), Westside Cowboys, Anja Moll (Yasola.
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