Wann wart ihr denn das letzte Mal eislaufen? Eigentlich ist das doch eine Freizeitbeschäftigung, die enorm Spaß macht, man aber so richtig oft vergisst, dass sie existiert. Dabei kann man für kleines Geld in der nächstgelegenen Eishalle über die Bahn kurven und sich ganz anders fortbewegen, als man es sonst so tut. Nur bei Holiday On Ice sollte man sich nicht so viel abschauen – denn was da in der neuen Show Cinema of Dreams zu bestaunen ist, ist wieder einmal Sahnehaube mit Amarenakirsche on top und schlichtweg nicht nachzumachen.
Seit 1942 existiert die unverkennbare Eiskunstlauf-Revue, seit den 50s gastiert man in Dortmund und bekommt Jahr für Jahr die Hütte voll. Was macht den Zauber aus? Eigentlich ist es so einfach, wie dennoch aufwändig und herausfordernd: Zeige in jeder Saison etwas Neues, behalte aber den wesentlichen Kern bei und bleib auf hohem Niveau! Holiday On Ice ist einer der sehr, sehr wenigen Shows, bei denen man wirklich blind ein Ticket für die kommende Tour kaufen kann und nie enttäuscht nach Hause gehen wird. Ja klar, man sollte jetzt schon ein generelles Interesse für diese Richtung von Fine Arts mitbringen – so wie nicht jeder Oper oder Ballett man, mag auch nicht jeder Pferde-Dressur oder Eiskunstlauf. Ist das aber gegeben, beobachtet man stets Mitte Januar in der Ruhrmetropole über 30 extrem talentierte Menschen, die gemeinsam sowohl ästhetisch, musikalisch, dynamisch als auch actionreich ziemlich starkes Entertainment präsentieren.
Cinema of Dreams ist konzeptuell sogar besser als das, was die letzten Jahre gezeigt wurde. Nach dem urbanen „Horizons“ 2025 und dem ziemlich abstrakten Mix „No Limits“ in 2024 kommen besonders Fans von Rahmengeschichten voll auf ihre Kosten. Das liegt vor allen Dingen an der enorm dichten Inszenierung, die so fließend und schick daherkommt, dass man manchmal den Übergang zwischen den Szenen nicht mal merkt. Es ist nicht das klassische „Das war die Nummer, jetzt kommt die nächste“, sondern viel mehr ein großes Ganzes. Im Fokus steht ein Trio, das einen Film drehen möchte, der in einem Retro-Kino mit Projektor gezeigt wird. Das Setting wird genutzt, um wild durch die gesamte Filmgeschichte zu springen und ein visuell starkes Bühnenbild nach dem nächsten rauszuhauen.
Selten fiel bei Holiday On Ice so umfangreich auf, dass bloßes Eislaufen hier nicht reicht. Stattdessen gibt es Charleston- und Hip-Hop-Tänze, Robot-Moves, Salti auf Schlittschuhen (!), Pantomime, Clownerie und Akrobatik in der Luft. Alles stets mit ein paar Schauspielskills verbunden. In einigen Momenten vergisst man, dass die Menschen gerade auf Kufen stehen. Dabei gibt es emotional wieder die volle Bandbreite. Wenn der Regisseur seine Filmrollen in einem auflodernden Feuer verbrennen will und dazu das aggressiv-aufwühlende „Beautiful Things“ von Benson Boone läuft, ist das genauso stark wie ein absurdes Feuerwehrauto mit Clowns zu „Tubthumping“ von Chumbawamba. Manchmal geht es aber nur um die Ästhetik wie bei einem Business-Meeting zu „Training Season“ von Dua Lipa oder dem großen Liebesfinale zu „Die with a Smile“ von Bruno Mars und Lady Gaga, bei dem selbst das kälteste Herz ein wenig schmelzen sollte.
Highlights gibt es in den zwei Stunden Aufführdauer, die von einer 20-minütigen Pause unterbrochen werden, wirklich unzählige. Hebefiguren, bei denen jede Sekunde gebibbert werden darf, ob die hochgehobene Frau das jetzt überlebt oder es gleich schrecklich knallt. Ein einziges Mal fällt ein Skater hin – und das so ungefähr für eine Sekunde. Ansonsten: Perfektion. Synchron eingeübte Linedance-Aktionen, bei denen mehr als zwei Dutzend Sportler*innen mit Leichtigkeit die Choreo vollführen, motivieren zum Mitklatschen und Daumendrücken. Oder lässt man sich doch optisch von den diversen Stimmungen mitnehmen? Beispielsweise nach Mexiko und dem Día de los Muertos, dem Tag der Toten, dessen riesigen buntbemalten Skulls auf dem Eis für schaurig-schöne Laune sorgen.
Ziemlich unnötig hingegen ist der diesjährige Überraschungsgast Oli.P und seine Frau Pauline. Wenn Musikstars ein, zwei Hits live singen und dazu dann das eigentliche Programm weitergeht, ist das völlig in Ordnung. Wenn aber das Ensemble verschwindet, Oli.P ein paar Mal hin- und herfährt und dazu gesanglich maximal durchschnittlich abliefert – er ist eben auch kein Sänger im eigentlichen Sinn – seine Frau dazu ganz hübsch ein paar schnelle Runden auf dem Eis dreht, ist das einerseits kitschig, andererseits aber auch im Gesamtbild so dermaßen viel schlechter, dass es keinem einen Gefallen tut. Kurz vorm Finale gibt es in der zweiten Hälfte natürlich seinen Klassiker „Flugzeuge im Bauch“, zu dem Pauline mit ein paar Personen aus der Cast eine solide Kür läuft, aber auch das wirkt irgendwie deplatziert. Das hat die Show wirklich gar nicht nötig. In Dortmund sind sie bei zwei der sechs Vorstellungen dabei, in Stuttgart und Bremen kann man sie auch nochmal sehen – allerdings sollte das kein Argument sein, explizit Tickets für diese Vorführungen zu kaufen. Ob dasselbe auf Max Giesinger, der in Hamburg, Berlin und Köln zu sehen und hören sein wird, auch zutrifft, können wir an der Stelle nicht beurteilen.
Unbedingt auf den Social-Media-Kanälen der Show nachschauen, um zum Beispiel mal sehen zu können, wie die Eisfläche in die Halle kommt. Noch mehr aber, um die Gesichter der Talente nah zu erleben – das ist nämlich immer ein bisschen schade, wie wenig man doch den einzelnen Leuten, die dort auf perfektem Weltniveau agieren, Aufmerksamkeit schenkt. Da können Likes bestimmt etwas nachträglich bewirken. Cinema of Dreams von Holiday On Ice hat zwar nicht diese Dichte an Superhits, wie man es sonst bekommt, stattdessen sind die Songs thematischer ausgewählt. Dafür ist aber das sehr runde Gefühl mit dem immer zu sehenden Kino, den extra produzierten Trailern für die Leinwand und den vielen Requisiten wie Klappstühlen oder Zelluloid-Band genau der richtige Zugang, um abzutauchen. Richtig starke Familienunterhaltung.
Weitere Termine „Cinema of Dreams“:
21.01.-25.01. Porsche-Arena, Stuttgart
30.01.-01.02. SAP Arena, Mannheim
06.02.-08.02. Barclays Arena, Hamburg
12.02.-15.02. ÖVB-Arena, Bremen
20.02.-08.03. Tempodrom, Berlin
12.03.-15.03. Sparkassen-Arena, Zwickau
20.03.-22.03. Lanxess Arena, Köln
27.03.-29.03. Lokhalle, Göttingen
02.04.-05.04. Getec Arena, Magdeburg
10.04.-12.04. Messehalle, Erfurt
17.04.-19.04. ZAG-Arena, Hannover
24.04.-26.04. Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf
Bisher bekanntgegebene Termine für die nächste Tour:
18.11.26-22.11.26 EisSport & EventPark, Grefrath
27.11.26-29.11.26 Wunderino Arena, Kiel
03.12.26-06.12.26 StadtHalle, Rostock
10.12.26-13.12.26 Messe, Dresden
17.12.26-20.12.26 Kia Metropol Arena, Nürnberg
23.12.26-27.12.26 Quarterback Immobilien Arena, Leipzig
30.12.26-02.01.27 Messe+Congress Centrum Halle Münsterland, Münster
05.01.27-10.01.27 Olympiahalle, München
13.01.27-17.01.27 Festhalle, Frankfurt am Main
22.01.27-24.01.27 Westfalenhalle, Dortmund
Und so sieht das aus:
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Bildergalerie:
Fotos von Leopold Achilles
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