Interview mit The Deadnotes übers Touren!

The Deadnotes kommen aus Freiburg und machen Indie / Punk. Wir haben uns mit Darius (Gitarre, Gesang) und Jakob (Bass, Gesang) vor ihrem Konzert in Münster getroffen und, nach ein bisschen Suchen, schließlich einen Raum in der Uni-Bibliothek gefunden, um uns in Ruhe zu unterhalten.

minutenmusik: Hey! Ihr wart ja gerade in England auf Tour. Wie war das denn so?

Darius: Grundsätzlich sehr cool. Also es war jetzt nicht mehr komplett neu. Wir waren zum fünften Mal jetzt in England, aber ich glaube es war die längste England Tour, die wir bis jetzt gemacht haben mit 10 Tagen. Es ist immer sehr, sehr cool in England, aber eine ganz andere Erfahrung als hier. Also die Musikszene tickt komplett anders. Es gibt ganz, ganz viele Bands und wirklich furchtbar viele gute Bands. Man kommt sich da immer sehr verloren vor. Das soll jetzt überhaupt nicht blöd klingen, aber in England ist echt jede Band mit der man spielt so wahnsinnig gut. Aber es sind halt auch neue Bands, die noch nicht viele Shows gespielt haben, was total cool ist. Wir haben auch mit einer Band gespielt, die komplett neu war, die einfach so verdammt gut waren bei dem ersten Konzert von denen. Es gibt viel mehr an Bands und Szene, aber dafür wird viel weniger Wert darauf gelegt. Man bekommt meistens kein Essen, keine Schlafplätze, weniger Geld und hat in der Hinsicht öfters mal so ein bisschen Schwierigkeiten.

minutenmusik: Und wie ist es überhaupt zustande gekommen, dass ihr in England getourt habt?

Darius: Wie waren schon sehr oft in England gewesen wie gesagt. Wir haben letztes Jahr unser Debütalbum rausgebracht und waren mit dem Album bisher noch nicht in England und haben uns gesagt, das wir es auf jeden Fall noch abhaken wollen da ein paar Städte zu spielen. Und auch Städte in denen wir schon mehrfach waren und Leute kennen. Wir wussten, dass die das Album hoffentlich oder wahrscheinlich auch hören wollen.

minutenmusik: Gerade seid ihr ja seit ein paar Tagen auf eigener Headliner-Tour wieder in Deutschland unterwegs. Wie lief es denn so bis jetzt?

Jakob: Die Tour ist nicht am Stück und es sind immer so Weekender von Mittwoch bis Sonntag. Ein Wochenende haben wir quasi schon hinter uns. Da war die Freiburg Show dabei, wo wir herkommen und das war halt der Wahnsinn irgendwie. Also die Show hat uns komplett geflashed. Da muss man erstmal drauf klar kommen glaub ich.

Darius: Auf jeden Fall ist Freiburg eine sehr komische, aber auch sehr coole Stadt, weil es in Freiburg nicht so viele Leute gibt, die solche Musik hören, wie wir machen. Und dann haben kaum Leute Tickets gekauft und wir dachten halt schon „ Ey, wir kommen von hier!“ und zwei Tage vorher gingen plötzlich überall die Tickets weg, was wir so noch nie erlebt hatten. Dann war es auch noch ausverkauft, was wir selbst in Freiburg bisher noch nie hatten. Das war irgendwie total crazy. Jetzt war der dritte offizielle Tourtag, bzw. heute der vierte. Klar merkt man jetzt, in Wiesbaden waren wir gestern zum ersten Mal, dass da einfach weniger Leute sind. Vor allem auf einem Mittwoch, aber trotzdem ist alles bisher eine sehr positive Erfahrung. Man merkt auch, dass ein paar Leute kommen, die uns einfach schon einmal gesehen haben, was so gar nicht selbstverständlich ist.

minutenmusik: Ihr wart ja auch letztes Jahr mit Smile and Burn und Beach Slang auf Tour. Dadurch kennen euch ja bestimmt auch einige und  kommen wieder.

Jakob: Ja genau! Vor allem, wenn man auch ähnliche Städte wieder spielt oder die gleichen. Da merkt man das schon. Wir haben es das erst Mal jetzt, dass Leute auch Tickets kaufen können im Vorverkauf. Und es haben sich tatsächlich Leute Tickets im Vorverkauf gekauft und das ist halt irgendwie total krass.

Darius: Das ist total spannend für uns, weil wir das noch nie gemacht haben und auch, wenn es jetzt nicht so super viele sind, aber jedes Ticket ist so “Wow!“. Wieso kauft sich jemand ein Ticket für uns im Vorverkauf, um uns zu sehen.

minutenmusik: Heute spielt ihr ja mit Elm Tree Circle und For Them All. Wie seid ihr zu den beiden Bands gekommen?

Darius: Lustigerweise war das gar nicht so von uns die Sache, sondern der Veranstalter heute hatte im Prinzip auch eine Anfrage von den beiden Bands. Wir haben halt alle gesagt, dass wir das machen und erst jetzt im Nachhinein hab ich mir gerade die For Them All EP, die vor einer Woche rausgekommen ist, wirklich ein paar Mal angehört und die ist so verdammt gut. Jetzt freu ich mich gerade doppelt so sehr, weil ich voll gespannt bin die zu sehen. Wir haben bisher noch nie zusammen gespielt oder uns persönlich kennengelernt.

minutenmusik: Vor ein paar Wochen ist mit „1.20“ eine neue Single und Video von euch erschienen. Mögt ihr ein bisschen über die Hintergründe des Songs erzählen?

Darius: Also der Text und die Grundidee des Songs sind vor eineinhalb Jahren entstanden, als wir mega lange auf Tour waren. Das waren irgendwie 32 Tage am Stück komplett durch Osteuropa, Bulgarien, Serbien und dann nochmal nach England. Alles wahnsinnig lang und viele Kilometer. Ein ganz krasses und intensives Erlebnis. Und dann kommt eben dieser Moment, der eigentlich immer kommt, wenn man auf Tour ist. Man hat halt irgendwie diese beschissene letzte Strecke kurz bevor man nach mega langer Zeit nach Hause kommt. Man verliert auch irgendwie komplett den Anschluss nach Hause und einem schießen dann ganz konkret die ganzen Gedanken in den Kopf, was es überhaupt soll und wieso man nach Hause geht. Gleichzeitig aber wünscht man sich in so vielen Momenten, wo es einfach beschissen läuft, dass man jetzt zu Hause sein kann statt irgendwo vor drei Leuten ein Konzert zu spielen. Der Song soll das so ein bisschen auf den Punkt bringen. Gerade die ganzen Erfahrungen, die in den letzten Jahren und ganz konkret in diesem Anlass auf der Tour entstanden sind.

minutenmusik: Wenn ihr so lange auf Tour seid geht ihr euch doch bestimmt zwischendurch mal gegenseitig auf die Nerven, oder?

Darius: (lacht) Sehr, sehr oft! Jetzt gerade erst war das mit Tommy unserem Fotografen, der manchmal dabei ist. Er hat erzählt, was mir schon gar nicht mehr bewusst war, dass wir nur zwei Stunden in die Schweiz gefahren sind und eigentlich nur die ganze Zeit über den unnötigsten Scheiß geredet haben und die ganze Zeit dumm angemacht haben. Und das ist auch wieder gut, weil wir uns eben schon viel zu lange kennen, als das wir ein Drama daraus machen würden. Aber wir gehen uns oft genug auf die Nerven. In 99% der Fällen wegen absolut unnötigen Sachen.

Jakob: Aber es ist so fifty-fifty. Also die schöneren Sachen sind dann umso schöner, weil es einen dann ein bisschen erleichtert, wenn man sich hundert Mal anpisst und dann alles wieder cool ist.

Darius: Ja voll! Also ich glaube, dass das auch der Grund ist, warum man lange aushält. Dass man sich auf die Nerven gehen kann, aber auch umso mehr über so etwas hinweg sehen und vor allem Spaß an der Sache haben kann. Wenn das funktioniert mit Menschen, wie jetzt mit Jakob und unserem Drummer Yannic, dann ist das glaube ich etwas ganz besonderes. Für mich zumindest.

Jakob: Ja total!

minutenmusik: Auf Spotify habt ihr ja auch eine Playlist mit Liedern, die ihr auf Tour hört. Was sind denn so für euch die drei absoluten Lieblingssongs Songs, die auf keinen Fall auf so einer Fahrt fehlen dürfen.

Jakob: Das ist glaube ich immer von Zeit zu Zeit unterschiedlich.

Darius: Ich finde, dass gerade dieses Jahr voll davon geprägt war, das mega viele deutsche Bands wieder coole Musik gemacht haben. Also nicht, dass deutsche Bands lange Zeit keine gute Musik gemacht hätten, aber dieses Jahr fand ich es echt auffällig. Vor allem, weil ich gerne englischsprachige Musik höre.  Also ich mag auch deutsche Sachen, aber ich war irgendwie sehr überrascht, dass sehr viele englischsprachige deutsche Bands coole Musik gemacht haben. Jetzt dieses Jahr fand ich die Leoniden Platte großartig und Smile and Burn, mit denen wir unterwegs waren, natürlich auch. Und wie ich auch schon gesagt habe For Them All. Aber jetzt so allgemein auf drei Songs was zu reduzieren ist ganz schwierig.

minutenmusik: Wie habt ihr drei euch eigentlich kennengelernt und beschlossen zusammen Musik zu machen?

Jakob: Ich kenne unseren Drummer  Yannic schon seit dem Kindergarten. Da war die Idee mit der Band natürlich noch nicht da. Ich hab früher Horn gespielt und er Schlagzeug und wir haben zusammen versucht irgendwie Musik zu machen. Also Horn und Schlagzeug ist ja nicht so die typische Kombination. Dann haben Darius und ich uns irgendwann in der Schule zusammen getan.

Darius: Lustigerweise kenne ich Yannic unseren Drummer aus dem Schülerhort aus der vierten Klasse. Als ich Gitarre angefangen habe, haben wir dann auch zusammen gespielt.

Jakob: Aber wir wussten gegenseitig nicht, dass wir uns kennen. Dann haben wir beide glaube ich mal in der Schule in der 7./8. Klasse gesagt, dass wir das halt mal machen. Ich hab damals auch noch gar keinen Bass gespielt und habe das dann für die Band gelernt. Und  so kam das dann zustande.

Darius: Wir hatten in der Zwischenzeit quasi gar keinen Kontakt mehr zu Yannic und haben ihn dann nach den paar Jahren mal so gefragt: „Weißt du noch damals und hast du Bock mal mit uns zu spielen?“ Und er hatte damals gerade das Schlagzeugspielen aufgegeben, aber mega Bock wieder eine Band zu starten. Er hatte eigentlich genau deshalb aufgehört, weil er es irgendwie sinnlos fand einfach nur für sich zu spielen, glaube ich. Irgendwie hat es voll gut funktioniert und überraschend, dass es immer noch funktioniert.

minutenmusik: Und da wir hier ja gerade so schön in der Bib sitzen…

Jakob: .. was macht ihr sonst so? (lacht)

minutenmusik: Ja genau!

Darius: Also studieren tun wir schon mal nicht! Wir hatten eben keinen Studentenausweis parat!

Jakob: Also wir beide machen momentan nichts außer Band und Nebenjobs, um ein bisschen Geld zu erhalten. Unser Drummer Yannic, weshalb es gerade auch alles so ein bisschen stressig ist, der ist jetzt gerade für ein Jahr nach Bremen gezogen. Der macht ein FKJ, also ein freiwilliges kulturelles Jahr und ist jetzt erstmal für ein Jahr weg.

Darius: Also weg aus Freiburg, wir machen trotzdem weiter. Aber deshalb haben wir so nette Sachen, dass der eine erst mit dem Zug hin fährt und so weiter. Vor allem, weil wir lustigerweise die Tour geplant hatten und das jetzt der allererste Monat ist, wo Yannic arbeitet. Sprich also, er ist so auf der Arbeit angekommen: „Hey ich kann dann, dann und dann nicht“. Deshalb ist es cool, dass wir trotzdem eine ganze Tour spielen können. Es wird auf jeden Fall weiterhin sehr spannend bleiben. Auch eine neue Erfahrung für uns so aufgesplittet an verschiedenen Orten zu sein und zu proben. Ich habe es auch mit einer anderen Band gemerkt mit der ich eine Zeit lang viel in Städten geswitched bin, dass es eine sehr spannende Erfahrung ist an vielen verschiedenen Orten Musik zu schreiben und zu machen.

mintuenmusik: Dann sind wir auch schon bei der letzten Frage: Was habt ihr denn nach dieser Tour noch so geplant?

Darius: Also grundsätzlich ist nach der Tour erst mal eine ganz kurze Atempause, weil ich glaube, wir waren echt wieder das ganze Jahr und eigentlich die letzten Jahre nur unterwegs und haben nichts anderes gemacht. Ich glaube aber die Pause wird nicht so lang sein, da ich jetzt in einer Woche Pause zwischen den ersten zwei Shows und jetzt den nächsten Shows schon gemerkt habe, wie langweilig es zu Hause wird. Wir schreiben auf jeden Fall Songs für das zweite Album und werden auf jeden Fall nach zwei, drei Wochen Pause wieder krass Songs schreiben. Wir werden weniger Konzerte spielen und haben sehr, sehr viel fürs nächste Jahr geplant. Also sammeln wir ein bisschen Kräfte und schreibe ein Album. Genau das wird auf jeden Fall bei uns kommen nächstes Jahr. Ohne jetzt zu viel zu verraten, sind wir auf jeden Fall nächstes Jahr im Frühjahr viel auf Tour.

minutenmusik: Dann sind wir gespannt auf das nächste Jahr und vielen Dank für das Interview!

Und so hört sich das an:

The Deadnotes live 2017:

20.09. Hamburg, Astra Stube
21.09. Lübeck, Blauer Engel
22.09. Oberhausen, Druckluft
27.09. Stuttgart, JuHa West
28.09. Braunschweig, Klaue
29.09. Dresden, Katy’s Garage
30.09. Mengen, Revolution Rock Festival

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Foto: KROD Records / Philipp Müller

 

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