Eigentlich sollte es an dieser Stelle damit beginnen, dass das Album an sich seit Mai, also schon eine Weile, draußen ist und dass nun im Oktober eine Deluxe-Edition davon veröffentlicht wird. Bei näherer Beschäftigung fällt allerdings auf: Das ist nur ein Teil der Geschichte. Denn vieles, was sich auf dem Doppelalbum befindet, erschien bereits im Jahr 2005 auf dem Album „Evening Train“. Zu diesen Neuinterpretationen gesellen sich neue Stücke und Arrangements und nun eben noch einmal vier zusätzliche Bonus-Tracks. Neben Singer/Songwriter und Folk hat das Werk auch eine Spur Musical in sich, denn die Geschichte zweier Männer, die sich in dieselbe Frau verlieben, steht nicht nur im Mittelpunkt der Songs, sondern wurde in Irland auch erfolgreich auf der Bühne aufgeführt.
Obwohl „The House Must Win“ nominell ein Solo-Werk ist, lebt es in der Umsetzung von den zahlreichen Gastkünstlern, ohne die das Doppelalbum vermutlich nicht das geworden wäre, was es ist. Das geht schon nach der „Overture“ im eröffnenden „Creak in the Door“ los – einem etwas sperrigen, aber zugleich eingängigen Stück, das harmonische Streicher mit knarzenden Gitarrenläufen verbindet. Der Gesang von Mick Flannery wird hier durch die mehrfach für den JUNO Award nominierte Jenn Grant ergänzt, was dem Ganzen eine wunderbar theatralische Note verleiht. Auch „When I’ve Got a Dollar“, gemeinsam mit Flannerys langjähriger musikalischer Partnerin Yvonne Daly, lebt vom packenden zweistimmigen Gesang – Melancholie inklusive.
Wobei all das nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass Mick Flannery auch solo eine Klasse für sich ist. Das wird beispielsweise in „Tripping O’er His Trousers“ deutlich, wo er getragen von minimaler Akustikgitarre ein berührendes Stück schafft. Das folgende „The Tender“ hingegen überrascht als druckvoller Rocktrack, der sich nahtlos einfügt: Zwar schwingt immer noch ein Hauch Musical mit, doch der Song besitzt gleichzeitig auch Ecken und Kanten. Diese hat sich Flannery über das gesamte Album hinweg bewahrt, ohne dass dabei das Gespür für Melodie und Harmonie verloren geht. Auch „The Rebel“ zeigt es gut, bei dem die für den Choice Music Prize nominierte Susan O’Neill und Flannery eine packende Zweistimmigkeit erzeugen, die dennoch eine Spur Rauheit beibehält.
Und dann sind da noch die vier zusätzlichen Stücke der Deluxe-Edition. Diese muss man im Grunde gar nicht einzeln sezieren, da sie sich ganz natürlich ins Gesamtpaket einfügen – wie die Vorabsingle „My Only Life“ eindrucksvoll unter Beweis stellt: Dramatik trifft auf Eingängigkeit, und Flannerys markanter Gesang kann vollends brillieren. Hätte man nicht ohnehin schon genug Argumente gehabt, diesem Album eine verdiente Chance zu geben, so liefert der Nachschlag diese nun endgültig. Am Ende bleibt ein bemerkenswert starkes Werk, das nach aufmerksamer Beschäftigung verlangt. Sicherlich ist es nicht immer leichte Kost und weit mehr als ein „Nebenbei-Album“ – sondern eine dieser Platten, auf denen man auch nach mehreren Durchgängen noch neue Facetten entdeckt.
Und so hört sich das an:
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Die Rechte am Album-Cover liegen bei One Riot Records.
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