Selten war der Ausdruck „Supergroup“ passender. Denn machen wir uns nichts vor: Bei Austrofred und Kurt Razelli reichen zwei Personen völlig aus, um den Status einer Supergroup zu beanspruchen. Bereits vor gut vier Jahren sorgte das Duo mit „Life is Laff“ für Aufsehen, sodass schnell der Ruf nach einer Fortsetzung laut wurde. Ob es diese wirklich geben würde, stand dennoch lange in der Schwebe: Mash-Up-Maestro Kurt Razelli war schließlich unter anderem mit der Vertonung des TV-Alltags und der „Jedermann-Remix“-Tour mit Philipp Hochmair schwer beschäftigt, während auch der „Alpen-Mercury“ Austrofred als Autor und Show-Host („Austrofreds Barcelona“) alles andere als untätig blieb. Wie gut, dass man das gemeinsame Projekt jetzt fortgeführt hat – die „Magic“ musste einfach raus. Und davon gibt es auf „Sanfte Krieger“ nicht gerade wenig.
Der Sound kann dabei mal getragener sein, mal poppiger bis in den Synth-Bereich, mitunter aber auch deep und tanzbar. Wobei dem ruhigen Opener – gleichzeitig der Titeltrack des Albums – gewissermaßen die Funktion der Ouvertüre zukommt. Mit einer Spur Nachdenklichkeit im Sound und Aufbruchsstimmung im Gesang stellt das Duo sich hier in seiner Rolle als sanfte Krieger vor. Die „Magic“ schimmert durch, ein gewisses Augenzwinkern ist nicht zu überhören – der Auftakt ist gemacht. Woraufhin mit „Eisnstaung“ direkt eine der druckvollsten Nummern folgt. Treibende Pop-Klänge treffen auf pure Energie, wenn es darum geht, mit dem Hammer auf eine Eisenstange zu hauen, dazu gesellt sich noch ein Gitarrensolo. Kurzum: Es geht bereits früh in die Vollen!
Obgleich der Text von „Eisnstaung“ eventuell nicht zum Nobelpreis reichen wird, so geht es auch tiefer, gar hinein bis ins Gesellschaftskritische. Mal subtil auf der Metaebene, mal mit klaren, ungeschönten Ansagen. Das im tanzbaren Synthpop gehaltene „Der Hallo ist tot“ beispielsweise zählt zwar vordergründig auf, was man alles nicht sagen solle, aber kritisiert implizit eigentlich genau das. Was ist denn schon dabei, in Österreich „Kartoffelsalat“ statt „Erdäpfelsalat“ zu bestellen? „Westbahn“ wiederum kritisiert die Schieneninfrastruktur, wenn das im mittleren Tempo wabernde Stück damit schließt, dass in St. Pölten alle aussteigen müssen, da die Garnitur defekt sei. Während man hier eher hintergründig vorgeht, gibt es auch Stücke wie „Arschloch wins“, das sich dezidiert mit eben dieser Thematik auseinandersetzt und nebenher noch ein paar an Freddie Mercury erinnernde Gesangsparts einbaut. Auch ein „Die Menschheit verblödet“ ist selbsterklärend und kommt angenehm auf den Punkt.
Im Gesamtpaket erhält man mit „Sanfte Krieger“ ein vielseitiges Album, das vordergründig zwar jede Menge Humor bietet, aber immer wieder einen doppelten Boden offenbart. Austrofred und Kurt Razelli mögen sich hier als sanfte Krieger tarnen, legen den Finger dabei aber gekonnt in so manche Wunde. Ganz eindeutig: Die Supergroup funktioniert auch nach gut vier Jahren Wartezeit noch hervorragend – mit einer Platte, die auf verschiedenen Ebenen überzeugen kann und deren Feinheiten sich erst nach mehreren Durchläufen in Gänze erschließen.
Wer das Duo live erleben möchte, hat an den folgenden vier Terminen die Gelegenheit dazu:
20.11.2026 Steyr, Röda
24.11.2026 Wien, WUK
14.01.2027 Linz, Posthof
16.01.2027 Graz, Orpheum
Und so hört sich das an:
Austrofred: Website / Facebook / Instagram
Kurt Razelli: Website / Facebook / Instagram
Die Rechte am Album-Cover liegen bei Wohnzimmer Records.
* Affiliate-Link: Du unterstützt minutenmusik über deinen Einkauf. Der Artikel wird für dich dadurch nicht teurer.