Klez.e, Milla München, 03.10.2026

Klez.e im Milla Club in München

„Vorab werden 2 x 30 Minuten Tape ein wundervolles VORBAND sein“, versprachen Klez.e bereits vor der Tour auf ihren Social Media-Kanälen. Wichtig: „Band“ auf Deutsch lesen, denn tatsächlich stand dort ein Kassettenrekorder mit einem Mixtape, davor ein Büchlein mit liebevoll ausgearbeiteten Infos zur enthaltenen Musik. Detailverliebt und ein bisschen „retro“ – wobei letzteres gerne inflationär verwendet wird, hier aber absolut positiv und ohne jeden Ansatz von Staub verstanden werden will. Vor allem dann, wenn man es auch auf den Sound der Band überträgt. Denn auch wenn da ein gewisses „retro“ mitschwingt, steht die Band voll und ganz im Hier und Jetzt. So auch zum Tourabschluss in München.

Kaum war der Abbau des „Vorbands“ abgeschlossen, kam die Band auch schon mit Setlisten in den Händen die Treppe zur Bühne herab, begleitet vom vorfreudigen Applaus des gespannten Publikums – inklusive The-Cure-Shirt in der ersten Reihe. Ohne den Vergleich mit den großen Heroen überstrapazieren zu wollen, war der Gestus eben auch direkt hörbar, als das Trio mit „Hymnus“ den Abend so eröffnete wie sein aktuelles Album „Einmal mehr mit dir gegen die Furcht“. Mit getragenen Passagen, „schleifendem“ Synthie und ruhiger Percussion wurde der Auftritt eingeleitet und die Marschroute in Richtung Melancholie abgesteckt. Wobei festzuhalten ist, dass man diese Melancholie an diesem Abend absolut positiv besetzen musste.

Natürlich sind die Stimmungen, die hinter einer Melancholie und einem Sound wie dem von Klez.e stecken, nicht immer positiv – umso schöner war es an diesem Abend zu erleben, dass diese Schwere hier gemeinsam zelebriert wurde und einen mitreißenden Charakter entwickelte. Schon beim auf „Hymnus“ folgenden „Flammen“ merkte man, wie das Publikum mitging und sich in den Klängen fallen lassen konnte. Was auch der Band nicht verborgen blieb: Tobias Siebert betonte mehrfach, er müsse einfach immer wieder in die Menge schauen, weil genau dies die Eindrücke seien, die nach drei Wochen Tour am Ende hängenblieben. Man darf getrost davon ausgehen, dass diese Eindrücke durchweg gut waren. Auch wenn „Wie schön du bist“ natürlich nur in München zu „München, wie schön du bist“ wurde.

Getragen von dieser beidseitigen Verbundenheit spielte sich die Band durch das Set, bei dem das aktuelle Album einen prominenten Raum einnahm, aber auch Stücke der Vorgängeralben ihren Platz fanden und sich zu einem stimmigen Ganzen fügten. Vor „La Boum“ erinnerte Tobias Siebert noch daran, dass es hierbei im Publikum schon häufiger zum Engtanz gekommen sei – was an diesem Abend zwar ausblieb, dafür aber im wahrsten Sinne des Wortes für Fannähe sorgte, als er kurzerhand mit dem Mikrofon ins Publikum stieg und von dort aus weitersang. Einer von vielen besonderen Momenten. Und so war eigentlich allen klar, dass „Im Herbst“ zwar das aktuelle Album beschließt, keineswegs aber diesen Konzertabend.

Das wurde auch dem Publikum schnell klar, als kurzerhand die Setlist von der Bühne genommen wurde, um zu sehen, was dort noch notiert war. Und das war allerhand: Fünf Stücke sollten noch folgen, von der Band humorvoll als „die nächsten zwei Stunden“ angekündigt. Die Euphorie im Raum riss nicht ab – mit „Melancholia“ entstand noch einmal ein treibender Gänsehaut-Moment. Doch selbst mit „Wir ziehen die Zeit“, das eigentlich den Schlusspunkt des Abends und somit der gesamten Tour setzen sollte, war noch nicht Schluss.

Zu groß war der Applaus, als dass die Band einfach hätte gehen können. Nach einer kurzen internen Besprechung der drei Musiker gab es schließlich die ungeplante Zugabe: Mit „Tortur“ ließen sie sich noch einmal sichtlich in ihrer Musik fallen. Tobias Siebert spielte den zweiten Teil des Stücks bis zu den letzten Akkorden auf dem Boden sitzend, während die Band noch einmal alles reinwarf. Nach dem Verklingen des letzten Tons waren Jubel und Dankbarkeit auf beiden Seiten gleichermaßen groß. Rund zwei Stunden Konzert und definitiv ein absolut würdiger Tourabschluss!

01. Hymnus
02. Flammen
03. Herbstherz
04. Call it Love
05. Das eine Treffen im Jahr
06. München, wie schön du bist
07. Erregung
08. Verpassen
09. Düster
10. Nachtflug
11. Mailied
12. Ich seh es an mir
13. Mr. Dead And Mrs. Free
14. La Boum
15. Im Herbst
16. Mauern (Z)
17. November (Z)
18. Paradies (Z)
19. Melancholia (Z)
20. Wir ziehen die Zeit (Z)
21. Tortur (ZZ)

Und so hört sich das an:

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Foto: Marius Meyer (Handy-Aufnahme)

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