Das erste Lied, das ich jemals gestreamt habe, war „Painkiller“ von Ruel. Damals, 2019, noch mit Werbung zwischen den Songs. Dass der australische Sänger zu diesem Zeitpunkt gerade mal 17 Jahre alt war, wusste ich nicht. Was mir allerdings klar war: Der Junge macht verdammt gute Mucke.
Seitdem ist viel passiert. Aus dem jungen Talent ist ein international erfolgreicher Popstar geworden. Und auch bei mir hat sich etwas verändert: ich besitze inzwischen ein Premium-Abo bei meinem Streamingdienst.
2025 erschien Ruels zweites Studioalbum Kicking My Feet, 2026 folgte mit Kicking My Feet & Screaming die Fortsetzung. Seine dazugehörigen UK + EU Tour führte ihn am Sonntagabend nach Köln.
Als ich ankomme, ist der Club Volta schon gut gefüllt. Das Publikum ist überwiegend jung und weiblich, die Stimmung erwartungsvoll. Zunächst gehört die Bühne Sadie Jean. Der Support-Act bringt Energie mit und kann stimmlich auch überzeugen. Persönlich springt der Funke bei mir zwar nicht zu hundert Prozent über, als Opener macht sie ihre Sache aber gut. Nach ihrem Auftritt wird schnell klar, wie groß die Vorfreude auf Ruel ist: Niemand scheint seinen Platz für einen Toiletten- oder Raucherstopp aufgeben zu wollen.
Mit „Not What’s Going On“, „Dazed & Confused“ und „I Can Die Now“ geht es los. Stimmung und Energie sind sofort da: die Menge singt, tanzt und klatscht mit. Auf der Bühne bewegt sich der Sänger mit einer charmanten und mühelosen Lässigkeit und einem fast dauerhaften Grinsen. Er überlässt den Fans regelmäßig die Gesangparts, flirtet mit den Kameras aus der ersten Reihe, macht zwischen den Songs immer wieder ein paar Witze. Kurz: er fühlt sich auf der Bühne pudelwohl. Das ist auch kein Wunder, denn er steht seit seinen Teenagerjahren auf der Bühne, hat zahlreiche Tourneen hinter sich, sowohl als Support für Stars wie Shawn Mendes und Khalid als auch als Headliner.
Nach ungefähr 40 Minuten wird das Konzert ruhiger, aber definitiv nicht langweiliger. Mit Songs wie „Destroyer“ und „Say“ rückt Ruels berührende Stimme in den Mittelpunkt. Auf einmal verlässt die Band die Bühne, er sitzt allein am Klavier, es wird still. Eine ungewohnte Stille für einen Abend, an dem bislang bei praktisch jedem Song mitgesungen wurde. Er singt „Even Angels Won‘t“ mit einer Verletzlichkeit, die unter die Haut geht. Für einen kurzen Moment bricht ihm sogar die Stimme weg. Das wunderschöne „Don’t Tell Me“ ist dann mein persönliches Highlight, bevor die Band auf die Bühne zurückkehrt und die Energie wieder hochfährt.
Stichwort Band: Der Gitarrist und die Schlagzeugerin bringen den ganzen Abend ordentlich Feuer mit und erwecken die Songs live zum Leben. Bei „Face to Face“, „Faking Smiles“ und „YOU AGAINST YOURSELF“ wird wieder ordentlich eingeheizt und überall ist Bewegung und Spaß.
Der Auftritt dauert insgesamt anderthalb Stunden mit einer Setlist von über 20 Songs, quer durch Ruels bisherige Alben. Der Sänger liefert eine gut gemischte Wundertüte aus mitreißenden Songs, einer starken Stimme und eine spielfreudige Band. Genau das, was ein gutes Popkonzert ausmacht.
Mit „Painkiller“ und ganz vielen Papierherzen aus dem Publikum endet dann sein Hauptset. Und für mich schließt sich der Kreis. Ein schöner Zufall.
Und so hört sich das an:
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Beitragsbild von Jasmine
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