Florian Paul & die Kapelle der letzten Hoffnung – Kein Zurück

Cover zu Florian Paul & Die Kapelle der letzten Hoffnung - Kein Zurück

Das „Kein Zurück“ lässt sich auf zwei Arten lesen, folgt man den Ausführungen von Florian Paul. Da ist die gesellschaftliche Ebene, auf der man erkennen muss, dass es nicht so wird wie früher. Doch auch im Privaten gilt: Es lohnt sich nicht, zu oft zurückzublicken – ganz gleich, ob der Blick verklärt oder klar ist. Es gibt kein Zurück in diese Zeiten. Das mag zunächst melancholisch und sentimental klingen, birgt aber auch Aufbruchsstimmung. Denn Florian Paul hatte einen Plan: Das neue Album sollte endlich einmal mit einem weißen Blatt Papier begonnen werden. Zu dieser Neuausrichtung gehörte auch ein Aufbruch im wahrsten Sinne des Wortes. Inspiration für das Album sammelte er unter anderem in Budapest, Prag und Zürich.

Und dann natürlich: Amerika. Ein Ort, der für vieles steht, was auch das Album ausmacht. Gemeinsam mit der Band hat Florian Paul in den Joshua Tree Studios an den Songs gearbeitet, den Sound weiterentwickelt und die unendlichen Weiten Kaliforniens auf sich wirken lassen. Dabei entstand auch das Stück „Amerika“, das die verschiedenen Dimensionen von „Kein Zurück“ gut vereint: Auf der einen Seite steht das politische Amerika, auf der anderen verblassen die Bilder, die man als Kind von diesem Land hatte. Musikalisch flirtet der Song ein wenig mit Flamenco, ist aber vor allem ein ansprechendes Stück deutschsprachiger Popmusik. Ja, „Pop“ – ein Wort, vor dem man keine Angst hat und das sich für die Musiker vor allem auf den Bandsound bezieht. Denn statt mit Overdubs zu arbeiten, wurden die Stücke live im Studio eingespielt. Und das nicht nur an einem Ort: Die Aufnahmen fanden auch in Alpirsbach im Schwarzwald und in Bremen statt.

Das melancholische Moment ist die eine Seite, doch der Aufbruch und der Drang nach Neuem sind ebenso deutlich zu spüren. Das wird immer wieder hörbar. „Heute Morgen“ ist beispielsweise von nachdenklichen Piano-Klängen geprägt, doch selbst aus all dem Moll klingt etwas Optimistisches heraus. „Steh auf und schau nie mehr zurück // nach diesem ersten Schritt // geh einfach immer weiter // auch, wenn du ganz alleine bist // weil alles gerad‘ zerbricht // da warten bessere Zeiten auf dich“ heißt es folgerichtig im Titelstück „Kein Zurück“. Zeilen, die den Gestus des Albums gut widerspiegeln. Ob in getragenem Tempo oder in den etwas „beschleunigteren“ Pop-Stücken wie „Gehen oder bleiben“, das klare Melodieläufe mit dezenten Gitarrenriffs im Chorus kombiniert: Der Sound wirkt stets wie aus einem Guss. Dazu trägt mutmaßlich auch das bereits erwähnte Live-Einspielen bei.

Es würde den Rahmen sprengen, an dieser Stelle auf jedes einzelne Stück einzugehen, und doch erzählt jedes seine ganz eigene Geschichte. Insgesamt elf davon finden sich auf dem Album. „Kein Zurück“ ist Freunden gut gemachter deutschsprachiger Popmusik sehr zu empfehlen. Eingespielt von einer spielfreudigen Band, bei der jeder seinen Raum bekommt und hörbar alles ineinandergreift, klingt das Album wie aus einem Guss. Florian Paul & die Kapelle der letzten Hoffnung haben sich auf die Reise begeben und dabei einen frischen Sound geprägt. Man kann ihnen dankbar sein, dass sie uns mit „Kein Zurück“ die Möglichkeit geben, diese Reise nachzuvollziehen und ein Stück weit mitzugehen.

Und so hört sich das an:

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Die Rechte am Album-Cover liegen bei Blaue Katze Records.

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