Ein Blick in die Menge: Dass da schon mal Morrissey und Johnny Marr auf den Shirts zu sehen sind, überrascht kaum – winken die Smiths doch im Sound von Brigitte Calls Me Baby mehr als nur einmal um die Ecke. Insgesamt hat sich hier aber ein erstaunlich bunt gemischtes Publikum versammelt, um die Band aus Chicago zu feiern. Verschiedene Altersklassen, unterschiedliche subkulturelle Prägungen – ganz klar: Brigitte Calls Me Baby sind ein Act, auf den sich viele einigen können. Dass das Konzert in Köln von der Essigfabrik in das kleinere Gebäude 9 verlegt wurde, bleibt dabei eine Randnotiz, denn der Stimmung tat dies an diesem Dienstagabend keinen Abbruch.
Zunächst betrat um 20 Uhr die noch junge Hamburger Post-Punk-Band Joy Forever die Bühne, um das Publikum schon einmal aufzuwärmen. Stücke wie „City Of Rain“ zeigten die Stärken des Quartetts: Eröffnet mit druckvollen Gitarren, dazu eine verhangene Note, kombiniert mit Eingängigkeit und einer Spur Härte im Sound, hinterließ die Gruppe einen bleibenden Eindruck. In einer halben Stunde Spielzeit begeisterte die Band mit treibenden Rhythmen wie in „Cycles“, zelebrierte gerne mal die Melancholie – was beispielsweise in „A Thousand Times“ zur Geltung kam – und präsentierte sich generell abwechslungsreich. Dass das gut ankam, zeigte nicht zuletzt die Betriebsamkeit am Merchandise-Stand nach der Show, wo die Musiker so manche LP signieren durften.
Setlist:
01. These Days
02. City Of Rain
03. Cycles
04. Saffron Spring
05. Forever For Now
06. A Thousand Times
07. Two Minds Collide

Eine Umbaupause später ging das Saallicht erneut aus und es war so weit: Der Fünfer um Frontmann Wes Leavins betrat die Bühne und eröffnete direkt mit dem Song „These Acts of Which We’re Designed“. Ein Stück, das sich noch eher im Midtempo bewegte und dabei bereits zeigte, dass man sich hier im musikalischen Spannungsfeld von nostalgischen Referenzen und einem modernen Gewand befand – hymnisches Potenzial inklusive. Zudem äußerst tanzbar, wie man beim folgenden „Truth is Stranger Than Fiction“ schon gut an den vorderen Reihen ablesen konnte. Klare Gitarrenlinien, eingängige Melodien und spätestens im Chorus war Stillstehen keine Option mehr.
Anfangs regierte noch eine gewisse Coolness auf der Bühne, doch nach und nach konnte auch die Band nicht mehr verbergen, wie viel Spaß ihr der Abend machte. Kein Wunder, wenn selbst bisher unveröffentlichte Stücke wie „How to Ignore a Feeling…“ bereits so gut funktionieren. Überhaupt ging die Setlist voll auf: Das Material vom Debüt-Album „The Future Is Our Way Out“ harmonierte bestens mit den neueren Titeln und der Spannungsbogen funktionierte hervorragend. Zum Ende hin wurde die Stimmung merklich ausgelassener: Gitarre und Bass bekamen Raum für Soli und als nach einer guten Stunde mit dem rifflastigen „Slumber Party“ das reguläre Set endete, wollte man noch längst nicht nach Hause.
Musste man auch nicht: Für drei Stücke kehrte die Band zurück. Unter anderem mit der neuen Single „Geordie“, die mit lässiger Coolness und leicht schleppendem Charakter daherkam, sowie einem Cover von „Is This It“, bei dem man den Strokes gekonnt den bandeigenen Stempel aufdrückte. Als der Abend schließlich mit „Impressively Average“ ausklang, spürte man, dass die geäußerte Hoffnung, bald wiederzukommen, weit mehr als nur eine Höflichkeitsfloskel war. Ein rundum gelungener Abend – und zwar schon vom Support-Act an. Was will man mehr?
Setlist:
01. These Acts of Which We’re Designed
02. Truth is Stranger Than Fiction
03. How to Ignore a Feeling…
04. Palm of Your Hand
05. The Future Is Our Way Out
06. The Pit
07. There Always
08. I Danced With Another Love in My Dream
09. The Early Days of Love
10. Pink Palace
11. I Can Take the Sun Out of the Sky
12. I Wanna Die in the Suburbs
13. We Were Never Alive
14. Send Those Memories
15. Slumber Party
16. Geordie (Z)
17. Is This It (The Strokes Cover) (Z)
18. Impressively Average (Z)
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Fotos: Marius Meyer (Handy-Aufnahmen)
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