Ein bisschen ungewohnt war es schon, das Werk des Backstage zu betreten und zu sehen, dass dort Stuhlreihen aufgebaut sind. Aber wie man weiß: Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. So sollte dieser Abend nicht einfach nur ein Peter-Heppner-Konzert werden, sondern ein Auftritt im Rahmen seiner dritten Akustik-Tour. Ein Format, das zunächst einmal überraschen mag, wenn man vor allem den elektronischen Heppner gewohnt ist – ob einst mit Wolfsheim, auf seinen Solo-Werken oder in vielen seiner Kollaborationen mit anderen Künstlern. Diesmal also mit dem Zusatz „& Band“ dabei und in einem ganz anderen Rahmen.
Punkt 20:00 Uhr war es dann auch schon soweit: Das Saallicht ging aus, Peter Heppner betrat mit seiner Band – in der bewährten Besetzung mit Dirk Riegner, Carsten Klatte und Achim Färber – die Bühne und eröffnete mit einem neuen Song den Abend. „Eine and’re Zeit“ erklang und auch, wenn man das bisher unveröffentlichte Stück noch nicht kannte, spürte man direkt, wie gut das Material auch in diesem Gewand funktioniert. Noch deutlicher wurde es in der Folge bei den bekannten Klassikern. Ein „Meine Welt“ beispielsweise entfaltete auch in seiner „stripped down“-Variante voll seine Wirkung. Und diese Wirkung war an diesem Dienstagabend nicht selten: Gänsehaut! Begünstigt übrigens auch dadurch, dass sich das Publikum wirklich darauf einließ und von störenden Unterhaltungen während der Songs absah.
Die Setliste war dabei eine gut gemischte Reise durch all die Schaffensphasen der inzwischen Jahrzehnte andauernden Laufbahn Peter Heppners. Von Wolfsheim-Klassikern wie „Once in a Lifetime“ und (natürlich) „The Sparrows and the Nightingales“ über Stücke aus den Solo-Alben wie das bereits erwähnte „Meine Welt“ oder auch „Unloveable“ bis hin zu als Zusammenarbeit entstandenen Liedern wie „Wir sind wir“ oder „Die Flut“ wurde da aus dem Vollen geschöpft. Hier und da dauerte es schon mal, bis man ein Stück ganz erkannte, aber gerade das machte auch den Reiz des Abends aus – etwa wenn man bei „Once In A Lifetime“ erstaunt war, wie gut es als getragene Akustik-Ballade funktioniert. Was keineswegs heißen soll, dass es nicht auch schwungvoller zugehen konnte, was zum Beispiel „…und ich tanz‘“ sehr gut zeigte: klare Gitarrenlinien, eingängiges Piano, dezente Percussion – und doch ging man sofort mit.
Dass mit „…und ich tanz‘“ Schluss sein sollte, wollte man natürlich nicht hinnehmen. Zweimal kehrte die Band noch auf die Bühne zurück, wobei der erste Zugabenblock gleich in zweierlei Hinsicht eine Überraschung bereithielt: Zum einen, weil mit „Enjoy the Silence“ von Depeche Mode gezeigt wurde, dass Peter Heppner es versteht, Songs nicht nur zu covern, sondern sie zu interpretieren und sich zu eigen zu machen. Zum anderen, weil man merkte, wie gut Depeche Mode auch akustisch funktioniert. Mit dem anschließenden „Was bleibt“ endete der erste Zugabenblock, bevor das große Finale mit „Kein Zurück“ (inklusive verdientem Szenenapplaus) den Schlusspunkt setzte.
Nach rund 90 Minuten endete somit ein Konzert, nach dem man beseelt und positiv gestimmt den Heimweg antreten konnte. Ein wunderbarer Abend, an dem der Alltag Pause hatte und man sich einfach fallen lassen konnte. Vielen Dank dafür!
Setlist:
01. Eine and’re Zeit
02. Care For You
03. Meine Welt
04. Leben… I Feel You
05. Künstliche Welten
06. Once in a Lifetime
07. The Sparrows and the Nightingales
08. And I…
09. Unloveable
10. Once Again
11. Hurt People Hurt People
12. Wir sind wir
13. Die Flut
14. …und ich tanz‘
15. Enjoy the Silence (Depeche Mode Cover) (Z)
16. Was bleibt (Z)
17. Herz (Metropolis) (ZZ)
18. Kein Zurück (ZZ)
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