Interview mit Van Holzen über die Zukunft und die Vergangenheit – Teil 2!

Van Holzen Interview Vergangenheit Zukunft Teil 2

Im Rahmen des Way Back When Festivals, einer Veranstaltung, bei der viele Hoffnungsträger der deutschen Rock- und Indie-Landschaft auftraten, haben wir uns erneut mit Van Holzen getroffen, um über das vergangene Jahr, die Zukunft und Gerüchte über ihre Band  zu sprechen. Gitarrist und Sänger Florian Kiesling, Bassist Jonas Schramm und Schlagzeuger Daniel Kotitschke standen uns hierfür in ihrem Nobelhotel nahe der Locations des Festivals Rede und Antwort. Im zweiten Teil unseres ausführlichen Interviews thematisierten wir neben den bereits genannten Gerüchten auch, wie die Jungs Erfolg definieren würden und ob sie Erfolg empfinden.

minutenmusik: Wenn man vor so vielen Leuten als Support spielt, gibt es bestimmt auch einige, die das so überhaupt nicht feiern. Habt ihr schon mal dumme Sprüche abbekommen oder Kritik am eigenen Leib erfahren müssen?

Jonas: Es gibt viel Van Holzen Gossip!

Florian: Am eigenen Leib?

minutenmusik: Ja, zum Beispiel über die Socialmedia-Kanäle. Oder, dass ihr am Merch standet und mitbekommen habt, wie jemand über euren Auftritt herzieht.

Florian: Das wäre mal geil, wenn einer ankommt und sagt, dass er das übelst scheiße fand. Das macht aber leider keiner. Aber klar, auf Twitter geht’s ab! Nach der Dortmund Show haben einige auch „WAS ZUR HÖLLE HAT DER SUPPORT DA GEMACHT?!“ geschrieben. Aber am eigenen Leib haben wir bis jetzt noch nichts mitgekriegt. Wir lesen da aber immer interessiert mit und schauen, ob was konstruktives dabei rumkommt, das wir aufsaugen können. Meistens ist das aber nicht so.

minutenmusik: Wir sind nach der Dortmund-Show mit dem Zug Heim gefahren und da konnten wir auch so einiges aufschnappen, was sehr zum Fremdschämen war. So Dinge wie: „Die kommen aus Ulm, das liegt ja in Bayern. Das kann also nur Scheiße sein!“

Florian: Ohhhh, Bayern alter. (alle lachen) Man muss das aber ja auch ein bisschen verstehen aus unserer Sicht. Wir sind in den Augen vieler Leute kleine Pisser, weil wir 18 und 17 sind. Da kommen wir da aus Ulm, also Bayern – mitten aus dem bayrischen Wald! (alle lachen) – und spielen dann Support von Billy Talent und alle fragen sich nur warum. Also kann ich schon verstehen, dass ein Viertel der Leute das dann scheiße findet.

Jonas: Eher drei Viertel!

Florian: Genau. (lacht)

minutenmusik: Dann hättet ihr bei 8000 Leuten ja immerhin 2000 erreicht, was ja schon was wäre!

Florian: Also lieber spielt man so eine Show und polarisiert, als das man Angst vor Kritik hat. Also scheiß drauf! Es gibt so krassen Van Holzen Gossip! Wir waren mit Fred [gemeint ist Frederik Tebbe] von der Visions beim Sziget Festival in Ungarn und der kriegt das von allen Seiten immer ein bisschen mit. Was es für Theorien gibt, wie wir zu Warner [Music] gekommen sind! Die neueste ist, dass unsere Väter hohe Tiere bei Warner sind und wir deshalb den Vertrag gekriegt haben. Für andere haben wir uns den Plattenvertrag gekauft.

minutenmusik: Als das „Schüsse“-Video kam, hatte auch jemand kommentiert gehabt, dass ihr euch jetzt ja verkaufen würdet und damals bei Rockfish [Alte Band der Drei] ja noch so true gewesen wärt.

Florian: Damals waren wir real, alter! Viele Leute wissen aber ja gar nicht, dass wir schon seit 2009 zusammen Musik machen. Wir haben damals, als wir mit Van Holzen begonnen haben, alles aus dem Netz gelöscht, was es von Rockfish noch gab. Irgendwo ist sicherlich noch was. Aber der Großteil ist weg. Vielleicht wäre es sogar besser gewesen, hätten wir noch ein paar Lebenszeichen im Netz gelassen, damit die Leute checken, dass das eben nicht aus irgendeinem Geldbeutel oder zusammengecastetem Scheiß kommt, sondern es uns schon echt lange gibt. Ist aber im Endeffekt auch scheiß egal. Eigentlich haben wir für uns auch alles richtig gemacht. Und so ein bisschen sensationsgeil muss man in Zeiten von RTL und co. ja auch sein! Das muss ja nicht immer alles so langweilig sein, wie es bei uns läuft.

minutenmusik: Wobei es ja nicht langweilig ist, weil es den Gossip ja gibt! Bald berichtet RTL dann.

Florian: Genau! „Kauften Van Holzen einen Plattenvertrag?“ „Warum sind ihre Väter die Chefs von Warner?“

minutenmusik: Ihr habt gestern die erste offizielle Show der „Anomalie“-Tour in Würzburg gespielt. Was können Besucher der Show, vielleicht auch im Vergleich zu den paar Konzerten im März, erwarten?

Florian: Ich glaube wir sind ausgecheckter. Wir wissen jetzt genau, wie wir an so eine Headliner-Show rangehen müssen. Bei den vier Shows im März konnten wir sehr viele Erfahrungen sammeln. Das war für uns ja schon ein Sprung in das kalte Wasser. Wir wissen jetzt viel mehr, wie wir mit dem Publikum umgehen sollen. Das im März hat uns auch ein bisschen die Angst vor Headliner-Shows genommen. Die Leute kommen ja wegen Van Holzen auf das Konzert, weshalb man voll krass und intensiv auf die Leute eingehen kann. Ich glaube da sind wir jetzt echt so weit, dass wir mit den Leuten gemeinsam ein geiles Konzert haben können und das nicht so ist, dass wir eine Show zocken und die Leute gucken sich das an. Das kann zum Beispiel sein, dass man ins Publikum reinspringt und da weiter Gitarre spielt und sowas. Wir können jetzt besser mit unserem eigenen Publikum umgehen, was es jetzt zum Glück schon ein bisschen gibt. Wir waren gestern schon überrascht, dass da Leute vor der Bühne stehen – in Würzburg! Das ist geil. Vielleicht gibt es auf der Tour neue Songs.

Daniel: Eventuell!

minutenmusik: Das Thema Erfolg spielt auf „Anomalie“ ja schon eine Rolle. Vor allem in einem Song. Wie definiert ihr Erfolg und würdet ihr sagen, dass ihr mit Van Holzen Erfolg empfindet?

Florian: Es gibt ja persönlichen und finanziellen Erfolg und noch den Erfolg, den andere Leute einem irgendwie zuschreiben. Mein persönlicher Erfolg ist im Moment aufs maximalste gestillt, weil wir machen dürfen, was wir wollen und coole Möglichkeiten haben. Außerdem können wir eine geile Abifahrt machen.

minutenmusik: Eine sehr lange Abifahrt!

Florian: Genau, eine sehr sehr lange. Wir machen das so lange einfach weiter, damit wir keine Zeit haben, um zu studieren. Kommerzieller Erfolg wird dann ein bisschen egal, finde ich. Wenn man mit dem Produkt, das man abliefert, selber zufrieden ist und da selber Erfolg sieht, dann finde ich erstmal zweitrangig, was das dann abwirft. Klar gibt es Menschen – auch in der Plattenfirma -, die natürlich auch gerne Ergebnisse sehen würden. Für die ist das aber schon auch eine Herzensangelegenheit.

minutenmusik: Die Ergebnisse gibt es aber ja auch irgendwie. Vielleicht nicht unbedingt die Nummer eins der Single Charts oder so. Ihr seid aber ja zum Beispiel von der Visions sehr lange sehr gepusht worden und wart dann da auch Album des Monats. Trotzdem, obwohl sich viele darüber beschwert haben, war das Album im Monat nach Release bei den Lesercharts auch auf der 1.

Florian: Ja, genau! Das ist cool. Das war mir auch wahnsinnig wichtig, als ich das damals gesehen habe. Gerade dieser kommerzielle Erfolg, also von einem Magazin gehyped zu werden und so, ist alles cool, dafür muss man auch sehr dankbar sein, worum es aber am Ende vom Tag eigentlich geht, sind die Leute, die die Musik konsumieren. Wenn man dann da gut abschneidet, freut mich das richtig. Das war ein schöner Tag! Wir sind auch voll zufrieden, auch die Plattenfirma, wie das mit dem Album gelaufen ist. Niemand hat erwartet, dass das übelst krass durch die Decke geht, wie irgendein internationaler Act wie Royal Blood oder sowas. Das ist immer noch ein Aufbauthema und so werden wir auch behandelt. Das Label ist auch voll am Start.

minutenmusik: Wobei ich das bei Royal Blood sehr interessant finde, warum die so groß sind. Das, was die machen, ist ja eigentlich überhaupt nicht im Mainstream verankert. Soetwas läuft ja normalerweise gar nicht im Radio.

Florian: Ich glaube, was Royal Blood ganz gut schaffen, ist dieses Gefühl vom Rock und diese Coolness so einfach es geht rüberzubringen. Jeder Trottel, der Royal Blood hört, denkt sich, dass das cool sei. Da muss man auch musikalisch nicht krass bewandert sein, um da den Stil hinter zu sehen. Deshalb funktioniert das da glaube ich ganz gut. Bei uns ist das schon noch ein bisschen vertrackter.

Royal Blood sind ja auch verdammt cool! Van Holzen bringen aber auch eine gewisse Coolness mit sich. Naja, im dritten Teil unseres großen Interviews mit der Band, erzählt uns Kiesling, ob er noch immer mit ihrer Entscheidung bei einem Major-Label einen Vertrag unterschrieben zu haben, im reinen ist und erklärt, was die Zukunft seiner Band bringen wird.

Hier geht es zu Teil 3.

Hier zu Teil 1.

Und so hört sich das an:

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Van Holzen live 2017 / 2018:

13.10. Augsburg – Soho Stage
14.10. Koblenz – Rockbuster Finale
10.11. Nürnberg – Club Stereo
11.11. Braunschweig – Eulenglück
12.11. Leipzig – Täubchenthal
14.11. Dresden – Groove Station
15.11. Berlin – Musik & Frieden
16.11. Flensburg – Volksbad
17.11. Bremen – Tower
18.11. Bonn – Bla
19.11. Frankfurt/Main – Nachtleben
01.12. Kiev – World Aids Day (Ukraine)
07.12. Stuttgart – Keller Klub
08.12. Weiden I. D. Oberpfalz – Die Sünde
31.01. Salzburg – Rockhouse Bar (AU)
01.02. Linz – Stadtwerkstatt (AU)
02.02. Graz – PPC (AU)
03.02. Lustenau – Carinisaal (AU)
04.02. Freiburg – Waldsee
09.02. Zürich – Bogen (CH)
10.02. St. Gallen – Grabenhalle (CH)
11.02. – Solothurn – Raumbar (CH)

Foto von Jaro Suffner.

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