Interview mit Mallory Knox!

Mallory Knox gründeten sich bereits 2009, ehe 2013 mit „Signals“ ihr Debütalbum erschien. Mittlerweile ist bereits das dritte Album „Wired“ der fünfköpfigen Alternative-Rock-Band aus England erschienen. Derzeit sind Mallory Knox auf Tour mit Enter Shikari. Vor ihrer Show in Düsseldorf am 08.05.2017 haben wir uns mit Sänger Mikey Chapman zum Interview getroffen und über die neuen Songs, Terrorangst und seinen Plan B unterhalten:

minutenmusik: Erstmal: herzlichen Glückwunsch zum Release eures neuen Albums „Wired“ am 10. März und dass ihr damit in die Top 20 der UK Album Charts gestiegen seid! Kannst du uns mehr über die Bedeutung des Albumtitels und dem dazugehörigen Titeltrack erzählen?

Mikey:  Dankeschön! Na klar, also „Wired“ war ein Konzept, das verschiedene Elemente des Albums abdeckt. „Wired“ handelt von der Verbindungsflexibilität, die wir mittlerweile in unserer modernen Gesellschaft anhand unserer Online-Präsenz und Social Media erfahren. Es ist irgendwie ironisch: auf der einen Seite gibt es zwar diese ständige Zusammenschaltung, aber gleichzeitig sind wir auch mehr voneinander abgekoppelt im Sinne des menschlichen Zusammenlebens. Das Album greift verschiedene Faktoren wie Kommunikationsprobleme in Beziehungen oder Freundschaften auf und versucht zu erklären, wie man sich wieder zurück mit einer Welt verbinden kann, von der man eigentlich ein Teil sein möchte. Wieder eine Verbindung mit der Musikindustrie herstellen oder mit deiner Verantwortung, die du im Alltag zu tragen hast.

minutenmusik: Vergleichen mit eurem Vorgängeralbum „Asymmetry“ klingt das neue Album kraftvoller und irgendwie mächtiger. War das so geplant oder hat sich dieser Sound erst während des Schreib- oder Aufnahmeprozesses entwickelt?

Mikey:  Dankeschön! Ich glaube, es war eine Kombination aus beiden Sachen… Wir sind natürlich älter geworden, seit wir „Asymmetry” geschrieben haben. Ich denke, dadurch hat sich unser Geschmack ganz einfach auch verändert und auch die Themen, die wir in unserer Musik ansprechen wollen. Da haben sich dann in dieser Zeit irgendwie so ein paar rohe Rock’n’Roll-Elemente in den Sound geschlichen. Deshalb denke ich, daher kommt diese Heavyness… Ich denke nicht, dass es einen Punkt gab, wo wir beschlossen haben, härtere Musik zu schreiben. Ich würde sogar eher sagen, wenn man sich die Rock-Szene in der UK ansieht wird der Sound dort eher immer leichter… Für uns war es auf jeden Fall eine ganz natürliche Entwicklung während des Schreibprozesses, wie wir ihn kennen…

minutenmusik: Einige der neuen Songs handeln von Depressionen bzw. sogar Antidepressiva! Wie kamt ihr dazu, dies zu thematisieren?

Mikey:  Um ehrlich zu sein: persönliche Erfahrungen. Das war kein Thema, das wir uns vorgenommen hatten, so nach dem Motto „so, ich schreibe jetzt einen Song über Depressionen!“ oder so in der Art. Die meiste Zeit über, gerade als wir älter geworden sind, kommentieren unsere Lieder mehr und mehr das tägliche Leben. Persönliche Erfahrungen sind zu einer Art Basis geworden, auf derer wir unsere Texte aufbauen können. Wir stellen oft fest dass die Klangfarbe, das Gefühl und der Vibe des Songs oftmals darüber bestimmt, was der lyrische Anteil beinhalten wird. Während dieses Albums gab es einige melancholische Momente, in denen wir dachten, es gäbe einfach nichts Wichtigeres, als über die psychische Verfassung zu schreiben. Es war nicht wirklich beabsichtigt, dass wir das thematisieren würden, aber ich bin wirklich froh, dass wir es getan haben. Viele konnten sich mit den Texten auch identifizieren und Kraft daraus schöpfen.

minutenmusik: Einer der neuen Songs heißt „Saviour“ und beinhaltet die Songzeile „There is no God coming to save us all. Stop waiting for Jesus to save your soul.” – gab es hierzu einige heftige Reaktionen?

Mikey:  Ohja, es gab einige heftige Reaktionen – da werde ich nicht lügen! Aber es waren weniger, als ich angenommen hatte. Das war überraschend. Ich denke, was diesen Song angeht, handelt es nicht nur von Atheismus oder Gott nicht anzuerkennen. Es geht vielmehr darum, von sich selbst oftmals Zuständigkeit oder Verantwortung abzuweisen. In der heutigen Gesellschaft geben wir die Schuld gerne an andere weiter oder befreien uns selbst von gewissen Verantwortungen – egal ob jetzt an die Regierung oder einem Wesen wie Gott oder seine weiteren Formen. Oftmals wir die Schuld oder Verantwortung auch andere Generationen vor oder nach uns weiter getragen, was eindeutig eine ziemlich gefährliche Sache ist! Wenn du immer nur vor allem davon rennst und anderen die Schuld gibst, verbreitest du nicht nur Feindschaft gegenüber anderen, sondern beschäftigst dich auch gar nicht mit der Sache oder dem Problem an sich. Sein eigenen Ego zu überwinden, seine Wahnvorstellungen abzulegen und einer Sache die Aufmerksamkeit entgegen zu bringen, die sie braucht – der Song ist auf jeden Fall tiefgründiger als nur dieses eine Zitat! Aber von der oberflächlichen Betrachtung her haben wir einige heftige Reaktionen dazu bekommen, ja! Sobald man das große „G“-Wort erwähnt, ist es auf einmal eine große Sache, aber man kann es halt leider nicht immer Allen recht machen.

minutenmusik: Das stimmt. Ihr wart auch gerade auf Headline-Tour in der UK und ich habe gelesen, dass ihr hauptsächlich die neuen Songs gespielt habt, um zu sehen, auf welchen die Fans am meisten reagieren. Welches Lied hat dabei gewonnen?

Mikey: (lacht) Es war nie ein wirklicher Wettbewerb in der Hinsicht, aber wenn wir so etwas gemacht hätten, dann wäre es „Lucky Me“ gewesen. Wir wussten, als eine Art „Party Song“ würde er eine gewisse Reaktion hervorrufen und die Fans würden ihn genießen, aber wir haben vorher nicht realisiert, wie sehr. Wir haben nicht viele Songs wie diesen, aber er hat sich gut in unser Set integriert und darüber bin ich wirklich froh!

minutenmusik: Vor ein paar Tagen habt ihr ein neues Musikvideo zum Song „California“ veröffentlicht. Was gefällt euch an dem Staat besonders gut oder was war es, das euch zu dem Song dort inspiriert hat?

Mikey: Ich glaube, es war weniger der Staat an sich als mehr die Möglichkeit bzw. die Chance, dorthin zu reisen. Gerade für eine Band, wie uns, die aus einem kleinen Ort stammt. Wir haben uns sehr schnell damit abgefunden, woher wir kommen und wie die Dinge funktionieren. Was ich an den Vereinigten Staaten wirklich liebe, ist, dass es eine sehr große Erinnerung daran war, dass wir nicht alles wissen und kennen. Es gibt so viele Möglichkeiten und Chancen, die vorbeiziehen wenn man irgendetwas nicht tut. Das war so die Sache, die ich mir von den Vereinigten Staaten mitgenommen habe und die mir eine Art Verlangen gegeben hat, noch ganz oft so weit auszubrechen. Der Song selbst begann vom Text her als eine Art Erinnerung an mich und die anderen in der Band, dass auch wenn du mal harte Zeiten hast, du mit irgendwas zu kämpfen hast oder irgendwas an deiner Geduld und deinen Nerven zerrt, dass es immer noch so viele wunderbare Möglichkeiten und Chancen im Leben gibt. Gerade wenn es mal nicht rund läuft, musst du dich derer bewusst sein. Sie können dir eine Art Stärke oder einen Antrieb liefern, um mit den unangenehmen Momenten fertig zu werden

minutenmusik: Momentan seid ihr auf Tour mit ENTER SHIKARI und auf euren Social Media Plattformen sah es so aus, als hättet ihr viel Spaß mit den Jungs? Ihr wart zusammen auf einer Kart-Bahn?

Mikey: Ja, das war lustig!

minutenmusik: Wer hat das Rennen denn gewonnen?

Mikey: Ganz sicher nicht ich! Ich war richtig, richtig schlecht. Ich hatte ein schockierendes Rennen. Ich hab die ganze Zeit gedacht „wenn jetzt hier ein paar deutsche Fahrer mit uns wären, würden die auf jeden Fall gewinnen!“. Aber es waren keine da. Ich glaube – GLAUBE! – dass unsere Band gewonnen hat, aber ich weiß es nicht ganz sicher.

minutenmusik: Ohje, okay! Als nächstes seid ihr auf Tour mit Simple Plan. In Paris werdet ihr im Le Bataclan spielen, wo sich vor fast 2 Jahren die Schießerei während des Eagles Of Death Metal Konzertes ereignet hat. Fühlt es sich irgendwie komisch an, zu wissen, dass ihr dort spielen werdet?

Mikey: Puh, ich glaube jetzt im Moment machen wir uns da noch nicht so richtig Gedanken drüber. Aber wenn wir dann dort ankommen, wird es wohl ein ziemlich nachdenklicher Moment werden… Besonders für Musiker war dieser Vorfall einfach nur erschreckend. Natürlich war das Ganze auch an sich erschreckend genug, aber für uns war es eine Erinnerung dass der Abstand zu solchen Menschen nicht allzu groß ist und sie ihren Standpunkt mit allen Mitteln zum Ausdruck bringen wollen. In einen Ort eindringen, der dafür steht, zu feiern und eine gute Zeit zu haben und deine alltäglichen Sorgen abzulegen, hat den ganzen Moment einfach erschreckend zerstört. Es wird auf der Tour auf jeden Fall ein sehr nachdenklicher Moment werden, aber wie du gerade vielleicht schon merkst: die Gedanken gehen einfach zu tief, als dass wir uns da jetzt schon mit beschäftigen und herunterziehen lassen können.

minutenmusik: Okay, dann was anderes: in einem anderen Interview habe ich gelesen, du würdest in deiner Freizeit nun studieren? Wie kamst du dazu und was genau studierst du?

Mikey: Wow, das hat sich echt zu einer großen Sache entwickelt und Leute verwirrt. Ich studiere momentan nicht um an einer Universität irgendeinen Abschluss zu erreichen, sondern studiere eher für mich, bilde mich weiter um meinen Horizont zu erweitern. Ich lese mich durch verschiedene Themen, wie Rechtswissenschaften, BWL, Psychologie, Soziologie, usw. Aber alles mit dem Ziel, wirklich etwas zu lernen und mein Gehirn ein bisschen zu entstauben. Es ist echt schon lange her, dass ich zur Schule gegangen bin und wirklich lernen musste. Der Grund ist… ja, ich glaube, es ist einfach so, dass ich mir dadurch einen weiteren Weg gebe, auf dem sich mein Verstand entwickeln kann, als nur die Musikwelt. Das hier ist auf jeden Fall ein gewaltiger und großartiger Teil meines Lebens, aber es gibt auch Teile meines Verstanden, die vor der Band andere Dinge erleben oder erreichen wollten. Ich wollte Dinge lernen und meinen Horizont erweitern und das ist gerade eine großartige Möglichkeit, das zu tun.

minutenmusik: Würdest du es als eine Art Plan B bezeichnen?

Mikey: Nein, nicht wirklich. Es ist einfach etwas, das ich schon seit langer Zeit tun wollte. Ich habe mich drei Mal an Universitäten beworben, bevor es die Band gab. Ich wurde drei Mal an Universitäten angenommen, bevor es die Band gab. Und ich habe drei Mal die Universität abgebrochen, bevor es die Band gab. (lacht) Zu der Zeit wusste ich einfach nicht, was ich tun wollte und war dann glücklich genug, die Jungs und Mallory zu finden und das tun zu können, was wir jetzt tun. Das hat mir eine wirkliche Richtung und ein Ziel gegeben, aber ich liebe einfach Sachen wir historische Geschichte oder mehr darüber zu erfahren, wie das menschliche Denken funktioniert. Naturwissenschaften und der ganze Kram. In der Band zu sein gibt mir zwar viel, aber kann diesen Wissensdurst nicht stillen. Für mich ist es einfach eine Möglichkeit, all die anderen Dinge zu ergründen, nach denen mein Verstand verlangt, würde ich sagen.

minutenmusik: Ziemlich motiviert. Was ist denn aktuell dein Lieblingssong oder -album? Vielleicht hast du sogar einen Tipp, welche aufstrebende Band aus der UK wir uns mal anhören sollten?

Mikey: Puh, das ist wirklich sehr gute Frage! Wenn ich ehrlich bin muss ich gestehen, dass ich gar nicht so wahnsinnig viel Musik höre. Wir sind momentan so darauf fixiert, wie es mit Mallory weiter geht, dass es ziemlich viel Zeit in Anspruch nimmt. Aber wenn ich unter der Dusche stehe, höre ich Musik. Das ist irgendwie die einzige Zeit, in der mein Kopf frei genug ist, um mir was anzuhören. Aber ich bin derzeit erneut verliebt in die Musik von Death Cab For Cutie. Das war schon immer eine Band, deren Musik ich sehr genieße, aber aktuell kann ich nicht aufhören „Transatlanticism“ zu hören! Das wäre so das, was mir spontan einfällt.

minutenmusik: Super, dann bedanke ich mich für das Interview! 🙂

Wer sich Mallory Knox live ansehen möchte, hat diesen Sommer in Deutschland noch folgende Chancen:

28.05.2017 – Berlin (mit Simple Plan)
29.05.2017 – Hamburg (mit Simple Plan)
02.06.2017 – Rock am Ring
03.06.2017 – Rock im Park
12.06.2017 – Stuttgart (mit Good Charlotte)

Und so hört sich das an:

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https://www.youtube.com/watch?v=CpIlGnzxMSw

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