Eine sehr umtriebige Band, die Leftovers. Waren sie vor wenigen Monaten noch im ausverkauften Münchner Technikum zu sehen, führte die selbstironisch so betitelte „Stadiontour“ nun in die Kantine im nicht allzu weit entfernten Augsburg. Ein Stadion ist das natürlich nicht – vielmehr das genaue Gegenteil: eine Location, die die Bezeichnung „Club“ absolut verdient hat. Platz für rund 450 Menschen, kein Bühnengraben, dafür unmittelbare Nähe zum Geschehen. Viele dieser Plätze dürften am Ende nicht mehr frei gewesen sein, nachdem sich bereits vor Einlass eine ordentliche Schlange vor der Tür gebildet hatte.
Es dauerte in der Folge nicht lange, bis sich die ersten Reihen füllten, obwohl es bis zum Showbeginn noch etwas hin war. Bevor die Wiener Punkband die Bühne betreten sollte, stand mit LEETA zunächst ein angenehmer Support-Act auf dem Programm. Mit ihrer Spielkarten-Optik im Bühnenoutfit war die Aufmerksamkeit schnell gesichert, ohne dass dies vom Musikalischen ablenkte: LEETA spielten einen eingängigen Indie-Sound, der vom angenehm Treibenden auch mal ins Angepunkte kippte. Ein Stück wie „Eyes“ bewegte sich eher im ruhigeren Bereich, während die Band mit „Arrow“ auch ins bewusst Schrammelige (durchaus positiv zu verstehen) ging. Das konnte sich durchweg hören lassen und kam auch beim Publikum gut an, das zwischenzeitlich erfolgreich zum Mitmachen animiert wurde. Mit Songs ihrer Debüt-EP sowie neuen Nummern hinterließen sie einen Eindruck, der über das bloße „Warm-up“ für den Hauptact hinausging.
Setlist LEETA:
01. Appetite
02. Eyes
03. The Opposite
04. You Should Have Known It Before
05. Arrow
06. Poison
07. Sickness
Als nach der kurzen Umbaupause das Licht ausging, machten die Leftovers schnell klar, dass sie auf der einen Seite vor Spielfreude strotzen, auf der anderen aber auch Inhalte vermitteln wollen. Das zeigte bereits „System“ mit seinem Intro über Angststörungen, während sich im Raum schnell viel Bewegung entwickelte. Angst musste hier jedoch niemand haben: Sänger und Gitarrist Leonid steckte früh die Regeln für Moshpit und Crowdsurfing ab, um sicherzugehen, dass sich alle an diesem Abend wohlfühlen können. Das schien gut zu funktionieren, denn bei allem Pogen und Co. herrschte durchweg eine friedliche, rücksichtsvolle Atmosphäre, während die Band ihren druckvollen Punk-Sound spielte, der immer mal wieder Abstecher in Richtung Grunge nahm.
Mit einem Set aus Stücken der bisherigen Alben sowie neueren Singles wie „Wolke“, die bislang noch keinem Album zugeordnet sind, bot die Band einen gelungenen Querschnitt durch ihr Repertoire. Immer wieder nahm man sich dabei auch Zeit für Ansagen, die gesellschaftskritisch und politisch wurden. So ging etwa „Fick dich“ eine Ansage von Schlagzeuger Leon voraus, in der es unter anderem darum ging, wie viel unserer Steuergelder in die Rüstungsindustrie fließen. Bemerkenswert war das auch deshalb, weil die Band aus Österreich stammt. Allerdings: Dass Kriege scheiße sind, dürfte an dieser Stelle wohl internationaler Konsens sein.
Trotz klarer Botschaften und Ansagen driftete der Abend nie zu sehr ins Verkopfte ab. Das gemeinsame Live-Erlebnis stand im Mittelpunkt und wurde durch und durch gelebt. Stücke wie „Mensch am Mond“ und „Absturz“ erwiesen sich dabei als Selbstläufer, während das Grauzone-Cover „Marmelade & Himbeereis“ auch für einen ruhigeren Moment sorgte. Dass sich die Band ohne Zugabe verabschieden würde, war ausgeschlossen – selbstverständlich kehrte sie noch einmal zurück, bevor sie mit „Zwei Bier (La La La)“ den Schlusspunkt setzte.
Den Schlusspunkt eines Abends, an dem wohl alle Beteiligten ihren Spaß hatten. Wer an diesem Abend dabei war, wird sicher wiederkommen. Und wer weiß: Vielleicht spielen die Leftovers ja eines Tages eine Tour mit der Bezeichnung „Clubtour“, bei der sie in den großen Stadien auftreten werden.
Setlist Leftovers:
01. System
02. Käfer
03. Hey
04. Angst
05. An nichts denken
06. Wolke
07. Rauschen
08. Wiener Schule
09. Fick dich
10. Gekommen um zu gehn
11. Schlecht gelaunt
12. Mensch am Mond
13. Dass du brennst
14. Absturz
15. Nasenbrecher
16. Marmelade & Himbeereis (Grauzone Cover)
17. Gesichter
18. Es tut weh
19. Zwei Bier (La La La)
Und so hört sich das an:
Die Rechte an den Bildern liegen bei Marius Meyer.
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