Bei den Leftovers läuft’s, das kann man mal festhalten. Im Frühjahr starteten sie ihre „Stadion“-Tour, die sie genau dorthin nicht, sondern durch die Clubs führte, im Herbst folgte nun ein zweiter Teil der Tour. Teil 1 machte unter anderem Halt in Augsburg, diesmal war wieder München dran. Im Gepäck hatten sie eine entscheidende Neuerung, denn in der Zwischenzeit erschien das aktuelle Album „Schau nicht so“. In der ersten Jahreshälfte wurden live zwar bereits Stücke des Albums gespielt, diesmal aber trafen sie auf ein sehr textsicheres Publikum. Und auf ein zahlreiches: Das Technikum war auch dieses Mal wieder gut gefüllt, um die Wiener Band live zu erleben.
Zunächst einmal ging aber pünktlich um 20:00 Uhr das Licht aus für den Auftritt der ebenfalls aus Wien stammenden Band GLUT. Das weibliche Trio brachte von Beginn an eine ordentliche Energie mit und eröffnete mit „Intoxicated“ den Abend. Selbst beschreiben sie ihre Musik an den Eckpunkten Psychedelic Rock, Grunge und Punk – und wie treffend das ist, zeigte sich schnell: Eher verhangen in den Strophen, ging es im Refrain direkt Richtung druckvoller, verzerrter Gitarren. Gerade bei Stücken wie „Alive“ trat der rohe Punk-Einschlag deutlich hervor. Wie gut das beim Münchner Publikum ankam, ließ sich an der Stimmung ablesen – der Support-Act wurde bereits lautstark gefeiert. Dass zum Ende hin ein Song namens „Moshpit“ als direkte Aufforderung verstanden wurde, verwunderte vor diesem Hintergrund kaum. Man kann davon ausgehen, dass sich so einige Besucher das am 28.11. erscheinende Debüt „Burn“ schon im Kalender markiert haben.
Setlist GLUT:
00. Intro
01. Intoxicated
02. Rules
03. Alive
04. Screech
05. Hole
06. Hexen
07. Spit
08. Moshpit
09. GLUT

Nach einer kurzen Umbaupause wurde zunächst das Licht gedimmt: Vom Band erklangen „Take On Me“ von A-ha und „Iris“ von den Goo Goo Dolls, ehe bei „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ die Band die Bühne betrat und nahtlos selbst in das Hildegard-Knef-Cover einstieg. Der erstaunlich ruhige Auftakt war damit gemacht – danach ging es direkt in die Vollen. Mit „Gesichter“ spielten die Leftovers unmittelbar ihre größte Stärke aus: Roher Punk-Sound trifft auf eingängige Momente, was das Publikum zum Tourauftakt umgehend zum Pogen animierte. In der Folge kam auch das Crowdsurfen nicht zu kurz – von der Band ausdrücklich erlaubt, verbunden mit der Bitte, aufeinander zu achten. Einem feierfreudigen und gleichermaßen rücksichtsvollen Publikum musste man das nicht zweimal sagen.
Mehr als noch im Frühjahr stand diesmal logischerweise das Album „Schau nicht so“ im Mittelpunkt, ohne dass die früheren Werke dabei zu kurz kamen. Stücke wie das Grunge-lastige „Loser“ oder das von treibenden Melodieläufen und Riffs dominierte „Absturz“ harmonierten bestens mit bewährten Nummern der Marke „Käfer“. Und wie man es von der Wiener Band gewohnt ist, scheute sie auch live nicht vor klaren Ansagen zurück: Vor „Fick dich“ ging es entschieden gegen die Waffenindustrie und diejenigen, die diese direkt oder indirekt unterstützen, während das von Bassistin Anna Grob gesungene „Nasenbrecher“ ein starkes Zeichen setzte, indem dafür ein reiner FLINTA-Moshpit ausgerufen wurde. Ganz eindeutig: Diese Band hat Haltung und scheut sich nicht, sie lautstark zu vertreten.
Die Kombination aus alldem – Rock, Punk, Haltung und gegenseitige Rücksichtnahme – machte das Ganze zu einem absolut runden Konzertabend, bei dem das Publikum voll auf seine Kosten kam. Kein Wunder also, dass „Das letzte Lied“ dann eben doch nicht der finale Schlusspunkt sein sollte. Die Band kehrte noch einmal auf die Bühne zurück und stimmte zunächst „Schlecht gelaunt“ – ein Zustand, der an diesem Abend im Technikum wohl auf niemanden zutraf – an, bevor mit „Mensch am Mond“ ein „Klassiker“ (sofern man nach wenigen Jahren schon davon sprechen darf) das Set endgültig beschloss. Standesgemäß garniert mit der Aufforderung zu einem größtmöglichen Circle Pit, der auch prompt geliefert wurde. Ob mitten im schweißtreibenden Getümmel oder mit sicherem Abstand zum Pogo: Der Besuch im Werksviertel hat sich an diesem Mittwochabend definitiv gelohnt.
Setlist Leftovers:
01. Für mich soll’s rote Rosen regnen (Hildegard Knef Cover)
02. Gesichter
03. Verliebt
04. Loser
05. Joint
06. Erwachsen
07. Rauschen
08. Schau nicht so
09. Käfer
10. Fick dich
11. Gekommen um zu gehen
12. Wolke
13. Es geht schon
14. Marmelade und Himbeereis (Grauzone Cover)
15. Absturz
16. Nasenbrecher
17. Egal wohin
18. Das letzte Lied
19. Schlecht gelaunt (Z)
20. Mensch am Mond (Z)
Und so hört sich das an:
Die Rechte an den Bildern liegen bei Marius Meyer.
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