Marmozets – Knowing What You Know Now

Marmozets - Knowing What You Know Now

Wenn Bands sich von ihren Wurzeln entfernen, geschieht dies oft, weil sie eine breitere Masse an Menschen erreichen möchten. Bei den Fans der ersten Stunde kommt eine solche Entwicklung immer eher mittelmäßig an – man hat die Band ja lieben gelernt, weil man bestimmte Eigenschaften an ihr schätzt, die diese von anderen Künstlern abgrenzen. Auf ihrem zweiten Album „Knowing What You Know Now“ geht das ursprüngliche Mathcore-Quintett Marmozets genau diesen Weg, entfernt sich, wie es sich schon auf ihrem Debütalbum angedeutet hatte, diesmal komplett von ihren wilden, unbändigen Wurzeln, die vor allem auf den Debüt-EPs der Band so klar durchscheinen. Das Ergebnis davon – sei dieses nun den Bemühungen mehr Menschen mit seiner Musik zu erreichen oder einem Reifeprozess geschuldet – ist ein vor allem von seiner Produktion geprägtes Alternative-Rock-Album.

Gil Norton heißt der Herr, der für die pompöse Ausarbeitung des Marmozets-Zweitlinges verantwortlich ist. Der Brite hat in der Vergangenheit schon mit den Foo Fighters, Jimmy Eat World und den Pixies gewerkelt, was auch bei der Zusammenarbeit mit der Band aus Bingley, West Yorkshire – der Mitte der britischen Insel – das ein oder andere mal durchschielt. Das wird vor allem dann deutlich, wenn die Produktion versucht dem rebellierenden, scheinbar von jugendlichem Leichtsinn angetriebenen Quintett ein Indie-Rock Gewand überzuziehen, wie im Clap-Along-Refrain von „Lost In Translation“, das dennoch wunderbar tanzbar daherkommt. Bei den ersten Hördurchgängen dürfen sich langjährige Fans nicht von den oft doch sehr poppigen Zusatzelementen im Sound der Band in die Irre leiten lassen – unter diesen schlummern meist doch absolut brauchbare Rock-Stücke, die zwar komplett auf vertrackte Riffs verzichten, dadurch aber kaum an musikalischer Wertigkeit verlieren. Fast rutscht einem in diesem Kontext heraus, dass es so scheint, als sei das Songwriting der noch jungen Musiker mit ihnen gereift. Ein wenig schade ist es aber schon, dass Fans diesmal komplett ohne einen krummen, von Akzentversetzungen durchzogenen Riffkracher wie „Vibetech“ auskommen müssen.

Immer häufiger greift Sängerin Rebecca MacIntyre nun auch auf ihre Kopfstimme zurück, was am Anfang ebenfalls ein wenig ungewohnt daherkommt, weil die Rotschöpfin dabei schnell mal wie ein kleines verträumtes Kind klingt – wo ist da die starke, wütende Frau, die man sonst kennt, geblieben? Ein Paradebeispiel dafür ist der Britpop-Ausflug „Insomnia“, dessen Qualitäten sich ebenfalls nach einigen Durchläufen entfalten können. Man merkt, es bildet sich die leichte Tendenz heraus, dass treue Anhänger dem Album vielleicht doch einiges an Zeit geben sollten, bevor sie den Marmozets-Zweitling verteufeln.

Dass man mit den Möglichkeiten im Studio arbeitet, kann jedoch auch auf Anhieb Spaß machen. So in „Like A Battery“, das von orientalischen Klängen geleitet wird und in seiner Bridge in Riffgewitter untergeht oder dem vergleichsweise rauen Party-Kracher „Suffocation“. Natürlich bleiben diese Songs nicht die einzigen Ausbrüche auf „Knowing What You Know Now“. Im Vergleich zu den Vorgängerwerken werden diese jedoch ein wenig runtergefahren und gebändigt, dem sich auch oft die Produktion annimmt.

Natürlich wollen Marmozets mit dem Nachfolger von „The Weird And Wonderful“ in die großen Hallen. Das bei einem solchen Album abzustreiten, wäre hirnrissig. Der Band gelingt es aber viel besser, als man es vielleicht erwarten würde, ihren Stil in massentauglichere Kleider zu stecken. Klar, bleiben dafür die Math-Anteile ihrer Musik zurück, das Talent mitreißende, energievolle Rock-Songs zu schreiben, hat die Band um die MacIntyre und Bottomley-Geschwister aber keineswegs verloren. Gerade deshalb lohnt sich der tiefergehende Blick in das Werk und jede investierte Minute.

„Knowing What You Know Now” erscheint am 26.01.2018 über Roadrunner Records und kann hier* vorbestellt werden.

Und so hört sich das an:

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Marmozets live 2018:

21.02. Berlin, Cassiopeia
22.02. Hamburg, Headcrash
23.02. Köln, Luxor (hochverlegt!)

Die Rechte für das Albumcover liegen bei Roadrunner Records.

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