Glen Hansard – Between Two Shores

Glen Hansard - Between Two Shores

Ungewöhnlich treibend beginnt die dritte Soloplatte des Endvierziger-Iren. Obwohl Glen Hansard seit zig Jahren als Vollblutmusiker unterwegs ist, überrascht es, dass mit „Between Two Shores“ erst der dritte Tonträger vorliegt, der nur durch ihn brilliert. Dabei ließ er sich nicht einmal wirklich lange Zeit, sondern bringt nun seit 2012 konsequent im dreijährlichen Rhythmus ein Album auf den Markt. Nach knapp zweihandvoll Studioproduktionen mit seiner Band The Frames, dem bereits in den 90ern stattgefundenen Leinwanddebut in The Commitments und dem riesigen Indieerfolg Once in 2007 (gerne vergessen: der Titeltrack „Falling Slowly“ gewann einen Oscar) tobt sich Hansard also in diesem Jahrzehnt mal ganz allein aus.

Musikalisch hat sich tatsächlich einiges getan, spielte gerade die 2012er-Nummer „Rhythm And Repose“ noch in sehr ähnlichen Gefilden wie sein ebenfalls irischer Genrekollege Damien Rice, deren beruflichen Wege sich immer wieder kreuzten. Somit bleibt der Vergleich kaum aus. Davon schwimmt sich Hansard 2018 etwas frei und wagt bereits im Opener „Roll On Slow“ für ihn verhältnismäßig viel. Mitschwingender Route 66-Rock, natürlich stets handgemacht ohne viel elektronischen Schnickschnack – einfach gute Musik für einen kommenden Frühlingstag mit leichter Brise. Das Ganze gipfelt in catchy Bläserparts, die den ersten Track unglaublich reizvoll machen und zur großen Freude noch einige Male später auftauchen dürfen. Außerdem befinden sich wohldosierte Countryanleihen unter den Songs, die besonders in „Movin‘ On“ für Lagerfeuerstimmung sorgen. Das hätte auch auf dem Vorgänger „Didn’t He Ramble“ aus 2015 gut gepasst. „Setting Forth“ erinnert zwischenzeitlich an das besonders gelungene Kleinepos „Drive All Night“, das unter anderem von Eddie Vedder gefeatured wurde – Fans des „Into The Wild“-Soundtracks dürften hier große Ohren bekommen.

Wer allerdings nun zehn Tracks erwartet, die ein erfolgreiches Experiment nach dem anderen wagen, wird womöglich enttäuscht: das Maß, in dem Hansard hier Wagnisse eingeht, hält sich doch stark im Rahmen. Ein paar wenige Lückenfüller wie „Lucky Man“ gehen durch ihre Beliebigkeit unter. Der Mittelteil ist leider insgesamt etwas schleppend ausgefallen. Häufig läuft der Soul-Blues-Country-Jazz-Folk-Mix und die aufregende, abwechslungsreiche Instrumentierung den nicht immer starken Melodien den Rang ab. Wie es hingegen besonders gut funktioniert, macht das Highlight „Your Heart’s Not In It“ vor, in dem Hansard auch gesanglich mal ordentlich drückt, emotional übersprudelt und mit doppelstimmigen Gesang, Streichern, Dramatik und herzzerreißenden Lyrics voll auffährt.

Zusammenfassend liefert das Album also gewohnte, überdurchschnittliche Kost im Songwriting. Erwähnenswert ist dabei sehr wohl, dass Hansard wie bereits auf den Vorgängern jeden Song ausschließlich alleine schrieb. Dazu wurde nun sogar die Produktion vom Protagonisten erstmalig selbständig in die Hand genommen, weswegen wir davon ausgehen können, dass der aktuelle Sound am ehesten seinem wahren Naturell entspricht. Hansard wird definitiv keinen seiner Fans der Vorgängeralben enttäuschen, aber auch nicht groß herausfordern. Wenn er es jedoch tut, zieht er jegliche Aufmerksamkeit auf sich. Somit ist „Between Two Shores“ eine zu einem Drittel etwas zu kalkulierbare Platte und zu Zweidrittel einfach guter, sehr erwachsener Singer/Songwriter-Pop, der den Winter erträglicher macht.

„Between Two Shores“ erschien am 19.01.2018 über Anti Records und kann hier* bestellt werden.

Und so hört sich das an:

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Die Rechte für das Albumcover liegen bei Anti Records (Indigo).

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