Slothrust – The Pact

Jedes Genre verfügt über eigene Regeln und sogar die Subgenre folgen klaren Strukturen. Sobald man sich länger mit Musik ähnlicher Acts auseinandersetzt, erscheint einem irgendwann alles wie ein großer Einheitsbrei. Da stechen eben genau die Künstler*innen heraus, die einen ganz eigenen Trademark-Sound erschaffen und zudem über Genre-Grenzen hinweg arbeiten. Slothrust sind ein Alternative-Trio mit einer Frontfrau. Das sollte eigentlich keine Rolle spielen, häufig lässt sich jedoch auch schon bei Female Fronted Rockbands eine bestimmte Richtung vermuten. Wie sehr Slothrust jedoch darauf pfeift, zeigt sich im vierten Album – und gerade deswegen ist es ein herausragendes Werk im Alternative-Jahr 2018.

Ohne große Umschweife beginnt das Werk mit “Double Down”, einem Song, der verwirrt. Die Gitarren, das Schlagzeug, die Lyrics “I do what I want, I wear what I want” schreien nach Riot-Grrl-Punk, plötzlich bricht alles ab und ein fröhliches Pfeifen ertönt im Refain. Eben jene Genre-Konventionen werden übersprungen, Slothrust nehmen sich selbst nicht sonderlich ernst und das ist wohl einer der größten Pluspunkte der Band. Nach “Peach”, einem kurzen und knackigen Up-Beat-Song erklingt “Planetarium”. Lyrics, fernab vom kitschigen Liebesgerede beherrschen Slothrust auch auf den letzten Alben, zum Schmunzeln bringen sie einen trotzdem immer wieder: “I wanna take you to the planetarium, I wanna show you how ugly the sky is”. Dazu rasen Schlagzeug und Gitarre um die Wette, während Leah Wellbaum ganz cool bleibt und gar in den Dadaismus übergeht. Klarer Cut, denn beim nächsten Song “Walk Away” werden erstmals die Akkustik-Gitarren rausgeholt, Wellbaum zeigt sich zerbrechlich und weicht häufig in die Kopfstimme aus, es ertönt gar ein Balladen-typisches Gitarrensolo. In welche Richtung will das Trio denn nun? Nun, das kann man so einfach gar nicht beantworten. “Birthday Cake” thematisiert das Leugnen von Depressionen und Suizidgedanken, aber auch den Zwang, bei Geburtstagen immer gut drauf zu sein. Musikalisch beginnt es akkustisch und ruhig, plötzlich ertönen sommerliche Indie-Party-Gitarren und führen das Stück in eine komplett andere Richtung. Überhaupt haben Slothrust gar keine Angst vor Experimenten: Country-Gitarren, Bongos, Bläser, Streicher; sogar ein Saxofon-Solo (!) hat es aufs Album geschafft. Dabei wird es jedoch nicht ansatzweise kitschig, sondern viel mehr durchgehend bewegend authentisch. “Fever Doggs” ist wohl einer der stärksten Songs des Albums, hier bieten sich Schlagzeug und Gitarre einen so wahnwitzigen Wettstreit mit wirklich kuriosen Beatwechseln. Dazu will sich Wellbaum Gehör verschaffen und schreit immer lauter “Always bad, never good”. Die Atmosphäre passt zum Albumcover: es bleibt recht düster. Wellbaum singt dabei halb-ironisch “I’m not into romance, I’m into blood”, aber auch “Sometimes I disgust myself”. Depressionen, Angststörungen, Suizid, all das findet immer wieder Platz in den Texten, musikalisch werden dabei unendlich viele Formen angenommen.

Nach dieser aberwitzigen Reise durch finstere Gefilde mit ganz viel Sarkasmus und einem Riecher für gute Songs wird das ganze durch einen ungewohnt verhallten Sound beendet, der Song “Travel Bug” könnte so auch von der DIY-Königin Soko stammen. Schließlich behauptet Wellbaum “I’m alone, but I feel fine”. Ob das so stimmt, wird man wohl kaum herausfinden, den Pakt mit der Band wird man jedoch immer wieder gerne eingehen. Wer braucht da schon Genre-Konventionen?

Das Album “The Pact” kannst du dir hier kaufen.*

Und so hört sich das an:

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Rechte am Albumcover liegen bei Dangerbird Records.

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