Blue, Palladium Köln, 06.05.2026

Blue, Palladium Köln, 06.05.26

Es fühlt sich ein bisschen an, als wäre das gesamte Palladium in Köln zurück ins Jahr 2001 katapultiert worden. Sobald der erste Song von Blue erklingt und Duncan, Anthony, Lee und Simon die Bühne betreten, gibt es für die überwiegend weiblichen Millennials kein Halten mehr. Kreischend und textsicher begrüßt das Publikum die Bandmitglieder. 25 Jahre sind es her, dass Blue mit „All Rise“ ihren ersten großen Hit veröffentlichten und zu einer der prägendsten Boybands der frühen 2000er wurden. Um das zu feiern, sind Blue endlich wieder in Köln aufgetreten und haben die Fans auf eine Zeitreise durch 25 Jahre Bandgeschichte eingeladen.

Genau dieses Nostalgie-Gefühl zog sich durch den gesamten Abend. Dennoch ruhten sich Blue keineswegs nur auf ihren großen Hits aus, sondern brachten auch ihr neustes Album „Reflections“ mit auf die Bühne. Mit „One Last Time“ eröffneten die vier Bandmitglieder die Show und setzten damit direkt zu Beginn ein Zeichen. Live funktionierte der Song deutlich besser als auf Platte, während Duncan, Lee, Anthony und Simon von der ersten Sekunde an bewiesen, dass in ihnen noch immer die Vollblutmusiker von damals stecken. Mit viel Energie und sichtbarer Freude erklommen sie die Bühne und feierten dabei nicht nur die Musik, sondern auch sich selbst.

So richtig melancholisch wurde es schließlich mit dem ersten großen Klassiker „All Rise“. Dem Song, mit dem alles angefangen hat. Aber auch Tracks wie „U Make Me Wanna“, „Sorry Seems To Be The Hardest Word” oder “Bubblin’” durften auf der Setlist nicht fehlen. Nur die Singles aus den 2013 und 2015 erschienenen Alben „Roulette“ und „Colours“ fehlten. Auch Fan-Favoriten wie der ESC-Hit „I Can“ oder „Hurt Lovers“ wurden nicht gespielt. Beide Songs waren damals in Deutschland in die Charts eingestiegen, in Großbritannien nicht. Da Blue seit fast zwölf Jahren keine Chartplatzierung mehr in Deutschland erreichen konnten, fiel es jedoch kaum auf, dass sich die restliche Setlist überwiegend auf die ersten drei Studioalben der Band konzentrierte.

Stimmlich lieferten die Briten eine starke Show. Die Harmonien saßen noch immer und gerade die Stimmen von Duncan und Simon schienen über die Jahre noch einmal gereift zu sein. Einzig Lees Stimme wirkte nach seinen Stimmband-OPs nicht mehr ganz wie früher. Zwar sang er die hohen Töne bei „Breathe Easy“ phänomenal, es wirkte allerdings deutlich angestrengter als früher. Das zeigte sich vor allem beim nachfolgenden Song „If You Come Back“, bei dem Lee nicht annähernd an die altbekannten Töne herankam. Auf Instagram teilte der Sänger nach dem Konzert mit, dass er krankheitsbedingt Probleme gehabt habe.

Besonders schön anzusehen waren während des gesamten Konzertes die Synergien zwischen den Bandmitgliedern. Dass die vier schon seit vielen Jahren gemeinsam auf der Bühne stehen, merkte man fast augenblicklich, die enge Bindung war spürbar. Immer wieder scherzten und lachten sie miteinander, vibten gemeinsam zur Musik und schienen trotz aller Routine noch immer sichtlich Spaß an der Sache zu haben. Tänzerisch durfte man dabei nicht allzu viel erwarten. Auch auf Showelemente verzichteten Blue nahezu gänzlich.

Das größte Manko des Abends war jedoch die fehlende Live-Band. Während sich die Musiker bei ihren Konzerten vor zwei Jahren noch von Instrumenten begleiten ließen, fehlten diese nun vollständig. Die Musik kam dementsprechend komplett vom Band, weshalb stellenweise auch einige Gesangsparts als Playback eingespielt wurden und der Sound zwischendurch regelrecht unterirdisch war. Gerade bei Songs wie „Dance With Me“, das ohnehin sehr basslastig ist, war der Klang schlichtweg grottig.

Nichtsdestotrotz holten Lee, Duncan, Simon und Anthony ihre Fans vollkommen ab und entführten sie auf eine Reise durch ihre Bandgeschichte. Nebenbei präsentierten sie mit „Flowers“ noch ihre neue, von Robbie Williams geschriebene Single, promoteten Simons neue App und lieferten genau die typischen Boyband-Moves, die das Publikum sehen wollte. Die Fans feierten jeden Moment der Show euphorisch. Leider auch mit deutlich zu vielen Handys in der Luft.

Nach rund 90 Minuten beendeten Blue das Konzert schließlich mit „Curtain Falls“ und hinterließen viele glückliche Gesichter. Im Endeffekt war es eine tolle Show, die vor allem jede Menge Nostalgie mit sich brachte und viele Fans noch einmal zurück in ihre Jugend katapultierte. Bewertet man allerdings nur nüchtern die Live-Performance, war es gut. Aber eben auch nicht mehr.

Und so hört sich das an:

Website / Instagram 

Die Bildrechte liegen bei Alina Hasky/minutenmusik.

 

Weitere Live-Termine

27.08.26: Kunst!Rasen, Bonn

05.09.26: GLÜCKSGEFÜHLE FESTIVAL, Hockenheimring

03.11.26: Zenith, München

06.11.26: Jahrhunderthalle, Frankfurt

07.11.26: Sporthalle, Hamburg

08.11.26: Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf

10.11.26: Haus Auensee, Leipzig

19.11.26: Porsche Arena, Stuttgart

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