Plattenkrach: The Ghost Inside – Get What You Give

The Ghost Inside - Get What You Give

Mit „Get What You Give“ von The Ghost Inside ist dieser Plattenkrach nicht nur musikalisch einer der härtesten. Die Meinungen von Lucie und Emilia könnten kaum weiter auseinander gehen, was das Erfolgsalbum der amerikanischen Metalcore-Band angeht. Während es sich für Lucie zu einem All-Time-Favourite entwickelte, verursachte es bei Emilia nichts weiter als Ohrenschmerzen. Das Album befindet sich allerdings wohl bei jedem Core-Fan in der Musik Bibliothek und ist deshalb zurecht erinnerungswürdig.

Lucie:

Zugegebenermaßen fiel es mir auch schwer Zugang zu Musik ohne Cleangesang zu finden. Doch es gibt eine Band, die das mit einem bestimmten Album schaffte. Seit „Get What You Give“ 2012 erschien, scheue ich mich nicht mehr vor Bands, die überwiegend oder ausschließlich schreiend singen. Hinter diesem grandiosen Album steht die Band The Ghost Inside, die 2004 in Los Angeles gegründet wurde und leider seit 2014 keine neue Musik veröffentlichte. Auf Grund eines tragischen Busunfalls vor ca. dreieinhalb Jahren standen natürlich erstmal Genesung und Erholung im Vordergrund.

Doch warum hat es ausgerechnet „Get What You Give“ geschafft mich völlig in die Welt des Metalcores zu ziehen? Vielleicht liegt es daran, dass Jeremy McKinnon, Sänger von A Day To Remember, die Platte produzierte und seine Stimme in Form von Chören auf dem Album vertreten ist. Dies ist sicherlich ein Grund, weshalb das Album so zugängig ist. Denn obwohl sich die Härte, für die die Band bereits durch ihre ersten zwei Alben „The Fury and the Fallen Ones“ (2008) und „Returners“ (2010) bekannt ist, durch alle elf Titel zieht, besitzen einige Lieder durch geschickt eingesetzte Singalongs sogar Ohrwurmcharakter vom feinsten. Diesen Stil führen The Ghost Inside auch auf dem Nachfolger „Dear Youth“ (2014) fort, doch bleibt „Get What You Give“ mein absolutes Lieblingsalbum der Band.

Nicht nur die Singalongs in „Engine 45“ oder „White Light“ machen die Songs so zugänglich. Besonders die eingängigen Gitarrenriffs verleihen dem gesamten Album Wiedererkennungswert und das obwohl oder gerade weil sie super simpel sind. The Ghost Inside beweisen, dass es keiner komplizierten Soli oder Rhythmen und auch keines aalglatten Gesangs bedarf, um Musik zu schreiben, die dauerhaft beeindruckt. Trotzdem ist es dabei wichtig, dass die Musiker voll und ganz hinter dem stehen, was sie machen. Darüber hinaus kann eine Band mit auffällig einfacher Musik in der Szene nur überleben, wenn sie die Instrumente beherrscht und vor allem live überzeugt. Ich besuchte bereits einige Auftritte von The Ghost Inside und kann all das guten Gewissens bestätigen. Der Erfolg der Band ist trotz sehr langer Pause also absolut berechtigt.

Aber zurück zum Album. Gerade durch die einfach gehaltene Musik macht es einfach Spaß die Platte zu hören. Besonders oft laufen bei mir „Test The Limits“, „Face Value“ und „Thirty Three“. Während „Test The Limits“ ermutigt selbstbewusst zu sein und an seine Grenzen zu gehen, erinnert „Face Value“ daran nicht blind zu folgen und das Herz am rechten Fleck zu tragen. Das Lied „Thirty Three“ widmen The Ghost Inside sowohl ihrer als auch meiner Leidenschaft der Musik. Die Band drückt sich mit Hilfe ihrer Songs aus. Darüber hinaus ist die Musik wichtigster Bestandteil im Leben der Bandmitglieder. Textzeilen wie „this means all the world to me“ oder „this is my everything“ und „when this record comes to an end, I’ll just start it all over again“ sprechen für sich. Ich könnte das Lied auf Dauerschleife hören, immer und immer wieder, weil es mich einfach glücklich macht. Mir bedeutet Musik nämlich auch besonders viel und sie ist ein fester Gegenstand meines Lebens.

Gleichzeitig macht mich das Lied aber etwas traurig, denn seit ihres Unfalls können die Jungs von The Ghost Inside die Musik nicht mehr so ausleben, wie sie es gerne wollen. Jahrelang herrschte Funkstille, nur wenige Male trafen sie sich als Band, an neue Musik oder geschweige denn Auftritte war nicht zu denken. Doch dieses Jahr wird es eine Comeback Show geben! Hoffentlich wird diese so verlaufen, wie die Band es sich wünscht. Ich würde mich extrem über eine Rückkehr freuen und darüber The Ghost Inside wieder auf deutschen Bühnen begrüßen zu dürfen.

Bis dahin läuft die Musik der Band, insbesondere natürlich „Get What You Give“, bei mir weiterhin rauf und runter. Dank dieses wundervollen Albums fand ich auch zu anderen Bands ohne Clean Gesang Zugang, sodass sich meine Musik-Sammlung enorm vergrößerte. „Get What You Give“ wurde zu einem meiner Dauerfavoriten und wird immer etwas Besonderes für mich bleiben.

Emilia:

Es scheint in der noch jungen Geschichte des Plattenkrachs fast schon eine Tradition zu sein, dass ich grundsätzlich die Contra-Haltung zu der Platte einer Metal(core)-Band einnehme. Das ist insofern nicht verwunderlich, als dass ich mich zwar für so gut wie jede Musikrichtung begeistern kann, das eben genannte Genre bei mir in der Regel allerdings nichts als Kopfschmerzen und das Verlangen, mir die Ohren zu zu halten auslöst. Einige wenige meiner Teamkollegen von minutenmusik scheinen im Gegensatz zu mir jedoch durchaus Gefallen an dieser Musik zu finden (was mir gänzlich unbegreiflich ist), weshalb ich nun wieder einmal in den Genuss komme, mir ein ganzes Album davon anhören zu dürfen. Juhu.

Die Platte um die es dieses Mal geht, heißt „Get What You Give“, stammt von der amerikanischen Metalcore-Band The Ghost Inside und wurde 2012 veröffentlicht. Im Gegensatz zu meinen letzten beiden Plattenkrach-Contra-Alben also immerhin eine Zeit in meinem Leben, in der ich in einem Alter war, in dem ich mich bereits bewusst mit Musik auseinandergesetzt habe. Allerdings nicht mit der Musik von The Ghost Inside, die mir bis dato nicht wirklich ein Begriff waren. Und nach einmaligem Hören des Albums weiß ich auch warum.

Beginnt der erste Song der Platte noch mit einem recht vielversprechenden Gitarrenpart, wird man bereits ab der zehnten Sekunde mit dem unverständlichen Gebrüll des Sängers überrascht. Und zwar von null auf hundert. Da ich den Fehler begangen habe, mir das Album über Kopfhörer in der Bahn anzuhören, bin ich tatsächlich kurz zusammengezuckt. So weit, so gewöhnungsbedürftig. Aber weiter im Text: Die Gitarrenbegleitung, die mir zu Anfang gar nicht so schlecht gefallen hatte, weicht kurz darauf einem abgehackten Geschrumme, das weiterhin vom Geschrei des Sängers begleitet wird, der einen scheinbar endlosen Atem hat und von dessen Text ich immer noch kaum ein Wort verstehe.

Leider wird alles, was ich soeben beschrieben habe, in den folgenden Liedern nicht wirklich besser – stattdessen stagniert die Platte stilistisch und musikalisch auf einem nicht zu definierenden Level des Geschreis untermalt von – zugegebenermaßen gar nicht mal so schlechter – Gitarrenmusik. Im Verlauf der Platte wird diese zur Mitte hin sogar fast schon punkig und gefällt mir gar nicht mal so schlecht – wäre da nicht dieser fürchterliche ‚Gesang‘.

Als Instrumental würde ich mir „Get what you give“ also wohl durchaus anhören, in seiner ursprünglichen Form allerdings kann mich die Platte eher nicht überzeugen. Nach insgesamt elf Songs ist das Ganze dann aber auch zum Glück schon vorbei. Doch ich glaube bei bisher keinem Album kamen mir 37 Minuten Spielzeit so lang vor – meine armen Ohren…

Und so hört sich das an:

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Die Rechte am Beitragsbild liegen bei Epitaph. Art & Design: Nick Pritchard.

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