Plattenkrach: The Script – #3

Irische Tradition trifft auf Pop und Rock. Im Jahr 2001 formierte sich die Band The Script und gilt spätestens seit den Singles “We Cry” oder “Breakeven” zu den ganz großen Acts der Welt. Im Jahr 2012 konnte die Band mit Veröffentlichung des Songs “Hall Of Fame” ihren bisher größten Hit verbuchen und ist seither nicht mehr aus dem Charts wegzudenken. Das dazugehörige dritte Studioalbum der Band “#3” gehört zu den absoluten Lieblingsalben von Alina. Durch dieses hat sie die Liebe zur Band entdeckt und kommt seitdem nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. Andrea hat sich hingegen nie wirklich bewusst mit den Songs von The Script beschäftigt und weiß nach diesem Plattenkrach auch warum dem so ist:

Alinas Meinung:

Als ich kleiner war, hat mein Papa mal zu mir gesagt, dass sich mein Musikgeschmack wohl irgendwann mal zum Besseren wenden wird. Geplagt vom damaligen Kinder-Pop Sound und Britneys „Baby One More Time“ hoffte er mit Musik von Linkin Park, Green Day, 3 Doors Down, Kings Of Leon und den damals doch noch sehr coolen 30 Seconds To Mars dem entgegenzuwirken. Hat leider nicht gänzlich geklappt! Zwar habe ich meine Britney Sammlung (inklusive Haarbürste) ganz hinten im Schrank versteckt und wollte irgendwann auch mal unbedingt auf Rock-Konzerte gehen, dem Pop treu geblieben bin ich aber dennoch. Eine Band – die Band, die meinen Musikgeschmack in der Folgezeit mit am meisten geprägt hat, ist und bleibt The Script. Vollkommen ahnungslos habe ich mir damals noch im Geschäft das Album „#3“ gekauft und mich gefühlt augenblicklich schockverliebt.

Mit „#3“ haben The Script im Jahr 2012 ihr drittes Studioalbum veröffentlicht, nachdem sie bereits im Jahr 2001 zusammengefunden haben. Die Gruppe bestehend aus Danny O’Donoghue, Mark Sheehan und Glen Power begann erstmals im Jahr 2008 mit den Singles „We Cry“, “Breakeven” und „The Man Who Can’t Be Moved“ Aufmerksamkeit zu erlangen. Diese vervielfachte sich noch einmal mehr durch die erste Singleauskopplung des hier behandelnden Albums „Hall Of Fame“. Spätestens seitdem gehören The Script zu den besten Pop-Rock Bands der Zeit, bespielen die ganze Welt und begeistern immer wieder mit ihrer Musik. Für mich angefangen hat aber alles mit genau diesem Album im Jahr 2012 – wenn ich auch keines der anderen Alben als besser oder schlechter betiteln möchte!

Das Schöne am Album und generell an der Musik von The Script ist die Tatsache, dass The Script immer ihr eigenes Ding machen und ihrem Stil treu bleiben. Dadurch erfinden sie sich natürlich nicht immer neu, aber das brauchen sie im Grunde auch gar nicht. Wo The Script drauf steht, steckt auch The Script drinnen – und das ist gut so! Neben dem Dauerbrenner „Hall Of Fame“ haben es neun weitere Songs auf das Album geschafft, die mindestens genauso viel können wie „Hall Of Fame“. Wenn nicht sogar mehr. Insgesamt präsentieren sich die Songs als ausgesprochen facettenreich. Die Band mischt raffiniert gewählte Pop-Klänge mit Rockeinschlägen und auch einigen Folk-Klängen. Bei Letzteren kommen an einigen Stellen die irischen Wurzeln der Band hervor. Anders als bei den Vorgängeralben gibt es auf „#3“ einige Rap-Parts und deutlich mehr Sprechgesang, was dem Stil der Band aber zu Gute kommt.

Das, was mich am Stil der Band aber immer noch am meisten beeindruckt sind die wahnsinnig guten Songtexte. Danny O’Donoghue ist ein Geschichtenerzähler, wie er im Buche steht. Die Texte heben sich so deutlich von den typischen Liebesschwüren in den heutigen Charts ab, wie es nur geht. The Script mischen echte Emotionen und Gefühle und schaffen es diese weder platt noch kitschig daher kommen zu lassen. Gefühlt habe ich für jede Lebenslage und jede Situation einen Song der Band, der genau zu der jeweiligen Situation passt. Ein Paradebeispiel mag an dieser Stelle der Song „Six Degrees Of Seperation“ verkörpern. Dieser ist nicht nur das Herzstück des Albums, sondern so gut durchdacht, dass man gleichzeitig weinen und lachen möchte. Wenn Danny die Textzeilen

„First, you think the worst is a broken heart/ What’s gonna kill you is the second part/ And the third, is when your world splits down the middle /And fourth, you’re gonna think that you fixed yourself/ Fifth, you see them out with someone else/ And the sixth, is when you admit that you may have fucked up a little”

anstimmt, bin ich mir sicher, dass sich eigentlich jeder in dieser Situation wiederfinden oder in diese hineinfühlen kann. Passend dazu kreieren The Script wahnsinnig harmonische Melodien. Danny, Glen und Mark lassen einen mitfühlen wie beim Song „If You Could See Me Now“, den sie für Danny O’Donoghues verstorbenen Vater und Mark Sheeans verstorbene Eltern geschrieben haben. Gerade Dannys Stimme ist in solch emotionalen Songs eine Kunst für sich. Er schafft es Lyrics so echt, nahbar, gefühlvoll und feinfühlig herüberzubringen, dass man einen Gänsehautmoment nach dem anderen bekommt. Andererseits sind The Script aber auch dafür bekannt, dass sie powervolle Hymnen in die Welt hinausschicken. Das schöne „Millionaires“ ist eines dieser Lieder. Und auch „Hall Of Fame“ ist, wenn man vom Nervpotenzial durch die Radiosender absieht, ein gelungener Song.

Lange Rede, kurzer Sinn: The Script bewegen mit ihren Songs, schaffen viel Abwechslung und eine gewisse Tiefgründigkeit, die meiner Meinung nach in der heutigen Pop-Musikwelt schwer zu finden ist. Mit einem letzten Tipp beende ich nun diese Liebestirade an die Band: Wenn man die Musik ansatzweise mag, sollte man sich die Band unbedingt einmal live ansehen. Denn die Live-Auftritte von The Script besitzen noch einmal ihre ganz eigene Magie und machen die Songs absolut einzigartig (besonders wenn Danny O’Donoghue direkt an einem vorbeiläuft und Glen Power einen im Fotograben zuzwinkert). Falls da jemand Bedenken hat, kann er meinen Papa fragen – der ist mittlerweile nämlich unfreiwillig/freiwillig regelmäßiger The Script-Kontzertgänger …

Und Andrea findet:

Als ich erfahren habe, dass ich es im Plattenkrach mit The Script zu tun bekomme, spielte die Jukebox in meinem Kopf auf Knopfdruck „Breakeven“ ab, eine der ersten Singles der irischen Band aus dem Jahr 2008. Kurz nachgeschaut, nein, auf dem Album namens „#3“, um das es hier gehen soll, ist sie leider nicht vertreten. Schade eigentlich, denn ich mochte den Song damals ganz gerne. So ging ich aber zumindest recht positiv an diesen Plattenkrach heran. Wer weiß, vielleicht verbirgt sich hinter The Script für mich ja doch eine Band, der ich in den letzten Jahren einfach viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt habe.

Auf „#3“ traf ich auch gleich auf alte Bekannte, denn „Hall of Fame“ und „If you could see me now“ liefen nach der Veröffentlichung des Albums im Jahr 2012 bei den deutschen Radiosendern auf heavy rotation. Nicht zuletzt dank Til Schweiger und seines Films „Kokowääh 2“ wurde „Hall of Fame“ mit Will.I.Amzum bisher größten Hit der Iren in Deutschland. Aber mit dem Song ist es eben auch wie mit einem Til Schweiger-Film: eine nette Unterhaltung für die ganze Familie, aber nichts, was tief unter die Oberfläche geht und nachhaltig prägt. Dieser Eindruck bestätigte sich leider auch für den Rest des Albums. Es gibt auf der Platte keinen Song, den ich ganz furchtbar finde und mir nicht anhören könnte. Die Titel sind gut arrangiert und laden mit eingängigen Melodien dazu ein, sich von der Musik einlullen zu lassen. Streicher, Piano und Gitarren bilden schöne Harmonien und die gefühlvolle Stimme des Sängers Daniel O´Donoghue geht angenehm ins Ohr und setzt an den richtigen Stellen die richtigen Akzente, um vielleicht sogar etwas Gänsehaut hervor zu kitzeln.

Aber es gibt auf der Platte eben leider auch keinen Song, der bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat und den ich mir gerne mehrmals anhören würde. Es gab schon ein paar Überraschungsmomente beim ersten Hören. Ich hatte beispielsweise nicht mit so großen Rap-Anteilen gerechnet und wurde vor allem von „Broken Arrow“ eines Besseren belehrt, der einer der wenigen Songs ist, der für mich aus der Platte heraussticht. Auch die Ballade „Six Degrees of Separation“ gefiel mir auf Anhieb gut, aber nach mehrmaligem Hören zeigten sich dann doch ziemlich schnell Abnutzungserscheinungen und das Gefühl von Langeweile schlich sich langsam ein. In „Kaleidoscope“ wurde es vergleichsweise rockig, so richtig zündete das Feuerwerk aber nicht. Und „Give The Love Around“ hat es tatsächlich geschafft, schon beim zweiten Durchlauf geskippt zu werden, weil es mir mit seinen ständigen Wiederholungen auf den Keks ging.
Meine Hoffnung, mit diesem Plattenkrach die Tür zu The Script für mich etwas weiter aufzustoßen, wurde also leider nicht erfüllt. Die Musik ist nett, aber nett ist eben nicht genug.

Und so hört sich das an:

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Die Rechte des Covers liegen bei Sony Music.

 

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