Interview mit Van Holzen über „Anomalie”!

Van Holzen Interview 2017!

Am Tag des Releases ihres Debütalbums „Anomalie“ haben wir uns mit der Ulmer Rock-Band Van Holzen in Köln auf einen Burger getroffen. Während wir gemeinsam auf das Essen warteten, konnten wir Florian Kiesling (Gesang, Gitarre), Jonas Schramm (Bass, Gesang) und Daniel Kotitschke (Schlagzeug) einige Fragen über ihr Debüt, über die Produktion des Werkes und das Spielen von eher weniger gelungenen Shows stellen. Vor allem Kiesling erwies sich hierbei als durchaus redefreudig und wortgewandt und hatte die ein oder andere interessante Antwort im Petto. Hatten wir im letzten Jahr schonmal die Möglichkeit die Jungs zu interviewen und über sie als Band zu sprechen, drehten sich die Fragen diesmal eher um ihr Album.

minutenmusik: Hallo Jungs! Ihr seid momentan auf der Release-Tour zu „Anomalie“ – eurem Debütalbum. Zwei Shows habt ihr ja schon hinter euch. Verlief das so, wie ihr das erwartet hattet?

Florian: Läuft voll gut und sogar noch besser, als wir uns das vorgestellt hatten. Wir hätten nicht gedacht, dass immer so viele Menschen kommen. Wir hatten damit gerechnet, dass immer nur so fünf Leute vor der Bühne stehen, aber irgendwie kommen dann doch viele und hören sich ein Rock-Konzert an. Das ist sehr cool.

minutenmusik: Wir hatten uns letztes Jahr schonmal gesprochen, als „Anomalie“ noch überhaupt nicht angekündigt war. Damals habt ihr aber schon ganz aufgeregt von den Aufnahmen des Albums erzählt. „Anomalie“ erscheint heute. Wie ist es für euch das Ding jetzt endlich als Produkt in den Händen halten zu können?

Daniel: Das ist ein sehr schönes Gefühl. Man hat das jetzt so lange Zeit mit sich rumgetragen und sich da auch im Kreis gedreht. Deshalb fühlt es sich auf jeden Fall gut an und es ist auch sehr schön, dass das jetzt auch andere Menschen mal hören dürfen und können.

minutenmusik: Wenn man sich das Album anhört, fällt schnell auf, dass es viel vielseitiger vom Sound ist, als die selbstbetitelte EP, die letztes Jahr erschienen ist. War das eine Herausforderung für euch Songs, die ein bisschen anders sind, wie zum Beispiel auch das eher skizzenartige „Hyäne“, zu schreiben?

Florian: Ich fand das schon eine Herausforderung – vor allem am Anfang nach der EP. Wir haben während den Aufnahmen der EP ja auch schon unbewusst Songs für das Album geschrieben. Da haben wir ganz ganz viele Songs geschrieben, die wir teilweise auch wieder verworfen oder geändert haben. Ich glaube die größte Herausforderung war sich dann da irgendwann mal auf eine Schiene einzufahren. Anfang 2016 haben wir das dann geschafft. Das lief dann auch, weil wir wirklich eine klare Vorstellung davon hatten, wie das song- und soundmäßig klingen soll. Beim Sound hat aber auch Phil (Philipp Koch, Gitarre bei Heisskalt und neben Simon Jäger Produzent des Albums) ganz viel beigetragen – der hat ein gutes Gespür für Soundästhetik.

minutenmusik: Wenn ihr Songs schreibt: Welchen Anspruch habt ihr dabei an euch selber?

Florian: Der Song muss uns selber gefallen. Er muss aber vor allem vielseitig sein. Bei dem Album jetzt haben wir die Lieder nie alleine gesehen, sondern immer im Albumkontext. Deshalb muss man dieses Album auch ganz hören und darf nicht erst ab der Mitte oder so anfangen. So ein Song muss uns nur ein gutes Gefühl geben, in uns irgendwas auslösen und dann ist das für uns auch ein guter Song.

minutenmusik: Wenn man sich das Cover von „Anomalie“ anschaut, beinhaltet das sehr viele kleine Motive, die dann zusammen ein großes Ganzes ergeben. Was war die Idee hinter dem Motiv?

Florian: Eigentlich genau das, was du gerade gesagt hast. Wir finden, dass das bei den Liedern genauso war. Eben, dass diese kleineren vielen Stücke dann zusammen ein großes Bild schaffen. Die Songs sind ganz viele vielfältige eigene Stücke, die kleine Bilder erzeugen und zusammen dann eben das ganze eigenständige Bild „Anomalie“ ergeben. Wir finden, dass das Cover sehr passend entworfen worden ist. Da haben „Rocket & Wink“ (Design-Agentur: http://www.rocketandwink.com/de) echt gute Arbeit geleistet.

minutenmusik: Um jetzt auch mal über eure Texte zu sprechen: In „Schüsse“ singst du „Schüsse aus meinem Mund“. Wen würdest du gerne mal mit gezielten Argumenten auseinandernehmen?

Florian: Alle Arschlöcher, die verrückt spielen und denken sie wären der Herr der Welt. Denen würde ich gerne mal paar Argumente ins Gesicht schmeißen. Konkret sag ich da aber nichts zu.

minutenmusik: Wenn man sich so euren Bass- und Gitarrensound anhört, dann ist der mal sehr direkt und dreckig, klingt im nächsten Moment aber wieder extrem atmosphärisch. Wie ist dieser Sound zustande gekommen?

Florian: Das hat sich nach und nach entwickelt. Ich habe schon immer Single Coils (Tonabnehmer) gespielt, was für Rock eher ungewöhnlich ist. Ich hab da kein mega fettes Brett, sondern halt einen sehr scharfen Ton, der aber dafür sehr definiert ist und überall gut durchdringt. Das klingt dann – wie ich finde – viel dynamischer, als wenn das die ganze Zeit nur durchscheppert. So kann man dann auch ganz krass mit seinem Spielen beeinflussen wie die Gitarre letzten Endes klingt. Vor allem im Studio hat sich der Gitarrensound aber auch noch weiterentwickelt. Das war aber mehr in dem Sinne, dass wir viel weggenommen haben. Wir haben so wenig gemacht wie möglich und haben fast nur über einen Verstärker aufgenommen und das alles runtergebrochen. Das war sehr zurück zu den Basics. Ich find das so geil.

minutenmusik: Klingt dann ja auch alles ziemlich geil. Auf dem Album hört man sehr stark heraus, dass ihr euch sehr viele Gedanken um die Vocal-Produktion gemacht habt. Was waren da eure Ansprüche und Ziele?

Florian: Wir wollten der EP einen drauf setzen. Hier sollte die Stimme noch viel mehr als Instrument herausstechen. Das war geil, weil wir fast vier Wochen Zeit für die Vocalaufnahmen hatten. Deshalb konnten wir machen was wir wollen und auch viel ausprobieren. Es war uns wichtig, dass man neben dem Instrumentalen noch eine andere Ebene hat, die greifbar wird und eben nicht nur monoton ist. Unser Gesang ist an sich ja schon eher monotoner, aber ich finde es trotzdem wichtig, dass man auch Melodiebögen hat, die man sich dann auch merken kann.

minutenmusik: In der Vergangenheit habt ihr sicherlich auch schon Events spielen müssen, die vielleicht nicht so gut besucht waren oder bei denen ihr nicht das Publikum erreichen konntet, dass ihr erreichen wollt. Als junge Band muss man da leider ab und an durch. Zieht ihr dann professionell eure Show durch und falls ja – wie schafft ihr das?

Florian: Wir bleiben da eigentlich immer ganz cool, spielen unsere Show und fertig. Es ist klar, dass wir mit unserer Musik nicht nur auf offene Arme treffen können. Das wollten wir ja auch nie. Natürlich hatten wir auch schon Auftritte, bei denen die Leute vor der Bühne gar nichts mehr gecheckt haben oder plötzlich vor der Bühne sitzen bei irgendeinem Festival draußen. Dann nutzt man die Chance einfach und versucht denen im Sitzen in den Arsch zu treten und trotzdem eine geile Show abzuliefern. Das kennt wahrscheinlich jede Band. Da muss man dann einfach locker bleiben und machen.

minutenmusik: Ihr gebt euch auf der Bühne und auf euren Social-Media-Plattformen sehr konsequent und selbstsicher. Ist es dennoch schon vorgekommen, dass ihr auf euer Alter (die Jungs sind 17 und 18 Jahre alt) reduziert worden seid? Falls ja, wie geht ihr dann damit um?

Daniel: Ne, das ist tatsächlich bis jetzt so rübergekommen wie wir es wollten, nämlich, dass die Leute die Musik eben gut finden und das Alter dann vielleicht noch ein kleiner Bonus ist. Auf den Shows merkt man aber manchmal, dass, wenn da ältere Leute sind, die nicht so richtig abgehen. Ich fände das aber wahrscheinlich auch komisch, wenn dann Leute auf der Bühne spielen, die eben 30 Jahre jünger sind als ich. Aber uns so richtig aufs Alter reduziert hat uns noch niemand.

Florian: Ich glaube, weil wir eben nicht darauf abzielen, ist das auch einfach egal. Weil es uns auch egal ist. Vielleicht stecken wir die Leute damit an. Aber selbst wenn: Das Alter ist ja auch nur eine Zahl. Wir sagen ja auch nicht „Das Publikum ist uns zu alt“ oder so.

minutenmusik: Bei älterem Publikum ist das glaube ich auch einfach so, dass eher zugehört und von Hinten geschaut wird, als jetzt großartig abzugehen.

Florian: Das ist aber auch cool. Wir hatten zum Beispiel in Berlin ein wahnsinnig aufmerksames Publikum, dass auch einfach nur zugehört hat. Das ist auch geil.

minutenmusik: Da ihr das selber alles erst vor nicht allzu langer Zeit durchgemacht habt: Habt ihr irgendwelche Tipps an junge und neue Bands aus der lokalen Szene herauszukommen und vielleicht auch einen Plattendeal zu kriegen?

Florian: Jede Chance mitnehmen, die man kriegt! Wir haben auch ohne Ende Bandcontests gespielt, das ist auch geil, wenn man spielen will. Sich vor allem Gedanken machen wie die Auswirkung sein soll und welche Schritte als nächstes kommen sollen. Dann jeden Schritt mitnehmen und keinen Schritt irgendwie überspringen wollen, das heißt nicht zu schnell wachsen wollen. Und natürlich Musik geil finden und eben nicht berühmt sein geil finden. Man sollte natürlich auch Spaß dadran haben. Wenn man da Spaß dran hat, kann man das auch acht Jahre machen ohne wahnsinnig berühmt zu sein. Das machen wir genau noch so. Das ist ja auch der Sinn daran.

minutenmusik: Um das Ganze noch ein wenig abzurunden, wollen wir jetzt zum Schluss mal ein paar kontroversere Fragen stellen.

Florian: Ok!

minutenmusik: Wer braucht Van Holzen?

Florian: Die Welt des Rocks! Quasi Deutschland braucht Van Holzen, weil der Rock wieder zurück kommen muss. Alle, die gerade Hip Hop sterben sehen, wollen jetzt hoffentlich unbedingt Rock hören. Und dann kommen Van Holzen!

minutenmusik: Van Holzen sind besser als andere Bands, weil…?

Florian: Weil wir versuchen so viel Energie es nur geht von der Bühne zu bündeln und straight sind und unser Ding machen – ohne viel Schnick Schnack. Und weil wir natürlich nicht versuchen irgendwas mit dem Computer zu komplizieren.

minutenmusik: Zu guter letzt: Die große Schwäche von Van Holzen ist…?

Daniel: Im Tourbus zu lernen. Das ist bis jetzt die große Schwäche.

minutenmusik: Das ändert sich dann ja hoffentlich bald, wenn ihr mit eurem Abi durch seid.

Florian: Wenn sich das nicht bessert, dann ist das wahrscheinlich nicht bald vorbei. Dann fängt das bald von vorne an. (lacht)

minutenmusik: Dann kommt da noch eine Extrarunde dran. Das wars auch schon. Vielen Dank für das Interview und jetzt guten Hunger.

Florian: Ja vielen Dank und dir auch!

Und so hört sich das an:

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Interview über die Band und ihre Geschichte.

Konzertbericht über das Konzert in Greven.

Konzertbericht über den Gig der Release-Tour in Köln.

Foto von Jaro Suffner.