Mehr Ronan, weniger Boyzone – Ronan Keating live beim Lüneburger Kultursommer

Für einige Ronan-Keating-Fans begann der Konzerttag bereits in den frühen Morgenstunden. Um 9 Uhr standen die ersten bereits vor der Location Schlange, um sich einen der besten Plätze in der Warteschlange zu sichern. Als sich schließlich die Türen öffneten, war es mit der Geduld vorbei: Was zuvor noch eine lange Schlange gewesen war, verwandelte sich in einen Sprint Richtung Bühne. Das Ziel war klar – möglichst weit nach vorne, am besten in die erste Reihe.

Die Szenen vor dem Einlass machten eines deutlich: Die Begeisterung für Ronan Keating ist auch nach all den Jahren ungebrochen.

Eine neue Setlist – aber wie neu?

Im Vorfeld war eine neue Setlist angekündigt worden. Tatsächlich gab es im Vergleich zum vergangenen Jahr drei Änderungen: Neu ins Programm kamen Best Night of Our Lives, das bereits beim letzten Boyzone-Konzert in London zu hören war, sowie This I Promise You und Falling Slowly.

Gerade This I Promise You erwies sich für mich als einer der stärksten Momente des Abends. Der akustische Song passte hervorragend in die Show und zeigte gleichzeitig, wie viel Potenzial in Ronans Stimme steckt.

Denn genau hier liegt für mich der Knackpunkt: Die drei neuen Songs brachten zwar Abwechslung, veränderten den Charakter der Setlist insgesamt aber nur wenig. Viele der bekannten Favoriten blieben bestehen – von Life Is a Rollercoaster über Baby Can I Hold You und You Needed Me bis hin zu If Tomorrow Never Comes, No Matter What und Love Me for a Reason.

Was weiterhin fehlte, waren vor allem Songs von seinen neueren Alben. Gerade hier hätte ich mir mehr Mut gewünscht. Wenn eine neue Setlist angekündigt wird, erwartet man als Fan schließlich nicht nur ausgetauschte Songs, sondern auch neue musikalische Akzente.

Zwischen Boyzone und Ronan Keating

Natürlich ist es nachvollziehbar, dass die großen Boyzone-Hits weiterhin einen festen Platz in Ronans Leben haben. Boyzone ist ein wichtiger Teil seiner Geschichte.

Für viele Fans sind Songs wie Words, No Matter What, Love Me for a Reason, Picture of You oder A Different Beat mit persönlichen Erinnerungen verbunden. Sie sorgen zuverlässig für die großen Mitsingmomente und gehören für viele untrennbar zu Ronans Karriere. Diese Songs werden deshalb auch weiterhin ihren Platz in seinen Konzerten haben.

Trotzdem würde ich mir wünschen, dass die Vergangenheit nicht dauerhaft mehr Raum einnimmt als die Gegenwart. Boyzone hat Musikgeschichte geschrieben. Aber auch Ronan Keatings Solokarriere hat längst ihre eigene Geschichte – und genau diese Gegenwart könnte auf der Bühne noch stärker zum Leben erweckt werden.

Denn Ronan Keating ist längst mehr als Boyzone.

Seine Solokarriere bietet genügend Material, um einen Konzertabend stärker als Reise durch sein eigenes musikalisches Schaffen zu gestalten. Gerade deshalb ist es schade, dass seine neueren Alben und Songs weiterhin so wenig Raum bekommen. Die angekündigte neue Setlist hätte die Chance geboten, hier einen anderen Schwerpunkt zu setzen.

Musikalisch überzeugend

Musikalisch gab es an diesem Abend dennoch wenig auszusetzen. Besonders die akustischen Momente konnten überzeugen. Ronan wirkte präsent und gut gelaunt, und auch die Stimmung auf der Bühne und bei den Fans war spürbar gut.

Songs wie Falling Slowly, This I Promise You oder The Way You Make Me Feel konnten dadurch ihre Wirkung entfalten. Auch One More Song, Best Night of Our Lives, Last Thing on My Mind, Nothin‘ at All und The Going Gets Tough sorgten dafür, dass der Abend immer wieder zwischen ruhigeren Momenten und den großen Mitsingnummern wechselte.

Und natürlich durfte zum Ende auch Life Is a Rollercoaster nicht fehlen.

Das neue Album – irgendwann?

Eine Nachricht dürfte für viele Fans allerdings besonders interessant gewesen sein: Ronan erzählte, dass er im kommenden Jahr wiederkommen möchte – und dann hoffentlich endlich sein neues Album mit im Gepäck hat.

Darauf warten viele Fans inzwischen schon ziemlich lange. Bereits vor zwei Jahren hatte Ronan ein neues Album angekündigt. Bis heute lässt es allerdings auf sich warten.

Umso größer dürfte die Vorfreude sein, wenn es tatsächlich im kommenden Jahr so weit sein sollte. Denn neues Material würde nicht nur die Setlist erweitern, sondern auch die Chance eröffnen, Ronans Live-Shows musikalisch wieder etwas neu zu denken und seiner Solokarriere auf der Bühne mehr zu geben.

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Fazit

Der Abend hatte seine starken Momente. Die Akustik war top, Ronan wirkte gut gelaunt und präsent, und das Publikum war mit sichtbarer Begeisterung dabei. Besonders die akustischen Songs zeigten, dass auch abseits der großen Klassiker viel Potenzial in Ronans Solomaterial steckt.

Trotzdem bleibt bei mir das Gefühl, dass hier noch mehr möglich gewesen wäre. Drei neue Songs machen eine Setlist für mich noch nicht wirklich neu – vor allem dann nicht, wenn die Songs der jüngeren Alben weiterhin außen vor bleiben.

Gerade bei einem Künstler mit einer so umfangreichen Solokarriere würde ich mir deshalb für die nächste Tour vor allem eines wünschen: mehr von Ronan Keating heute – und etwas weniger von Boyzone damals.

Mehr von seiner eigenen musikalischen Entwicklung.

Mehr Songs aus seiner Solokarriere. Und vielleicht – wenn es endlich so weit ist – ein neues Album, das nicht nur angekündigt wird, sondern tatsächlich seinen Weg auf die Bühne findet.

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