Ahzumjot – Raum

Ahzumjot - Raum

Gute Konzeptalben sind im deutschen Hip-Hop rar. Viele Veröffentlichungen haben, obwohl als Album betitelt, letzten Endes dann doch „nur“ Mixtape-Charakter. Das liegt nicht selten am fehlenden Hörfluss, an nicht vorhandenen, sich durch alle Tracks ziehende, markanten Eckpfeilern, an zu wenig Variation. Das ist vor allem deshalb schade, weil Sprechgesang auch fernab von „Fick-Deine-Mutter“-Parts Platz für Progressivität und Vision bieten kann. Ahzumjot, bürgerlich Alan Julian Asare-Tawiah, aus Hamburg scheint dies verinnerlicht zu haben. „Raum“ heißt seine neueste Veröffentlichung, ein Playlist-Album, das nicht nur durch seine Release-Strategie auffällt.

In Zeiten von Spotify, Apple Music und co. nutzen immer weniger Menschen konventionelle Musikformate. Vor allem Playlisten stehen seit einiger Zeit hoch im Trend. Ahzumjot, der mittlerweile labelunabhängig agiert, nutzte diese Beschaffenheit für seinen Vorteil und veröffentlichte die Songs jeweils, sobald die Arbeiten an diesen abgeschlossen waren. So wuchs das Album nach und nach und die Fans konnten mitverfolgen, wie sich das Gesamtwerk letzten Endes puzzlegleich zusammensetzte. Das 19 Stücke umfassende Werk auf diese Strategie zu reduzieren, würde der Platte jedoch nicht gerecht werden. Dafür ist der rote Faden, der sich von vorne bis hinten durch das Album zieht, zu stringent.

Was ist der „Raum“? Ahzumjot produziert seine Songs bis auf einige Ausnahmen in Eigenregie. Als kreativer Rückzugsort dient ihm ein Zimmer in seiner Wohnung, das er nur für seinen künstlerischen Output nutzt. Das Album fasst zusammen, wo der mittlerweile Wahlberliner in den Jahren 2017 und 2018 kreativ steht. Wie viel Ideen nur aus dem 28-jährigen heraussprudeln zeigt der vielseitige, aber doch sehr stimmige Sound des Albums. Hier dürfen die Stücke flüssig ineinander über gehen, das Intro mit sphärischen Synthie-Sounds die etwas knalligeren ersten Tracks einleiten oder Beats zum letzten Viertel einen unerwarteten Twist nehmen, wie in „Milch“. Auch vor Interludes, wie dem housigen „Fil1 Cutoff 16 Hz“, oder zurückgelehnteren Stücken („Bibel“) schreckt man nicht zurück. Im „Raum“ setzt sich Ahzumjot keine kreativen Grenzen.

Auch in seinen Texten verweist Asare-Tawiah auf seine stille Kammer. Immer wieder kommt das Motiv im Laufe der langen 70 Minuten, die das Album andauert, vor. Ansonsten drehen sich die Songs des Rappers um das Fallen und wieder Aufstehen, Erfolg und Neid, Liebe und Hass. Das ist inhaltlich vielleicht nicht sonderlich innovativ – was ist das aber heutzutage schon noch? – wird durch regelmäßige persönliche Verweise und die musikalische Genialität jedoch komplett ausgeglichen. Im Hinblick auf die Soundästhetik ist Ahzumjot der deutschen Rap-Landschaft nämlich um Meilen voraus. Eine weitere Dimension fügen ebenfalls die tollen Artworks, die von der Berliner Kreativwerkstatt 27_Bucks stammen, hinzu.

„Raum“ ist ein modernes Meisterwerk, dessen Gesamtwirkung sich erst als Ganzes entfaltet, auch wenn das Veröffentlichungskonzept interessante Einblicke in seine Entstehung gab. Fehlt es im Rap oft an Konzept, rotem Faden und Gesamtheit, so bringt Ahzumjot diese drei Dinge mit Leichtigkeit zusammen und nimmt den Hörer mit in seine Rap-Landschaft zwischen DIY-Spirit und Nebenjobs. Dabei lässt er viele seiner Kollegen ganz schön doof aussehen, wenn sie noch immer mit frauenverachtenden, homophoben Texten und mittlerweile ausgelutscher Body-Builder-Attitüde in die Charts einsteigen. Das hat Ahzumjot gar nicht nötig. Über die Major-Landschaft ist er lange hinweg. Die Szene selber profitiert davon nur. Lange gab es keinen derart talentierten, zukunftsorientierten und frischen Künstler im deutschen Hip-Hop. Das darf die breite Masse jetzt gerne auch mal verstehen.

Und so hört sich das an:

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Ahzumjot live 2018:

08.05. – Hannover, Mephisto
10.05. – München, Strom
11.05. – Stuttgart, Universum (hochverlegt!)
12.05. – Frankfurt, Zoom
13.05. – Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld (ausverkauft!)

Die Rechte für das Cover liegen bei Ahzumjot / 27_Bucks.

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