Als er es aussprach, musste er selbst kurz lachen. Man habe viele Stücke des neuen Albums „Wormslayer“ mit dabei und zusätzlich Stücke, die wir aus unserer Kindheit kennen würden. Ein Blick in die Historie: Tatsächlich ist es inzwischen 30 Jahre her, dass Kula Shaker mit „K“ ihr Debütalbum veröffentlicht haben, und ja, viele der an diesem Abend Zuschauenden dürften damals Kinder gewesen sein. Der Autor dieser Zeilen inklusive – allerdings ohne als Kind wirklich Kula Shaker gehört zu haben … Aber ob Fan der ersten Stunde oder mit den Jahren Dazugekommener: Sie sind dabeigeblieben. Und so kam es, dass im Technikum der Zettel zu sehen war: „Vielen Dank für eine ausverkaufte Show!“
Davon profitierten als Opener auch bereits The Dream Machine, die ein dankbares Publikum an diesem Abend für ihren Headliner aufwärmen durften. Direkt mit dem Opener „Too Stoned To Die“ legten sie gut los und zeigten, dass nicht nur optisch eine Spur 70s mit im Spiel ist, sondern auch in den Klängen. Diese Mischung aus Britpop und 70s-Charme kam direkt gut an und es war Bewegung zu sehen im bereits gut gefüllten Haus. Prototypisch für diesen Sound war auch die schleifende Orgel in „Julie On The Rocks“, das in seiner Verfangenheit auch das Publikum gut mit einfing. Obwohl die Band zwischen den Songs nicht gerade viele Worte verlor, wirkte das Ganze sehr sympathisch. Das merkte man auch nach dem starken Schlusspunkt mit „Children, My England“, als sie bereitwillig Setlisten herausgaben, sich beim Abbauen mit dem Publikum unterhielten und Handshakes verteilten. Ein würdiger Opener, der hier gut anheizen konnte.
Setlist The Dream Machine:
01. Too Stoned To Die
02. Three Eyed Dog
03. Julie On The Rocks
04. Daddy Rollin‘ (In Your Arms)
05. Cindy’s Eyes
06. The First Bird
07. Children, My England
Wenig später musste man dann schon ein wenig schmunzeln. Einfach, weil Klischees manchmal auch irgendwoher kommen. Als es aus Richtung Bühne begann, nach Räucherstäbchen zu riechen, wusste man: Kula Shaker betreten gleich die Bühne. Gedacht, kurz abgewartet und dann war es so weit: Die Band kam mit psychedelischen Projektionen im Hintergrund auf die Bühne und eröffnete mit „Lucky Number“ vom neuen Album „Wormslayer“. Eine gute Wahl, denn es ist nicht nur ein neuer Song, sondern präsentiert gleich die psychedelischen Aspekte, den indischen Touch und den Britpop, der die Band seit „K“ ausmacht. Gefolgt von „Good Money“, das an zwei Stellen andockt: dem (an dieser Stelle noch nicht ausgesprochenen) eingangs erwähnten Zitat und der Britpop-Geschichte. Im entspannt trabenden „Good Money“ begegnete ein Riff, das bekannt vorkam und sich als „Fool’s Gold“ von den Stone Roses entpuppte. Wo wir wieder bei der Kindheitsreferenz wären.
Überhaupt: Da ist die starke Musik, die nach all den Jahren nichts von ihrer Wirkung verloren hat, aber auch ein Sänger Crispian Mills, der wirklich sympathisch rüberkommt und mal einen Schwank aus der Bandgeschichte erzählt. Wie vor „Shower Your Love“, als er erzählt, dass das Stück ursprünglich mal für „K“ geplant war, aber dann erst einige Jahre später auf „Peasants, Pigs & Astronauts“ erschien. Ein sehr umjubeltes Stück an diesem Abend übrigens. Wobei man ergänzen sollte: wie so viele! Und dabei nie um eine Message verlegen, wie in „Idon’twannapaymytaxes“, das mit seiner Zeile „I don’t wanna pay for World War Three“ leider sehr nah am aktuellen Weltgeschehen ist.
Dass mit dem Titeltrack des aktuellen Werks „Wormslayer“ der Abend endet, war natürlich vorhersehbar falsch. Dazu war die Stimmung zu gut – und es fehlten noch ein paar Hits. Diese kamen dann in der Zugabe. Ohne Titel wie „303“, „Tattva“ und „Hush“ wollte keiner gehen, Band inklusive. Erst nach einem ausufernden „Govinda“ endete der Konzertabend. Ein sehr gelungener, der zurecht das „Ausverkauft“-Schild an der Tür trug.
Ein Blick in das sich gen Ausgang und Garderobe bewegende Rund: eine Menge zufriedener Gesichter. Übrigens auch beim teilweise sehr jungen Publikum, das an diesem Abend samt Eltern dort war. Und wie cool wäre es denn, in einigen Jahren erzählen zu können, man habe in der Kindheit Songs von Kula Shaker gehört?
Setlist Kula Shaker:
01. Lucky Number
02. Good Money
03. Charge of the Light Brigade
04. Broke as Folk
05. Natural Magick
06. Idon’twannapaymytaxes
07. Infinite Sun
08. Shower Your Love
09. Grateful When You’re Dead / Jerry Was There
10. Be Merciful
11. The Winged Boy
12. Day For Night
13. Wormslayer
14. 303 (Z)
15. Tattva (Z)
16. Hush (Joe South Cover) (Z)
17. Govinda (Z)
Und so hört sich das an:
Website / Facebook / Instagram
Die Rechte an den Bildern liegen bei Marius Meyer.
* Affiliate-Link: Du unterstützt minutenmusik über deinen Einkauf. Der Artikel wird für dich dadurch nicht teurer.























