Zwischen innerem Kind und großer Bühne: Himitzu im Gespräch

Himitzu

Wenn eine Band als Support-Act auf Tour geht und Fans ihr von Stadt zu Stadt folgen, obwohl gerade erst das Debüt erschienen ist, dann spricht das für sich. Genau das ist Himitzu gelungen, die jüngst Vinta begleitet haben. Wir konnten uns in München selbst ein Bild machen und haben im Anschluss per Mail nachgehakt: über die Tour, das Debüt „Exhale The Past // Inhale The Future“ und die Geschichten dahinter. Sängerin Marisa stand uns Rede und Antwort.

minutenmusik: Ihr seid vielleicht noch nicht allen Lesern bekannt. Daher zunächst gefragt: Wer ist Himitzu?

Marisa: Wir sind eine vierköpfige Band, bestehend aus Louis (Schlagzeug), Amy (Bass/Synth), Kamil (Gitarre) und Marisa (Gesang) und machen „Dark Alternative Rock“.

minutenmusik: Euer Sound wird gern beschrieben als „im Spannungsfeld von Alternative Rock, Dark Pop und elektronischen Elementen“. Würdet ihr zustimmen? Oder wie würdet ihr euren Sound beschreiben?

Marisa: Ja absolut, das beschreibt es eigentlich ziemlich genau. Ist auch für uns immer schwer, genau zu benennen, was wir jetzt für eine Musikrichtung machen. Es ist auf jeden Fall von allem etwas.

minutenmusik: Vor wenigen Tagen ist eure Tour gemeinsam mit Vinta zu Ende gegangen. Zunächst einmal: Wie kam es zur Tour mit Vinta?

Marisa: Wir waren schon bevor Vinta überhaupt von uns wusste, große Bewunderer. Irgendwann hat Bünyamin, deren Soundtechniker, uns dann spontan für eine Show gemischt und so kam das dann nach und nach zustande.

minutenmusik: Jetzt natürlich die eigentlich wichtige Frage zur Tour: Wie war’s? Wie habt ihr die Shows empfunden? Support-Sein kann ja auch schon mal ungemütlich sein.

Marisa: Es war mit Abstand einer der intensivsten und schönsten Erfahrungen, die wir je gemacht haben und hat uns noch mal mehr zusammengeschweißt. Es waren so viele Menschen für uns da, wirklich in jeder Stadt. Besonders wurde es dann mit Vinta zusammen, die haben diese Tour für uns so einzigartig gemacht, weil wir uns alle untereinander sehr wertschätzen und uns gegenseitig feiern. Nicht nur krasse Musiker, sondern auch die liebsten Menschen.

minutenmusik: Gibt es bestimmte Highlights oder Lowlights, an die ihr euch erinnert?

Marisa: Es gibt nur Highlights! Die Tour-Pranks und die Fan-Überraschungen zählen auf jeden Fall dazu. Irgendwann gab es mitten in unserem Song „Holy Water“ ein selbstgebasteltes Blumenmeer, organisiert von unseren Fans, das war extrem emotional. Das einzige Lowlight war das Ende der Tour, glaub wir hätten alle noch mal ‘ne Woche spielen können.

Himitzu

minutenmusik: Nun habt ihr auf Tour euer Debüt-Album „Exhale The Past // Inhale The Future“ präsentiert. Ein erster Blick geht auf den Titel: Wofür steht er? Einfach ein schöner Titel oder zieht es sich als Motiv durch das Album?

Marisa: Der Titel zieht sich definitiv durch das gesamte Album. Es bedeutet, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und das Neue, Ungewisse anzunehmen und daran zu wachsen. Auf dem gesamten Album geht es um das Thema Heilung und dass „über sich hinaus zu wachsen“ auch teilweise weh tun kann. Denn Heilung verläuft nicht immer geradlinig, denn manchmal muss man auch zwei Schritte zurückgehen, um danach einen Schritt nach vorn zu gehen.

minutenmusik: Wann hat der Prozess begonnen, das Album zu schreiben und gab es im Prozess eines oder mehrere Schlüsselerlebnisse, durch die es Gestalt annahm?

Marisa: Ursprünglich war dieses Album als EP geplant. Aber während dem Prozess haben wir gemerkt, dass wir viel mehr zu sagen haben und so haben wir noch drei weitere Songs geschrieben. Rückblickend war dies die absolut richtige Entscheidung.

minutenmusik: Ihr habt auf der Bühne gesagt, der wichtigste Track sei „Hum4n 3rr0r“. Warum ist er für euch am wichtigsten?

Marisa: Dieser Song ist für uns einer der wichtigsten Songs, weil er unsere ganz klare Haltung widerspiegelt. Nämlich, dass kein Mensch illegal ist, jeder Mensch und jede Person so wie sie ist, richtig ist, und sich nicht an gesellschaftliche Konformität anzupassen hat. Darüber hinaus signalisieren wir auch ganz klar, dass bei uns Nazis oder anders intolerante und Menschen verachtende Personen bei unseren Shows nicht willkommen sind.

minutenmusik: Eröffnet wiederum wird das Album von „Little Girl“? Wer ist die Dame, die hier thematisiert wird?

Marisa: Der Song ist nach meiner Therapiesitzung entstanden, wo es um mein inneres Kind ging. Das „kleine Mädchen – Little Girl“, welches einfach nur geliebt und gesehen werden will. Und ich denke, dass sich viele Menschen damit identifizieren können. Und da ich weiß, wie schnell man sich in unserer heutigen Gesellschaft verloren fühlt, wollte ich einen Song schreiben, der das „gehört und gesehen werden“ suggeriert.

minutenmusik: „Haunted“ fiel mir ebenfalls auf. Könnt ihr sagen, worum es hier geht?

Marisa: Das gesamte Album bezieht sich auf das Thema „Heilung“ und dass diese leider nicht einfach nur „gerade aus“ ist. Bei „Haunted“ hattet ich z.B. eine sehr gute Phase, in der ich viel hinter mir lassen konnte. Viele „Aha“-Momente, wenn man so will. In der Zeit ist dieser Song entstanden.

Himitzu

minutenmusik: Ebenfalls fiel mir „Treat me bad“ auf. Woher rührt dieser „Wunsch“, schlecht behandelt zu werden?

Marisa: „Treat me bad“ soll natürlich nicht aussagen, dass ich oder wir schlecht behandelt werden wollen. Sondern es geht vielmehr darum, dass man sich selbst, in dem Fall ich, mich oft schlecht behandle. Ich bin oft sehr streng und teilweise auch verletzend zu mir selber und ich weiß, dass es vielen genau so geht wie mir. Dinge, die ich mir selber sage, würde ich niemals zu den Menschen sagen, die ich liebe. Und „like I’m no ones daughter“ soll aussagen, dass ich ja jemandes Tochter bin und meine Eltern das bestimmt verletzen würde, würden sie wissen, wie schlecht ich teilweise mit mir umgehe.

minutenmusik: Wenn wir das Album wieder als Ganzes betrachten: Wie habt ihr die Reaktionen darauf empfunden?

Marisa: Die Reaktionen waren wahnsinnig ehrlich und mitfühlend, das kann man ganz klar so sagen. Vor allem weil wir vielen Menschen aus der Seele „geschrieben“ haben. Es kamen unglaublich viele Menschen nach unseren Shows zu uns und haben uns dafür gedankt, dass sie sich gehört und sicher bei uns fühlen. Und genau das wollten wir am Ende damit erreichen.

minutenmusik: Neben dem Album habt ihr kürzlich auch an der Compilation „Blind Date“ mitgewirkt und ein Stück mit Chiefland und Watch Me Rise aufgenommen. Wie war die Zusammenarbeit?

Marisa: Die Zusammenarbeit war super spannend und angenehm. Wir fanden dieses Projekt von Anfang an mega interessant und haben das so in der Form auch noch nie selber gemacht. Es hat auf jeden Fall großen Spaß gemacht und es ist was super Schönes entstanden.

minutenmusik: Nun haben wir über das Album und die Tour gesprochen. Gibt es schon Aussichten, was es dieses Jahr von euch noch zu erwarten gibt? Evtl. eine Headliner-Tour? Weitere Veröffentlichungen?

Marisa: Wir haben dieses Jahr einige coole Festival- und Support-Gigs, da freuen wir uns schon riesig drauf. Starten werden wir mit dem geliebten EselRock in Wesel. Da wird ein kleiner Traum wahr. Ansonsten ist ein bisschen was geplant, darüber können wir aber noch nicht genau sprechen. Ich denke, zum Spätsommer hin werden wir uns an neue Songs setzen. Ansonsten sind wir allgemein sehr gespannt und freuen uns auf dieses Jahr.

minutenmusik: Zum Abschluss ein kurzer Blick in die Glaskugel: Wo seht ihr Himitzu in zehn Jahren?

Marisa: Hoffentlich gesund und munter auf Bühnen. <3

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Die Rechte an den Bildern liegen bei Marla Wippich.

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